Eine kleine Textnachricht über ein Netzwerk zu verschicken, war eine der ersten Tätigkeiten der Internetpioniere. Allen Unkenrufen zum Trotz, dass das Versenden einer Textnachricht "kein wichtiger Beweggrund, um ein Netzwerk von wissenschaftlichen Rechnern aufzubauen" [1] sei, entwickelte sich die E-Mail rasant zu einem der wichtigsten Kommunikationsmittel.
Genügte in den frühen Tagen des Internets ein einfaches, konsolenbasiertes Textprogramm, um eine Nachricht erfolgreich im Klartext in die weite Welt zu befördern, so durchkreuzen heute viele Faktoren den Plan von einst, ein simples Nachrichtensystem zu erschaffen. An erster Stelle stehen hier der allgegenwärtige Spam, der erhöhte Bedarf an Sicherheit und das allgemein bis zur Unübersichtlichkeit gestiegene hohe E-Mail-Aufkommen.
Weil Linux von Haus aus als effizientes Netzwerksystem gilt, entwickelten sich auch die zugehörigen Mailclients unter dem freien Betriebssystem sehr schnell zu Suiten, die die beinahe jeden Wunsch erfüllen. Ein Vergleichstest zeigt, wie die Platzhirsche KMail, Evolution, Thunderbird und Claws Mail heute mit Mail, Spam und Co. umgehen.
Egal, ob Sie Mails im Büro nutzen, um mit Kollegen und Kunden zu kommunizieren, oder von zu Hause, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben – der allgegenwärtige Spam gerät hier wie da zum Problem. Die unerwünschten Werbenachrichten nehmen einen größeren Anteil am Mailaufkommen ein als alle erwünschten Nachrichten zusammen. Viele prophezeien gar den Niedergang des Mediums, da durch Spam die Verlässlichkeit der E-Mail nicht mehr gegeben sei. Zu schnell passiert es, dass eine wichtige Mail unentdeckt im Spamfilter verschwindet. Aktuelle Mailclients sollten also unproblematisch mit verlässlichen Spamfiltern zusammenarbeiten.
Viele Computernutzer besitzen zudem ein erhöhtes Sicherheitsbewusstsein. Sie wollen ihre vertraulichen Nachrichten angemessen verschlüsseln, um sie vor neugierigen Augen zu verbergen, oder sich über eine Signatur Gewissheit über die Korrektheit des Absenders zu verschaffen. Trotzdem sollten GPG und Co. nicht zur Wissenschaft ausarten.
Das erhöhte Aufkommen an Mails verlangt nach gut funktionierenden Sortiermechanismen. Außerdem benutzen die meisten Anwender mehr als einen Account, teils auch für vollkommen unterschiedliche Zwecke. Diese wollen sie aber unter einer Oberfläche verwalten. Dabei gilt ein besonderes Augenmerk den meist genutzten Protokollen POP und IMAP.
Sehr komfortabel erscheint die Möglichkeit, über Mailinglisten boardartig mit einer ausgewählten Nutzergruppe zu kommunizieren. Das sollte der Mailclient durch entsprechende Funktionen unterstützen. Unter modernen Desktopoberflächen trägt die Systemintegration der Software nicht unwesentlich zur Benutzbarkeit bei. Außerdem sollte eine Brot-und-Butter-Applikation wie ein Mailclient eine besonders logische Benutzerführung (Usability) aufweisen. Schließlich möchte niemand erst ein dickes Handbuch wälzen, um etwas so selbstverständliches zu tun, wie eine E-Mail zu schreiben.
Ein umfassendes Adressbuch oder die Integration eines bereits vorhanden Adressbuchs erleichtert die Kommunikation. Wie meistern die großen E-Mail-Clients unter Linux diese täglichen Aufgaben?
KMail [2] zählt zum Umfang der beliebten Oberfläche KDE (Abbildung 1). Die Software erhält meist im Einklang mit dem Aktualisieren des Desktops selbst eine neue Releasenummer und liegt derzeit in Version 1.9.8 (KDE 3.5.7) vor. Die Software versteht sich nicht nur als integrierter Systembestandteil von KDE, sondern kommt seit einigen Jahren auch als Komponente der KDE-eigenen PIM-Lösung Kontact daher. Diese verwaltet neben KMail einen Newsreader, das Adressbuch, einen Terminkalender, einen RSS-Reader sowie eine Aufgabenverwaltung unter einer einheitlichen Oberfläche. KMail erlaubt aber auch den Einsatz als Standalone-Programm.
Beim ersten Start hilft ein Assistent beim Einrichten des Mailaccounts (Abbildung 2). Sie tragen als Nutzer lediglich Namen, Mailadresse und die bekannten Serveradressen Ihres Providers ein und erhalten das klassische dreigeteilte Programmfenster. Voreingestellte Providerzugänge für bekannte und vielgenutzte E-Mail-Dienste – etwa GMX, Google Mail oder T-Online – bietet der Assistent nicht an.
Über den Menüeintrag Einstellungen | KMail einrichten erhalten Sie Zugang zu umfassenden Konfigurationsmöglichkeiten des Clients. Neben der Möglichkeit, verschiedene Accounts bei verschiedenen Providern zu erstellen, erlaubt KMail das Einrichten verschiedener Identitäten. Dies erweist sich als nützlich, wenn Sie beispielsweise Ihre private Kommunikation von der geschäftlichen deutlich trennen wollen (Abbildung 3).
Klicken Sie hierfür unter der Rubrik Identitäten auf Hinzufügen und tragen Sie einen Namen für Ihre neue Identität ein (Beispiel: T-Online Geschäftlich, GMX privat; nicht zwingend Ihren Namen). Der folgende Dialog fordert erst den Eintrag des Namens und eventuell der Organisation. Diese übernimmt er dann in der E-Mail. Die folgenden Kartenreiter erlauben die Konfiguration der Identität. So stellen Sie unter Kryptographie Ihre bereits vorhandenen GPG-Schlüssel ein, welche Sie an Nachrichten anhängen möchten, und legen die für diese Identität gültige Signatur fest.
Unter Erweitert bestimmen Sie den Speicherort der Ordner Gesendet, Vorlagen und Entwürfe. Auch die Nachrichtenvorlagen modifizieren Sie hier im Reiter Vorlagen. Aktivieren Sie das Kästchen Eigene Nachrichtenvorlagen benutzen und verändern Sie beispielsweise in der Rubrik Antwort an Absender den englischen Text für die Platzhalter in Deutsch. Diese Vorlagen erweitern Sie beliebig durch so genannte Feldbefehle. Der Schalter Befehl einfügen steht Ihnen dabei hilfreich zur Seite.
Der Kartenreiter Bild enthält ein kleines Gimmick: Vorausgewählte Fotos oder Symbole überträgt KMail schwarz-weiß und in einer Größe von 48x48 Pixeln mit der Mail mit. Allerdings ignorieren die meisten Mailprogramme dieses Mitbringsel.
Unter der Rubrik Zugänge richten Sie Ihre Mailaccounts ein. KMail greift auf lokale Postfächer, Mbox und Maildir-Boxen, IMAP-Server und auf POP-Server zu, welche wohl die meisten Anwender nutzen dürften. Als Anwender bestimmen Sie, ob die Nachrichten auf dem Server verbleiben sollen, oder die Software diese beim Abholen gleich löscht. Hier stellen Sie auch ein, wie lange die Nachrichten auf dem POP-Server noch verbleiben.
Bereits vorab legen Sie fest, wie oft KMail Nachrichten abruft, welchen Ordner die Nachrichten des Accounts zum Ziel haben und welche Nachrichtengröße nicht mehr akzeptiert. Der Reiter Extras bestimmt alle sicherheitsrelevanten Zugangsmethoden.
Wer nicht weiß, was der Server seines Anbieters anbietet, nutzt den Schalter Fähigkeiten des Servers testen. Es lohnt sich in jedem Fall, die vielfältigen Einrichtungsdialoge von KMail einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Hinter vielen Funktionen verstecken sich intelligente kleine Helfer, die Ihnen – einmal richtig eingestellt – den Mail-Alltag durchaus erleichtern.
In Sicherheitsfragen zeigt sich KMail auf der Höhe der Zeit: Sie binden über die Rubrik Sicherheit im Einrichtungsdialog problemlos Ihre zuvor erstellen GnuPG-Schlüssel ein und nutzen die anderer Kontakte. Dabei stellen Sie ein, ob Sie den Schlüssel automatisch oder nur bei Bedarf nutzen möchten. Ebenso einfach bestimmen Sie im Reiter Lesen der Einrichtungsdialoge zur Sicherheit, wie KMail mit den umstrittenen HTML-Mails umgeht. Sie haben die Wahl, ob das Programm diese Nachrichten nur anzeigt oder sogar verlinkte Inhalte aus dem Internet nachladen soll. Sicherheitsbewusste Anwender verzichten auf solche "Features" allerdings.
Zwei sehr nützliche Assistenten hält KMail zum Einbinden von Antivirus- und Antispam-Programmen bereit: Beide Links befinden sich im Menü Extras. Dabei sucht KMail automatisch nach installierter Software wie Spamassassin oder Clam Antivirus und richtet diese selbstständig ein. Was mit infizierten Mails oder sinnbefreiten Nachrichten passiert, bestimmen Sie selbst. Als besonders gelungen gilt die Filtertechnik unter KMail. Bereits das Kontextmenü beim Rechtsklick auf eine E-Mail erlaubt das schnelle Filtern von Nachrichten nach den Kriterien Betreff, Absender und Empfänger. Der darauf folgende Dialog erlaubt zusätzliche Regeln.
Als waschechtes KDE-Programm weist KMail zumindest unter KDE eine sehr gute Systemintegration auf. Als kleines Symbol in der Kontrollleiste zeigt es auf Wunsch stetig den Eingang neuer E-Mails und deren Zahl an. Viele wichtige Programme, darunter auch OpenOffice, bieten mittlerweile an, KMail als Standard-Client für E-Mail zu integrieren und bei Bedarf ein Nachrichtenfenster mit bereits eingetragener Adresse zu öffnen.
TIPP
Um KMail auch unter Firefox für die häufigen Mailto-Links zu verwenden, geben Sie in die Adressleiste des Webbrowsers about:config ein. Drücken Sie irgendwo im Fenster auf die rechte Maustaste für das Kontextmenü und wählen Sie Neu | String aus. Hier geben Sie im ersten Dialogfeld network.protocol-handler.app.mailto und danach kmailservice ein. Die Änderungen wirken sich erst nach einem Neustart des Browsers aus.
Das von KMail benutzte KAdressbuch lässt an Eintragsmöglichkeiten kaum Wünsche offen und arbeitet auch mit anderen systemnahen Anwendungen wie Kopete (IM) oder konversation (IRC-Client) zusammen.
KMail im Überblick
| Usability/Systemintegration | +++++ |
| Konfigurierbarkeit | +++++ |
| Filterleistung | +++++ |
| POP-Accountverwaltung | +++++ |
| Sicherheit GPG/HTML | ++++ |
| Spamfilter | +++++ |
| Mailinglisten | +++++ |
| Adressbuch/Kontakte | +++++ |
Der Stellenwert von Evolution [3] unter Gnome und anderen Gtk-basierten Umgebungen entspricht in etwas dem von KMail unter KDE. Allerdings präsentiert sich Evolution nicht als Teil einer PIM-Suite, sondern als diese selbst (Abbildung 4). Neben der eigentlichen Mail-Funktion verwalten Sie damit außerdem Ihre Kontakte, Termine, Aufgaben und Notizen. Ein Abschalten der Zusatzfunktionen, um lediglich den Mailclient zu betreiben, sieht das Programm nicht vor. So gerät die Applikation durch zahlreiche Menüeinträge ohne Bezug zur Mail schnell etwas unhandlich.
Das Erstellen neuer Accounts gelingt unter Evolution ebenso einfach, wie unter KMail, obwohl Sie als Benutzer nur eine Identität, dafür aber mehrere Accounts aufbauen dürfen. Um das Manko auszugleichen, weisen Sie diesen eben andere Namen und Organisationen zu. Das Programm erlaubt es aber nicht, für unterschiedliche Accounts auch unterschiedliche Vorlagen zu verwenden.
Signaturen geben Sie, etwas versteckt, unter Bearbeiten | Einstellungen | Editoreinstellungen | Signaturen ein. Wenn Sie mehrere Signaturen für unterschiedliche Situationen eingeben, wählen Sie im Fenster Nachricht verfassen auf der rechten Seite die passende Signatur aus. Die sonstigen Einstellungen rund um die E-Mail stimmen zufrieden, wenn gleich sie nicht an die Möglichkeiten von KMail heranreichen. So stellen Sie problemlos die üblichen Parameter, wie Verweildauer auf dem Server, SMTP-after-POP, Umgang mit HTML-Mails und vieles mehr ein.
Schriftarten und das farbliche Markieren bestimmter Mails passen Sie über ein separates Menü an. Ebenso wie KMail verfügt auch Evolution über die zweifelhafte Möglichkeit, HTML-Mails zu verfassen. Unerwünschte Nachrichten entfernen Sie treffender Weise über den Werkzeugleisteneintrag Unerwünscht, worauf Evolution die E-Mail in einen entsprechenden Ordner verschiebt.
Auch Evolution greift per Plugin auf die Software Spamassassin zu. Filterregeln erstellen Sie recht einfach und intuitiv über das Kontextmenü eines Nachrichteneintrags. Sehr leicht organisieren Sie Ihre Mailinglisten über den Menüeintrag Nachrichten | Mailinglisten.
Das Adressbuch als integrierter Programmbestandteil macht eine gute Figur. Alle für den privaten und geschäftlichen Alltag relevanten Felder haben die Entwickler integriert (Abbildung 5). Evolution fügt sich zwar sauber in Gnome ein, es fehlt jedoch die schnelle Kontrolle über ein System-Icon in der Kontrollleiste. Über neue Nachrichten informiert ein Beep oder eine von Ihnen eingestellte Klangdatei. Ein mitzählendes Werkzeug, welches die Zahl eingetroffener Mails anzeigt, ohne gleich die gesamte Programmoberfläche in die Sicht des Anwenders zu rücken, bieten nur Zusatzprogramme wie etwa ein Gkrellm-Plugin.
Dafür arbeitet Evolution mit anderen bekannten Gnome-Anwendungen, wie Pidgin oder Planner, zum Beispiel in Bezug auf die Kontakte zusammen. Evolution beherrscht den Umgang mit Newsgruppen aus dem Usenet. Den passenden Server richten Sie über den etwas unlogischen Menüpunkt Bearbeiten | Einstellungen | E-Mail-Konten mit Hilfe des Einrichtungsassistenten ein, indem Sie statt eines Mailprotokolls den Eintrag Usenet-News wählen. In der Ordnerleiste des linken Programmfensterteils entsteht der neue Hauptordner.
Evolution im Überblick
| Usability/Systemintegration | ++++ |
| Konfigurierbarkeit | +++ |
| Filterleistung | ++++ |
| POP-Accountverwaltung | ++++ |
| Sicherheit GPG/HTML | +++++ |
| Spamfilter | ++++ |
| Mailinglisten | +++++ |
| Adressbuch/Kontakte | ++++ |
Der im Mozilla-Projekt heimische Mailclient Thunderbird [4] fühlt sich anderes als seine Konkurrenten KMail und Evolution nicht nur auf verschiedensten Unix-Plattformen wohl, sondern unterstützt auch ganz offiziell das Microsoft-Betriebssystem Windows. Mit dieser Software wäre es möglich, E-Mail-Kommunikation systemübergreifend unter Linux und Windows gleich zu gestalten, wobei Thunderbird sogar Profildaten und die E-Mails zentral verwaltet. Eine Besonderheit zeigt die Software auch in ihrer Erweiterbarkeit um Themes und Extensions (Erweiterungen).
Ob beim Anstrich á la Vista (Abbildung 6) das Pinguinherz allerdings höher schlägt, darf man bezweifeln. Als unbestritten nützlich erweisen sich dagegen die zahlreichen Erweiterungen, wie Sie sie vielleicht schon vom Schwesterprojekt Firefox her kennen [5]. Eine der meistbenutzte Erweiterungen dürfte wohl Enigmail sein, mit dessen Hilfe Sie unkompliziert PGP-Schlüssel von Schlüsselservern importieren oder Ihre Mails mit eigenen Schlüsseln signieren.
Weitere Extensions verstehen sich als kleine Helferchen: So synchronisiert beispielsweise eines davon das Versenden von Nachrichten in der Queue mit dem Abrufen neuer. Diese und ähnliche Aktionen gestalten den täglichen Umgang mit Thunderbird sehr einfach. Einsteiger freuen sich wie auch bei den anderen Testkandidaten über einen einfachen Einrichtungsassistenten. Das Programmfenster (Abbildung 7) hält nach einem Klick auf das Hauptverzeichnis Lokale Ordner Links zu den wichtigsten Programmteilen zum Konfigurieren der Software bereit.
Thunderbird erlaubt das Einrichten verschiedener Identitäten, wobei das Programm sämtliche Einstellungen, wie das Verwenden von Signaturen und Zertifikaten oder das Speicherverhalten separat für jeden Account abspeichert. Auch das Abarbeiten und Erstellen von Filterregeln gleicht dem Niveau der anderen Testkandidaten sehr.
Zwar existiert dafür kein Eintrag im Kontextmenü, doch aktiviert eine markierte Nachricht den Menüpunkt Nachricht | Filter aus Nachricht erstellen. Im folgenden Dialog finden Sie, wie bei den Mitbewerbern, die Möglichkeit nach Adresse, Absender, Betreffzeile und weiteren Parametern zu filtern und die Ergebnisse in einen beliebigen Ordner zu verschieben, zu löschen oder an einen anderen Ort zu kopieren.
Die Möglichkeiten des Thunderbird-Filters sind umfangreich und übersteigen im Detail die Arbeit des Evolution-Filters. Leider erfordert es das Programm, dass Sie Mailinglisten selbsttätig über Filterregeln und Identitäten organisieren. Eine komfortable Lösung wie bei KMail fand sich im Test nicht. Auch fehlt Thunderbird unter Linux die Möglichkeit, das Programm in den Systemabschnitt der Kontrollleiste zu schicken und nur bei Bedarf auf den Bildschirm zu holen.
Als Standardanwendung lässt sich der E-Mail-Client auch in KDE verwenden, indem Sie im KDE-Kontrollzentrum unter dem Menüpunkt Standardprogramme | E-Mail-Programm nach einem Häkchen für Anderes E-Mail-Programm verwenden:thunderbird eintragen. Damit Bruder Firefox mit Thunderbird kommuniziert, falls dies nicht ohnehin schon eingestellt ist, gehen Sie wie im Tipp-Kasten zu KMail beschrieben vor und geben lediglich statt kmailservices nun thunderbird ein.
Thunderbirds Konfigurierbarkeit zeigt sich zwar sehr vielseitig, aber auch etwas verworren. So findet der Nutzer unter den drei Menüeinträgen Ordnereigenschaften, Konten und Einstellungen (alle unter Bearbeiten) Konfigurationsmöglichkeiten, welche sich in der logischen Darstellung unterscheiden (Abbildung 8 und 9). Die Konten richten Sie über ein klassisches Dialogschema ein, in dem Sie Links die Themen auswählen und rechts die Optionen erreichen. Der allgemeine Menüpunkt Einstellungen führt Sie dagegen in einen horizontalen Auswahlstil mit Icons und Kartenreitern, wie er auch bei Firefox zum Einsatz kommt. Das Programm selbst gibt sich aber recht intuitiv und ohne Komplikationen.
Besonders beliebt bei Anwendern ist der integrierte, selbstlernende Spamfilter. Unter Extras | Junk-Filter Einstellungen legen Sie lediglich fest, wie das Programm mit erkannten Spamnachrichten verfährt. Danach beginnen Sie damit, eingehende Mails zu sortieren. Junk-Mails markieren Sie einfach und klicken auf das Mülleimersymbol mit der Unterschrift Junk. Dank dieser Lernfähigkeit erzielt der Filter bald eine sehr hohe Trefferquote bei Spam.
Die integrierte Adressverwaltung speichert zwar die meisten Personendaten verlässlich und legt bei Bedarf auch mehrere Adressbücher an, doch wirkt hier das KAdressbuch vielseitiger und professioneller. Für private Kontakte – und noch etwas mehr – reicht es aber allemal. Wie auch Evolution bringt Thunderbird Newsreader-Fähigkeiten mit. Diese verwenden Sie intuitiv; sie genügen wohl den meisten Ansprüchen im Usenet.
Thunderbird im Überblick
| Usability/Systemintegration | ++++ |
| Konfigurierbarkeit | +++~~ |
| Filterleistung | +++++ |
| POP-Accountverwaltung | +++++ |
| Sicherheit GPG/HTML | ++++ |
| Spamfilter | +++++ |
| Mailinglisten | +++ |
| Adressbuch/Kontakte | +++ |
Zwar wirkt er noch immer etwas exotisch, holt aber stetig zu seinen Konkurrenten auf: Der E-Mail-Client Sylpheed [6] des Japaners Hiroyuki Yamamoto findet immer mehr Anhänger. Das Ziel des Entwicklers lautet, einen schlanken und stabilen Mailclient zu schaffen, der trotzdem ausreichend Funktionalität mitbringt. Einen weiteren Entwicklungszweig für neue Features und Plugins nannten die Programmierer Sylpheed Claws. Er nabelte sich aber bald vom eigentlichen Projekt ab und entwickelte sich selbstständig weiter.
Im November letzten Jahres tauften die Entwickler die Software in Claws Mail [7], um letztlich weiteren Verwechslungsgefahren entgegen zu treten. Claws Mail basiert wie Evolution auf dem Gtk-Toolkit und läuft nicht nur unter Linux und anderen Unix-Derivaten, sondern versieht seinen Dienst auch auf Windows- und Mac-OS-X-Systemen.
Auf den ersten Blick bringt Claws Mail nicht viel Neues. Dem klassischen dreiteiligen Aufbau des Programmfensters bleibt auch dieser Client in der Standardansicht treu. Ähnlich wie KMail erlaubt die Software aber auch ein dreispaltiges Layout unter Ansicht | Anordnung | 3 Spalten. Dies bietet sich vor allem auf den neueren Notebook-Generationen an.
Ein Blick in die Konfigurationmöglichkeiten des Programms offenbart eine wahre Flut an Optionen für eine so schlanke Software. Neben den üblichen und bei allen vier Kandidaten vorbildlichen Einstellmöglichkeiten für mehrere Mailaccounts (mit separaten Optionen für die einzelnen Konten) bietet Claws unter Konfiguration | Einstellungen allerhand Möglichkeiten zum Umgang mit den Mails beim Verfassen, Senden und Empfangen.
Zahlreiche Optionen für die Nachrichtenansichten und allgemein eine bessere Übersicht bei vielen Konten mit vielen Mails erlauben den Zuschnitt der Software auf die individuellen Bedürfnisse. Besonders ins Auge fällt die mächtige Filterfunktion, die aber etwas umständlich zu bedienen ist (Abbildung 11). Der Menüpunkt Konfiguration | Filterung führt Sie zum Dialog. Geben Sie einen Namen für die Filterregel ein und bearbeiten die gewünschte Aktion jeweils im folgenden Dialog.
Das Kontextmenü eines Nachrichteneintrags erlaubt wie bei KMail das schnelle Filtern aufgrund der Daten in der Nachricht. Worin der Unterschied zwischen den Kontextmenüeinträgen Filterregel erstellen und Verarbeitungsregel erstellen im Einzelnen liegt, bleibt dem Anwender verschlossen. Beide münden in den selben Dialog. Was Claws Mail nicht von Hause aus mitbringt, integrieren die Entwickler über Plugins und Tools (Perl-Skripte), die beispielsweise einen Importfilter für KAdressbuch oder einen PDF-Viewer für Anhänge bereitstellen.
Solche Plugins laden Sie über Konfiguration | Plugins, wo Sie auf Plugin laden klicken. Der grüne Link weitere holen öffnet den Browser mit dem Online-Repository [8]. Leider verfügt Claws Mail über eine schlechte Systemintegration, was nicht zuletzt sicher den vielen unterstützten Plattformen geschuldet ist. Einige fehlende Funktionen, wie ein Tray-Icon, steht aber in Form eines Plugins bereit. Auch zum Einbinden des Spamassassin und zum Verwalten von GPG-Schlüsseln stehen Plugins bereit. Nach dem Laden finden sich die Optionen in den allgemeinen Einstellungen unter dem Punkt Plugins.
Völlig rudimentär kommt das integrierte Adressbuch daher (Abbildung 12). Außer dem Namen, einen Spitznamen und der Mailadresse gibt es keine Felder. Weitere Informationen tragen Sie höchsten über die zwei Felder Name und Wert recht zusammenhanglos ein.
Claws Mail im Überblick
| Usability/Systemintegration | +++ |
| Konfigurierbarkeit | ++++ |
| Filterleistung | ++++ |
| POP-Accountverwaltung | ++++ |
| Sicherheit GPG/HTML | ++ |
| Spamfilter | +++ |
| Mailinglisten | +++ |
| Adressbuch/Kontakte | + |
Im Grunde entsprechen alle vier Kandidaten im Testfeld den Anforderungen an ein modernes Mailprogramm. Nachholbedarf zeigt hier am ehesten Claws Mail – so fehlt neben einem vernünftigen Adressbuch auch eine unkomplizierte Integration von GPG und ein Spamfilter. Dabei darf man jedoch nicht übersehen, dass Claws als einziges der vier Projekte keine massive Unterstützung durch Unternehmen genießt.
Bei den anderen drei Mitstreitern dürften persönliche Vorlieben und Bedürfnisse die Wahl auf den geeigneten Client lenken. Vor allem aber die Systemnähe von KMail und Evolution zu KDE beziehungsweise Gnome bringt beiden Programmen noch einmal zusätzliche Vorteile. Ein eingefleischter Gnome-Nutzer greift kaum zu KMail und umgekehrt – obwohl das grundsätzlich durchaus möglich wäre. Thunderbird punktet mit Erweiterbarkeit, Themes und Plattformunabhängigkeit.
Installationen und Versionen
Für alle getesteten Programme liegen Distributionspakete vor. KMail als fester Bestandteil von KDE dürfte bei den meisten KDE-basierten Distributionen ohnehin bereits installiert sein, das gleiche gilt für Evolution unter Gnome. Die PIM-Anwendung fungiert beispielsweise unter Ubuntu als Standard-Mailclient. Die Version beider Programme hängt jeweils von der Aktualität des Desktops ab. KDE führt derzeit die Versionsnummer 3.5.7, die von Gnome lautet 2.20. Als stabile Evolution-Release gilt Version 2.10.3.
Bei der Suche nach Claws-Mail-Paketen müssen Sie aufpassen, diese nicht mit Sylpheed-Päckchen zu verwechseln: Für die großen Distributoren existieren aktuelle Pakete für beide Entwicklungszweige. Unter Suse beispielsweise fühlt sich Packman [9] für den Paketbau zuständig. Neben dem Paket claws-mail sollten Sie auch claws-mail-extra-plugins installieren. Aktuell bieten die Entwickler die Version 3.0.1 an. Die Pakete einiger Distributionen weisen aber noch niedrigere Versionsnummern auf.
Thunderbird laden Sie entweder als gepackte Binärdatei von der Projektseite [5] herunter oder nutzen das Paketsystem Ihrer Distribution. Aktuelle Linuxe dürften wohl kaum auf Thunderbird- und Firefox-Pakete verzichten. Thunderbird liegt derzeit in Version 2.0.0.3 vor. Zusätzlich zum Paket "Mozilla Thunderbird" (der Name variiert unter den Distributionen) benötigen Sie ein weiteres Paket für die deutsche Lokalisierung. Benutzer der Desktopsuche Beagle richten zusätzlich beagle-thunderbird ein, um mit dem beliebten Schnüffler in den Mails zu wühlen. (agr)
Glossar
POP
Post Office Protocol (RFC1939). Übertragungsprotokoll, über das ein Client Nachrichten von einem E-Mail-Server abholen kann. Aktuell ist die Version POP3. Eine ständige Verbindung zum Mailserver ist bei POP3 nicht notwendig, die Mails werden auf dem Client gespeichert.
IMAP
Internet Message Access Protocol (RFC3501). Im Gegensatz zu POP3 verbleiben die Nachrichten bei IMAP auf dem Mailserver, weswegen zum Lesen und Verwalten der E-Mails eine dauerhaft Serververbindung notwendig ist. Manche IMAP-Clients arbeiten daher im Offline-Modus mit einer lokalen Kopie der Nachrichten.
PIM
Personal Information Manager. Software, die persönliche Daten und Dokumente wie Kontakte, Termine, Aufgaben, Notizen, E-Mails und ähnliches verwaltet.
Mbox
Ablageformat für E-Mails, bei der alle Nachrichten in einer großen Datei abgespeichert werden.
Maildir
Verzeichnisstruktur zur Ablage von E-Mails, bei der jede Nachricht in einer eigenen Datei gespeichert wird.
SMTP-after-POP
Auch: POP-before-SMTP. Sicherheitsmechanismus beim Mailversand, bei der sich der Absender mit seinen POP3-Anmeldedaten beim Mailserver ausweist. Anschließend verbleibt ihm ein definiertes Zeitfenster, in dem er Nachrichten per SMTP versenden darf.
[1] Mail-Historie: http://de.wikipedia.org/wiki/E-mail#Geschichte
[2] KMail: http://kontact.kde.org/kmail/
[3] Evolution: http://www.gnome.org/projects/evolution/
[4] Thunderbird: http://www.mozilla-europe.org/de/products/thunderbird/
[5] Thunderbird-Addons: https://addons.mozilla.org/de/thunderbird/
[6] Sylpheed: http://sylpheed.sraoss.jp/en/
[7] Claws Mail: http://www.claws-mail.org
[8] Plugins für Claws Mail: http://www.claws-mail.org/plugins.php
[9] Claws Mail bei Packman: http://packman.links2linux.de/package/claws-mail