Nahtloser Übergang
Virtualbox 1.5.0
USB über RDP
Eine ebenfalls interessante Sache ist USB über RDP. Dahinter steht die Idee, entfernte Medien innerhalb einer virtuellen Maschine zu verwenden. Dazu starten Sie eine virtuelle Maschine, verbinden sich von einem entfernten Rechner über RDP darauf und stecken ein USB-Speichermedium in den Remote-Rechner: Auf der Virtualbox-Seite erscheint daraufhin ein neues Laufwerk.
Für dieses Szenario müssen Sie den USB-Controller aktivieren und einen neuen Filter für USB-Geräte anlegen. Den entsprechenden Einstellungsdialog rufen Sie über Maschine | Ändern... auf. Zur leichteren Handhabung schließen Sie das USB-Speichermedium erst am Wirtssystem an, klicken dann auf das "+"-Symbol und wählen das Gerät aus. Daraufhin trägt das Programm alle notwendigen Werte automatisch in die fraglichen Felder ein. Lediglich bei Entfernt wählen Sie zusätzlich Ja aus (Abbildung 5), damit das Einbinden des USB-Sticks auch remote funktioniert.
Beim Test dieses Features stießen wir allerdings auf ein Problem: Im ersten Anlauf erkannte das Windows-Gastsystem das Medium, zeigte aber kein Laufwerk an. Auch weitere Versuche führten nicht zum Erfolg. Die Innotek-Entwickler führten das auf Nachfrage auf mögliche Ressourcenkonflikte zurück: Sowohl Windows als auch Linux konkurrieren um das angeschlossene Gerät und versuchen exklusiven Zugriff darauf zu erlangen.
Unter Umständen hilft bereits ein schlichtes Aushängen des USB-Speichermediums und das Entfernen von usb-storage mit dem Befehl rmmod usb-storage auf dem Wirtssystem. Stellen Sie außerdem sicher, dass dort /proc/bus/usb/devices lesbar und alle Verzeichnisse und Dateien unterhalb /proc/bus/usb/ les- und schreibbar sind.
Fazit und Ausblick
Innotek arbeitet mit Hochdruck an einer neuen Version, die in den nächsten zwei Monaten erscheinen soll. Zu den angedachten Features zählen Verbesserungen bei 3D-beschleunigter Grafik und Support für die von Vmware bekannten VMDK-Image-Dateien. Der Hersteller möchte außerdem die VT-x-/AMD-V-Techniken stabilisieren, um so näher zur Konkurrenz aufzuschließen.
Beim Nahtlos-Modus bekommt in einer der nächsten Versionen jedes Gastfenster ein eigenes Wirtfenster. Damit entfällt dann das derzeit auftretende Flackern beim Verschieben von Fenstern. Virtualbox dürfte damit in der Open-Source-Szene wieder für großes Aufsehen sorgen und dem Platzhirsch Vmware mehr Marktanteile abringen.
Glossar
Wine
Das rekursive Akronym steht für "Wine Is Not an Emulator". Wine übersetzt Windows-Funktionsaufrufe so, dass Linux sie versteht. Die Wine-Anwendungsdatenbank [5] listet Programme, die bereits mit Wine zusammen funktionieren.
RDP
Remote Desktop Protocol, von Microsoft zur Wartung von entfernten Computern entwickelt. RDP übernimmt dabei die Übertragung von Maus- und Tastatureingaben sowie Bildschirminhalten. Es existiert eine Vielzahl von Client- und Server-Anwendungen unter Linux, die sich für den Einsatz von RDP eignen.
iSCSI
Überträgt SCSI-Daten mithilfe von TCP über das Netzwerk. So realisieren Sie, trotz räumlicher Distanz, sehr große Speichermedien im Netzwerk. Details dazu gibt es unter anderem bei Wikipedia [6].
PXE
Intel Preboot Execution Environment. Mit einer PXE-fähigen Netzwerkkarte ist ein Rechner in der Lage, über ein Netzwerk zu booten, statt lokale Medien (Festplatte, CD-/DVD-ROM) dafür zu bemühen. Besonders bei Laptops ohne CD-ROMs ist es üblich ein Betriebssystem mit diesem Mechanismus zu installieren.
HGCM
Host-Guest-Communication-Module. Die unter der GPL stehende Innotek-Entwicklung HGCM stellt die Kommunikationsschnittstelle zwischen Wirts- und Gastsystem dar. Über sie laufen unter anderem Copy & Paste, gemeinsame Ordner, Teile der Grafikbeschleunigung für Gastsysteme sowie die Kommunikation für den Nahtlos-Modus.
[1] Virtualbox-Homepage: http://www.virtualbox.org/
[2] Virtualbox herunterladen: http://www.virtualbox.org/wiki/Downloads/
[3] Artikel zu Virtualbox: http://www.linux-user.de/ausgabe/2007/04/082-virtualbox/
[4] Tsclient: http://freshmeat.net/projects/tsclient/
[5] Wine-Anwendungsdatenbank: http://appdb.winehq.org/
[6] iSCSI-Artikel bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/ISCSI



