Zip, zip, hurra!

Daten komprimieren mit Peazip

Für die meisten Linux-Anwender gehört die Arbeit mit Software-Archiven zum Alltag: Nahezu alle Quellpakete liegen in unterschiedlichen Archivformaten vor und müssen erst einmal entpackt werden, und auch Binärpakete bestehen aus verschiedenen, meist komprimierten Dateien. Backupdateien sind aus Platzgründen in der Regel ebenfalls komprimiert und mitunter zusätzlich verschlüsselt. Aus diesen vielfältigen Anwendungsbereichen ergibt sich die Antwort auf die Frage, warum es ausgerechnet für Linux so viele Archivierungsprogramme gibt.

Eine der vielseitigsten Applikationen zur Arbeit mit Archiven heißt Peazip [1]. Das Programm liegt derzeit in der Version 1.9.2 vor. Zwar gibt es Peazip dank der Verwendung des auf Borland Delphi basierenden Lazarus als Entwicklungsumgebung auch für Mac OS und andere Betriebssysteme, für Linux liegen jedoch die mit Abstand meisten Binärpakete vor: Neben einem RPM-Archiv sowie dem daraus abgeleiteten DEB-Binärpaket findet sich auch ein TGZ-Paket für Slackware. Für exotische Distributionen wie GoboLinux bietet Peazip zudem einen so genannten Portable Archiver, der sich unabhängig von der Dateisystemhierarchie installieren lässt. Wer seine Distribution hier immer noch nicht aufgezählt sieht, greift auf die Quellpakete des unter der LGPL lizenzierten Programms zurück.

Installation

Nach dem Download der gewünschten Pakete installieren Sie Peazip mit einem einfachen Klick auf das jeweilige Archiv. Beim DEB-Paket treten – je nach verwendeter Distribution – unter Umständen Abhängigkeitsprobleme auf, sodass Sie für Ihr System zunächst die notwendigen Bibliotheken nachinstallieren sollten. Sofern Sie einen Online-Zugang besitzen, geschieht dies aber automatisch.

Die Installationsroutine legt unter KDE einen Eintrag im Menü System | Archivierung | Backup an, unter Gnome landet Peazip im Menü Anwendungen | Systemwerkzeuge, und unter Xfce finden Sie den Packer im Menü System. Ein Klick auf das Karton-Icon von Peazip startet das Programm.

Jedenfalls prinzipiell: Bei unseren Tests mit verschiedenen Versionen von Ubuntu, Mandriva und CentOS auf unterschiedlichen Rechnern traten beim Start von Peazip durchgängig Probleme auf. Zwar meldete sich das Programm ohne Murren zum Dienst; allerdings ließen verzerrte Zeichen und fehlende Buchstaben auf Eingangsbildschirm und Arbeitsoberfläche reguläres Arbeiten zunächst kaum zu. Besserung trat erst ein, als wir Peazip deinstalliert und das vom Entwickler für Gtk in der Version 1 angebotene Paket auf den Rechner gepackt hatten. Offensichtlich verursacht das aktuelle Gtk2 unlösbare Probleme bei der bildlichen Darstellung, so dass es in diesem Falle besser ist, auf das betagtere Gtk1 zurückzugreifen.

Funktionsumfang

Schon der Eingangsbildschirm lässt erahnen, dass sich Peazip eher bei den professionellen Archivierungsprogrammen einreiht: Sowohl für das Komprimieren als auch für das Extrahieren bietet die Software eine stattliche Anzahl unterschiedlicher Formate, die das Programm gleichermaßen schreiben wie lesen kann.

Neben Standardformaten wie GZ/TGZ sowie TAR und ZIP, die Peazip vollständig unterstützt, arbeitet das Programm zusätzlich mit einem eigenen Archivierungsformat, das neben den üblichen Funktionen (Komprimierung, Authentifizierung, Verschlüsselung und Integritätscheck) auch das File-Splitting erlaubt (Abbildung 1). Mit dieser Optionsvielfalt ist es möglich, Peazip auch in professionellen Umgebungen zum Backup – etwa für die großen Datenmengen kompletter Volumes – zu nutzen. Probleme verursachte in unseren Tests das TAR.BZ2-Archivformat, mit dem Peazip out-of-the-box nicht zurechtkommt. Da dieses Format gerade unter Linux recht weit verbreitet ist, besteht hier noch Nachholbedarf in Sachen Kompatibilität. Auch solche Archive, die nicht mit dem unter Linux üblichen UTF-8-Zeichensatz zusammenarbeiten, können Schwierigkeiten verursachen: Hier empfiehlt es sich, den Zeichensatz temporär entsprechend zu ändern.

Abbildung 1

Abbildung 1: Für jeden ist was dabei: Peazip beherrscht viele gängige Archivformate.

Zwar lassen sich sämtliche Funktionen von Peazip über die Kommandozeile steuern; allerdings präsentiert sich die mitgelieferte Benutzeroberfläche so intuitiv, dass Sie dort alle wichtigen Funktionen mit wenigen Mausklicks erledigen. Deshalb dürfte selbst eingefleischten Freunden der Kommandozeile die grafische Oberfläche von Peazip mehr Spass bereiten.

Das Bedienen der Software erfolgt zum größten Teil über Schaltflächen im oberen Bereich des Arbeitsfensters. Hier können Sie per Mausklick Archive anlegen, zusammenstellen, verändern, löschen, oder einfach nur einsehen. Ein Klick mit der rechten Maustaste ins Hauptfenster öffnet zudem das Kontextmenü, in dem Sie die wichtigsten Funktionen nochmals übersichtlich präsentiert finden. Möchten Sie sich hier beispielsweise den Inhalt ausgewählter Ordner anzeigen lassen, wählen Sie Open with | associated application, um ein Archiv entweder mit Konqueror, Dolphin, Nautilus oder Thunar zu öffnen (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Über die gute Benutzeroberfläche sowie das Kontextmenü lässt sich Peazip sehr schnell und intuitiv bedienen.

Die Feineinstellungen von Peazip nehmen Sie über die vier Reiter direkt unterhalb der Schaltflächen im Hauptfenster vor: Hier legen Sie zum Beispiel im zweiten Reiter (Options) die notwendigen Angaben zu Komprimiermethode, Verschlüsselung und Authentifizierung fest (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: Über die Reiter von Peazip stellen Sie die Optionen des Programms – hier etwa zu Kompression und Verschlüsselung – ein.

Sowohl nach dem Anlegen eines Archivs als auch nach dem Extrahieren eines bereits vorhandenen Pakets liefert Peazip anschließend aussagekräftige Berichte ab, die gleichermaßen in alphanumerischer Form (Abbildung 4) wie in grafisch aufbereiteter Gestalt (Abbildung 5) den Erfolg und Status des jeweiligen Arbeitsschritts zeigen.

Abbildung 4

Abbildung 4: Peazip liefert beim Packen und Entpacken einen Statusbericht ab.

Abbildung 5

Abbildung 5: Der grafische Report über die Aktivitäten von Peazip.

Gerade bei einer großen Archivdatei, die es auf mehrere Datenträger aufzuteilen gilt, bietet sich das Splitten in mehrere kleine Dateien an. Für diese Aufgabe definiert Peazip bereits etliche gängige Formate (Abbildung 6). So zerlegen Sie die Archivdaten in passende Häppchen, die Sie anschließend als Teilarchive auf die benötigte Anzahl Datenträger abspeichern.

Abbildung 6

Abbildung 6: Peazip bietet zahlreiche vordefinierte Datenträgerformate für das Splitten von Archiven.

Fazit

Peazip präsentiert sich als gelungene Lösung sowohl für das gelegentliche Archivieren von Dateien als auch für professionelle Backups. Die Software gefällt vor allem durch die intuitive Benutzeroberfläche, die das Zusammenstellen und Anlegen eines Softwarearchivs genauso zum Kinderspiel macht, wie das Extrahieren von verschiedenen Datenträgern. Die Vielzahl unterstützter Formate bindet das Programm zudem nicht an eine spezielle Lösung, sondern macht Peazip zu einem universell einsetzbaren Archivierungstool.

Dringend überarbeitungsbedürftig ist aber die Gtk2-Unterstützung, da diese unter gängigen Linux-Distributionen zu fehlerhaften Anzeigen führt. Da der Entwickler jedoch eine offensichtlich wesentlich bessere Gtk1-Variante seines Programms auch in der aktuellen Version 1.9.2 mit vollem Funktionsumfang zur Verfügung stellt, lässt sich dieses Manko verschmerzen. Die dynamische Entwicklung des Programms lässt allerdings erwarten, dass diese Problematik in absehbarer Zeit ebenfalls ad acta gelegt werden kann (tpe/jlu).

Infos

[1] Peazip: http://peazip.sourceforge.net

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