Aufmacher

Kampf der Giganten

OpenSuse 10.3 vs. Ubuntu 7.10

01.12.2007
Mit OpenSuse 10.3 und Ubuntu 7.10 treten zwei neue Versionen der Linux-Schwergewichte in den Ring. LinuxUser betätigt sich als Punktrichter.

Diesen Herbst fallen die neuen Linux-Versionen wie Blätter von den Bäumen. Mit Fedora Core 8, OpenSuse 10.3, Mandriva 2008 und Ubuntu 7.10 bringen sämtliche großen Distributoren neue Releases heraus. LinuxUser hat sich die zwei populärsten – OpenSuse 10.3 und Ubuntu 7.10 – genauer angeschaut und verrät, welche der zwei Distributionen den Kampf um den ersten Platz gewinnt.

Installation

Der Artikel verzichtet hier auf eine detaillierte Anleitung, da OpenSuse und Ubuntu sehr einsteigerfreundlich sind und die Installation keinen LinuxUser-Leser vor Probleme stellen sollte. Die Redaktion testete stattdessen die Performance der Installer in vier Varianten (siehe Tabelle "Geschwindigkeitstests"). Die Installation fand mit Netzwerkanschluss statt und bei OpenSuse führten wir auch die Online-Registrierung sowie den Internetverbindungstest durch. Dieser Vorgang dauerte jeweils rund 2 Minuten. Ubuntu benötigt in etwa gleich lange, um die Spiegelserver zu durchsuchen, weshalb wir diese Zeiten in der Tabelle nicht separat aufführen.

Geschwindigkeitstests

  OpenSuse 10.3 Ubuntu 7.10
Installation
Textsystem 265 MByte RAM 13m 55s 18m 12s
Textsystem 768 MByte RAM 13m 33s 15m 15s
Gnome-System 265 MByte RAM 46m 13s 60m 01s
Gnome-System 768 MByte RAM 41m 30s 36m 12s
Nachinstallation KDE-Desktop (700 MByte)
Mit 265 MByte RAM 12m 30s 17m 09s
Mit 768 MByte RAM 8m 47s 9m 55s
Bootzeiten bis zum Loginscreen
Textsystem 265 MByte RAM 25s 25s
Textsystem 768 MByte RAM 25s 25s
Gnome-System 265 MByte RAM 35s 40s
Gnome-System 768 MByte RAM 33s 38s

Den Gutsy Gibbon gibt es wie seine Vorgänger aus dem Ubuntu-Zoo für den Desktop- und für den Servereinsatz. Die Desktop-Version – gleichzeitig Installations- und Live-DVD – gibt es für 32- und 64-Bit-Systeme von Intel oder AMD. Die Server-Edition kommt zusätzlich mit SPARC-Unterstützung. Für die Installation im Textmodus stellt Canonical eine Alternate-Desktop-CD bereit, die kein Live-System enthält. Der Einsatz der abgespeckten Version lohnt sich vor allem für schwache Rechner, die mit einer grafischen Installation überfordert sind.

Auch OpenSuse gibt es in zahlreichen Ausführungen. Die normale Installations-DVD für 32- und 64-Bit-Systeme von Intel oder AMD enthält den KDE- und den Gnome-Desktop. Die CD-Version bringt entweder Gnome oder KDE mit. Sie lässt sich am ehesten mit den CD-Versionen von Ubuntu und Kubuntu vergleichen. Die Live- oder Promo-DVD von OpenSuse bringt ebenfalls beide Desktopvarianten mit. Seit Version 10.3 können Sie die Installation auch über die Live-DVD starten. Eine Live-CD ist ebenfalls in Planung. Über diese Basisvarianten hinaus bietet das OpenSuse-Projekt auch spezielle Installationsmedien für die PPC-Architektur sowie eine rund 65 MByte große ISO-Datei für die Netzwerkinstallation.

Für das Aufspielen von Ubuntu 7.10 stehen zwei Möglichkeiten zur Auswahl: grafisch und textbasiert. Erstere starten Sie nach dem Booten der Live-CD, letztere nutzen Sie mit der Alternate-CD. Für den Test auf einem Durchschnittsrechner mit einer 1,2 GHz schnellen Athlon-XP-CPU und 256 bzw. 768 MByte RAM führten wir beide Varianten durch. Möchten Sie aufwändige Partitionierungen wie Software-RAID oder verschlüsseltes LVM, sollten Sie auf die textbasierte Installation zurückgreifen.

OpenSuse setzt traditionell auf den Installer ohne Live-CD. Das bringt vor allem bei Rechnern mit wenig Hauptspeicher große Vorteile, wie unsere Tests zeigten. So benötigte YaST auf unserem Testrechner mit 265 MByte Hauptspeicher nur 46 Minuten vom Boot-Prompt bis zum ersten Login-Bildschirm des Gnome-Desktops. Ubuntu 7.10 ließ sich für die gleiche Aufgabe rund eine Stunde Zeit. Der Unterschied würde noch höher ausfallen, wenn OpenSuse und Ubuntu die exakt gleiche Paketauswahl installieren würden: Das Gnome-System unter Suse braucht 2,9 GByte Platz, der Standard-Ubuntu-Desktop lediglich 2,2 GByte.

Auch beim Aufsetzen eines textbasierten Systems muss sich Ubuntu 7.10 gegenüber OpenSuse 10.3 geschlagen geben. Mit 265 MByte Hauptspeicher benötigt YaST nur knapp 14 Minuten bis zum Login, der Ubuntu-Installer zeigt den Prompt erst nach 18 Minuten an. Mit 768 MByte RAM fällt der Unterschied nicht mehr so deutlich aus, aber auch hier ist YaST fast zwei Minuten schneller. Die Textsysteme sind unter beiden Distributionen rund 630 MByte groß.

Die Stärken des Live-Installers zeigen sich erst bei Rechnern mit 512 MByte oder mehr Hauptspeicher. Hier arbeitet Ubuntu deutlich schneller als OpenSuse und zeigt bereits nach 36 Minuten den Loginmanager des Gnome-Desktops an. Ohne Internetverbindung geht die Installation nochmals zehn Minuten schneller über die Bühne, weil dann der Download der recht großen Sprachpakete ausbleibt. Trotzdem holt sich OpenSuse den Punkt für die schnellste Installation.

Sicherheit

Beide Systeme bieten nach einer Standardinstallation keine Angriffsfläche gegen außen. OpenSuse schützt eine Firewall auf Port 22, der SSH-Dienst ist der einzige, den YaST bei einer Standardinstallation aktiviert. Führen Sie mit nmap einen Portscan an einer 10.3-Installation durch, meldet das Tool

PORT    STATE  SERVICE
113/tcp closed auth

Diese Meldung rührt daher, dass die Suse-Firewall in der Grundeinstellung eine REJECT-Regel für sämtliche TCP-Anfragen eingerichtet hat. Das verkürzt die Antwortzeiten bei Anfragen und verhindert unnötige Timeouts. Der Auth-Daemon ist nicht aktiv. Den tatsächlich aktiven SSH-Dienst verrät die Firewall nicht, da dafür eine DROP-Regel eingerichtet ist.

Ubuntu 7.10 zeigt einen ähnlichen Zustand nach der Installation. In der Grundeinstellung lässt es keine Ports offen. Eine Firewall ist standardmäßig nicht installiert. Hier schaffen Sie aber bei Bedarf Abhilfe mit dem einsteigerfreundlichen Programm Firestarter oder wagen sich an die Konfiguration mittels IPtables. Nach langen internen Diskussionen entschied sich die Redaktion, Ubuntu den doppelt gewichteten Punkt für die Installierten Dienste/Firewall zu geben, da Ubuntu ohne Benutzerinteraktion keine externen Dienste startet. OpenSuse bekommt einen halben Punkt, da das System den SSH-Dienst in der Grundeinstellung aktiviert, dies aber bei der Installation kenntlich macht und eine Firewall zudem den Zugriff von Außen sperrt.

Einige Sicherheitsvorkehrungen bietet OpenSuse 10.3 bereits während der Installation an. So moniert YaST zum Beispiel zu einfache Passwörter, akzeptiert diese aber nach einem Warnhinweis. Je nach Linux-Knowhow sind diese Hinweise nützlich oder störend. Praktisch fanden wir, dass man in YaST bereits bei der Installation verschlüsselte Partitionen anlegen kann, so lässt sich zum Beispiel ein sicheres Home-Verzeichnis oder eine verschlüsselte Swap-Partition einrichten. Eine Verschlüsselung des Wurzelverzeichnisses selbst lässt YaST nicht zu. Bei Ubuntu 7.10 gibt es hier Abzüge in der B-Note: Der Installationsassistent weist nicht auf zu einfache Passwörter hin. Vor allem Linux-Neulinge ist die Verwendung sicherer Passwörter sicherlich nicht geläufig. Dagegen bietet der Assistent beim Einrichten der Festplatte an, ein verschlüsseltes LVM anzulegen. Diese Option steht aber nur in der textbasierten Installation zur Auswahl und bietet sich für Otto Normalbenutzer nicht unbedingt an. Eine Verschlüsselung des Swap-Bereiches beherrscht der Installer nicht. OpenSuse sichert sich damit zwei weitere Punkte.

Die Benutzerrechte sind in beiden Distributionen relativ locker gesetzt: Mitbenutzer unter OpenSuse 10.3 haben mit Ausnahme des Verzeichnisses Documents komplette Einsicht in das Home-Verzeichnis anderer Nutzer inklusive Zugriff auf den Desktop. Unter Ubuntu 7.10 verhält es sich ähnlich. Als Schutzschild vor bösartigen Programmen bringen OpenSuse 10.3 und Ubuntu 7.10 die ehemalige Novell-Software AppArmor mit. Unter OpenSuse sind dafür bereits mehrere Profile eingerichtet, bei Ubuntu lediglich eines. Weitere AppArmor-Profile befinden sich noch im Beta-Stadium. Auch dieser Punkt geht an OpenSuse.

Den letzten Punkt der Sicherheitsrunde holt sich Ubuntu 7.10, da das System im Gegensatz zu OpenSuse in der Grundeinstellung auf einen Root-Account verzichtet, wodurch Nutzer gar nicht erst auf den Gedanken kommen, als Root zu arbeiten.

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