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Ansichtssache

Adobe Reader 8.1 vs. Xpdf / Evince

01.11.2007 PDF-Erfinder Adobe hat den Adobe Reader 8.1 freigegeben. Kann das proprietäre Anzeigeprogramme mehr als freie Software wie Xpdf und Evince?

Praktisch jeder Computeranwender kennt PDF. Das auf der Seitenbeschreibungssprache PostScript aufbauende Portable Document Format hat sich als Standard für die plattformübergreifende Veröffentlichung von Dokumenten fest etabliert, für jedes gängige Betriebssystem gibt es ein entsprechendes Anzeigeprogramm. Doch das PDF-Format ist nicht nur dazu gedacht, Dokumente für jedermann lesbar zu veröffentlichen.

Ein weiteres wichtiges Aufgabenfeld für PDF stellt die Druckvorstufe dar: Professionelle Postscript-Drucker und Belichter verarbeiten PDF-Dokumente direkt, mithilfe von so genannten Preflights prüft man das Layout eines PDF-Dokumentes vor der Veröffentlichung. Der Entwickler des PDF-Formats, die US-amerikanische Firma Adobe Systems, hatte bei der Etablierung des Formats zunächst auch in erster Linie Verlagshäuser und Druckereien im Visier, das Internet steckte zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen.

Gleichwohl achtete Adobe darauf, sein neues Produkt möglichst für alle Computernutzer zugänglich zu machen. So wurde der Acrobat Reader [1] von Anfang an als kostenloses Anzeigeprogramm für PDF-Dateien entwickelt, und zwar für alle seinerzeit üblichen Betriebssysteme. 1993 erblickte der Acrobat Reader für DOS in der Version 1.0 das Licht der Welt (Abbildung 1), und es gab natürlich eine Version für den Macintosh, für IBMs legendäres Betriebssystem OS/2 und auch für weitere Systeme.

Abbildung 1: Mit dem Acrobat Reader für DOS Version 1.0 fing 1993 alles an.

Durch die kostenlose Verbreitung des Acrobat Readers und die Verfügbarkeit des Programms auf derart vielen Plattformen setzte sich das PDF-Format rasch gegen die damals üblichen Textverarbeitungsformate durch. Ein weiterer Schachzug gelang Adobe mit der Entwicklung des Reader-Plugins für die gängigen Webbrowser: Dadurch ließen sich mit dem Aufkommen des Internets dort publizierte PDF-Dokumente direkt im Browser betrachten, ohne dass vom Anwender ein externes Programm gestartet werden musste.

Freie Konkurrenz

Trotz der ungeheuren Dynamik im Bereich der Softwareentwicklung hat Adobe bis dato die Angewohnheit beibehalten, für alle wichtigen Plattformen den Adobe Reader kostenlos anzubieten. Während die Reader-Versionen für DOS und OS/2 inzwischen jedoch längst als historische Software gelten, zählt bereits seit mehreren Jahren Linux zu den unterstützten Plattformen. Adobe liefert den Reader allerdings als proprietäre Software, so dass sich unter Linux unter anderem mit Xpdf [2] und später Evince [3] schnell freie PDF-Reader etablierten.

Während Xpdf als älteres der freien Reader-Programme mit einer Motif-Oberfläche aufwartet und so ein für heutige Verhältnisse eher rustikales Outfit aufweist, integriert sich Evince vollständig in den Gnome-Desktop. Xpdf bietet zusätzlich zur reinen Viewer-Funktion mit dem Zusatzpaket Xpdf-utils noch die Option, PDF-Dokumente nach Postscript umzuwandeln. Evince dagegen bietet eine Reihe von nützlichen Zusatzfunktionen wie das Ausfüllen von Formularen oder das Kopieren von Dokumentinhalten in die Zwischenablage. Zudem kann es neben PDF-Formaten auch Postscript- und DVI-Dokumente anzeigen.

Mit der zunehmenden Funktionsfülle vor allem von Evince geriet der Platzhirsch Adobe Reader unter Linux immer mehr ins Hintertreffen, zumal die Software mit jeder neuen Version ressourcenhungriger wurde. So beansprucht das Adobe-Produkt bereits seit mehreren Major-Releases deutlich mehr als 100 MByte Plattenplatz, und der Start wie auch das Laden und die Anzeige großer Dokumente gehen nur schleppend vonstatten. Doch Adobe hat die Klagen der Anwender offensichtlich sehr ernst genommen und für den nagelneuen Reader in der Version 8.1.1 für Linux nicht nur eine optisch runderneuerte und ansprechendere Oberfläche entwickelt, sondern auch unter der Haube in sehr vielen Bereichen an der Software geschliffen.

Installation

Der neue Reader findet sich naturgemäß noch nicht in den Repositories der führenden Linux-Distributionen enthalten, sondern derzeit nur auf der Adobe-Website. Bei Redaktionsschluss stand zudem noch keine lokalisierte Version zur Verfügung, so dass die Applikation bislang nur in Englisch erhältlich. Wen dieses sicher in Kürze behobene Manko nicht stört, der lädt ein knapp 50 MByte großes Paket herunter.

Hier sticht bereits der erste gravierende Unterschied zu früheren Versionen der Software ins Auge: Während der Adobe Reader bis einschließlich der Version 7.0.9 nur als ZIP-Archiv erhältlich war und daher zunächst entpackt und anschließend durch ein ausführbares Skript installiert werden musste, bietet Adobe den neuen Reader nun auch als RPM- und DEB-Binärpaket an. Das ermöglicht unter vielen Distributionen eine einfache Installation per Mausklick.

Nach dem Start schaufelt die Installationsroutine gut 120 MByte an Daten auf die Festplatte. Unter Gnome legt die Applikation im Menü Anwendungen | Büro einen Eintrag Adobe Reader mit einem sofort ins Auge fallenden roten Icon an, unter KDE landet der Adobe Reader im Menü Büroprogramme. Für die meisten anderen Oberflächen muss der Nutzer selbst einen Programmstarter anlegen.

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