Aufmacher

Gnome angetestet

Vorschau auf Gnome 2.20

01.10.2007
Nachdem es in der Version 2.18 nur kosmetische Änderungen gab, verspricht Gnome 2.20 wieder mehr Sichtbares an der Oberfläche.

Die neue Version fällt mit einem anderen sehr bedeutenden Ereignis zusammen, das im August rund um die Welt gebührend gefeiert wurde: dem zehnten Geburtstag des GNU-Desktops (Kasten "Gnome wird 10").

In der aktuellen Ausgabe von Gnome hat sich wieder einiges getan. Im Gegensatz zu der im Frühjahr erschienen Release hebt sich der Desktop damit deutlicher von der vorherigen Version ab.

Gnome wird 10

Am 15. August 1997 [3] kündigte Miguel de Icaza die erste wirklich freie Desktopumgebung auf der Gtk-Mailingliste an. Der Grund dafür war das noch nicht vollständig freie KDE, verwendete es doch die damals noch nicht unter der GPL veröffentlichte Qt-Bibliothek. Unter dem zunehmenden Druck von KDE und nicht zuletzt Gnome sah sich Trolltech gezwungen, Qt im Oktober 2000 unter der GPL freizugeben. De Icazas Desktop-Pläne waren ambitioniert, und 1997 ging der in Mexiko ansässige Programmierer noch davon aus, Programme und Werkzeuge in Scheme zu schreiben.

In den letzten zehn Jahren tat sich einiges: Red Hat setzte von Anfang an auf Gnome und ließ KDE außen vor. Große Firmen, wie Sun oder Novell folgten diesem Beispiel und integrierten den freien Desktop erfolgreich in ihre Enterprise-Produkte. Nokia [4] setzte 2005 mit dem N770 und dem Nachfolgemodell N800, das Anfang diesen Jahres erschien, auf Gtk+- und Gnome-Komponenten.

Entertainment pur

Dem Mediaplayer Totem spendierten die Entwickler eine neue Plugin-Infrastruktur, wie bei anderen Programmen üblich. Damit lässt sich Totem beliebig erweitern. Von Haus aus liefert das Programm bereits drei Erweiterungen mit: Gromit-Anmerkung, Immer im Vordergrund und Infrarot-Fernbedienung. Immer im Vordergrund hält andere Fenster unter dem Mediaplayer. Mit dem Plugin Infrarot-Fernbedienung steuern Sie mit der zuvor konfigurierten Fernbedienung Totem wie jeden handelsüblichen DVD-Player von der Couch aus.

Bereiche bei Filmsequenzen oder Standbilder markieren Sie mit Gromit-Anmerkungen. Dazu müssen Sie Gromit zuvor starten und im Anschluss in Totem mit [Pause] aktivieren. [Umschalt]+[Pause] löscht die Anmerkung, [Strg]+[Pause] versteckt sie. Mit der linken und der mittleren Maustaste steuern Sie den virtuellen Buntstift. [Umschalt]+linke Maustaste malt in blauer, [Strg]+linke Maustaste in gelber statt in der voreingestellten roten Farbe.

Effektiver arbeiten

Wenn Sie immer schon PDF-Formulare am Computer ausfüllen und auf Adobe Reader zurückgreifen mussten, gibt es jetzt eine freie Lösung: Evince springt hier als einer der ersten freien Dokumentbetrachter mit der Unterstützung für Forms in die Bresche (Abbildung 1). In einem kurzen Test zeigte sich, dass dieses Feature noch nicht bei allen Formularen funktioniert: So bereiten die unbeliebten Vordrucke des Finanzamts Probleme. Auf der anderen Seite ist erfreulich, dass die Entwickler einen störenden Fehler beseitigten, der Probleme beim Ausdruck von mehreren Seiten auf einem Blatt Papier verursachte.

Abbildung 1: Evince unterstützt Sie beim Ausfüllen von Formularen.

Auch bei anderen Gnome-Core-Anwendungen legten die Entwickler Hand an – unter anderem bei Gedit, Yelp und Evolution.

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