Aufmacher

Schlichte Symphonie

OpenOffice à la IBM

01.12.2007
Mit mehr als 100.000 Downloads bereits in der ersten Woche nach Freigabe hat IBM's neue Office-Suite alle bisher bekannten Rekorde gebrochen. Ob das Paket wirklich neu ist oder ein alter Bekannter mit neuem Gesicht, zeigt unser Kurztest.

Die News ließ so manchen "EDV-Saurier" aufhorchen: Mitte September kündigte IBM eine Beta-Release des Office-Pakets Lotus Symphony zum kostenlosen Download an. Lotus Symphony, vor 20 Jahren als so genanntes integriertes Paket gefeiert und wenig später in Vergessenheit geraten, war offenbar wie Phönix aus der Asche wieder auferstanden. Wer genauer hinsah, bemerkte jedoch schnell, dass die Beta-Version [1] außer dem Namen nichts mit dem alten Symphony-Paket gemein hat: Das neue Symphony ist nichts anderes, als ein auf den Lotus Expeditor – eine Erweiterung des Eclipse Rich Client – portiertes und modifiziertes OpenOffice 1.x.

Wie bei Applikationen für "fette" Systeme üblich, stellt Lotus Symphony vordergründig recht hohe Anforderungen an die Hardware: Neben 750 MByte Festplattenplatz nennt IBM 512 MByte Arbeitsspeicher und eine CPU mit 1 GHz Taktfrequenz als Voraussetzungen. Als Betriebssystem kommen für IBM offiziell lediglich der Suse Linux Enterprise Desktop 10 und Red Hat Enterprise Linux 5 in Frage. Wir wollten es genau wissen und haben das rund 213 MByte große Paket ohne Probleme auch auf Mandriva 2008.0, Edubuntu 7.04 und Fedora 7 installiert.

Installation

Nach dem Download der Binärdatei in ein temporäres Verzeichnis führen Sie diese zunächst aus. Dabei entsteht das Verzeichnis IBM_Lotus_Symphony_Linux, in dem sich neben diversen anderen Dateien auch der Installer setup.bin befindet. Er richtet das Paket auf der Festplatte ein, wobei jedoch für Anwender von Ubuntu und Mandriva 2008 ein Hindernis auftritt: Da beide Distributionen von Haus aus kein Arbeiten auf der grafischen Oberfläche als root erlauben, müssen Sie hier die Datei setup.bin im Terminal durch ./setup.bin -console starten.

Zuerst einmal gilt es die Lizenzbedingungen abzunicken – Lotus Symphony untersteht nicht etwa der GPL, sondern einer proprietären IBM-Lizenz [2]. Anschließend verlangt der Installer die Angabe eines Installationspfads. Als Vorgabe definiert er /opt/ibm/lotus/Symphony, was Sie in aller Regel beibehalten können. Nach wenigen Mausklicks oder Tastatureingaben schaufelt die Routine sage und schreibe 659 MByte an Daten auf die Festplatte. Diese im Vergleich selbst zum aktuellen OpenOffice 2.3 enorme Datenmenge resultiert aus der Tatsache, dass Lotus Symphony ein komplettes Java Runtime Environment (JRE), eine Java Virtual Machine (JVM), diverse Tools zu Eclipse und schließlich auch noch einige hundert Cliparts mit auf die Platte packt.

Zum Abschluss der Installation legt die Routine noch im Gnome-Menü Anwendungen | Büro drei Starter an. Hinter Lotus Symphony Documents verbirgt sich der OpenOffice Writer, das Präsentationsprogramm Impress heißt Lotus Symphony Presentations und die Tabellenkalkulation OpenOffice Calc Lotus Symphony Spreadsheets. Eine dem Modul Base entlehnte Datenbank fehlt ebenso wie das gelegentlich bei OpenOffice mitinstallierte Druckerverwaltungsprogramm.

Oberflächliches

Ein Klick auf einen der drei Einträge startet etwas behäbig das dazugehörige Programm. Die sehr ästhetisch anmutende Arbeitsoberfläche weist kaum Ähnlichkeit zu OpenOffice auf. Dagegen finden sich Anwender der IBM-Groupware Lotus Notes sofort zurecht: Nicht nur die Oberfläche der Symphony-Applikationen verrät die enge Verwandtschaft zu Lotus Notes, auch einige Menüeinträge belegen, dass es sich bei Symphony eigentlich um die Productivity Tools aus IBMs Groupware-Lösung handelt, die als Standalone-Applikation einen neuen Namen erhalten haben.

Das Programmfenster ist dreigeteilt, wobei am rechten Rand auf- und zuklappbare Reiter Texteigenschaften wie Fonts, deren Attribute und Größen sowie Effekte zur Auswahl vorhalten. Über weitere Reiter am oberen Fensterrand lassen sich mehrere Dokumente gleichzeitig öffnen und bearbeiten. Die horizontal ganz oben im Fensters angeordnete Schalterleiste fällt im Vergleich zu OpenOffice sehr spartanisch aus und enthält – wie die wenigen Menüs auch – nur die allernotwendigsten Funktionen. Extravagantes und daher selten bis überhaupt nicht benötigtes hat IBM eingespart (Abbildung 1). Dialoge wie beispielsweise auch jener für die Grundeinstellungen der Software hingegen hat IBM gründlich überarbeitet und im Menü File | Preferences untergebracht (Abbildung 2).

Abbildung 1: Nett anzuschauen, übersichtlich und funktional – die Oberfläche von Lotus Symphony.
Abbildung 2: Schnell sind die Grundeinstellungen in Lotus Symphony vorgenommen.

Über den auffällig oben links im Arbeitsbereich angeordneten, hellblau leuchtende Open-Button öffnen Sie im Bedarfsfall ein weiteres Dokument. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Präsentation, einen Text oder eine Tabelle handelt – Lotus Symphony öffnet die Datei in einem neuen Reiter, wobei es je nach Art des Dokuments die Menüleiste automatisch anpasst.

Bei sehr vielen offenen Dokumenten kann – ähnlich wie bei Firefox mit vielen offenen Tabs – der Überblick schon einmal verloren gehen. Hier hat sich IBM mit der Thumbnail-Funktion eine nett anzuschauende Abhilfe einfallen lassen: Ein Mausklick auf den symbolischen Papierstapel gleich rechts neben dem Open-Button zeigt die geöffneten Fenster verkleinert an. Zudem gibt es hier ein Suchfeld, das das schnelle Auffinden von Fenstern durch Eingabe des Namens gestattet (Abbildung 3). Die Thumbnails lassen sich auch über [Strg]+[T] erreichen, was für Vielschreiber eine Arbeitserleichterung darstellt.

Abbildung 3: Übersichtlichkeit schreibt Lotus Symphony ganz groß.

Ein besonderes Goodie stellen die mehreren hundert mitgelieferten, nach Themen sortierten Cliparts dar, die man in alle Dokumenttypen einbinden kann.

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