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Remote-Support über das Internet

01.11.2007
Für die schnelle Hilfe am Linux-PC brauchen Sie nicht unbedingt vor Ort zu sein. Wir zeigen, wie Sie den Rechner von Freunden und Bekannten über das Internet administrieren.

Kennen Sie das? Sie erhalten um 21.30 Uhr einen Anruf von einem Bekannten. Der Computer geht nicht, aber der Bekannte braucht den PC natürlich noch ganz dringend. Auf die Frage, was denn nicht ginge, erhalten Sie die Auskunft: "Der Knopf ist weg", was wiederum die Frage provoziert: "Welcher Knopf?" Antwort: "Der der sonst immer unten links ist!".

So oder so ähnlich beginnen die meisten Anfragen im privaten Umfeld. Selbige enden dann meist mit einer Autofahrt zum Bekannten und der Suche nach dem Knopf, der sonst immer unten links ist. Während der Fahrt kommt einem meist der Gedanke, dass das irgendwie anders gehen müsste. Lösungen für Remote-Support gibt es ja zu genüge, aber im entscheidenden Moment versagen diese aus verschiedenen Gründen.

Einer der häufigsten Hinderungsgründe liegt in NAT-Routern, hinter denen sich heute viele PCs verbergen. Diese verhindern den direkten Zugriff auf die Maschine des anderen, selbst wenn Sie die IP wüssten. Wenn der Anruf eingeht, ist es zudem zu spät am Router des Bekannten ein Portfowarding einzurichten, DynDNS konfigurieren, einen VNC-Server auf dem Rechner aktivieren oder auch einfach eine VPN-Verbindung zu starten.

Der Umbau wäre komplex und zöge massive Eingriffe ins Netzwerk des Bekannten nach sich. Offene Ports und Verbindungen, die im Normalfall unnötig sind, wären die Folge. Schöner wäre es, wenn Sie dem Bekannten, bei Anruf, einfach eine Datei zu kämen ließen, die die notwendigen Änderungen durchführt und den Zugriff vom eigenen PC auf den des Bekannten erlaubt.

Hilfe mit Bordmitteln

Glücklicherweise liefern aktuelle Distributionen alles mit, was Sie dafür benötigen. Die notwendigen Programme brauchen Sie nur noch richtig zusammensetzen. Doch zuerst ein Überblick, wie das Ganze funktioniert: Abbildung 1 zeigt die Netzwerkstruktur mit einem PC hinter einem Router mit Firewall. Sie bildet das in privaten Haushalten übliche Szenario ab. Sowohl Supporter als auch Benutzer haben einen normalen Desktoprechner auf dem eine aktuelle Distribution mit Gnome oder KDE läuft und sind über einen kleinen DSL-Router ans Internet angebunden.

Abbildung 1: Eine typische Netzwerktopologie bei einem Anwender, der mit einem Router über einen DSL-Anschluss ins Netz geht.

Die Idee ist Folgende: Sie aktivieren auf dem Rechner des Bekannten einen VNC-Server. Anschließend bauen Sie einen Reverse-SSH-Tunnel vom Rechner des Bekannten zum eigenen Rechner auf und leitet somit den Port, auf dem der VNC-Server hört, auf den eigenen Rechner um. Danach verbinden Sie sich mit einem VNC-Client Server und steuern so den Rechner des Bekannten (Abbildung 2).

Abbildung 2: Mittels SSH und VNC haben Sie direkten Zugriff auf einen anderen Rechner über eine sichere Verbindung.

Alles, was Sie dazu auf der Gegenseite benötigen, ist ein VNC-Server, einen SSH-Client und ein Shell-Skript, das die beiden ersten Programme richtig konfiguriert. Die beiden ersten Teile finden Sie problemlos in den Repositories jeder gut sortierten Distribution. Als VNC-Server kommt entweder Vino (Gnome) oder KRFB (KDE) in Frage; als SSH-Client einfach das SSH-Kommando. Auf ihrem Rechner brauchen Sie einen VNC-Client, einen SSH-Server und eine bekannte – aber nicht unbedingt feste – IP-Adresse.

Ports weiterleiten

Zuerst konfigurieren Sie Ihr Netzwerk, so dass der SSH-Client der Gegenseite in der Lage ist, eine Verbindung herzustellen. Dazu ermitteln Sie zuerst die öffentliche IP-Adresse Ihres Rechners. Im Web existieren diverse Seiten, die Ihnen die IP-Adresse verraten – unter anderem http://checkip.dyndns.org. Notieren Sie sich die IP. Sie brauchen sie später. Praktisch ist in diesem Zusammenhang auch ein kostenloser DynDNS-Account. Dann kommt im Shell-Skript die DynDNS-URL statt der IP zum Einsatz, und Sie brauchen das Skript nicht jedes mal neu erstellen. Im Beispiel nehmen wir einfach an, dass uns der DynDNS-Account linuxuser.dyndns.org zur Verfügung steht.

Als nächstes ändern Sie gegebenenfalls die Konfiguration des Routers so, dass dieser den TCP-Port 22 auf den Port 22 Ihres PCs weiterleitet. Aktuelle Hardware, die die Provider zum DSL-Anschluss mitliefern, beherrschen in aller Regel dieses Feature. Leider bezeichnen die Hersteller die Funktion immer unterschiedlich. Mal spricht das Handbuch von Portforwarding, mal von Exposed Host, mal von Virtual Server.

Haben Sie diese Hürde genommen, richten Sie den Rechner ein. Dafür benötigen Sie einen SSH-Server, in der Regel OpenSSH, und ein Benutzerkonto, das Sie für den Reverse-SSH-Tunnel verwenden. Sofern die Distribution keinen Server vorinstalliert hat, holen Sie dies über die Paketverwaltung nach. Unter Ubuntu, Debian und dessen Derivaten funktioniert das über sudo apt-get install openssh-server. Bei OpenSuse hilft YaST und dessen Softwareverwaltung weiter.

Wenn Sie sowieso gerade Software installieren, ziehen Sie am besten gleich einen VNC-Client nach. Bei KDE eignet sich das Programm KRDC recht gut, da es einen passablen Vollbildmodus hat. Prinzipiell tut es aber auch jeder VNC-Client. Die Installation von KRDC erledigen Sie unter Ubuntu und Debian mittels sudo apt-get install krdc; bei OpenSuse hilft wieder YaST weiter.

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Kommentare
DVD enthäöt was anderes
Alex (unangemeldet), Sonntag, 26. April 2009 11:54:11
Ein/Ausklappen

Hallo,

also die DVD enthält ein Script zur Erstellung eines Images, das sich remote einspielen lässt und NICHT das im Artikel beschrieben Script.

Copy/Paste funtkioniert hier vermutlich besser :-)

Gruss,

Alex



Bewertung: 160 Punkte bei 22 Stimmen.
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Re: DVD enthäöt was anderes
Ben (unangemeldet), Freitag, 24. Juli 2009 16:24:49
Ein/Ausklappen

Das was eigentlich auf die CD sollte gibt es hier:
http://www.benjaminfleckens...upport-ueber-das-Internet.html


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