Aufmacher

Ausblick auf KDE 4.0

Quo vadis, KDE?

Der erste KDE-4-Beta gewährt einen Einblick in die zahlreichen innovativen Konzepte der nächsten K-Desktop-Generation.

Schon zu Beginn der Entwicklung weckte das KDE-Projekt hohe Erwartungen: Der Desktop werde nicht nur erheblich attraktiver aussehen und anders funktionieren, sondern auch erheblich schneller sein als der Vorgänger, schallte es aus den Blogs der Entwickler. Wenige Monate vor der Release und kurz nach der Veröffentlichung der ersten Beta-Version prüfen wir, wie das KDE-Projekt sich schlägt.

Neue Kleider

Wer die KDE-4-Beta zum ersten Mal startet, dem fällt zuerst die veränderte Oberfläche auf: Bereits seit der ersten Alpha-Version gibt es die Oxygen-Icons, Abbildung 1 zeigt sie mit dem neuen Dateimanager Dolphin. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern, den Crystal-Icons der KDE-3-Serie, erscheinen sie weniger comicartig und zugleich differenzierter: Den sehr einfach gehaltenen Icons in der Symbolleiste stehen die restlichen, strukturierteren Symbole gegenüber. Außerdem richtet sich das Icon-Set jetzt, ebenso wie die Tango-Icons des Gnome-Projektes, nach der Icon-Spezifikation von Freedesktop.org [1]. Das Künstlerteam arbeitet noch an einem neuen Stil für die Widgets, der den bisherigen Standard "Plastik" ablöst. Da aber noch Elemente im Oxygen-Stil fehlen, taucht er noch nicht in der ersten Beta-Version auf.

Abbildung 1: Die Oxygen-Icons in KDEs neuem Dateimanager Dolphin. Der komplette Dolphin-Stil fehlt in der ersten Beta-Version allerdings noch.

Eine weitere grundsätzliche Änderung: Der klassische Desktop gehört der Vergangenheit an. Von nun an übernimmt Plasma die Herrschaft über den Bildschirmhintergrund. Darauf können Sie kleine Applets, so genannte Plasmoids, ablegen (Abbildung 2). Das Konzept ähnelt dem von Superkaramba – was nicht von ungefähr kommt, denn einige Superkaramba-Entwickler gehören dem Plasma-Team an.

Abbildung 2: KDE 4 mit vier Plasmoids: Digitaluhr, Batteriestandsanzeige, Wörterbuch und Twitter-Frontend.

Um das Entwickeln von Plasmoids für Gelegenheitsbastler attraktiver zu gestalten, spalten die Plasma-Entwickler die Applets in zwei funktionale Teile: Die so genannte Data Engine beschafft die Daten, das Plasmoid selbst stellt diese nur noch da. Somit genügt beispielsweise eine Data Engine zum Entwickeln verschiedener Uhr-Plasmoids. Da sich Plasmoids neben C++ auch in Javascript programmieren lassen und Plasma ein einfaches API für Grafikeffekte und SVG-Grafiken mitbringt, können Sie sich auch als Anwender mit geringer Programmiererfahrung kreativ entfalten. Nicht zuletzt deswegen gibt es schon heute über 30 Plasmoids in der KDE-Code-Basis.

Auch die KDE-Kontrollleiste "Kicker" soll dem Plasma-Konzept weichen. Mit der nächsten Beta tritt "Raptor", ein neues auf Plasma basierendes Panel, die Kicker-Nachfolge an.

Effektvoll

Der KDE-Fenstermanager KWin gilt als einer der soliden Grundpfeiler von KDE. Seine Entwickler trimmen das gute Stück bereits seit langer Zeit auf den korrekten Umgang mit vielen Anwendungen. Mittlerweile feiern jedoch OpenGL-basierte Fenstermanager wie Compiz Fusion große Erfolge, die Fenster und Desktop durch eine als Compositing bekannte Technik mit allerlei Effekten aufpeppen. Somit stellte sich die Frage nach der Zukunft des guten alten KWin.

Compiz kommt als Ersatz nicht in Frage, weil das instabile API für Compiz-Plugins nicht den Kriterien für KDE-Bibliotheken entspricht. Eine Codeanalyse ergab zudem, dass es wesentlich aufwändiger wäre, die komplette KWin-Funktionalität nach Compiz zu portieren, als das Compositing direkt in KWin einzubauen. Zuletzt das K.O.-Kriterium: Compiz läuft nur mit modernen Grafikkarten und selbst dort (mit Ausnahme von Intel-Grafikchips) nur mit proprietären Treibern. KWin verfügt hingegen über drei Modi: Im OpenGL-Modus arbeitet es ähnlich wie Compiz mit den 3D-Fähigkeiten der Grafikkarte. Fehlen die 3D-Treiber, springt der Composite-Modus ein, der das Compositing in 2D über eine eigens dafür geschaffene X-Erweiterung realisiert. Geht auch das nicht, setzen Sie KWin wie unter KDE 3 gewohnt ein. Zumindest auf aktuellen Rechnern bringt KWin nun also auch Funktionalität wie Schatten, Transparenz und animierte Übersichten der virtuellen Desktops mit. Einziger Wermutstropfen: Die Performance entspricht – noch – nicht der von Compiz.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

LU 10/2016: Kryptographie

Digitale Ausgabe: Preis € 0,00
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Soundkarte wird erkannt, aber kein Ton
H A, 25.09.2016 01:37, 2 Antworten
Hallo, Ich weiß, dass es zu diesem Thema sehr oft Fragen gestellt wurden. Aber da ich ein Linu...
Scannen nur schwarz-weiß möglich
Werner Hahn, 20.09.2016 13:21, 2 Antworten
Canon Pixma MG5450S, Dell Latitude E6510, Betriebssyteme Ubuntu 16.04 und Windows 7. Der Canon-D...
Meteorit NB-7 startet nicht
Thomas Helbig, 13.09.2016 02:03, 3 Antworten
Verehrte Community Ich habe vor Kurzem einen Netbook-Oldie geschenkt bekommen. Beim Start ersch...
windows bootloader bei instalation gelöscht
markus Schneider, 12.09.2016 23:03, 1 Antworten
Hallo alle zusammen, ich habe neben meinem Windows 10 ein SL 7.2 Linux installiert und musste...
Ubuntu 16 LTE installiert, neustart friert ein
Matthias Nagel, 10.09.2016 01:16, 3 Antworten
hallo und guten Abend, hab mich heute mal darangewagt, Ubuntu 16 LTE parallel zu installieren....