Aufmacher

Linux auf dem USB-Stick

Linux für die Hosentasche

USB-Sticks protzen mit immer mehr Speicher für immer weniger Geld. Zeit, mal ein portables Linux für die Hosentasche zu bauen. Wir zeigen drei Wege zum Linux-Stick.

Was dem Sanitäter sein Erste-Hilfe-Koffer, ist dem Linuxer seine Knoppix-DVD: Beide braucht man meist im Notfall und hat man am besten immer dabei. Wer aber heute was auf sich hält, trägt sein Linux natürlich auf einem USB-Stick spazieren, der dann möglichst lässig am Schlüsselbund hängt. Nicht nur kurieren Sie mit dem kleinen Plastikteil defekte Rechner, Sie haben auch stets Ihr maßgeschneidertes System dabei. Wir zeigen, wie Sie so ein System recht schnell installieren. Aber vorher noch eine Warnung: Linux mountet USB-Sticks unter Gerätenamen, die unter Umständen denen Ihrer Festplatte ähneln. Achten Sie also darauf, beim Installieren nicht aus Versehen die Platte zu löschen.

Bootprobleme

Nach wie vor booten nicht alle Rechner von USB-Sticks. Das BIOS des Rechners muss die Option anbieten, von USB-HDD zu booten. Das können Mainboards etwa seit der Jahrtausendwende, gerade bei älteren Rechnern funktionieren die Sticks daher potenziell nicht. Nutzen Sie zudem einen älteren USB-Stick, der USB 1.1 verwendet, stolpern eventuell neuere Rechner mit USB-2.0-Anschlüssen darüber – umgekehrt gilt das selbe. Passt indes alles, lädt der Rechner nach dem Einschalten den Bootloader direkt vom USB-Stick.

Reinen Tisch machen

Um Damn Small Linux (DSL) [1] auf den Stick zu spielen, partitionieren Sie ihn im ersten Schritt und erstellen ein Dateisystem darauf. Dazu fahren Sie ein bestehendes Linux hoch, öffnen eine Konsole und geben, mit Root-Rechten versehen, tail -f /var/log/messages ein. Stöpseln Sie den Stick nun an, erscheint eine Meldung, die zeigt, welche Gerätedatei Ihr Linux für den USB-Stick verwendet (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mit Hilfe des Tail-Befehls erfahren Sie beim Einstecken des USB-Sticks, welche Gerätedatei ihm Linux zuteilt.

Ubuntu, OpenSuse 10.2 und Suse Linux 10.1 mounten Sticks gewöhnlich automatisch (sie hängen USB-Sticks in das Verzeichnis /media ein) und zeigen die darauf enthaltenen Dateien im Konqueror oder Nautilus an. Andernfalls holen Sie das händisch nach. Geben Sie mit Root-Rechten

# mkdir -p /media/disk
# mount -t auto /dev/sdb1 /media/disk

ein, um den Stick, dem Linux die Gerätedatei /dev/sdb1 zuweist, im Verzeichnis /media/disk einzuhängen. Von diesem Verzeichnis gehen wir auch im folgenden aus, was Sie beachten sollten, falls es bei Ihnen anders heißt. Geben Sie mount ohne Parameter auf der Konsole ein, erfahren Sie gewöhnlich, wo Ihr Linux den Stick einhängt.

Basierend auf dieser Information überschreiben Sie die Daten auf dem gemounteten Stick, was ein paar Minuten dauert:

# cat /dev/zero > /dev/sdb

Lassen Sie die Nummer hinter sdb weg. Linux überschreibt nun wirklich sämtliche Daten – auch Informationen zur Partitionierung – mit Nullen aus /dev/zero. Zurück bleibt eine leere, nicht partitionierte "Festplatte" ohne Dateisystem. Ein No space left on device zeigt, dass Cat fertig ist (Abbildung 2). Unter Suse Linux müssen Sie den Befehl mit Root-Rechten aufrufen.

Abbildung 2: Überschreiben Sie mit Hilfe des Cat-Befehls den USB-Stick mit Nullen, löscht das sämtliche Informationen darauf, einschließlich Bootloader und Partitionstabelle.

Nun hängen Sie den Stick gegebenenfalls über sudo umount /dev/sdb1 wieder aus, ziehen ihn heraus und stecken ihn erneut in den USB-Slot. Dann formatieren Sie ihn: Geben Sie cfdisk /dev/sdb ein und erstellen Sie neue Partitionen. Unter OpenSuse brauchen Sie für diesen Schritt Root-Rechte, die Beschriftungen erscheinen hier auf Deutsch.

Wählen Sie mit Hilfe der Pfeiltasten New | Primary | Größe in MByte und drücken Sie jeweils [Eingabe], um den gesamten Stick mit einer Partition auszustatten. Wie auf einer Festplatte können Sie auch hier mehrere Partitionen anlegen. Sie müssen dies bei der Installation Ihres USB-Stick-Linux dann allerdings berücksichtigen und stets die passende Partition angeben. Alternativ zu Cfdisk setzen Sie Fdisk ein. Wie das funktioniert, zeigen wir später anhand der Installation von Pendrive Linux.

So erzeugen Sie eine primäre Partition auf dem Stick, die entweder die ganze Partition umfasst oder zumindest einen Teil davon (Abbildung 3). Über den Menüpunkt Bootable machen Sie den Stick bootfähig. Wollen Sie eine FAT32-Partition erstellen, um ein FAT32-Dateisystem zu nutzen, wählen Sie zudem [Type] und geben 0B ein. Abschließend wählen Sie [Write] und geben yes ein, um die Veränderungen auf den Stick zu schreiben. Zum Verlassen des Programms wählen Sie [Quit]. Meist müssen Sie den Stick anschließen herausziehen und erneut einstecken, damit das System die neue Partitionstabelle einliest.

Abbildung 3: Cfdisk in Aktion: Über ein Menü legen Sie recht schnell eine bootbare Linux-Partition an. Anschließend versehen Sie diese mit einem Dateisystem.

Nun spielen Sie das FAT32-Dateisystem auf den partitionierten, leeren Stick. Das erledigt der Befehl mkfs.vfat /dev/sdb1 zügig. Möchten Sie andere Dateisysteme nutzen, funktionieren auch die Befehle mkfs.ext2, mkfs.ext3 sowie mkfs.reiserfs. In diesem Fall müssen Sie allerdings als [Type] in Cfdisk 83 eingeben, was für Linux steht.

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