…ist auch Schatten

Weniger erfreulich hingegen gestaltet sich unter bestimmten Voraussetzungen die korrekte Einstellung der Bildschirmauflösung. Bei unseren Notebook-Tests zeigte sich, dass bei Mobilgeräten, die nicht dem Centrino-Standard von Intel entsprechen, durchgängig Probleme mit dem X-Server auftreten. Auf IBM Thinkpads der A- und T-Baureihen älterer Typen wurden zwar die Grafikkarten korrekt erkannt und auch die 3D-Effekte funktionsfähig aktiviert, die korrekt im Kontrollzentrum eingestellten Displayauflösungen jedoch nicht realisiert. Stattdessen mussten wir mit einer Standard-VGA-Auflösung auf SXGA+- und UXGA-Displays vorlieb nehmen.

Diese Fehler lassen sich nur durch eine manuelle Anpassung der Einstellungsdatei xorg.conf beheben, wo man statt des ati- oder radeon-Treibers den vesa-Treiber einstellen muss. Letzterer erlaubt jedoch wegen fehlender OpenGL-Unterstützung keine dreidimensionalen Effekte mit Compiz und arbeitet auch langsamer. Ein Trostpflaster für 3D-Freunde: Metisse [2] kommt auch mit eigentlich nicht 3D-fähigen Grafikkarten und Treibern klar, sodass selbst auf alten Grafikkomponenten Transparenzeffekte und auf- und zuklappende Fenster erscheinen. Beachten Sie jedoch, dass unter Metisse einige Funktionstasten anders belegt und dabei manche Linux-Tastenkombinationen überschreibt.

Auch bei PCs mit bestimmten Intel-Grafikkarten gilt es unter Mandriva händische Nacharbeit zu leisten: Die Grafikkerne von Intel-Chipsätzen der Baureihen i81x, i830 und i845 wollen mit den in X.org 7.2 vorhandenen Treibern nicht zusammenarbeiten, der X-Server lässt sich gar nicht erst starten. Daher müssen Sie auch in diesem Fall auf der Konsole in der Datei /etc/X11/xorg.conf den i810-Treiber gegen den vesa-Treiber austauschen. Diese massiven Probleme gehen nicht auf Mandrivas Kappe, sondern beruhen auf Treibermodifikationen in X.org 7.2.

Ein weiteres Manko der One-Version von Mandriva stellt die fehlende Cups-Installation dar. Durch das Fehlen des Linux-Druckermanagers, der offenbar nicht mehr auf die CD passte, lassen sich im Live-Betrieb und bei einer reinen CD-Installation keine Drucker definieren und ansprechen. Daher sollten Sie Cups sofort nach der Erstinstallation aus den Mandriva-Repositories nachladen .

Fazit

Im Testbetrieb auf einem halben Dutzend Notebooks und Desktops gefiel Mandriva 2008 durch die übliche, sehr einfache Handhabung und große Stabilität. Gegenüber der Vorgängerversion gewinnt die Distribution nicht zuletzt durch den Tickless Kernel Timer, der insbesondere Notebooks zu einer spürbar längeren Laufzeit im reinen Akkubetrieb verhilft. Umsteigern erleichtert zudem der Migrationsassistent den Abschied vom alten Betriebssystem deutlich.

Positiv fällt außerdem die gute Integration der Compiz- und der Metisse-Umgebung auf: Während vor allem Metisse in Mandriva 2007 den Status als Entwicklerversion noch spüren ließ, arbeitet es jetzt zuverlässig und ohne Auffälligkeiten. Allerdings scheint es bei Mandriva allmählich Zeit zu werden, von reinen CD-Distributionen Abschied zu nehmen. Vermutlich aus Platzmangel schaffte es der Cups-Server nicht mehr auf die CD, und die deutschsprachige Lokalisierung lässt in der One-Version mangels vollständiger Sprachdateien ebenfalls zu wünschen übrig.

Mandriva 2008.0 bietet sich aufgrund der einfachen und durchdachten Handhabung und der exzellenten Hardware-Erkennung vor allem für Ein- und Umsteiger an. Ein Softwarefundus von rund 16 000 Paketen lässt auch für Intensivnutzer mit besonderen Softwareanforderungen kaum Wünsche offen. Und wem die Standardoberfläche KDE zu wuchtig und unübersichtlich erscheint, der bekommt Mandriva 2008 auch mit dem deutlich schlankeren Gnome 2.20.

Glossar

Tickless Kernel

Das mit Kernel 2.6.21 eingeführte Feature schaltet im Wesentlichen die sonst 1000 Mal pro Sekunde auftretenden Timer-Interrupts im Idle-Betrieb ab, sodass das System nicht unnötig "aufwacht".

Infos

[1] Website von Mandriva: http://www.mandriva.com

[2] 2,5D-Desktop Metisse: Erik Bärwaldt, "Gefällige Mischung", LinuxUser 05/2007, S.59, http://www.linux-user.de/ausgabe/2007/05/059-metisse/

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