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Massenabfertigung

Dateinamen und Tags bearbeiten

01.11.2007
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Mit Easytag und Métamorphose bringen Sie im Handumdrehen Dateisystem und Musiksammlung auf Vordermann.

Wer Ordnung auf dem Schreibtisch mag, hält sie auch auf dem virtuellen Desktop oder der Musiksammlung auf dem Player. Allerdings gilt es dazu nicht nur Dateien in Ordnern und Unterordnern zu sortieren, sondern auch umzubenennen – was bei großen Mengen ein mühseliges Unterfangen ist. Zudem bauen Musikplayer ihre Datenbanken über die Tag-Informationen der Titel auf und die Songs werden nur sichtbar, wenn sie Tags enthalten. Easytag [1] hält die Musiksammlung in Schuss, Métamorphose [2] hilft dabei, große Mengen an Dateien automatisch umzubenennen,

Easytag

Mit der in C geschriebenen Gtk-Anwendung Easytag betrachten, bearbeiten und speichern Sie Tags in Musikdateien. Die Besonderheiten des Open-Source-Programms liegen in der Vielfalt der Möglichkeiten, die Zusatzinformationen in Audiodateien zu editieren. So müssen Sie beispielsweise nicht mehr einen Tag nach dem anderen per Hand modifizieren, sondern lassen das Easytag automatisch erledigen. Die Software nutzt dazu Scanner, die Ordner- und Dateinamen auslesen und mit diesen Daten Tag-Felder füllen. Im Kasten "Easytag: Funktionen im Überblick" finden Sie eine Liste der unterstützten Audioformate sowie Hauptmerkmale des Tools auf einen Blick.

Easytag: Funktionen im Überblick

  • Tag-Formate: MP3, MP2, FLAC, Ogg Vorbis, MP4/AAC, MusePack, Monkey's Audio Files, WavePack
  • automatisches Ausfüllen von Tag-Feldern anhand der Ordner- und Dateinamen und umgekehrt
  • Stapelverarbeitung
  • Anzeige von Header-Informationen
  • Vererbung von Tag-Feldern
  • Autovervollständigung
  • CD-Datenbank-Support (Freedb.org und Gnudb.org)
  • Anlegen von Playlisten
  • Dateisuche
  • 18 unterstützte Sprachen

Das englische "Tag" lässt sich mit "Etikett" oder "Schildchen" übersetzen. Bei Audiodateien bezeichnet der Ausdruck die Zusatzinformationen (Metadaten), die sich in einen reservierten Teil des Files einbetten lassen. Sie umfassen unter anderem den Namen des Künstlers, das Album und den Musikstil. Am bekanntesten sind wohl ID3-Tags (Identify an MP3) des lizenzrechtlich geschützten Musikformats MP3.

Mit der Etablierung weiterer Codecs zur Audio- und Videokompression entstanden alternative Taggingsysteme. Das APE-Tagging, ursprünglich für den Musepack-Codec entwickelt, nutzen die Open-Source-Musikformate WavPack und MusePack. Easytag beherrscht daneben auch den "Vorbis comment", einen Metadaten-Container, der ähnliche Informationen wie ID3 beinhaltet. Diese Tag-Variante nutzen die freien Codecs FLAC und Ogg Vorbis. Nicht zuletzt spricht die Software ebenfalls die Tag-Sprache der weit verbreiteten, proprietären MP4/AAC-Formate.

In Abbildung 1 sehen Sie die Easytag-Oberfläche nach dem Start des Programms. Sie stellt zwei Ansichten zur Verfügung: Entweder durchstöbern Sie die Ordner im Verzeichnisbaum (in Abbildung 1 rot umrandet) oder Sie lassen sich die Musikdateien nach Interpret und Album eingeteilt präsentieren. Zwischen den Ansichten schalten Sie über Auswahl | Baumansicht/Künstler-Album-Ansicht oder das entsprechende Icon um. Nach jedem Start des Programms durchforstet die Suchmaschine den aktiven Ordner nach unterstützten Musikdateien.

Abbildung 1: Hier sehen Sie die Oberfläche von Easytag in der Verzeichnisbaum-Ansicht.

Drei Wege zum Glück

Hat die Suche alle gewünschten Titel zu Tage gefördert, stehen Ihnen drei Wege offen, die Tags umzuschreiben und die Dateinamen umzubenennen. In der ersten, der manuellen Variante, brauchen Sie viel Zeit und tippen sich die Finger wund. Zu empfehlen ist diese Vorgehensweise nur dann, wenn nur wenige Dateien der Nachbesserung bedürfen oder nur kleine Änderungen an den Tags anfallen.

Bearbeiten Sie die Titel eines Albums und wollen lediglich die Felder füllen, die für alle Titel gelten (Jahr, Albumtitel, Genre), ist die Arbeit auf diesem Weg dennoch schnell getan: Easytag erleichtert Ihr Vorhaben, indem es neben jedem Feld ein kleinen Knopf (in Abbildung 1 grün umrandet) bereitstellt. Aktivieren Sie diesen, ergänzt das Programm den Eintrag in diesem Feld für alle Titel. Dazu müssen Sie lediglich vorab alle Musikdateien markieren. Ein weiteres Feature der Software lernen Sie kennen, wenn Sie dabei das Erscheinungsjahr ausfüllen: Easytag vervollständigt die Zahl automatisch. Für 1994 genügt die Eingabe von 94, für 2004 sogar die Zahl 4.

Erster Titel von zwanzig, zweiter Titel von zwanzig, dritter Titel von zwanzig: Damit Sie beim Durchnummerieren nicht einschlafen, markieren Sie lieber alle Titel und klicken auf den kleinen Knopf vor der Bezeichnung Stück # (in Abbildung 1 blau umrandet). Dann lassen Sie das Programm die Dateien beginnend bei 1 durchnummerieren. Dabei gilt es zu beachten, dass die Dateien untereinander in der richtigen Reihenfolge stehen.

Automatische Tags

Interessant wird es, wollen Sie Tags automatisch aus den Ordner- und Dateinamen erzeugen. Die Grundvoraussetzungen: Die Dateien müssen zum einen im "Album" (also in Unterordnern) liegen, zum anderen die Datei- und Ordnernamen aussagekräftig ausfallen. Ein Beispiel für eine sinnvoll zu nutzende Struktur: ~/musik/Pink Floyd - Dark Side Of The Moon (1973) - Rock/01. Speak To Me-Breathe.mp3. Hier kommen die angesprochenen Scanner zum Einsatz, speziell der Scanner Fülle Tag. Um Worte in den Datei- und Ordnernamen mit Tag-Feldern in Verbindung zu bringen, nutzt er Masken. Die bestehen aus Platzhaltern für jedes einzelne Tag-Feld. Die Tabelle "Platzhalter für Tag-Felder (Auszug)" zeigt, welche Codes hier welche Information in die Musikdatei übertragen.

Platzhalter für Tag-Felder (Auszug)

Platzhalter Tag-Feld
%a Künstler/Interpret
%b Album
%g Genre
%n Stück
%t Titel
%y Jahr

Sie rufen den Scanner über Scanner | Fülle Tag(s) aus dem Programmmenü auf. In einem zusätzlichen Fenster wählen Sie aus dem Dropdown-Menü Scanner den Eintrag Fülle Tag (Abbildung 2). Darunter sehen Sie eine Eingabezeile. Für das obige Beispiel ließen sich die Tag-Felder Künstler, Album, Jahr, Genre, Stück und Titel mit folgender Codezeile in die Tags der Musikdateien übertragen: %a - %b (%y) - %g/%n. %t. Als praktisch erweist sich die Vorschau unter der Eingabezeile: Hier kontrollieren Sie, ob der Scanner den richtigen Teil des Datei- und Ordnernamens ausliest. Die Platzhaltermasken speichern, bearbeiten und laden Sie über den Maskeneditor. Dazu klicken Sie auf das Maskensymbol (in Abbildung 2 rot umrandet).

Abbildung 2: Per Scanner schreiben Sie mit Easytag Datei- und Ordernamen in Tags – und umgekehrt.

Genau so verfahren Sie, wenn Sie den umgekehrten Weg gehen wollen: Mit Easytag verwandeln Sie auch Datei- und Ordnernamen in verständliche Angaben – und zwar mithilfe der Einträge in den Tag. Öffnen Sie dazu den Dialog Dateien und Verzeichnis umbenennen im Menü Scanner und verfahren Sie analog zum eben beschriebenen Szenario.

Ein dritter Scanner ermöglicht, in den Zeichenketten eines oder mehrerer Tag-Felder Leerzeichen durch Unterstriche zu ersetzen oder den Inhalt in Großbuchstaben zu wandeln. Das Werkzeug bietet mehrere standardisierte Verfahren an, kann aber auch selbstgewählte Zeichen durch beliebige andere ersetzen.

Tags aus Datenbanken

Einige Audioripper bieten beim Umwandeln einer Musik-CD an, die Informationen für Dateinamen und Tags in einer Internetdatenbank zu suchen und automatisch einzupflegen. Auch Easytag beherrscht diese Funktion. War Ihnen während des Rippens ein Zugang zu einer solchen Datenbank verwehrt, haben Sie jetzt die Chance, die notwendigen Informationen einzuholen. Voraussetzung für die automatische Suche in der Datenbank ist natürlich, dass die Audiodateien vor allem in der Länge zur originalen CD passen, zudem muss ein Eintrag für das Album zu finden sein.

Bevor Sie aus der Menüleiste Extras | CD-Datenbanksuche auswählen, markieren Sie alle Titel des Albums. Im Dialogfenster CD-Datenbanksuche haben Sie nun zwei Möglichkeiten, um die Datenbank zu durchsuchen. Entscheiden Sie sich für die Automatische Suche, dann starten Sie den Vorgang über einen Klick auf Suche. Das Tool listet dann alle gefundenen Einträge in einem separaten Bereich auf, Sie wählen aus dieser Liste das richtige Album aus. Gleich daneben sehen Sie, ob der Datenbankeintrag von der Anzahl und Bezeichnung der Titel her zum Gesuchten passt. Ist dem so, setzen Sie im unteren Teil des Fensters ein Häkchen vor diejenigen Felder, die Easytag füllen soll; Anwenden schreibt die Informationen in die Tags.

Findet das Programm Ihre CD nicht anhand der Titel in der Datenbank, bleibt Ihnen die Manuelle Suche im gleichnamigen Reiter. Hier suchen Sie über eine Suchmaske nach beliebigen Stichwörtern.

Easytag installieren

Auf der Heft-CD finden Sie neben den Quelldateien von Easytag auch Binaries für OpenSuse, Fedora, Mandriva sowie Debian und dessen Derivate inklusive Ubuntu. Diese installieren Sie über den Paketmanager Ihrer Distribution. Das Programm benötigt zwingend die Bibliothek libid3tag und daneben optional die Libraries id3lib (für ID3v2.3-Tags), libogg und libvorbis (Ogg Vorbis, FLAC), flac (FLAC), libmp4v2 (MP4/ACC) sowie wavpack (WavPack).

Métamorphose

Wer lediglich massenhaft Dateien und Verzeichnisse benamsen möchte, auf Tagging dabei aber verzichten kann, findet im kompakten Python-Programm Métamorphose das Mittel zum Zweck. Nach dem ersten Programmstart wählen Sie zunächst die Sprache, bevor das Hauptfenster erscheint. Die Oberfläche von Métamorphose gliedert sich übersichtlich in Reiter, in denen Sie je nach Anwendungsfall die geeigneten Optionen finden (Abbildung 3). Als recht praktikabel erweist sich auch die horizontale Teilung des Programmfensters in einen Arbeits- und Vorschaubereich.

Abbildung 3: Über eine Reiterstruktur erreichen Sie alle Programmfunktionen von Métamorphose..

Zu Beginn wählen Sie im Reiter Auswahl den Ordner, in dem sich die umzubenennenden Dateien befinden. Nur rot markierte Dateien verändert das Programm nach Ihren Wünschen. Verfeinern Sie die Auswahl bei Bedarf durch die Angabe von Ausdrücken (Buchstaben, Zahlen) im Bereich Filter (in Abbildung 3 blau umrandet) oder klicken Sie auf die Dateien, die Sie nicht bearbeiten wollen.

Im Reiter Hauptmenü (Abbildung 4) entscheiden Sie jetzt über die Regeln, nach denen Métamorphose die Dateinamen modifiziert. Gleich in der ersten Zeile geben Sie bei Bedarf ein Präfix (Vorsilbe, wird vor den Ursprungsnamen gesetzt) und ein Suffix (Nachsilbe, am Ende des Namens) an und entscheiden, ob nur der Dateiname oder auch die Erweiterung betroffen sein sollen. Klicken Sie auf OK, beginnt die Umwandlung. Zeigt das untere Fenster alle Dateien grün hinterlegt an, war die Aktion erfolgreich.

Abbildung 4: Lassen Sie sich nicht durch die Fülle der Optionen verwirren: Métamorphose hilft mit Tipps.

Arbeiten mit regulären Ausdrücken

Ein wenig mehr ans Eingemachte geht es mit der Verwendung von regulären Ausdrücken [3], deren vollen Funktionsumfang Sie in Hilfe | regulärer Ausdruck finden. Durch dieses Feature haben Sie die Möglichkeit, sehr gezielt und genau Muster in einer großen Anzahl von Dateinamen aufzuspüren. Einmal ausgemacht, lassen Sie durch das Programm die gewünschten Zeichen einsetzen.

Gehen Sie wie folgt vor, um Bilder einer Digitalkamera mit Namen wie IMG_123.JPG in aussagekräftige Dateien mit der Bezeichnung Urlaub_Dresden_1.jpg zu verwandeln und dabei von 1 aufwärts zu zählen:

  • Setzen Sie im Reiter Hauptmenü zwei Häkchen bei Name und Erweiterung. Verändern Sie bei Verzeichnis, Prä- und Suffix nichts, sondern setzen ein Häkchen bei Suchen und aktivieren Reg-Aus.
  • Tragen Sie in die nebenstehende Zeile IMG_[0-9][0-9][0-9].JPG ein. Jetzt geben Sie in das Eingabefeld Ersetzen mit Ihren Wunschbildnamen ein, beispielsweise Urlaub_Dresden_:fest:.jpg. Überprüfen Sie das Ergebnis im Vorschaufenster unten und Klicken danach auf OK.

Mit obigem regulärem Ausdruck markieren Sie den Teil des Dateinamens, der mit IMG beginnt und dem eine dreistellige Zahl folgt. Diesen Abschnitt des Namens überschreibt das Programm mit den Angaben in Ersetzen mit, wobei der Ausdruck :fest: für eine fortlaufende Nummerierung sorgt. Auf dem Reiter Nummerierung legen Sie durch das Aktivieren von Alphabetisch im Bereich Stil fest, dass Métamorphose statt der Zahlen fortlaufende Buchstaben setzt.

Genauso gehen Sie vor, um nur Teile des Dateinamens zu löschen, zu ersetzen oder zu verschieben. Beachten Sie, dass Ihnen im Bereich Suchen neben der Angabe von regulären Ausrücken die Optionen Text und Position zur Verfügung stehen, die Ihnen die Auswahl der Zeichen im Namen erleichtern. Wollen Sie nur einen Teil des Dateinamens an eine andere Stelle setzen, wählen Sie statt Ersetzen mit einfach Verschieben. Stellt das Programm Probleme bei der Umbenennung fest, unterlegt es die betreffenden Dateien mit roter Farbe.

Métamorphose installieren

Bei Métamorphose handelt es sich um ein Python-Programm, weswegen Python 2.4 oder höher auf dem System installiert sein muss. Außerdem setzt die Gtk-Anwendung die Bibliothek wxPython in Version 2.6 voraus.

Anwender von Debian oder Ubuntu installieren von der Heft-CD das DEB-Paket von Metamorphose und spielen aus den Repositories der Distribution die Pakete libwxgtk2.6 und python-wxgtk2.6.

Um Métamorphose aus den Quellen zu übersetzen, entpacken Sie den Tarball von der Heft-CD in ein beliebiges Verzeichnis und starten die Einrichtung als root über den Befehl make build && make install. Anschließend finden Sie das Programm im Verzeichnis /usr/share/metamorphose. Verwenden Sie einen Freedesktop.org-kompatiblen Desktop wie Gnome oder KDE, finden Sie außerdem einen passenden Menü-Eintrag – bei Gnome beispielsweise unter Anwendungen | Zubehör.

Fazit

Mit einfacher Bedienung und viel Übersicht dank ansprechender Oberfläche erleichtern Easytag und Métamorphose allen Anwendern das Leben, die regelmäßig mit vielen Dateien hantieren müssen. Multimedia-Freunde finden in Easytag einen leistungsfähigen Archivar für ihre Sammlung, Métamorphose richtet sich trotz des anspruchsvollen Namens eher an Otto Normalanwender.

Infos

[1] Easytag: http://easytag.sourceforge.net

[2] Métamorphose: http://file-folder-ren.sourceforge.net

[3] Reguläre Ausdrücke: Martin Möller, "Strukturierte Suche", LinuxUser 08/2005, S. 90, http://www.linux-user.de/ausgabe/2005/08/090-regex/

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