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KMail, Evolution, Thunderbird, Claws Mail

06.02.2009 Im Vergleich offenbaren die drei Platzhirsche KMail, Evolution und Thunderbird und der Newcomer Claws Mail ihre Stärken und Schwächen.

Eine kleine Textnachricht über ein Netzwerk zu verschicken, war eine der ersten Tätigkeiten der Internetpioniere. Allen Unkenrufen zum Trotz, dass das Versenden einer Textnachricht "kein wichtiger Beweggrund, um ein Netzwerk von wissenschaftlichen Rechnern aufzubauen" [1] sei, entwickelte sich die E-Mail rasant zu einem der wichtigsten Kommunikationsmittel.

Genügte in den frühen Tagen des Internets ein einfaches, konsolenbasiertes Textprogramm, um eine Nachricht erfolgreich im Klartext in die weite Welt zu befördern, so durchkreuzen heute viele Faktoren den Plan von einst, ein simples Nachrichtensystem zu erschaffen. An erster Stelle stehen hier der allgegenwärtige Spam, der erhöhte Bedarf an Sicherheit und das allgemein bis zur Unübersichtlichkeit gestiegene hohe E-Mail-Aufkommen.

Weil Linux von Haus aus als effizientes Netzwerksystem gilt, entwickelten sich auch die zugehörigen Mailclients unter dem freien Betriebssystem sehr schnell zu Suiten, die die beinahe jeden Wunsch erfüllen. Ein Vergleichstest zeigt, wie die Platzhirsche KMail, Evolution, Thunderbird und Claws Mail heute mit Mail, Spam und Co. umgehen.

E-Mail heute

Egal, ob Sie Mails im Büro nutzen, um mit Kollegen und Kunden zu kommunizieren, oder von zu Hause, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben – der allgegenwärtige Spam gerät hier wie da zum Problem. Die unerwünschten Werbenachrichten nehmen einen größeren Anteil am Mailaufkommen ein als alle erwünschten Nachrichten zusammen. Viele prophezeien gar den Niedergang des Mediums, da durch Spam die Verlässlichkeit der E-Mail nicht mehr gegeben sei. Zu schnell passiert es, dass eine wichtige Mail unentdeckt im Spamfilter verschwindet. Aktuelle Mailclients sollten also unproblematisch mit verlässlichen Spamfiltern zusammenarbeiten.

Viele Computernutzer besitzen zudem ein erhöhtes Sicherheitsbewusstsein. Sie wollen ihre vertraulichen Nachrichten angemessen verschlüsseln, um sie vor neugierigen Augen zu verbergen, oder sich über eine Signatur Gewissheit über die Korrektheit des Absenders zu verschaffen. Trotzdem sollten GPG und Co. nicht zur Wissenschaft ausarten.

Das erhöhte Aufkommen an Mails verlangt nach gut funktionierenden Sortiermechanismen. Außerdem benutzen die meisten Anwender mehr als einen Account, teils auch für vollkommen unterschiedliche Zwecke. Diese wollen sie aber unter einer Oberfläche verwalten. Dabei gilt ein besonderes Augenmerk den meist genutzten Protokollen POP und IMAP.

Sehr komfortabel erscheint die Möglichkeit, über Mailinglisten boardartig mit einer ausgewählten Nutzergruppe zu kommunizieren. Das sollte der Mailclient durch entsprechende Funktionen unterstützen. Unter modernen Desktopoberflächen trägt die Systemintegration der Software nicht unwesentlich zur Benutzbarkeit bei. Außerdem sollte eine Brot-und-Butter-Applikation wie ein Mailclient eine besonders logische Benutzerführung (Usability) aufweisen. Schließlich möchte niemand erst ein dickes Handbuch wälzen, um etwas so selbstverständliches zu tun, wie eine E-Mail zu schreiben.

Ein umfassendes Adressbuch oder die Integration eines bereits vorhanden Adressbuchs erleichtert die Kommunikation. Wie meistern die großen E-Mail-Clients unter Linux diese täglichen Aufgaben?

KMail

KMail [2] zählt zum Umfang der beliebten Oberfläche KDE (Abbildung 1). Die Software erhält meist im Einklang mit dem Aktualisieren des Desktops selbst eine neue Releasenummer und liegt derzeit in Version 1.9.8 (KDE 3.5.7) vor. Die Software versteht sich nicht nur als integrierter Systembestandteil von KDE, sondern kommt seit einigen Jahren auch als Komponente der KDE-eigenen PIM-Lösung Kontact daher. Diese verwaltet neben KMail einen Newsreader, das Adressbuch, einen Terminkalender, einen RSS-Reader sowie eine Aufgabenverwaltung unter einer einheitlichen Oberfläche. KMail erlaubt aber auch den Einsatz als Standalone-Programm.

Abbildung 1: Durch freiwählbare Ordnerstrukturen für das Verwalten mehrerer Identitäten und intelligenter Filterregeln, entsteht unter KMail eine gute Übersichtlichkeit.

Beim ersten Start hilft ein Assistent beim Einrichten des Mailaccounts (Abbildung 2). Sie tragen als Nutzer lediglich Namen, Mailadresse und die bekannten Serveradressen Ihres Providers ein und erhalten das klassische dreigeteilte Programmfenster. Voreingestellte Providerzugänge für bekannte und vielgenutzte E-Mail-Dienste – etwa GMX, Google Mail oder T-Online – bietet der Assistent nicht an.

Abbildung 2: Der einfache Assistent erlaubt das schnelle Einrichten eines E-Mail-Accounts unter KMail.

Über den Menüeintrag Einstellungen | KMail einrichten erhalten Sie Zugang zu umfassenden Konfigurationsmöglichkeiten des Clients. Neben der Möglichkeit, verschiedene Accounts bei verschiedenen Providern zu erstellen, erlaubt KMail das Einrichten verschiedener Identitäten. Dies erweist sich als nützlich, wenn Sie beispielsweise Ihre private Kommunikation von der geschäftlichen deutlich trennen wollen (Abbildung 3).

Abbildung 3: KMail gibt sich in den Einrichtungsdialogen sehr konfigurationsfreudig.

Klicken Sie hierfür unter der Rubrik Identitäten auf Hinzufügen und tragen Sie einen Namen für Ihre neue Identität ein (Beispiel: T-Online Geschäftlich, GMX privat; nicht zwingend Ihren Namen). Der folgende Dialog fordert erst den Eintrag des Namens und eventuell der Organisation. Diese übernimmt er dann in der E-Mail. Die folgenden Kartenreiter erlauben die Konfiguration der Identität. So stellen Sie unter Kryptographie Ihre bereits vorhandenen GPG-Schlüssel ein, welche Sie an Nachrichten anhängen möchten, und legen die für diese Identität gültige Signatur fest.

Unter Erweitert bestimmen Sie den Speicherort der Ordner Gesendet, Vorlagen und Entwürfe. Auch die Nachrichtenvorlagen modifizieren Sie hier im Reiter Vorlagen. Aktivieren Sie das Kästchen Eigene Nachrichtenvorlagen benutzen und verändern Sie beispielsweise in der Rubrik Antwort an Absender den englischen Text für die Platzhalter in Deutsch. Diese Vorlagen erweitern Sie beliebig durch so genannte Feldbefehle. Der Schalter Befehl einfügen steht Ihnen dabei hilfreich zur Seite.

Der Kartenreiter Bild enthält ein kleines Gimmick: Vorausgewählte Fotos oder Symbole überträgt KMail schwarz-weiß und in einer Größe von 48x48 Pixeln mit der Mail mit. Allerdings ignorieren die meisten Mailprogramme dieses Mitbringsel.

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Infos zum Autor

Mirko Albrecht

Mirko Albrecht schreibt seit Ende 2004 regelmäßig Beiträge für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Wenn er nicht gerade eine neue Distribution ausprobiert, spielt er gern Schach oder fotografiert die Welt.
Seine Rechner werden meist von Xubuntu oder Opensuse bevölkert.


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LinuxUser 06/2012

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