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Aufpoliert

Linux Mint 3.0 KDE mit neuer Optik und aktualisierten Tools

01.11.2007 Linux Mint hat sich mit erstklassiger Multimedia-Unterstützung profiliert. Die neue Version 3.0 weiß jedoch zusätzlich durch viele neue Programme und eine tolle Optik zu gefallen.

Linux Mint [1] hat sich inzwischen fest etabliert im Konzert der großen Linux-Distributionen: Bereits seit Monaten listet Distrowatch die aus Irland stammende, auf Ubuntu [2] basierende und noch recht junge Distribution unter den Top Ten [3]. Seit wenigen Wochen liegt die Version 3.0 zum Download bereit, die erstmals nicht mehr wie die zurückliegenden Releases auf alltägliche weibliche Vornamen wie Barbara oder Bea hört, sondern den schönen Namen Cassandra trägt.

Mittlerweile haben die Entwickler neben der Desktop-Umgebung Gnome [4] auch KDE [5] sowie den Windowmanager XFCE [6] integriert, so dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Während die älteren Versionen des Ubuntu-Derivats durch hervorragende Multimedia-Ausstattung glänzten und ohne umständliches Nachladen von Codecs nahezu alle gängigen Multimedia-Formate unterstützten, setzt Cassandra neue Schwerpunkte: Der neue Slogan "From freedom came elegance" deutet bereits an, dass die Entwickler am Erscheinungsbild gefeilt haben. Linux Mint punktet aber auch mit einer modifizierten Softwareauswahl.

KDE-Variante

Im Gegensatz zur Gnome- und XFCE-Version passt die KDE-Variante nicht mehr auf eine CD. Sie benötigt mit einem Grundumfang von rund 950 MByte eine DVD. Betrachten Sie die Liste der mitgelieferten Software, so fällt auf, dass die Maintainer neben vielen gängigen KDE-Paketen auch eine stattliche Anzahl von Programmen integriert haben, die Sie andernorts erst aus Repositories nachladen müssen. So finden sich das DTP-Programm Scribus und der Allround-Multimedia-Player Amarok im Startmenü. Einige KDE-Applikationen, wie KOffice, KMail und Kontact, haben die Entwickler durch deutlich funktionalere Programme ersetzt. Auch unter der Haube weist das System Neuheiten auf: Der Kernel trägt die Version 2.6.20-15, der GCC-Compiler Nummer 4.1.2, der X-Server kommt in Version 7.2 daher.

Nach dem Start der Live-CD müssen Sie sich zunächst in Geduld üben: Der Bootvorgang von einem im Vergleich zur Festplatte langsamen DVD-Laufwerk und die recht behäbige Desktop-Umgebung KDE in der aktuellen Version 3.5.6 beschäftigen selbst schnelle Rechner länger als eine Minute. Ist das System betriebsbereit, macht sich bei manch einem Nutzer eventuell zunächst Enttäuschung breit: Zwar leuchtet der Desktop in frischen mintfarbenen Pastelltönen, aber außer der KDE-Panelleiste, dem Mint-Logo und einem einsamen Install-Button erscheint die Arbeitsfläche recht leer.

Ein Doppelklick auf den Install-Button startet den von Ubuntu her bekannten Festplatten-Installer, der in wenigen Schritten und etwa zwanzig bis dreißig Minuten das System auf die Festplatte packt. Nach einem erneuten Warmstart bootet Linux Mint von dieser deutlich schneller. Mit einem Klick auf das grüne Logo in der Panelleiste starten Sie das neue Tasty Menu, das sich als wahre Augenweide entpuppt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Übersichtlich und gefällig erscheint das Tasty-Hauptmenü.

Nebenbei fällt zudem ins Auge, dass Tasty Menu durch sein in drei Abschnitte geteiltes Fenster einen wesentlich besseren und schnelleren Überblick über vorhandene Programme erlaubt, als dies bei älteren KDE-Versionen der Fall war. Selbst die bereits runderneuerten Menüs von Kubuntu und OpenSuse wirken gegen diese neue Optik altbacken. Zudem braucht es kein umständliches Klicken durch Menüs mehr, um sich über installierte Software zu informieren: Berührt der Mauszeiger eine Programmgruppe im mittleren Fenster, so zeigt das Programm die darin installierten Applikationen automatisch im rechten Fenster an.

Beim Streifzug durch die Programmgruppen fallen einige ungewöhnliche Namen auf: So ist mit Hughin in der Gruppe Grafik ein Programm vorhanden, das aus Einzelbildern Panoramabilder anfertigt, bei den Büroapplikationen sticht die Terminverwaltung Sunbird ins Auge, und im Bereich System ist mit Guarddog ein sehr umfangreiches grafisches Frontend zur schnellen und einfachen Konfiguration einer Firewall integriert (Abbildung 2).

Abbildung 2: Mit Guarddog sichern Sie den Rechner gegen unerwünschte Besucher aus dem Internet.

Bei den Standardprogrammen leistet sich Linux Mint dagegen keinerlei Experimente: Neben OpenOffice in der Version 2.20 liegen Firefox 2.0.0.4, Gimp 2.2.13 und Thunderbird 1.5.0.12 bei. Als Dateimanager kommt alternativ zu Konqueror der neue Dolphin zum Einsatz, der sehr zügig an die Arbeit geht (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der Dateimanager Dolphin entpuppt sich als wesentlich schneller als Konqueror.

Besonders elegant löst Linux Mint die andernorts für rege Diskussionen sorgende Treiberproblematik bei vielen Nvidia- und ATI-Grafikkarten: Mithilfe des Programms Envy installieren Sie die passenden Treiber einfach per Mausklick. Für die 3D-Effekte haben die Entwickler Beryl integriert, so dass – die entsprechende Hardware vorausgesetzt – auch der berühmte fliegende Würfel in Aktion tritt.

Selbst die Multimedia-Enthusiasten finden etwas: Mit Kaffeine und MPlayer stehen gleich zwei Videoapplikationen zur Auswahl, und mit K3B und K9copy sind zwei leistungsfähige Brennprogramme vorhanden. Selbstverständlich enthält diese Release – wie die früheren Versionen – die allen notwendigen Codecs für aktuelle Mediaformate. Für die Audio-Fraktion bietet Cassandra neben Amarok und KSCD auch noch den KAudiocreator, so dass hier ebenfalls keine Wünsche offen bleiben dürften.

Doch auch für weniger Multimedia-Begeisterte bietet Cassandra viel fürs Auge. So besticht die im Mint-Slogan versprochene Eleganz tatsächlich an vielen Stellen: Transparenz-Effekte ebenso wie besonders gestaltete dreidimensionale Icons und Symbole und eine farblich wie auch in der Formensprache gut dazu passende Themenauswahl machen das gesamte System zu einer Augenweide. Selbst das bei anderen Distributionen gelegentlich noch mit dem Charme der späten neunziger Jahre daherkommende KDE-Kontrollzentrum wirkt dank neuer Symbole und Icons sowie fließenden Farbübergängen richtig knackig.

Leider konnten jedoch auch die Mint-Entwickler bislang dem KDE-Windowmanager seinen enormen Ressourcenhunger nicht abgewöhnen: Auf Rechnern mit 512 MB Arbeitsspeicher reagiert KDE sehr träge. Zum Vergleich: Ubuntu 7.04 mit Gnome benötigt bei gleicher Dienstekonfiguration auf der gleichen Maschine gerade 145 MB Arbeitsspeicher. Ab 768 MB Arbeitsspeicher löst sich jedoch die Bremse merklich, da das System dann kaum noch Dateien auf die Festplatte auslagert.

Fazit

Cassandra aus Irland hinterlässt einen erfreulichen Eindruck: Neben der bereits von früheren Versionen her bekannten hervorragenden Multimedia-Integration schickt sich die Distribution jetzt zusätzlich an, auch visuell an der Konkurrenz vorbeizuziehen. So haben die Entwickler die neue Release optisch ansprechend gestaltet. Dabei handelt es sich beim Design bei Linux Mint nicht um unnütze und ressourcenfressende Gimmicks. Die gesamte Oberfläche wirkt elegant und wie aus einem Guss. Auch die Bedienerfreundlichkeit hat vor allen Dingen bei der Menüführung deutlich gewonnen.

Die Softwareauswahl hat eine gründliche Revision erfahren: So liegen für alle üblichen Anwendungsbereiche aktualisierte Versionen der Standardapplikationen vor. Zusätzlich nahmen die Entwickler einige neue Programme auf, und wem das immer noch nicht reicht, der hat dank vollständiger Kompatibilität zu Ubuntu 7.04 auch Zugriff auf die Feisty-Fawn-Repositories, die derzeit mehr als 21 000 Programme beherbergen. Somit dürften kaum noch Wünsche offen bleiben.

Infos

[1] Linux Mint: http://linuxmint.com

[2] Ubuntu Linux: http://www.ubuntulinux.com

[3] Distrowatch: http://www.distrowatch.com

[4] Gnome: http://www.gnome.org

[5] KDE: http://www.kde.org

[6] XFCE: http://www.xfce.org

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