Nachdem das digitale Antennenfernsehen zunächst viel Kritik einstecken musste, erfreut es sich mittlerweile wachsender Beliebtheit. So entdecken es viele Haushalte als günstigen Ersatz für den Kabelanschluss. Diesen Trend heizen die Hersteller von TV-Karten weiter an, indem sie die Elektronikmärkte mit ihren Produkten regelrecht überschwemmen. Eine Auswahl der teils bunten DVB-T-Empfänger musste beweisen, ob sie auch unter Linux das Überallfernsehen auf den Monitor zaubern.
Im Hinblick auf das kommende Weihnachtsfest haben wir einen bekannten Elektromarkt geplündert und insgesamt sieben USB-Sticks, sowie vier Steckkarten und zwei Cardbus-Geräte auf ihre Linux-Tauglichkeit hin überprüft. Die Tabelle "Das Testfeld" führt alle angetretenen Kandidaten auf. Das Ergebnis – so viel sei schon vorab verraten – fällt reichlich ernüchternd aus: Lediglich vier Testsamples ließen sich zur Mitarbeit bewegen, zwei weitere beherrschen immerhin den analogen Empfang.
Das Testfeld
| Hersteller | Pinnacle | Pinnacle | Pinnacle | Terratec | Terratec | Terratec | Avermedia | Hauppauge | LifeView | Pinnacle | Terratec | Avermedia | Pinnacle |
| Modell | Dazzle TV Stick | TV for Mac Hybrid Stick | PCTV DVB-T Flash Stick | Cinergy Piranha | Cinergy HT USB XE | Cinergy T USB XE | AverTV DVB-T Volar | WinTV-HVR 1300 | FlyDVB Trio | PCTV Dual DVB-T Pro PCI | Cinergy 2400i DT | AverTV Hybrid+FM | PCTV Hybrid Pro Card |
| Schnittstelle | USB | USB | USB | USB | USB | USB | USB | PCI | PCI | PCI | PCI Express | Cardbus | Cardbus |
| Zubehör | Stabantenne | Stabantenne | Stabantenne | Mini-Stabantenne mit Spezialbuchse | Stabantenne | Stabantenne | Stabantenne, Antennenadapter, USB-Verlängerung | Antenne (für Radioempfang), Fernbedienung, IR-Kabel | Antenne, Fernbedienung, IR-Kabel, Videokabel | Fernbedienung | Fernbedienung | Antenne, Fernbedienung | Antenne, Fernbedienung |
| Preis (ca.) | 45 Euro | 100 Euro | 70 Euro | 70 Euro | 55 Euro | 40 Euro | 40 Euro | 80 Euro | 130 Euro | 80 Euro | 109 Euro | 60 Euro | 90 Euro |
| Betrieb unter Linux | nein | nur analog | nein | nein | nur analog | nein(*) | ja | ja | ja | nein | nein | ja | nur analog |
| (*)Absturz unter alternativem Treiber | |||||||||||||
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Das digitale Antennenfernsehen liest sich auf dem Papier recht verführerisch: Über 30 Programme in bester Bildqualität, das Ganze rauschfrei und dank kleiner Stabantennen auch unterwegs genießbar – nicht umsonst spricht die Werbung vom "Überallfernsehen". Die Sendetechnik hat sich in den letzten Jahren nicht grundlegend verändert. Um trotzdem 30 Programme und mehr verbreiten zu können, komprimieren die Sendeanstalten zunächst das digitalisierte Bildmaterial, bevor sie es mit mehreren anderen Programmen durch einen herkömmlichen Kanal quetschen. Je höher die Kompression, desto mehr Programme passen in einen Kanal, doch parallel sinkt auch die Bildqualität. Im direkten Vergleich mit digitalem Satelliten- oder Kabelfernsehen zieht die Antenne meist den Kürzeren, HDTV-Programme sind nur mit Einschränkungen möglich. Um diese Grenzen zumindest etwas aufzuheben, arbeitet eine Kommission bereits am Nachfolgestandard DVB-T2. Ihn spricht jedoch keiner der vorgestellten Testkandidaten, auch nachrüsten lassen wird er sich in den meisten Fällen wohl nicht.
Die Qualität des Signals steigt und fällt mit der Entfernung zum Sendemast. Ab einer bestimmten Distanz kommen Sie um eine aktive Antenne mit Stromanschluss nicht mehr herum, die eine verbesserte Empfangsleistung bietet. Keinem der getesteten DVB-T Empfänger lag eine solche bei, sodass man gerade in ländlichen Gebieten noch einmal den Geldbeutel zücken muss. Eine Übersicht, wo welche Programme via DVB-T senden, liefert die Homepage der DVB-T-Taskforce von ARD und ZDF [1].
Die erste Anlaufstelle für den fernsehenden Linux-Liebhaber bildet die Internetseite Linuxtv.org [2]. Das dort beheimatete Projekt entwickelt emsig neue Treiber, die dann nach einer ausgiebigen Testphase im Linux-Kernel und somit wiederum in jeder Distribution landen. Als Faustregel gilt dabei: Je neuer die Distribution, desto mehr DVB-T Empfänger unterstützt sie – je älter der Empfänger, desto wahrscheinlicher funktioniert er unter Linux. Für unseren Test griffen wir daher zum nigelnagelneuen OpenSuse 10.3 sowie dem letzten Release Candidate von Ubuntu 7.10.
DVB-T Karten für den PCI-Steckplatz lassen sich normalerweise recht schnell in Betrieb nehmen: Man platziert die Karte schlicht in einen freien PCI-Steckplatz und schaltet anschließend den Computer ein. Linux erkennt die Karte beim Start und richtet sie automatisch ein. OpenSuse-Besitzer dürfen für die Feineinstellungen noch das TV-Modul in YaST heranziehen (unter Hardware | TV-Karte).
Auf diese Weise ließen sich die Hauppauge WinTV-HVR 1300 und die LifeView FlyDVB Trio komfortabel und ohne zu Murren in Betrieb nehmen. Einzig für die Karte aus dem Hause Pinnacle fand der Kernel keinen Treiber und ließ sie folglich untätig in ihrem Steckplatz schmoren. Gleiches geschieht übrigens auch mit sämtlichen PCI-Express-Karten, wie beispielsweise der Cinergy 2400i DT: Mangels Treiber geben diese unter Linux derzeit keinen Mucks von sich. Wer in seinem Computer nur noch PCI-Express-Steckplätze vorfindet, muss somit zwangsweise auf einen USB-Stick ausweichen.
Die kleinen USB-Sticks eignen sich besonders für unterwegs oder den Fernsehgenuss zwischendurch, verursachen aber bei der Inbetriebnahme ungleich mehr Aufwand als ihrer PCI-Vettern. Nach dem Einstöpseln gilt es zunächst einmal festzustellen, ob Linux das USB-Gerät als solches erkannt hat. Dabei hilft die Eingabe von dmesg in einem Terminalfenster. Die letzten Zeilen der durchrasenden Textwüsten sollten so ähnlich aussehen, wie in Abbildung 1 und 2. Linux teilt hier unter anderem mit, dass es den USB-Stick als solchen erkannt hat.
Das bedeutet allerdings noch nicht, dass dazu auch ein passender Treiber existiert. Deshalb sollte man kurz seinen Blick ins Verzeichnis /dev richten. Taucht dort ein Ordner namens dvb auf, ist der DVB-T Stick bereits vollständig betriebsbereit. Andernfalls gilt es noch einmal die Ausgabe von dmesg zu begutachten. Diese verlangt im besten Fall nach einer Firmware und nennt gleich den passenden Dateinamen. Nach ihm fahndet man nun im Internet und lädt die entsprechende Datei herunter. Die kopiert man als root ins Verzeichnis /lib/firmware, zieht den Stick kurz ab und stöpselt ihn direkt wieder ein. Die erneute Eingabe von dmesg sollte nun eine Erfolgsmeldung ausspucken – falls nicht, bringt Ihre Distribution keinen passenden Treiber mit. Sie können dann noch versuchen, eine Entwicklerversion aktueller DVB-T-Treiber zu installieren. Details dazu lesen Sie im Kasten "Letzte Rettung".
Im Testparcours erforderten alle USB-Sticks bis auf den AverTV DVB-T Volar den besagten Rettungsversuch. Der Avermedia-Stick glänzt zudem mit einer sehr guten Ausstattung: Neben einem ausreichend langen Antennenkabel liegt in der Packung auch ein USB-Verlängerungskabel. Letzteres löst ein Problem, das auch viele andere Empfänger befällt: Bedingt durch die etwas dickliche Bauart beanspruchen die DVB-T-Sticks um den USB-Port herum etwas mehr Platz. Sollen dort auch noch USB-Maus oder Tastatur Anschluss finden oder handelt es sich um ein schickes, extraflaches Notebookmodell, wird es dort schnell eng. Ein Verlängerungskabel entspannt die Situation dann deutlich.
Letzte Rettung
Unterstützt Ihre Lieblingsdistribution den DVB-T Empfänger nicht, gibt es zwei Hoffnungsträger. Doch Vorsicht: Die nachfolgend aufgezeigten Schritte können Ihr System unter Umständen lahmlegen.
Spielen Sie mit dem Paketmanager die Kernelquellen und die wichtigsten Build-Werkzeuge ein – unter OpenSuse etwa die Pakete kernel-source, make und gcc, bei Ubuntu linux-source, linux-headers und build-essential. Als nächstes besorgen Sie sich das aktuelle Treiberpaket von Linuxtv.org [2] und entpacken es in Ihr Home-Verzeichnis. Dort geben Sie in einem Terminalfester den Befehl make und anschließend sudo make install ein. Die Treiber überschreiben zahlreiche bereits vorhandene auf dem Zielsystem, in der Regel kommt es dabei aber nicht zu Problemen.
Den zweiten Rettungsring liefert Markus Rechenberger: Er bietet auf seinen Seiten ein alternatives Treiberpaket an, das die meisten DVB-T-Empfänger unterstützt, die die offiziellen Treiber noch nicht abdecken [3]. Das betrifft insbesondere Modelle mit einem Chipsatz der EM28xx-Serie. Um die alternativen Treiber zu installieren, zücken Sie zunächst wieder den Paketmanager und installieren neben den Kernelquellen noch das Programm mercurial. Anschließend öffnen Sie ein Terminalfenster und laden mittels des Befehls
hg clone http://mcentral.de/hg/~mrec/v4l-dvb-experimental
die Treiber aus dem Internet. Wie das experimental im Namen schon andeutet, befinden sich diese noch in der Entwicklung. Eine als stabil gekennzeichnete Variante existiert zwar, funktioniert aber nur mit Kernelversionen bis einschließlich 2.6.19.2. Wollen Sie diesen Treiber ausprobieren, dann holen SIe die Dateien per
hg clone http://mcentral.de/hg/~mrec/v4l-dvb-kernel
Nach dem Download wechseln Sie je nach gewähltem Code in das neue Verzeichnis v4l-dvb-experimental oder v4l-dvb-kernel und rufen make auf. Unter OpenSuse bemängelt make das Fehlen der Datei netdevice.h. Kopieren Sie diese aus /usr/src/linux/include/linux/ in das vom Treiber gewünschte Verzeichnis.
Hat make sein Werk vollendet, installieren Sie die Treiber über sudo make install. Anwenderberichten zufolge sollen auch die experimentellen Treiber einwandfrei funktionieren. Für die hier getesteten USB-Sticks galt dies jedoch nicht: Beim "Pinnacle TV for Mac Hybrid Stick" ließ sich beispielsweise nur der analoge Teil aktivieren. Etwas besser sah es zunächst bei der Terratec Cinergy T USB XE aus. Der neue Treiber erkannte den Stick und band ihn auch korrekt ein. Beim Zugriff über Kaffeine fror das gesamte System jedoch reproduzierbar ein und ließ sich erst durch einen Reset wieder zum Leben erwecken. Ein Regelbetrieb war damit jedenfalls nicht möglich. Bei alle anderen USB-Sticks im Testfeld blieb auch mit dem alternativen Treiber der Bildschirm dunkel.
Auch für die zwei getesteten Cardbus-Geräte gibt es im V4L-Repository von Markus Rechenberger Treiber. Aktuelle Distributionen unterstützen die Avermedia-Karte mit einem Zarlink MT352-Chipsatz über das Kernelmodul saa7134_dvb von Haus aus. Es fehlt aber eine passende Firmware, die Sie auf den Blog-Seiten von Konstantin Filtschew finden [4]. Sie benötigen Version 3 der zum Download bereitstehenden Dateien.
Die Pinnacle-Karte besitzt ebenfalls einen Zarlink-Chipsatz (ZL10353) und funktioniert unter den gleichen Voraussetzungen wie das Avermedia-Gerät. Pinnacle scheint allerdings die Firmware verändert zu haben: So meldet das System beim Tuning-Versuch einen Fehler. Das verwirrt insofern, als Kaffeine den DVB-T-Adapter zwar durchaus als solchen erkennt, aber keinen Programmscan durchführt. Zurzeit funktioniert somit nur der analoge Tuner unter Linux.
Eine schnelle, einfache und auch recht komfortable Lösung für das Digitalfernsehen unter Linux bietet Kaffeine. Hat KDE den DVB-T-Adapter erkannt, klicken Sie im Startbildschirm auf Digitales Fernsehen. Fehlt dieser Punkt, stimmt irgendetwas mit der Konfiguration des DVB-T-Empfängers nicht. Unter OpenSuse müssen Sie zudem die originale xine-lib-Version durch das Paket libxine1 von Packman ersetzen.
Hat alles geklappt, öffnet Kaffeine nun das Fenster zur Kanaleinstellung. Hier klicken Sie einfach auf Suche starten. Nach ein paar Minuten füllt sich die Liste auf der rechten Seite. Vergleichen Sie die dortigen Sender mit denen, die in Ihrer Region verfügbar sein sollten. Die entsprechenden Informationen erhalten Sie beispielsweise unter [1]. Glänzen einige der Sender durch Abwesenheit, sollten Sie die Antenne neu ausrichten. Ideal ist beispielsweise ein Platz auf einer Fensterbank, die in Richtung Sendemast zeigt.
Gaben Sie alle Sender beisammen, klicken Sie auf Alles auswählen, gefolgt von Ausgewählte hinzufügen und dann auf Fertig. Im Hauptfenster stehen jetzt alle Sender in der Liste am linken Rand zur Verfügung. Ein Doppelklick genügt, um das gewünschte Programm im rechten Bereich aufzurufen (Abbildung 4). Den ebenfalls mitgesendeten, elektronischen Programmführer (EPG) erreichen Sie über das dritte Symbol von links über dem Eingabefeld Filter.
Das Ergebnis des Tests fällt ernüchternd aus. Fast jeder einzelne USB-Empfänger ist für sich genommen ein Sonderfall, selbst bei den unterstützen Exemplaren stehen zudem ohne passende Firmware aus dem Internet alle Räder still.
Glücklicherweise pflegt das Linuxtv.org-Projekt eine Liste mit allen funktionierenden DVB-T Empfängern [5]. Dort sollten Sie unbedingt vor einem Kauf vorbeischauen und die Kommentare zum anvisierten Modell genau studieren. Achten Sie darüber hinaus auch auf die exakte Modell- und Typbezeichnung: Manche Hersteller arbeiten mit ähnlichen Produktnamen für Modelle mit vollkommen anderer Technik, wie etwa Terratec bei der Cinergy HT USB XE und ihrer fast namensgleichen Schwester Cinergy T USB XE.
Als Lichtblick sei erwähnt, dass die funktionierenden Empfänger ein sehr gutes Bild lieferten. Den größten Einfluss auf die Darstellungsqualität nehmen sowieso die Sendeanstalten: Komprimieren die das Material zu stark, hilft auch der beste Empfänger nichts.
Glossar
DVB-T
Digital Video Broadcast – Terrestrial. Digital verbreitetes Fernsehen, das über eine kleine Zimmerantenne empfangen wird. Je nach Sendegebiet empfangen Sie damit bis zu 30 Programme in bester Bild- und Tonqualität.
[1] Digitales Antennenfernsehen: http://www.ueberallfernsehen.de
[2] Fernsehempfang unter Linux: http://www.linuxtv.org
[3] Alternative Linux-Treiber: http://mcentral.de
[4] DVB-Firmware-Dateien: http://konstantin.filtschew.de/v4l-firmware/
[5] Datenbank funktionierender DVB-T-Empfänger: http://www.linuxtv.org/wiki/index.php/DVB-T_Devices