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Zaubern mit Xnee

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Geisterstunde

Bevor Sie richtig loslegen, erlauben Sie sich noch einen ersten kleinen Spaß und sehen Sie Cnee bei der Arbeit zu. Der folgende Befehl zeigt Ihnen, wie das X-Protokoll Ihre Mausbewegungen sieht. Geben Sie ihn auf der Kommandozeile ein und schauen Sie dem Protokoll bei der Arbeit zu.

$ cnee --record --mouse --events-to-record 1000

Nun erscheinen Zahlenkolonnen auf die Konsole, sobald Sie die Maus bewegen. Nach 1000 Events hört der Spuk wieder auf, und Sie können sich der Xnee-GUI Gnee zuwenden. Dazu rufen Sie eine Konsole auf und geben gnee ein.

Die grafische Oberfläche bringt mehrere Reiter mit, um die Software zu konfigurieren. Leider fehlt jedwede Art von Dokumentation. Momentan erscheint die GUI noch nicht besonders ausgereift, was sich unter anderem an der bruchstückhaften Übersetzung der Menüpunkte zeigt. Insbesondere stört, dass sich Veränderungen nicht speichern lassen. Mitunter verabschiedet sich Gnee auch grußlos.

Betrachten Sie die vier Register (Abbildung 1). Aktivieren Sie Verbose logging unter General Settings, dokumentiert das Programm seine Aktionen sehr ausführlich in der Konsole. Kreuzen Sie Seconds an, wartet Gnee die angegebene Zahl an Sekunden, bevor es aufzeichnet. Das sorgt nebenbei dafür, dass die Software das erste Loslassen der Maustaste beim Klick auf Aufnahme ignoriert.

Nun wechseln Sie in den Reiter Record Settings. Ein Display tragen Sie ein, wenn Sie Aktionen auf einem anderen Display aufzeichnen. Die Eingabe lautet dann etwa :0.1, Standard ist Display :0.0. Offensichtlich akzeptiert Gnee keine neuen Speicherorte für seine temporären Session-Dateien (mit der Dateiendung XNS), also lassen Sie /tmp als Zielverzeichnis stehen.

Die Option Recording Limit setzt eine Grenze für die Länge der Aufnahme. Diese definieren Sie über die Zahl der Ereignisse (Events to record), etwa Mausklicks und Bewegungen, die Menge an Daten (Data to record) oder die verbrauchte Zeit (Time (secs)). Setzen Sie Events to record auf -1, zeichnet Gnee so lange auf, bis Sie [Strg]+[C] oder einen festgelegten Abbruch-Code drücken.

Ganz im unteren Bereich sehen Sie die beiden Felder Exclude und Include. Sie verschieben hier per Mausklick sämtliche X-Server-Befehle von der linken auf die rechte Seite (Abbildung 4) – per Doppelklick oder über die Pfeile. Allerdings lassen sich die X-Protokoll-Befehle nur einzeln verpflanzen, was das Ganze zu einer unnötig zeitaufwendigen Angelegenheit macht. Diese Ereignisse schneidet Gnee dann mit und spielt sie später wieder ab.

Abbildung 4: In Gnees Register Record Settings legen Sie fest, welche Typen von X-Befehlen das Tool aufzeichnen soll. Eine etwas mühsame Arbeit…

Im Reiter Replay Settings nehmen Sie keine Modifikationen vor. Über Replay with speed ändern Sie bei Bedarf die Abspielgeschwindigkeit der Aufnahme. Die Thresholds belassen Sie auf dem Vorgabewert: Sie sorgen dafür, dass Xnee die Geschwindigkeit beim Abspielen innerhalb eines bestimmten Schwellwerts synchronisiert. Dafür zeichnet die Software zwar mehr benutzerunabhängige Daten des X-Protokolls auf, reagiert dann aber flexibler auf Verzögerungen beim Abspielen. Wenn sich Xnee sklavisch an den vorgegebenen Zeitplan hält, scheitert das Abspielen womöglich, falls ein Programm langsamer startet oder der Browser eine Seite nur sehr gemächlich lädt. Mit Synchronisierung wartet die Software, bis ein bestimmtes Ereignis eintritt, und fährt erst dann mit dem Ablauf fort.

Nun ist es Zeit für einen Testlauf: Klicken Sie auf den Knopf mit der Beschriftung Aufnahme oder Record. Haben Sie unter Seconds einen Wert angegeben, zählt ein Countdown in der Konsole bis 0, dann beginnt die Aufnahme. Wechseln Sie zum Testen in das Startmenü und rufen Sie ein Programm auf – etwa einen Texteditor – und schreiben Sie ein paar Sätze. Verändern Sie die Schrift noch etwas und wechseln Sie dann zur Konsole, über die Sie Gnee gestartet haben. Hier drücken Sie [Alt]+[C], um die Aufzeichnung zu beenden. Berücksichtigen Sie bei Ihren Aufzeichnungen, dass Gnee Ihre Schritte später einfach wiederholt. Sudoku lässt sich mit Gnee zum Beispiel schlecht spielen – mit jedem neuen Aufruf verändert sich die Anordnung der Zahlen (Abbildung 5), so dass ein Makro die falschen Werte eintragen würde.

Abbildung 5: Mäßig intelligent: Xnee wiederholt stupide alle gezeigten Schritte – leider ändern sich die Zahlenvorgaben nach jedem Neustart von Sudoku.

Zum Abspielen rufen Sie die Software erneut in der Kommandozeile auf und klicken dann auf Wiedergabe. Nun sollte Gnee die eben von Ihnen vorgegebene Bewegung wiederholen. Tut es das nicht, müssen Sie einen neuen Start wagen. Das ist in Gnee sehr mühsam, weil Sie wieder im Reiter Record setting die Recordables hin- und her schieben – natürlich einzeln.

Cnee auf der Konsole

Einfacher als die GUI funktioniert die Software tatsächlich über die Konsole – und das nicht nur, weil es eine etwa 50-seitige englischsprachige Anleitung gibt, die Sie auf der Heft-CD finden. Über den Befehl

$ cnee --record --keyboard --mouse --events-to-record -1 --stop-key 9 --out-file test1.xnl

starten Sie ohne große Verrenkungen Ihre erste Aufzeichnung. Drücken Sie [Eingabe], zeichnet Cnee (--record) Mausbewegungen (--mouse) und Keyboard-Anschläge (--keyboard) auf. Das Tool hört damit erst auf (--events-to-record -1), wenn der Nutzer [Q] (--stop-key q) drückt. Alle Aktionen speichert Cnee in einer Datei namens test1.xnl im aktuellen Verzeichnis.

Zum Abspielen der Session bemühen Sie erneut die Konsole:

$ cnee --replay -f test1.xnl --time 3 --recall-window-position

Die Software wartet erstmal drei Sekunden (--time 3) und startet dann mit dem Abspielen der Datei (--replay -f test1.xnl), wobei sie das Fenster wieder dort öffnet, wo es zuvor war (--recall-window-position). Apropos Fenster: Trifft Xnee auf einen Desktop mit anderen Abmessungen – etwa 800x600 Pixel – passt es die abzuspielende Datei laut Handbuch automatisch an die neue Auflösung an. Das funktionierte im Test allerdings nicht zuverlässig. Probieren Sie am besten aus, ob Ihr Makro auch unabhängig von der Auflösung funktioniert, und benutzen Sie möglichst keine Startmenüs, um Programme aufzurufen, sondern [Alt]+[F2] und andere Tastenkürzel oder Kommandozeilen-Befehle.

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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

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