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KMail, Evolution, Thunderbird, Claws Mail

Evolutionstheorie

Der Stellenwert von Evolution [3] unter Gnome und anderen Gtk-basierten Umgebungen entspricht in etwas dem von KMail unter KDE. Allerdings präsentiert sich Evolution nicht als Teil einer PIM-Suite, sondern als diese selbst (Abbildung 4). Neben der eigentlichen Mail-Funktion verwalten Sie damit außerdem Ihre Kontakte, Termine, Aufgaben und Notizen. Ein Abschalten der Zusatzfunktionen, um lediglich den Mailclient zu betreiben, sieht das Programm nicht vor. So gerät die Applikation durch zahlreiche Menüeinträge ohne Bezug zur Mail schnell etwas unhandlich.

Abbildung 4: Evolution kommt nicht als einzelner E-Mail-Client, sondern als vollständige PIM-Suite daher.

Das Erstellen neuer Accounts gelingt unter Evolution ebenso einfach, wie unter KMail, obwohl Sie als Benutzer nur eine Identität, dafür aber mehrere Accounts aufbauen dürfen. Um das Manko auszugleichen, weisen Sie diesen eben andere Namen und Organisationen zu. Das Programm erlaubt es aber nicht, für unterschiedliche Accounts auch unterschiedliche Vorlagen zu verwenden.

Signaturen geben Sie, etwas versteckt, unter Bearbeiten | Einstellungen | Editoreinstellungen | Signaturen ein. Wenn Sie mehrere Signaturen für unterschiedliche Situationen eingeben, wählen Sie im Fenster Nachricht verfassen auf der rechten Seite die passende Signatur aus. Die sonstigen Einstellungen rund um die E-Mail stimmen zufrieden, wenn gleich sie nicht an die Möglichkeiten von KMail heranreichen. So stellen Sie problemlos die üblichen Parameter, wie Verweildauer auf dem Server, SMTP-after-POP, Umgang mit HTML-Mails und vieles mehr ein.

Schriftarten und das farbliche Markieren bestimmter Mails passen Sie über ein separates Menü an. Ebenso wie KMail verfügt auch Evolution über die zweifelhafte Möglichkeit, HTML-Mails zu verfassen. Unerwünschte Nachrichten entfernen Sie treffender Weise über den Werkzeugleisteneintrag Unerwünscht, worauf Evolution die E-Mail in einen entsprechenden Ordner verschiebt.

Auch Evolution greift per Plugin auf die Software Spamassassin zu. Filterregeln erstellen Sie recht einfach und intuitiv über das Kontextmenü eines Nachrichteneintrags. Sehr leicht organisieren Sie Ihre Mailinglisten über den Menüeintrag Nachrichten | Mailinglisten.

Das Adressbuch als integrierter Programmbestandteil macht eine gute Figur. Alle für den privaten und geschäftlichen Alltag relevanten Felder haben die Entwickler integriert (Abbildung 5). Evolution fügt sich zwar sauber in Gnome ein, es fehlt jedoch die schnelle Kontrolle über ein System-Icon in der Kontrollleiste. Über neue Nachrichten informiert ein Beep oder eine von Ihnen eingestellte Klangdatei. Ein mitzählendes Werkzeug, welches die Zahl eingetroffener Mails anzeigt, ohne gleich die gesamte Programmoberfläche in die Sicht des Anwenders zu rücken, bieten nur Zusatzprogramme wie etwa ein Gkrellm-Plugin.

Abbildung 5: Evolutions Kontaktverwaltung macht einen professionellen Eindruck.

Dafür arbeitet Evolution mit anderen bekannten Gnome-Anwendungen, wie Pidgin oder Planner, zum Beispiel in Bezug auf die Kontakte zusammen. Evolution beherrscht den Umgang mit Newsgruppen aus dem Usenet. Den passenden Server richten Sie über den etwas unlogischen Menüpunkt Bearbeiten | Einstellungen | E-Mail-Konten mit Hilfe des Einrichtungsassistenten ein, indem Sie statt eines Mailprotokolls den Eintrag Usenet-News wählen. In der Ordnerleiste des linken Programmfensterteils entsteht der neue Hauptordner.

Evolution im Überblick

Usability/Systemintegration ++++
Konfigurierbarkeit +++
Filterleistung ++++
POP-Accountverwaltung ++++
Sicherheit GPG/HTML +++++
Spamfilter ++++
Mailinglisten +++++
Adressbuch/Kontakte ++++

Donnervogel

Der im Mozilla-Projekt heimische Mailclient Thunderbird [4] fühlt sich anderes als seine Konkurrenten KMail und Evolution nicht nur auf verschiedensten Unix-Plattformen wohl, sondern unterstützt auch ganz offiziell das Microsoft-Betriebssystem Windows. Mit dieser Software wäre es möglich, E-Mail-Kommunikation systemübergreifend unter Linux und Windows gleich zu gestalten, wobei Thunderbird sogar Profildaten und die E-Mails zentral verwaltet. Eine Besonderheit zeigt die Software auch in ihrer Erweiterbarkeit um Themes und Extensions (Erweiterungen).

Ob beim Anstrich á la Vista (Abbildung 6) das Pinguinherz allerdings höher schlägt, darf man bezweifeln. Als unbestritten nützlich erweisen sich dagegen die zahlreichen Erweiterungen, wie Sie sie vielleicht schon vom Schwesterprojekt Firefox her kennen [5]. Eine der meistbenutzte Erweiterungen dürfte wohl Enigmail sein, mit dessen Hilfe Sie unkompliziert PGP-Schlüssel von Schlüsselservern importieren oder Ihre Mails mit eigenen Schlüsseln signieren.

Abbildung 6: Zahlreiche Themes stehen online bereit, um Thunderbird an den eigenen Geschmack anzupassen.

Weitere Extensions verstehen sich als kleine Helferchen: So synchronisiert beispielsweise eines davon das Versenden von Nachrichten in der Queue mit dem Abrufen neuer. Diese und ähnliche Aktionen gestalten den täglichen Umgang mit Thunderbird sehr einfach. Einsteiger freuen sich wie auch bei den anderen Testkandidaten über einen einfachen Einrichtungsassistenten. Das Programmfenster (Abbildung 7) hält nach einem Klick auf das Hauptverzeichnis Lokale Ordner Links zu den wichtigsten Programmteilen zum Konfigurieren der Software bereit.

Abbildung 7: Eine übersichtliche Seite empfängt den Anwender mit den wichtigsten Konfigurationsmöglichkeiten.

Thunderbird erlaubt das Einrichten verschiedener Identitäten, wobei das Programm sämtliche Einstellungen, wie das Verwenden von Signaturen und Zertifikaten oder das Speicherverhalten separat für jeden Account abspeichert. Auch das Abarbeiten und Erstellen von Filterregeln gleicht dem Niveau der anderen Testkandidaten sehr.

Zwar existiert dafür kein Eintrag im Kontextmenü, doch aktiviert eine markierte Nachricht den Menüpunkt Nachricht | Filter aus Nachricht erstellen. Im folgenden Dialog finden Sie, wie bei den Mitbewerbern, die Möglichkeit nach Adresse, Absender, Betreffzeile und weiteren Parametern zu filtern und die Ergebnisse in einen beliebigen Ordner zu verschieben, zu löschen oder an einen anderen Ort zu kopieren.

Die Möglichkeiten des Thunderbird-Filters sind umfangreich und übersteigen im Detail die Arbeit des Evolution-Filters. Leider erfordert es das Programm, dass Sie Mailinglisten selbsttätig über Filterregeln und Identitäten organisieren. Eine komfortable Lösung wie bei KMail fand sich im Test nicht. Auch fehlt Thunderbird unter Linux die Möglichkeit, das Programm in den Systemabschnitt der Kontrollleiste zu schicken und nur bei Bedarf auf den Bildschirm zu holen.

Als Standardanwendung lässt sich der E-Mail-Client auch in KDE verwenden, indem Sie im KDE-Kontrollzentrum unter dem Menüpunkt Standardprogramme | E-Mail-Programm nach einem Häkchen für Anderes E-Mail-Programm verwenden:thunderbird eintragen. Damit Bruder Firefox mit Thunderbird kommuniziert, falls dies nicht ohnehin schon eingestellt ist, gehen Sie wie im Tipp-Kasten zu KMail beschrieben vor und geben lediglich statt kmailservices nun thunderbird ein.

Thunderbirds Konfigurierbarkeit zeigt sich zwar sehr vielseitig, aber auch etwas verworren. So findet der Nutzer unter den drei Menüeinträgen Ordnereigenschaften, Konten und Einstellungen (alle unter Bearbeiten) Konfigurationsmöglichkeiten, welche sich in der logischen Darstellung unterscheiden (Abbildung 8 und 9). Die Konten richten Sie über ein klassisches Dialogschema ein, in dem Sie Links die Themen auswählen und rechts die Optionen erreichen. Der allgemeine Menüpunkt Einstellungen führt Sie dagegen in einen horizontalen Auswahlstil mit Icons und Kartenreitern, wie er auch bei Firefox zum Einsatz kommt. Das Programm selbst gibt sich aber recht intuitiv und ohne Komplikationen.

Abbildung 8: Einmal bietet Thunderbird ein Konfigurationstool im Firefox-Stil an …

Abbildung 9: … doch die Konten richten Sie über klassische Dialoge im Stil eines Inhaltsverzeichnisses ein.

Besonders beliebt bei Anwendern ist der integrierte, selbstlernende Spamfilter. Unter Extras | Junk-Filter Einstellungen legen Sie lediglich fest, wie das Programm mit erkannten Spamnachrichten verfährt. Danach beginnen Sie damit, eingehende Mails zu sortieren. Junk-Mails markieren Sie einfach und klicken auf das Mülleimersymbol mit der Unterschrift Junk. Dank dieser Lernfähigkeit erzielt der Filter bald eine sehr hohe Trefferquote bei Spam.

Die integrierte Adressverwaltung speichert zwar die meisten Personendaten verlässlich und legt bei Bedarf auch mehrere Adressbücher an, doch wirkt hier das KAdressbuch vielseitiger und professioneller. Für private Kontakte – und noch etwas mehr – reicht es aber allemal. Wie auch Evolution bringt Thunderbird Newsreader-Fähigkeiten mit. Diese verwenden Sie intuitiv; sie genügen wohl den meisten Ansprüchen im Usenet.

Thunderbird im Überblick

Usability/Systemintegration ++++
Konfigurierbarkeit +++~~
Filterleistung +++++
POP-Accountverwaltung +++++
Sicherheit GPG/HTML ++++
Spamfilter +++++
Mailinglisten +++
Adressbuch/Kontakte +++
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Infos zum Autor

Mirko Albrecht

Mirko Albrecht schreibt seit Ende 2004 regelmäßig Beiträge für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Wenn er nicht gerade eine neue Distribution ausprobiert, spielt er gern Schach oder fotografiert die Welt.
Seine Rechner werden meist von Xubuntu oder Opensuse bevölkert.


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LinuxUser 06/2012

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