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System ausmisten mit Gtkorphan

01.11.2007
Mit Deborphan/Gtkorphan löschen Sie aus Debian-basierten Distributionen überflüssigen Ballast schnell wieder heraus.

Power-User wie Gelegenheitsanwender kennen die Situation: Trotz sorgfältiger Datenpflege und regelmäßigem Löschen nicht mehr benötigter Dateien und Programme läuft die Festplatte langsam voll. Bei modernen Betriebssystemen sammeln sich je nach Einsatz schnell einige zehntausend Dateien an. Selbst wenn Sie Programme löschen, bleiben oft Konfigurationsdateien, Unterverzeichnisse oder überflüssige Bibliotheken zurück. Auch die Unix-basierten Betriebssysteme sind für dieses Phänomen anfällig – primär Linux, weil durch die enorme Anzahl von verfügbaren Programmen ein anspruchsvoll konfiguriertes System schnell mehr als 100 000 Dateien auf der Festplatte umfasst.

Gegen dieses Phänomen gibt es ein Mittel – zumindest für Debian-basierte Systeme: Installieren Sie das Team Deborphan [1] und Gtkorphan [2] und schaffen Sie innerhalb weniger Minuten wieder Platz auf der Platte.

Installation

Viele Distributionen halten das Duo bereits in den entsprechenden Repositories bereit. Dies gilt vor allem für alle neueren Ubuntu-Versionen und deren Derivate, wie beispielsweise Mint Linux [3] oder GNewsense [4]. Die Programme setzen den Dialogbox-Generator Dialog und die Bibliotheken Libgtk2-gladexml-perl, Liblocale-gettext-perl, Libgtk2-perl (> 1.100-1) und Libglib-perl (> 1.100-1) voraus. Diese Abhängigkeiten lösen aktuelle Systeme jedoch bei der Installation automatisch automatisch auf. Insgesamt benötigt die Software bei der Installation nur wenige Megabyte Festplattenplatz, wobei das Setup unter Gnome im Menü System | Administration den Eintrag Verwaiste Pakete entfernen anlegt. Unter XFCE findet sich der entsprechende Eintrag im Menü Applikationen | System.

Saubermann

Nach dem Start der Software fragt Ubuntu zunächst das User-Passwort ab, da es sich hier um ein Programm zum Verwalten des Systems handelt. Danach öffnet sich das Hauptfenster von Gtkorphan mit dem aktivierten Reiter Verwaiste Pakete, in dem das Tool herrenlose Dateien anzeigt. Unten im Fenster zeigt die Software die Summe der Dateigrößen aller verwaisten Pakete und Dateien an (Abbildung 1).

Abbildung 1: Bei lange benutzten Systemen sammeln sich mit der Zeit viele verwaiste Bibliotheken an, die unnötig Plattenplatz verbrauchen.

Im Bereich Optionen unter dem Hauptfenster aktivieren Sie die erweiterte Suche nach verwaisten Konfigurationsdateien und Bibliotheken. Dabei sollten Sie Augen und Ohren jedoch ganz besonders weit offen halten: Ein Klick auf den Eintrag Alle verwaisten Pakete zeigen, nicht nur die in der Sektion "libs" führt in der Regel zu einer langen Liste angeblich überflüssiger Dateien. Im Test zeigte sich jedoch, dass die Software hier äußerst großzügig Dateien als verwaist kennzeichnet: So fanden sich beim Testsystem in der Liste das keineswegs überflüssige Englisch-Wörterbuch Ding und der Schädlingsjäger Chkrootkit.

Die Anzeige von Programmen, die nicht verwaist, sondern noch in regem Gebrauch sind, resultiert aus der Suchmethode: Deborphan zeigt jene Softwarepakete in der Liste an, die kein anderes Programm als Abhängigkeit registriert hat. Dies trifft zum Beispiel auf viele Applikationen zu, die Sie als Binärpakete aus anderen Quellen als den Repositories herunterladen. Auch bei einigen Programmen, die Sie mithilfe des Paketkonverters Alien aus einem RPM-Paket umwandeln, bestehen keinerlei Abhängigkeiten zum vorhandenen System, sodass diese ebenfalls in der Liste der verwaisten Pakete auftauchen.

Damit diese Pakete nicht bei jedem Aufruf des Programms erneut in der Liste erscheinen, bietet das Tool die Option, eine Softwareversion einzufrieren. Öffnen Sie dazu mit einem Rechtsklick auf den entsprechenden Eintrag das Kontextmenü und klicken dann auf den Eintrag Paket einfrieren. Anschließend verschwindet das Programm aus der Liste. Möchten Sie die eingefrorenen Programme später wieder sehen, aktivieren Sie die Anzeige im selben Menü mit einem Klick auf den Eintrag Eingefrorene Pakete anzeigen. Zudem bietet das Kontextmenü die Möglichkeit, zu einzelnen Paketen detaillierte Informationen anzuzeigen (Abbildung 2). Dabei greift die Software auf das Debian-Paketmanagement zurück und wertet die Datei /var/lib/dpkg/status aus.

Abbildung 2: Auf Wunsch liefert das Programm Gtkorphan zu jedem Paket einen kurzen Steckbrief mit allen wichtigen Informationen.

Wesentlich weniger Prüfaufwand verlangt dagegen die Option Deinstallierte Pakete zeigen, die noch verwaiste Konfigurationsdateien haben. Damit suchen Sie nach zurückgebliebenen Konfigurationsdateien, deren korrespondierende Programmpakete inzwischen wieder von der Festplatte verschwunden sind. Oft bleiben diese zurück, um dem Anwender im Falle einer erneuten Installation die Konfiguration der Software zu erleichtern.

Als dritte Option bietet die Software die Möglichkeit, andere verwaiste Bibliotheken zu erraten, wobei Sie die Auswahl auf Sektionen des Paketmanagements, wie beispielsweise Dokumentation oder Development, einschränken dürfen. Bei dieser Option sollten Sie ebenfalls sehr sorgfältig prüfen, ob die angezeigten Pakete tatsächlich auf Dauer überflüssig sind. Löschen Sie gerade aus den Sektionen für die Programmiersprachen Perl und Python vorsichtshalber nur solche Pakete, bei denen Sie nicht den geringsten Zweifel haben, dass es sich tatsächlich um echte Waisen handelt.

Gtkorphan löscht von sich aus keine Dateien. Stattdessen müssen Sie die Dateiliste durchgehen und jede zu löschende Datei mit einem vorangestellten Häkchen versehen. Diese Prozedur dauert auf einem bereits seit längerem im Einsatz befindlichen Rechner mit umfangreicher Installationshistorie mitunter eine längere Zeit. Immerhin gilt es dann nicht selten einige hundert Dateien zu überprüfen.

Verständlicherweise existiert aus Sicherheitsgründen im Hauptfenster keine Option zum globalen Löschen. Hat sich eine größere Anzahl tatsächlich überflüssiger Dateien angesammelt, die Sie in einem Arbeitsgang löschen wollen, so erledigen Sie das über das Kontextmenü, das Sie mit einem Klick auf ein gelistetes Programm aktivieren. Darin wählen Sie den Eintrag Alle auswählen an.

Beim Löschen fragt die Software bei gleichzeitiger Anzeige einer Liste der zum Entfernen vorgesehenen Dateien nochmals nach, ob Sie diese tatsächlich löschen möchten. Nach dem Bestätigen entfernt das Tool die Dateien aus dem System, wobei es in einem Textfenster den Fortgang meldet und vor eventuell auftretenden Inkonsistenzen warnt. Abschließend müssen Sie lediglich noch das Programmfenster manuell schließen und haben danach ein von vielen überflüssigen Dateien gereinigtes System (Abbildung 3).

Abbildung 3: Gtkorphan zeigt zu jedem Löschvorgang übersichtlich alle Informationen an.

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