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Freier Player für Flash-Movies

01.01.2008
Filme und Animationen im Flash-Format sind aus dem Web nicht mehr weg zu denken. Mit Gnash unternimmt die FSF nun einen vielversprechenden Anlauf, einen freien Player für Linux und BSD zu entwickeln.

Das so genannte Small Web Format oder Shockwave-Flash-Format hat sich längst als Standard für Multimedia-Inhalte im Internet fest etabliert. Nicht nur Nutzer von Video- oder Fernsehplattformen, wie Youtube oder Lulu.tv, kommen in den Genuss von Flash-Filmen: Auch im Bereich der professionellen Multimedia-Lehrmittel erfreut sich das Format rasant wachsender Beliebtheit. So verbreiten inzwischen viele Institute und Organisationen Lehrfilme zu verschiedensten Themen nicht mehr auf profanen VHS-Videokassetten, sondern als Flash-Animationen im Internet oder auf einem Datenträger.

Zudem schätzen Webdesignern das ursprünglich von Macromedia entwickelte Format, weil es grafisch aufwendige Animationen zum optisch ansprechenden Gestalten von Websites bietet. Durch seine Streaming-Fähigkeiten eignet sich das Flash-Format zudem bestens für schmalbandige Internetzugänge, ohne dass – wie beim Download herkömmlicher Filme – lange Wartezeiten auf den Start der Animation oder des Videos anfallen.

Diese auf die Bedürfnisse des Internetzeitalters abgestimmten technischen Eigenschaften verhalfen Flash rasch zum Durchbruch. Allerdings hat das Format einen gravierenden Nachteil: Als proprietäre Software steht es nicht frei zur Verfügung, die weitere Entwicklung liegt einzig und allein in Händen des Herstellers Adobe.

Flash im Browser

Die mit Abstand am weitesten verbreitete Software zum Abspielen von Flash-Animationen stammt daher ebenfalls von Adobe und ist ausschließlich als Plugin für verschiedene Webbrowser realisiert, nicht als Stand-Alone-Player. Dies bringt den Nachteil mit sich, dass beispielsweise Lehrfilme stets im Webbrowser laufen müssen. Adobe bietet seinen Flash-Player auch für Linux in verschiedenen Varianten zum kostenlosen Download an [1]. Das Plugin eignet sich für den Einsatz mit den gängigen auf Mozilla basierenden Browsern, wie Firefox und Seamonkey, aber auch für Opera.

Um unter Linux in den Genuss eines freien Flash-Player zu gelangen, hat die Free Software Foundation das Gnash-Projekt ins Leben gerufen [2]. Dessen Name setzt sich, wie man unschwer erraten kann, aus den Komponenten "GNU" und "Flash" zusammen. Der freie Gnash-Player soll nicht nur als Plugin für gängige Webbrowser die gleiche Funktionalität bieten wie der Adobe-Player, sondern obendrein als eigenständige Stand-Alone-Applikation auch den Einsatz von Flash-Filmen beispielsweise im Bildungsbereich vereinfachen.

Die Software befindet sich noch im Alpha-Status, die Entwicklung schreitet jedoch zügig voran. Entsprechende Quellarchive und die Dokumentation in verschiedenen Formaten stehen im Web [3] bereit. Das Kompilieren aus den Quellen ist aufgrund der vielen Abhängigkeiten selbst für versierte Linux-Anwender alles andere als trivial. Erfreulicherweise steht Gnash inzwischen jedoch in Binärpaketen für nahezu alle wichtigen Distributionen und deren Derivate bereit [4].

Neben dem eigentlichen Archiv müssen Sie noch die Bibliotheken Libgnash0 und Libgtkglext1 herunterladen, um die Abhängigkeiten zu erfüllen. Möchten Sie den Gnash-Player auch als Plugin für die großen Browser einsetzen, installieren Sie zusätzlich noch das Paket mozilla-plugin-gnash auf Ihrem System.

Nach der Installation befindet sich unter Gnome im Menü Anwendungen | Unterhaltungsmedien ein neuer Eintrag Gnash SWF Viewer. Klicken Sie auf diesen Menüeintrag, passiert zurzeit noch gar nichts. Wählen Sie jedoch über einen Rechtsklick auf eine lokal abgespeicherte SWF-Datei Gnash als Player aus, öffnet sich ein spartanisch ausgestattetes Fenster, in dem die Software die Datei abspielt.

Bislang bedienen Sie Gnash ausschließlich mit einem Klick der rechten Maustaste im Programmfenster. Damit steuern Sie Vor- und Zurückspulen des Films sowie die gängigen Funktionen Start/Stop, Pause, Schließen und Beenden. Ein Menü existiert derzeit noch nicht.

Funktionalität

Im Test hinterließ der freie Flash-Player noch einen zwiespältigen Eindruck: Während das Browser-Plugin ohne Probleme verschiedene Beispiel- und auch Videodateien von Youtube problemlos abspielte, wollte der Stand-Alone-Player keine der herangezogenen Flash-Animationen fehlerfrei verarbeiten (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Fische fühlen sich auch bei Gnash im Browser sichtlich wohl.

Hier kam es entweder zu fehlerhaften visuellen Darstellungen, oder aber der Ton klang verzerrt oder fiel ganz aus. Die Defizite sind auf den proprietären Charakter des Flash-Formats zurückzuführen. Freie Entwickler, die einen Player für SWF-Dateien programmieren, dürfen nicht darauf hoffen, die Flash-Spezifikation vom Hersteller Adobe zu bekommen. Es bleibt nur der Ausweg, den Codec mühselig nachzubauen, was stets nur nach dem Prinzip Versuch-und-Irrtum funktioniert.

Da Adobe mit neuen Versionen des Dateiformats auch oftmals neue Technologien einführt, genügt es zudem nicht, für eine einzige Version des Flash-Formats den Codec zu entwickeln. Vielmehr sind die Programmierer gezwungen, jeden aktuellen Schritt von Adobe nachzuvollziehen. Daher bemüht sich die Free Software Foundation, mit Gnash nicht nur – wie andere Produkte – die Version 4 von Adobes Format zu unterstützen, sondern die aktuelle Version 7 in vollem Umfang zu implementieren.

Angenehm sticht bei Gnash die schnelle Anzeige der Videos im Browser-Plugin ins Auge, was auf die Streaming-Fähigkeiten des Players zurückzuführen ist. Auch die Darstellung selbst genügt höchsten Ansprüchen, denn Gnash verwendet OpenGL zur hardwareseitigen 3D-Unterstützung. Positiv bleibt ebenfalls anzumerken, dass bei den beiden getesteten Gnash-Versionen 0.7.2 und 0.8.1 keinerlei Stabilitätsprobleme auftraten. Die CPU- und GPU-Belastung hält sich ebenfalls in Grenzen.

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