Paketmanagement

Suse hat seinen Ruf als schlanke Distribution spätestens seit der Paketmanager-Misere mit Zenworks komplett eingebüßt. Nichts desto trotz wollten wir es genau wissen und testeten die Paketmanager unter beiden Distributionen auf der Kommandozeile. Dazu installierten wir auf einer Standardinstallation mit Gnome den kompletten KDE-Desktop (unter beiden Distributionen 700 MByte entpackt) von DVD nach. Unter OpenSuse riefen wir dazu den Befehl

zypper install -t pattern kde

auf, bei Ubuntu 7.10 apt-get install kubuntu-desktop. Zu unserer großen Überraschung schlug zypperapt-get deutlich (siehe Tabelle "Geschwindigkeitstests"): Auf dem System mit 265 MByte Hauptspeicher erledigte OpenSuse die Aufgabe rund 5 Minuten schneller als Ubuntu. Auch mit 768 MByte RAM installierte OpenSuse den KDE-Desktop um eine Minute schneller. Der Unterschied liegt vermutlich an den zwei verschiedenen Konzepten: OpenSuse holt und installiert jedes Paket einzeln. Ubuntu zieht sich zunächst sämtliche Pakete und beginnt dann mit der Installation. Für den Speed bei der Nachinstallation holte sich OpenSuse einen Punkt in der Kategorie Geschwindigkeit.

Für das grafische Paketmanagement bringen beide Distributionen mit YaST und Synaptic zwei mächtige Tools mit. Ubuntu bietet unter Anwendungen | Anwendungen hinzufügen/entfernen zudem noch einen vereinfachten Paketmanager, der die Komplexität von Synaptic nehmen soll, was uns ein Pluspunkt Wert war. Beide Distributionen verfügen über einen Aktualisierungsmanager. Von Haus aus ist dieser in der Kontrollleiste (KDE) oder im Panel (Gnome) eingeklinkt. Er hält Sie in Bezug auf neue Versionen installierter Software auf dem laufenden und meldet sich bei Änderungen von alleine. Hierfür bekommen beide Distributionen zwei Punkte.

Ein besonderes Schmankerl hält die neue One-Click-Installation von OpenSuse 10.3 bereit: wählen Sie auf software.opensuse.org oder einer anderen Site mit entsprechender Software ein YaST-Metapaket aus (Dateiendung *.ymp), richtet YaST die benötigten Quellen automatisch ein und installiert das Programm danach. So richten Sie zum Beispiel ein komplettes Multimedia-Environment ein (Abbildung 1). Ein Plus von OpenSuse fand die Redaktion.

Abbildung 1: Dank neuer YaST-Metapakete installieren Sie unter OpenSuse sämtliche Codecs und Multimediaprogramme über wenige Mausklicks nach.

Punktetabelle

  Gewichtung OpenSuse 10.3 Ubuntu 7.10
Geschwindigkeit
Grundinstallation 1 1 0
Nachinstallation 1 1 0
Bootzeit 4 4 2
Sicherheit
Installierte Dienste/Firewall 2 1 2
Sichere Passwörter 1 1 0
Verschlüsselte Partitionen 1 1 0
AppArmor 1 1 0
Rootless 1 0 1
Paketmanagement
Grafischer PM 2 2 2
Vereinfachter PM 1 0 1
Aktualisierungsmanager 2 2 2
One-Click-Install 1 1 0
Multimedia
Codec-Support 2 1 2
Treiber-Support 2 0 2
Browser-Plugins 2 1 2
3D-Desktop 1 1 1
DVDs unverschlüsselt 1 0 1
DVDs verschlüsselt 1 1 0
Hardware-Support
Drucker 3 3 6
Scanner 2 2 4
DVB-T-Stick 1 1 0
Ergebnis
    25 28

Multimediafähigkeit

Wie gewohnt lässt Ubuntu hinsichtlich Usability keine Wünsche offen. Fehlen Codecs zum Abspielen von lizenzrechtlich geschützten Musik- oder Videodateien, zeigt Totem eine entsprechende Meldung an und das System lädt bei Bedarf automatisch die benötigten Pakete aus dem Internet nach (Abbildung 2). Auch OpenSuse zeigt in der neuesten Version einen Hinweis an, wenn benötigte Codecs fehlen (Abbildung 3). Damit dürften die meisten Benutzer jedoch nichts anfangen können, da der Link auf eine völlig veraltete Seite zu Suse Linux 9.0 zeigt [1]. Wer weiß, wie, installiert die fehlenden Codecs über das YaST-Metapaket für KDE und Gnome von der OpenSuse-Community-Seite [2] oder kreuzt im neuen YaST-Modul Community Repositories die nötigen Einträge an.

Abbildung 2: Vorbildlich: Beim Abspielen eines nicht unterstützten Dateiformats, lädt Ubuntu auf Wunsch die benötigen Codecs nach.
Abbildung 3: Möchten Sie unter OpenSuse mit Totem eine DVD abspielen, erscheint lediglich dieser Hinweis.

Immerhin spielt OpenSuse 10.3 nach einer Standardinstallation MP3-Dateien ab. Dazu nutzt die Distribution das Fluendo-Plugin für Gstreamer. Da auch Amarok auf Gstreamer als Soundquelle zugreifen kann, funktioniert diese Lösung unter KDE und Gnome, aber nur für Programme, die Gstreamer als Soundausgabe nutzen. Dank MP3-Support geht OpenSuse in dieser Runde nicht ganz leer aus und Ubuntu holt sich zwei Punkte.

Grafikkarten- und WLAN-Treiber waren in der Vergangenheit immer ein Sorgenkind der Linux-Nutzer. In Ubuntu löst man dieses Problem sehr elegant. Über die Verwaltung eingeschränkter Treiber holt sich das System die notwendigen Pakete automatisch auf den Rechner und konfiguriert diese. Auch hier geht OpenSuse einen etwas komplizierteren Weg: der Benutzer muss sich die benötigen Paketquellen YaST-Modul Community Repositories selbst einrichten und danach noch die Pakete einspielen. Zudem geschieht die Umstellung auf den neuen Treiber nicht automatisch. Ubuntu sichert sich hier beide Punkte.

Für grafische Desktopeffekte ist dank des vorinstallierten Compiz sowie des Plugins Compiz-Fusion gesorgt. Über System / Einstellungen / Erscheinungsbild lassen sich die Eyecandys einrichten. Weitere Konfigurationsmöglichkeiten von Compiz stehen Ihnen nach der Installation des Pakets compizconfig-settings-managerzur Verfügung. Dies gilt für Ubuntu und OpenSuse, so dass diese Runde unentschieden endet.

Flash-Webseiten wie sie für Videoportale genutzt werden, lassen sich nicht sofort richtig anzeigen. Aber hier stellt Ihnen Ubuntu ebenfalls einen kleinen Helfer zur Seite. Rufen Sie mit Firefox eine Webseite mit Flash-Inhalt auf, haben Sie die Möglichkeit das proprietäre Adobe-Flash-Plugin oder den freien Flash-Player gnash automatisch einspielen zu lassen. OpenSuse bringt in der Download-Version bereits ein paar kommerzielle Programme mit, darunter Real- und Flash-Player. Eine automatische Installation – falls das Plugin fehlt – bietet OpenSuse hingegen nicht an. Die automatische Installation inklusive freie Alternative war uns zwei Punkte Wert, der vorinstallierte Player nur einen.

Unverschlüsselte DVDs spielt der Gnome-eigene Videoplayer Totem unter Ubuntu sofort ab. Für geschützte DVDs müssen Sie eine zusätzliche Paketquelle einbinden und die notwendige Bibliothek einspielen. Die dazu nötigen Informationen müssen sich Ubuntu-Nutzer im Internet beschaffen. Bei OpenSuse weigern sich Totem und Kaffeine DVD selbst unverschlüsselte DVDs abzuspielen, da patentrechtliche Probleme die Auslieferung entsprechender Codecs verhindern. Binden Sie hingegen das Packman- und das VLC-Repository ein, kommen Sie unkompliziert sogar zur libdvdcss. Beide Distributionen bekommen dafür je einen Punkt.

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