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Hallo Neo

Das Neo1973-Telefon und die OpenMoko-Plattform

01.12.2007 Das FIC Neo1973 und OpenMoko sollen eine offene Plattform für Linux-Mobiltelefonie zu schaffen. Doch der Weg zum benutzerfreundlichen Linux-Handy ist noch weit.

Nach den mehr oder weniger proprietären Linux-Telefonen der großen Hersteller wie Motorola, Grundig und anderen und der schon offeneren PDAs und Telefone wie den Nokia Internet Tablets, dem Trolltech Green Phone und dem Handy-PC von Road, springt jetzt die taiwanesische Firma First International Computer – kurz FIC – auf den mobilen Linux-Zug auf [1]. Die Firma entwickelt dabei zwei Komponenten: Eine relativ offene Hardwarebasis – das Neo1973-Telefon – sowie die Linux Distribution OpenMoko [2]. Sie basiert auf Open Embedded [3] und könnte auch auf anderer Hardware Verwendung finden.

Hardware

Das Telefon kommt entweder in den Farbkombinationen schwarz/silber oder weiß/orange und fällt ungewohnt rund aus. Wie das iPhone muss auch das Neo1973 ohne Hardware-Tastatur auskommen, was das 2,8 Zoll kleine TFT-Display allerdings in gewisse Nöte bringt (Abbildung 1). Da das Display trotz der geringen Größe 640x480 Pixel darstellt, kommt es auf eine hohe Pixeldichte von 286 Pixel pro Zoll (ppi). Das ermöglicht zwar eine hohe Schriftqualität, verlangt der betagten CPU allerdings einige Rechenleistung ab. Zudem erfordert es Anpassungen an den eingesetzten, damit Schrift und Icons noch lesbar bleiben.

Abbildung 1: Bei etwa gleicher Größe wie ein iPhone ist das Neo1973 deutlich dicker und bringt ein kleineres Display mit.

Im Inneren des Neo1973 werkelt ein ARM-9 Prozessor mit 266 MHz und 128 MByte RAM sowie 64 MByte ROM. Drahtlose Verbindungen mit der Außenwelt kann das Gerät mittels GSM sowie Bluetooth 2.0 aufbauen. Der integrierte GPS-Chip könnte den Weg weisen – wären denn passende Linux-Software sowie ein Treiber dafür zugänglich. Doch der Hersteller des Chips will das dazu notwendige Protokoll nicht offenlegen. Es laufen jedoch bereits Anstrengungen von Entwicklern das Protokoll per Reverse Engineering in Erfahrung zu bringen. Ein weiteres akutes Problem ist die Inkompatibilität des Firmware des GSM-Modems von TI, die dazu führt das nahezu alle SIM-Karten die seit Anfang 2007 ausgeliefert wurden, mit dem Neo1973 nicht funktionieren [4].

FIC liefert das Telefon komplett ohne vorinstallierte Software ausgeliefert. Ein Bierdeckel mit der Aufschrift "Some assembly required" verweist auf die Instruktionen zum Flashen des Geräts auf den Wiki-Seiten des Projekts (siehe Kasten "Flashen"). Zum Laden des Akkus sowie dem Datenaustausch mit dem heimischen Rechner steht USB in der Version 1 zur Verfügung, der Speicherplatz lässt sich mittels einer Micro-SD-Karte aufstocken. Obwohl die Tastatur zur Eingabe von Buchstaben einen Stylus erfordert, ist kein Stylus Halter im Gehäuse integriert. Derzeit wird immerhin ein Multifunktionsstift mit Stylus-Mine und Laser-Pointer mitgeliefert.

Flashen

Zum Flashen des ROMs drückt man beim Einschalten des Gerätes den AUX- sowie den Power-Button für rund fünf Sekunden, um in den Bootloader U-Boot zu gelangen. Ähnlich wie bei anderen Embedded-Geräten kann man dann über das DFU-Protokoll auf das Gerät zugreifen und die Firmware installieren oder aktualisieren. Dazu verwendet man am besten das vom OpenMoko bereitgestellt dfu-util-Paket mit den aktuellen Firmware-Dateien:

dfu-util -a kernel -R -D uImage-2.6.22.5-moko11+svnr2937-r0-fic-gta01.bin
dfu-util -a rootfs -R -D OpenMoko-openmoko-devel-image-glibc-ipk-P1-September-Snapshot-20070916-fic-gta01.rootfs.jffs2

U-Boot sollten Sie nur flashen, wenn Sie das komplette Kit mit JTAG-Interface-Board zur Verfügung haben, da der Zugriff auf den Flashspeicher ohne einen funktionierenden Bootloader nicht mehr möglich ist.

Von der aktuellen Hardware verkaufte FIC laut eigenen Angaben rund tausend Geräte an Entwickler, das entsprechende Set zeigt Abbildung 2. Ende des Jahres soll es eine überarbeitete Version geben, die eher auf Endanwender abzielt. Sie bekommt eine schnelleren CPU, einen Grafikbeschleuniger, mehr ROM, einen WLAN-Chip sowie einen anderen GPS-Empfänger. Der neue GPS-Chip wird wohl direkt die Koordinaten liefern und damit die Treiberprobleme mit der aktuellen Version beenden. Details zur Hardware des Neo1973 finden Sie in der Tabelle "Alt und Neu".

Abbildung 2: Neben einem halbwegs funktionierenden Mobiltelefon liegt der OpenMoko-Box zahlreiches Zubehör bei.

Alt und Neu

Aktuelle Version

Geplant für 2008

CPU Samsung S3C2410AL-26 (266 MHz) Samsung S3C2442 (400 MHz)
Hauptspeicher 128 MByte SDRAM keine Änderungen
Speicher 64 MByte NAND-Flash und Micro-SD-Cardslot 256 MByte ROM
Display 2.8 Zoll (1.7 x 2.27 Zoll) 480x640 TFT LCD, 285 ppi keine Änderungen
Connectivity Texas Instruments Calypso-based GSM/GPRS-Modem, Delta DFBM-CS320 Class2 Bluetooth zusätzlich: WLAN Atheros AR6K
GPS-Modul Hammerhead PMB 2520 AGPS von Global Locate AGPS Atmel ATR0635
Adapter USB ( nur 1.x) – Host und Device keine Änderungen
Sound WM8753 Wolfson Microelectronics Audio Codec keine Änderungen
Batterieleistung 1,2 Ah 1,7 Ah
Preis 300 US-Dollar noch nicht bekannt

Software

OpenMoko setzt auf einen 2.6-er Kernel samt GNU Libc und System-V-Init. Diese Kombination soll sicherstellen, dass Entwickler die vorhandenen Linux-Programme ohne Anpassung für OpenMoko kompilieren können. Die große C-Bibliothek führt jedoch im Vergleich der ansonsten in Embedded-Linux-Systemen zum Einsatz kommenden uClibC zu deutlich größeren Programmen. Das Init-System, das sonst eher auf Desktop- und Serversystemen Verwendung findet, zieht Bootzeiten von über zwei Minuten nach sich.

Schade, dass die Oberfläche nicht auf bestehenden Projekten wie dem Gnome-Palmtop-Environment (GPE) beruht, sondern FIC eine weitere auf Gtk+ aufsetzende Umgebung für mobile Geräte begonnen hat. Dies trägt nicht nur zur weiteren Zersplitterung der mobilen Linux-Landschaft bei, sondern führt auch dazu, dass derzeit kaum ein Programm für OpenMoko auf dem Neo1973-Telefon vollständig funktioniert. In den meisten Versionen der Firmware scheitern seit Monaten selbst Basisfunktionen wie Telefonieren oder SMS-Versand.

Immerhin verbesserten die FIC-Entwickler Designfehler der Alpha-Software, wie kontrastarme Buttons und kleine Schriften, und tauschten diese Elemente durch deutliche attraktivere und lesbarere Designs aus. Andere Projekte entwickeln aber bereits alternative Firmware-Versionen: So hat etwa Trolltech erst kürzlich eine Beta-Version von Qtopia für die Neo-Hardware veröffentlicht, und auch das T2-Projekt arbeitet an einer auf uClibC basierenden Software mit E17 für das Telefon [5].

Mangels funktionierender Software erlaubt das aktuelle Neo1973 kaum Spielereien. Immerhin kann man sich per SSH auf dem Device einloggen. Da neben Host-USB (also dem Betrieb als Host zum Anschluss von Tastatur und Maus) auch Device-USB verfügbar ist, stellt das Neo-Telefon in der Grundeinstellung eine USB-Netzwerkschnittstelle zur Verfügung. Sie erlaubt auch den Zugriff via SSH. Dazu vergibt man eine IP-Adresse für das virtuelle USB-Ethernet-Interface und verbindet sich mit der voreingestellten Netzwerkadresse des Telefons.

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