Treibersuche

Fehlt eine Netzwerkschnittstelle, laden Sie den passenden Treiber manuell nach. Ermitteln Sie dazu mit lspci -nn | grep Ethernet die entsprechende Hardware. Der Befehl zeigt neben den Namen der Karte in eckigen Klammern auch die eindeutige, vierstellige Hersteller- und Gerätekennung an. Mit grep "0x0000Herstellerkennung" /lib/modules/Kernel-Version/modules.pcimap | grep "0x0000Gerätekennung" suchen Sie in der Kernel-Liste der unterstützen PCI-Geräte nach Ihrer Hardware (Abbildung 3).

Abbildung 3: Auf der Suche nach dem passenden Kernel-Modul für die Netzwerkkarte helfen die Hersteller- und Gerätekennung weiter.

In der ersten Spalte der Ausgabe des Befehls steht Name des Kernel-Moduls, mit modprobe Modulname laden Sie es nach. Verwenden Sie ein USB-Gerät für den Netzwerkzugriff, dann suchen Sie stattdessen in der Datei modules.usbmap nach der entsprechenden Kennung. Für Firewire-Geräte ist das Kernel-Modul eth1394 zuständig [4]. Finden Sie auf diese Weise keinen Treiber, bleibt noch die Möglichkeit, es mit einem aktuelleren Kernel zu probieren oder im Paketarchiv Ihrer Distribution oder im Internet nach einem Treiber zu suchen.

Eine unkonfigurierte Netzwerkschnittstelle hat noch keine IP-Adresse. Mit ip addr add 192.168.1.42/24 dev eth0 weisen Sie der Schnittstelle eth0 zum Beispiel die IP-Adresse 192.168.1.42 zu und geben dabei gleichzeitig mit /24 als Kurzform für 255.255.255.0 die Netzmaske mit an. Mit ip addr show oder einfach nur ip addr sehen Sie sich das Ergebnis an. Mit ip addr del löschen Sie die Adresse wieder. Hilfe erhalten Sie mit help. Probieren Sie dazu einfach einmal ip help, ip addr help und ip addr add help aus.

Geben Sie der Gegenstelle eine IP-Adresse aus dem selben Netzbereich (hier: 192.168.1.0/24), dann gelingt der Zugriff bereits. Der TCP/IP-Stack hat nämlich für die Schnittstelle bereits stillschweigend eine passende Route hinzugefügt, wie ip route show offenbart. Es handelt sich dabei um eine Schnittstellenroute (dev eth0). Geben Sie dem Kommunikationspartner jedoch zum Beispiel die Adresse 10.7.21.99/16, dann befindet sich er sich für TCP/IP in einem anderen Netzwerk und lässt sich ohne passende Route nicht erreichen. IP-Taschenrechner, wie das exzellente Gip für Gnome [5] oder Sipcalc [6], helfen beim Rechnen mit Netzwerkbereichen und Prefixen (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Beim Berechnen von Netzwerkmasken und Prefixen helfen passende Rechner weiter, wie etwa Gip (links) oder Sipcalc (rechts).

Ins Internet finden IP-Pakete damit Ihren Weg jedoch noch nicht. Fügen Sie dazu eine Standardroute hinzu. Hat Ihr Internet-Gateway die IP-Adresse 192.168.1.1, verwenden Sie dazu ip route add default via 192.168.1.1. Mit ip route add 10.0.0.0/8 via 192.168.1.2 leiten Sie hingegen alle Pakete in das Netz 10.0.0.0/8 über 192.168.1.2 und mit ip route del löschen Sie eine Route. Wer mehr als eine Routing-Tabelle einsetzen möchte, sollte sich die Kernel-Option Network | Network options | IP: advanced router (CONFIG_IP_ADVANCED_ROUTER) und den Befehl ip rule näher anschauen [7].

So richtig komfortabel klappt das Surfen im Internet jedoch immer noch nicht: Erst, wenn Sie in die Datei /etc/resolv.conf die IP-Adresse eines DNS-Servers eintragen, löst Ihr Rechner auch die Namen anderer Computer auf. Eine DNS-Anfrage für www.linux-user.de liefert dann die passende IP-Adresse (Listing 2). Mit search definieren Sie Teile eines Domain-Namens, die der Resolver anhängt, wenn Sie keinen vollständigen Domain-Namen angegeben. Die IP-Adressen von Hosts aus dem eigenen Netzwerk tragen Sie auf allen Computern in /etc/hosts ein, sofern Sie keinen eigenen Nameserver aufsetzen möchten[8].

Listing 2
search of.teamix.net teamix.net n-ix.net
nameserver 172.21.254.1
nameserver 172.21.254.254

Gibt es im Netzwerk einen DHCP-Server, ersetzt der Aufruf eines DHCP-Clients wie dhclient Device oder pump -i Device in der Regel die manuelle Konfiguration von IP-Adressen, Netzwerkmasken, Routen und Nameservern.

Permanente Konfiguration

Die beschriebenen Befehle eignen sich gut zur Ad-Hoc-Konfiguration des Netzwerks. Beim Herunterfahren oder Ausschalten des Computers gehen die Einstellungen jedoch verloren. Unter Debian und Ubuntu tragen Sie die Parameter in die Datei /etc/network/interfaces ein, bei Suse verwenden Sie am besten YaST. Das speichert die Einstellungen in /etc/sysconfig/network über den Neustart hinweg. Mit ifdown Device schalten Sie eine mit Bordmitteln konfigurierte Netzwerkschnittstelle aus, mit ifup Device wieder ein. Läuft Ihr Computer häufig in unterschiedlichen Netzwerken, helfen Ihnen verschiedene Programme beim automatischen Konfigurieren ([9],[10],[11]).

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