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Maßanzug von der Stange

Eigene Distribution per Mausklick

01.01.2008
Mit Custom NimbleX fertigen Sie im Handumdrehen online Ihre eigene Linux-Distribution.

Die Mutter aller selbstgebastelten Linux-Distributionen stammt aus Rumänien: Bei NimbleX [1] handelt es sich um eine Kleinst-Distribution für Mini-CDs und USB-Sticks. Sie lässt sich sowohl als mobiles Büro als auch zur Systemanalyse einsetzen, ein integrierter Server erlaubt den Start des Systems über das Netz. Über die Webseite Custom NimbleX [2] können Sie sich Ihre eigene Distributionsvariante zusammenstellen.

Große Freiheit

Dass Linux ein äußerst flexibles Betriebssystem ist, zeigen die vielen Darreichungsformen des freien Systems, wie Sie es zum Beispiel auf der Internetseite Distrowatch [3] nachlesen können. Dank der nahezu unbegrenzten Konfigurationsmöglichkeiten lässt sich jede Distribution sehr genau an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Diese Freiheiten liegen nicht nur im System begründet – dazu trägt auch die nahezu unüberschaubare Zahl von Anwendungen bei, die zu jeder gängigen Distribution gehören, locker mehr als 15.000 Stück. Eine Distribution leistet dabei zweierlei: Zum einen bietet Sie Ihnen eine repräsentative und funktionale Auswahl aus diesem Pool von Applikationen. Zum anderen sorgt der Distributor dafür, dass die enthaltenen Programme optimal zueinander passen, Abhängigkeiten leicht aufgelöst werden und alle Bibliotheken vorhanden sind. Dass das mitunter ein kompliziertes Unterfangen ist, weiß jeder, der schon einmal versucht hat, Linux-Programme aus den Quellen zu installieren: Das kann klappen, muss aber nicht.

Bei Custom NimbleX übernehmen Sie die Rolle des Distributors und haben damit die Freiheit, Ihr eigenes Linux zu bauen. Glücklicherweise müssen Sie sich um die vielen Fallstricke und Irrwege aber gar nicht kümmern.

Schritt für Schritt

Starten Sie die schlicht gehaltene Webseite von Custom NimbleX, erkennen Sie gleich den dynamischen Fortschrittsbalken am oberen Rand der Seite (Abbildung 1). Er steht schon auf der 200-MByte-Marke, bevor Sie auch nur einmal mit der Maus klicken. Der Grund: Egal, wie Sie Ihre Distribution gestalten – Sie benötigen auf jeden Fall ein Grundsystem mit Kernel, Treibern, Grafikserver und derlei mehr Annehmlichkeiten.

Die Navigation auf der Seite fällt denkbar leicht: Sie klicken sich über die beiden Navigationspfeile seitenweise vor und wenn nötig zurück. Am Ende dieses Schritt-für-Schritt-Prozesses steht ein ISO-Image, das Sie auf eine CD oder DVD brennen und anschließend wie jede andere Linux-Distribution installieren oder weitergeben können.

Abbildung 1: Übersichtlich und funktional präsentiert sich die Webseite von Custom NimbleX. Am grünen Fortschrittsbalken erkennen Sie, wieviel Speicherplatz Ihre Distribution benötigt.

Aber zurück zum Anfang: Gleich nach dem ersten Klick auf den Pfeil nach rechts stehen Sie vor der ersten Entscheidung: Möchten Sie ein Minimalsystem aufsetzen, das dem Original NimbleX entspricht, ein komplett benutzerdefiniertes Custom oder eine Variante auf der Basis von Empfehlungen, Recommended? Wir entscheiden uns hier für das komplett konfigurierbare System und klicken uns weiter durch, um im nächsten Schritt Anwendungskategorien auszuwählen. Fahren Sie mit der Maus über eine solche Kategorie, lesen Sie rechts davon, welche Anwendungen sich dahinter verbergen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Übersichtlich: Schon beim Überfahren einer Kategorie sehen Sie rechts davon, welche Anwendungen Sie dort erwarten.

Haben Sie Ihre Kategorien ausgewählt, betreiben Sie im folgenden Schritt die Feinauswahl: Arbeiten Sie beispielsweise lieber mit KOffice statt mit OpenOffice, so aktivieren Sie nur das eine und lassen das andere unerwählt. Am Fortschrittsbalken oben auf der Seite erkennen Sie umgehend, wie sich Ihre Wahl auf das Volumen Ihrer Distribution auswirkt. Zählt eins der Programme zur Option Recommended, ist es entsprechend gekennzeichnet.

Nach der Auswahl der Anwendungen geht es an das Festlegen des Designs. Unter Wallpaper bietet die Webseite selbst schon eine akzeptable Auswahl (Abbildung 3). Spannend ist aber der letzte Punkt in der Reihe, Upload. Hier haben Sie die Möglichkeit, ein Hintergrundbild aus Ihrer eigenen Fotosammlung zu wählen und auf die Webseite von Custom NimbleX hochzuladen. Das Hintergrundbild wird dabei nicht gekachelt, sondern skaliert. Achten Sie also auf die richtige Größe der Vorlage, damit das Bild später nicht unscharf erscheint. Idealerweise fallen Bildgröße und Monitorauflösung identisch aus.

Abbildung 3: Das Hintergrundbild Ihres Desktops wählen Sie aus einer hinreichend großen Liste aus. Sie können aber auch eigene Bilder hochladen.

Auch die Soundeinstellungen nehmen Sie hier individuell vor. Allerdings reicht es absolut aus, die Voreinstellungen zu übernehmen – es sei denn, Sie wüssten genau, welche Werte Ihre Soundkarte hier verträgt. Im Reiter KDE Sounds schließlich wählen Sie einen Klang für den Systemstart und für das Herunterfahren aus. Sobald Sie eine Option anklicken, hören Sie, was Sie nach der Wahl erwartet.

Originalität verspricht die Option Boot audio greeting im letzten Register dieser Seite: Tippen Sie in die letzte Zeile einen individuellen Gruß (Hi bei Horst sein Linux) und klicken auf den Abwärtspfeil, um sich das Hallo mit leicht leiernder Screenreader-Stimme vorlesen zu lassen (Abbildung 4). Nett! Für lange Einführungsarien eignet sich diese Option allerdings nicht: Die Länge des Willkommens ist auf ganze 30 Zeichen begrenzt.

Abbildung 4: Originell, bei einem individuellen Linux aber kein Luxus: die persönliche Audio-Begrüßung zum Systemstart.

Im folgenden Schritt definieren Sie Root-Passwort und ein zusätzliches Benutzerkonto. Über die Auswahl der Sprache für die KDE-Benutzeroberfläche geht weiter es zu einer Zusammenfassung Ihrer Kompilation. Sowohl der grüne Fortschrittsbalken als auch die Liste zeigt Ihnen, wie viel Platz Sie für Ihre Distribution auf CD oder USB-Stick benötigen. Hier haben Sie jederzeit die Möglichkeit, in der Auswahl zurück zu gehen und die Optionen zu ändern. Bei der gängigen Speicherkapazität von USB-Sticks oder CDs wird das aber nicht nötig sein, weil Sie deren Speichergrenzen kaum erreichen werden.

Übernehmen Sie die ausgewählten Optionen und klicken auf den Ausführen-Pfeil, dann gibt es kein Zurück mehr: Die Website erzeugt in nur wenigen Sekunden Ihre fertige Distribution. Anschließend steht Ihnen für 12 Stunden ein ISO-Image Ihres Kompilats zum Download zur Verfügung. Starten Sie das Herunterladen über den Pfeil und brennen Sie das Image – fertig ist Ihr eigenes Linux.

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