Alt, aber kraftvoll
Mutt versus Alpine: Konsolen-Mailer im Vergleich
Gemeinsamkeiten
Trotz aller Unterschiede weisen beide Tools einige Gemeinsamkeiten auf. Sowohl Mutt als auch Alpine unterstützen den Zugriff auf entfernte POP3-Postfächer auf dem Server des Providers (hier: T-Online). Mutt rufen Sie zu dem Zwecke wie folgt auf:
mutt -f pop://.:.@pop.t-online.de
Alternativ dazu holt Mutt die E-Mails, soweit Sie das Feature beim Kompilieren eingeschaltet haben, mit der Taste [G] direkt aus dem POP3-Postfach ab. Um das Postfach in Alpine zur Standard-Inbox zu machen, genügt es, die Variable inbox-path wie folgt festzulegen:
inbox-path={pop.t-online.de/pop3/user=.}INBOXBeim Einloggen erfolgt eine kurze Passwort-Abfrage in Alpine, bevor der Server den Zugriff auf das Postfach gewährt. Ab Versionsnummer 1.5.16 bietet Mutt zudem wie Alpine den direkten Versand zum SMTP-Server eines Providers an – wobei das Feature selbstverständlich nicht die Vorzüge eines lokalen Mailserver wie Exim oder eines SMTP-Clients wie MSMTP erreichen.
Als weitere Gemeinsamkeit beherrschen beide Mailer das farbliche Darstellen von Nachrichten zum Gliedern und der Übersicht wegen (Abbildung 3.). Das kann bei entsprechender Unterstützung von 256 Farben im Xterm schon recht bunt ausfallen. Empfangen Sie jedoch beispielsweise per Cronjob regelmäßig umfangreiche Logfiles, lernen Sie die Hilfe des Mailers Mutt schnell zu schätzen, wenn dieser wichtige Inhalte im Textkörper jeder Nachricht hervorhebt. Selbst ans Verarbeiten regulärer Ausdrücke, wie "[;:]-*[)oO>(<]", um Smileys einzufärben, haben die Mutt-Entwickler gedacht. Alpine gibt sich hier mit 22 Möglichkeiten der Farbgestaltung nicht ganz so dekorativ (Abbildung 4).
Um zuverlässig die Anhänge von Mails anzuzeigen, greifen sowohl Mutt als auch Alpine auf die Dateien /etc/mailcap und ~/.mailcap zurück. Beide Programme öffnen mit der Taste [V] die ausgewählte Datei mit dem in Mailcap vorgegebenen Programm. Leider zeigt sich Alpine im Einsatz der Tastaturbefehle nicht immer konsequent. Während bei Mutt regelmäßig die Taste [Q] für Quit steht und [Y] für Yes, verwirrt Alpine den Nutzer oft durch die wechselnde Bedeutungen: Mal beenden Sie einen Modus mit [E] für Exit, mal mit [Q] für Quit, mal über [C] für Confirm oder [Y] für Yes.
Schreibwerkzeug
Der letzte Punkt der Gemeinsamkeiten liegt in der Auswahl der Editoren, um Mails zu schreiben. Mutt verfügt über einen eingebauten Zeileneditor, mit dem Sie E-Mailadressen, Betreffzeilen oder die Dateinamen der Anhänge eingeben. Danach orientiert sich das Programm an Umgebungs- oder Konfigurationsvariablen, um für das Verfassen der Nachricht einen externen Texteditor zu starten.
Alpines Ausstattung fällt etwas großzügiger aus. Zum Programmumfang gehört ein Composer, der zum Beispiel beim Distributor Ubuntu auch separat als alpine-pico vorliegt. Mit dem eingebauten Editor erledigen Sie in der Regel das Schreiben der elektronischen Post recht zügig. Mögen Sie trotzdem nicht auf den Lieblingseditor verzichten, binden Sie ihn über Konfigurationsvariablen in der Datei ~/.pinerc ein und starten ihn entweder automatisch oder bei Bedarf mit [Strg]+[Umschalt]+[-].



