Heimstudio
LMMS 0.3.0
Neue Plugins, neue Klänge
Zu einem echten Multimedia-Studio gehören natürlich auch Instrumente, und so wartet die Version 0.3.0 mit fünf neuen Plugins auf, die Sie in Abbildung 2 sehen.
Mit dem LB302 kommt ein leistungsfähiger TB303-Klon an Bord, der als erstes LMMS-Plugin überhaupt echte Monophonie bietet. Die ermöglicht dem Nachbau des legendären Bass-Synthesizers von Roland richtig druckvolle Sounds und gehört sicher zu den klanglichen Höhepunkten des LMMS. Wie gut das Plugin sich anhört, können Sie unter [4] selbst testen..
Neu ist auch das Mallets-Plugin, das sich als Frontend für das Synthesis Toolkit Stk versteht und perkussive Klänge wie Xylophon, Glockenspiel oder Marimba hervorbringt. Ebenfalls neu mit von der Partie: Kicker, der das Linux Multimedia-Studio um einen Bassdrum/Kick-Synthesizer bereichert. Obwohl zur Klangformung nur fünf Parameter bereitstehen (Start- und Endfrequenz, Abfallzeit, Verzerrung und Ausgabemultiplikator), lassen sich diesem Synthesizer eine Vielzahl interessanter Klänge entlocken.
Mit dem eher experimentellen Singerbot gibt es nun ein Frontend für die Sprachsyntheseanwendung Festival, die zum Umfang der meisten gängigen Linux-Distributionen zählt. Mit dem Singerbot lassen Sie LMMS englische Wörter sprechen. Geben Sie mehrere Wörter ein, gibt Singerbot die einzelnen Wörter nicht durch eine lange Note aus, sondern fein säuberlich hintereinander – pro Wort eine Note. Damit können Sie Singerbot praktisch zum Singen bringen.
Last but not least sei der Patman erwähnt, der die Verwendung von Patch-Dateien im GUS-Format erlaubt. Patch-Dateien bestehen aus mehreren Samples, wodurch die Qualität in verschiedenen Tonhöhen deutlich höher liegt als bei One-Shot-Samples, die nur transponiert werden. Eine brauchbare Sammlung solcher Patch-Dateien bietet das Freepats-Projekt [5]. Unter Debian/Ubuntu genügt die Installation des Pakets freepats, während Mandriva das Paket timidity-patch-freepats bereitstellt.
Und sonst?
Zu den absoluten Highlights von LMMS 0.3.0 zählt die freie VST-Unterstützung. VST steht für Virtual Studio Technology und ist eine kommerzielle Entwicklung des Sequencer-Anbieters Steinberg aus Hamburg. Die Schnittstelle regelt die Kommunikation zwischen dem Sequencer und den virtuellen Instrumenten im Computer. Grundsätzlich liegt die VST-Schnittstelle für Entwickler offen, unterliegt aber proprietären Lizenzbestimmungen.
Die freie Variante wurde möglich, weil ein LMMS-Entwickler erst den VST-Lizenzvereinbarungen nicht zugestimmt und dann per Reverse Engineering eine freie VST-Header-Datei entwickelt hat. Für die Benutzer von LMMS heißt das: Alle LMMS-Binärpakete enthalten nun schon von Hause aus VST-Unterstützung.
Neben dieser wichtigen Änderung bringt LMMS 0.3.0 viele kleine Verbesserungen mit, etwa die Unterstützung von komprimierten Projektdateien, erkennbar an der Endung mmpz. Auch der MIDI-Import-Filter zeigt sich verbessert und beherrscht nun beispielsweise den Import von Tempo-Änderungen innerhalb eines Songs. Zudem haben die Entwickler Kompatibilitätsprobleme beim Import älterer LMMS-Projekte behoben und dem Programm außerdem das lang erwünschte Menü Zuletzt geöffnete Projekte spendiert. Schließlich hielten ausgewählte Projekte, Presets und Samples aus der LMMS Sharing Platform (LSP) [6] Einzug in die LMMS-Distribution.



