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Termine ohne Ende

Kalenderverwaltung mit Sunbird

01.12.2007 Wer unter Linux seine Termine und Aufgaben verwalten will, findet in Mozilla Sunbird den idealen Begleiter.

Unter Linux gehören der Webbrowser Firefox und der E-Mail-Client Thunderbird zu den Standardapplikationen. Beide Programme werden von der Mozilla Foundation entwickelt und gepflegt. Zu deren Repertoire gehört jedoch auch noch das junge und bislang weitgehend unbekannte Terminverwaltungsprogramm Sunbird [001], das sich in der stabilen Version 0.5 trotz der niedrigen Releasenummer bereits für den Einsatz auf Produktivsystemen eignet.

Bei dem Programm handelt es sich um die zweite Kalenderapplikation der Mozilla Foundation. Sie sieht äußerlich ihrem bekannteren Bruder Lightning zum Verwechseln ähnlich. Während Lightning jedoch den E-Mail-Client Thunderbird als Trägerprogramm voraussetzt, arbeitet Sunbird als Standalone-Applikation, die sich auf nahezu jedem Linux-System betreiben lässt.

Sunbird macht sich derzeit in den Online-Repositories der großen Linux-Distributionen noch rar. Lediglich das irische Ubuntu-Derivat Linux Mint [002] packt den elektronischen Terminkalender bereits bei der Standardinstallation mit auf die Festplatte, und zwar in der Version 0.6rc1, die ebenso wie die brandneue Version 0.7 Beta-Status hat. Für alle anderen Distributionen gibt es den Sonnenvogel in verschiedenen Versionen ausschließlich als Tarball [003].

Sunbird lässt sich laut Mozilla Foundation auch auf geradezu antiker Hardware betreiben. So begnügt er sich als Minimalkonfiguration mit einem Pentium-II-Rechner mit mindestens 233 MHz Taktfrequenz, 64 MByte RAM und 52 MByte Festplattenplatz. Auch die Softwarevoraussetzungen fallen ähnlich bescheiden aus: Ein Linux-System mit Kernel 2.2.14, XFree86 3.3.6 und der Glibc 2.3.2 genügt der Kalenderapplikation zum Betrieb.

Installation mit Hürden

Den Inhalt des auch in deutscher Sprache erhältlichen TAR.GZ-Archiv in der stabilen Version 0.5 müssen Sie nach dem Auspacken zwar nicht mehr kompilieren, andererseits gibt es aber auch kein Installationsskript, das eine automatische Konfiguration auf dem Rechner vornehmen würde: Hier müssen Sie selbst Hand anlegen.

Grundsätzlich lässt sich Sunbird aus jedem beliebigen Verzeichnis heraus starten. Wer jedoch ein den gängigen Konventionen entsprechendes System bevorzugt, sollte bei der Installation von Sunbird den Linux Filesystem Hierarchy Standard [004] berücksichtigen. Diesem folgend kopieren Sie als root das Sunbird-Archiv zunächst in das Unterverzeichnis /opt, um es hier mit dem Befehl tar -xzvf sunbird-0.5.de.linux-i686.tar.gz zu entpacken. Dabei entsteht ein Unterverzeichnis sunbird mit allen relevanten Dateien. Das Original-Archiv wird nun nicht mehr benötigt, Sie können es löschen. Damit sich das Programm ohne Angabe des vollständigen Pfades starten lässt, verweisen Sie mithilfe eines kleinen Skripts im Verzeichnis /usr/bin auf die im Verzeichnis /opt/sunbird entpackte Binärdatei sunbird. Dazu öffnen Sie einen beliebigen Editor und geben dort folgende drei Zeilen ein:

#!/bin/bash
cd /opt/sunbird
./sunbird

Dieses Skript speichern Sie unter dem Namen sunbird.sh im Verzeichnis /usr/bin ab. Damit sich das Skript auch starten lässt, müssen Sie es noch ausführbar machen. Das erledigt der Befehl

# chmod +x /usr/bin/sunbird.sh

Damit Sie den Terminkalender nicht jedesmal durch Eingabe des Skriptnamens in einem Schnellstartfenster aufrufen müssen, erzeugen Sie abschließend noch einen Eintrag im Anwendungsmenü. Dazu legen Sie im Verzeichnis /usr/share/applications eine Textdatei mit der Bezeichnung sunbird.desktop an. Mit den Einträgen aus Listing 1 entsteht für Sunbird im Menü Anwendungen | Büro ein Starter mit dem dazugehörigen Icon, der den Kommentar Terminkalender anzeigt, sobald sich der Mauszeiger darüber befindet.

Listing 1
[Desktop Entry]
Name=Sunbird
Comment=Terminkalender
Exec=sunbird.sh
Icon=/opt/sunbird/chrome/icons/default/default.xpm
Terminal=false
Type=Application
Categories=Application;Office;

Nach dieser derzeit noch etwas umständlichen Installationsprozedur ist Sunbird einsatzbereit. Der Start des Programms nimmt, wie bei Gecko-basierten Programmen üblich, ein paar Sekunden in Anspruch. Danach präsentiert sich Sunbird mit einer aufgeräumten Oberfläche: Das in drei Abschnitte geteilte Fenster erklärt sich von selbst und erlaubt das Nutzen der Software ohne weitere Einarbeitung (Abbildung 1).

Abbildung 1: Selbsterklärend und auch ohne Einarbeitung zu benutzen: die Oberfläche von Sunbird.

Übersichtliches Arbeiten

Den oberen Teil des Fensters belegt eine über die gesamte Fensterbreite reichende Schalterleiste mit Beschlag, in der Sie per Mausklick Termine und Aufgaben verwalten. Durch verschiedene Ansichtsmodi gewinnen Sie zudem einen schnellen Überblick auch über längere Zeitabschnitte. Sunbird unterscheidet sinnvollerweise zwischen festen Terminen und über einen längeren Zeitraum zu bewältigende Aufgaben, die es auch im Kalender verschieden darstellt.

Der linken Bereich des Hauptfensters integriert einen Monatskalender sowie eine Aufgabenliste. Letztere listet alle dort eingegebenen Tasks auf, wobei das Programm nicht erledigte in roter Schrift markiert. Optional können Sie bei vielen anstehenden Aufgaben solche ausblenden, die bereits abgeschlossen sind. Jeder Aufgabe ordnen Sie eine Priorität zu und können angeben, wie es um deren Fortschritt steht. Im rechts angeordneten Fensterbereich residieren ein Tageskalender mit Zeiteinteilung und darüber ein Feld mit Terminen, wobei Sie sich diese je nach Gusto aus verschiedenen Zeitabschnitten anzeigen lassen – beispielsweise alle Termine der kommenden 14 Tage.

Neue Termine oder Aufgaben legen Sie im Tageskalender durch einen Doppelklick mit der linken Maustaste direkt in den Kalender an. Alternativ öffnen Sie im Aufgabenfenster durch einen rechten Mausklick ein Menü zum Anlegen einer neuen Aufgabe. Dieses Menü ermöglicht detaillierte Angaben zum Zeitraum und zum Termin selbst sowie die Angabe von Kommentaren. Zudem lassen sich Termine und Aufgaben in verschiedene Kategorien einsortieren, sodass Sie sofort sehen, ob es sich beispielsweise um einen Rückruf-Termin handelt oder ein Kundenbesuch ins Haus steht.

Durch das Veröffentlichung von Terminlisten an vordefinierte Teilnehmer koordinieren Sie Projekte, an denen mehrere Personen beteiligt sind. Ein optionaler akustischen Alarm zu einem vordefinierten Zeitpunkt – beispielsweise eine halbe Stunde vor einem bevorstehenden Termin – sorgt dafür, dass Sie keinen Termin mehr verpassen. Alle Einstellungen lassen sich natürlich bei späteren Veränderungen problemlos modifizieren: Ein Rechtsklick mit der Maus in den zu ändernden Terminbereich im Kalender öffnet das gleiche Menü, das auch zum Anlegen neuer Termine und Aufgaben dient (Abbildung 2). Somit fällt kein zusätzlicher Lernaufwand für die Einarbeitung in verschiedene Menüstrukturen an.

Abbildung 2: Alle Termine lassen sich schnell und umfassend modifizieren.

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LinuxUser 06/2012

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