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Seminarix: Live-Distribution für Dozenten und Lehrer

01.09.2007
Schnell, einfach, handlich: Die Live-Distribution Seminarix enthält eine Vielzahl an Programmen zum lehren und lernen.

War das Benutzen freier Software und speziell eines freien Betriebssystems vor noch nicht nicht allzu langer Zeit ein aufwändiges Unterfangen, das spezifische Kenntnisse voraussetzte, hat sich das seit der Verbreitung von Live-CDs wie Knoppix radikal verändert. Dazu trägt nicht zuletzt aufgeräumte Benutzeroberflächen wie KDE bei.

Live-Distributionen ermöglichen auch technisch weniger versierten Anwendern, sich in Ruhe unterschiedliche Anwendungen auf einem freien Betriebssystem anzusehen und auszuprobieren, ohne durch umständliche Installationen überfordert zu werden. Allerdings schreckte bisher die unübersehbare Menge an installierter Software aus den unterschiedlichsten Bereichen viele Benutzer eher ab, Die oft umständliche Einteilung des Menüs trug ihren Teil dazu bei. Es erforderte nicht selten einiges an Geduld, Zeit und gutem Willen, das passende Programm zu finden.

Hier geht Seminarix [1], eine für den Bildungsbereich konzipierte Live-Distribution, einen konsequent anderen Weg. Erstes Ziel war es, Lehrerinnen und Lehrern beginnend mit ihrer Ausbildung ein System anzubieten, das möglichst viel an freier Software enthält, die sie im Berufsalltag unterstützt. Aus diesem Grund enthält jede Anwendung in ein einer übersichtlichen Tabelle sowohl einen kurzen informativen Text über den Zweck und den Inhalt der Anwendung, sowie einen Link zur Projekthomepage und zum Programm selbst. Alle Programme sind aus Gründen der Übersichtlichkeit in zugehörige Schulfächer eingeteilt, die Sonderkategorie Lernspiele enthält pädagogische Software. Oberste Richtschnur des Projekts: das Erhöhen von Nutzbarkeit und Übersichtlichkeit (Abbildung 1).

Abbildung 1: Oberstes Ziel bei der Entwicklung von Seminarix war es, die enthaltenen Programme möglichst benutzerfreundlich im System zu integrieren.

Als minimale Systemvoraussetzung für den flüssigen Betrieb braucht die Distribution eine AMD- oder Intel-CPU mit mindestens 500 MHz Arbeitstakt, 256 MByte Hauptspeicher sowie ein DVD-Laufwerk. Möchten Sie Seminarix auf der Festplatte einrichten, benötigen Sie darüber hinaus etwa 3 GByte freien Festplattenplatz.

Seminarix intern

Seminarix ist gleichzeitig eine Live- und Installations-Distribution. Das bedeutet: Sie booten Ihren Computer von der CD und verwenden alle auf der Distribution enthaltenen Programme ohne vorheriges Einrichten, ihre Festplatte bleibt unangetastet. Von einem gebooteten Live-System aus richten Sie das Betriebssystem über den K-Menü-Eintrag System | Auf Festplatte installieren bei Bedarf dauerhaft auf der Platte ein (Abbildung 2).

Abbildung 2: Mit dem bewährte Kubuntu-Installer richten Sie Seminarix problemlos auf Ihrer Festplatte ein.

TIPP

Achten Sie bei Ausprobieren von Seminarix darauf, dass im BIOS in der Bootreihenfolge das CD/DVD-Laufwerk an erster Stelle steht.

Da Seminarix im Live-Modus den flüchtigen Hauptspeicher des Rechners als als Speichermedium für erstellte Dokumente verwendet, löscht ein Neustart des Systems diese. Kopieren Sie die Dateien deswegen zuvor aus Ihrem Heimatverzeichnis entweder auf ein Netzlaufwerk oder einen angeschlossenen USB-Stick.

Bei Der Konzeption der Seminarix-CD legten die Entwickler größten Wert auf Konsistenz und Erweiterbarkeit. Als Systemgrundlage dient die Distribution Kubuntu 6.06 Dapper Drake [2] , welche die Kombination von Live- und Installations-Distribution bereits in einer auch für Linux-Einsteiger bedienbaren Weise realisiert. Kubuntu basiert seinerseits auf Debian GNU/Linux [3], das sich unter den Linux-Distributionen durch ausgereifte Technik und eine große Auswahl an Programmen hervorhebt.

Kubuntu erweitert Debian um eine leistungsfähigere Hardware-Erkennung und benutzt als grafische Oberfläche den besonders für Einsteiger geeigneten KDE-Desktop. Der [4] ist im deutschen Sprachraum die die weitesten verbreitete Desktopumgebung und besonders bei Anwendern beliebt, die bereits über Erfahrungen mit Microsoft Windows verfügen. Um Platz für zusätzliche Software zu schaffen, war es allerdings unvermeidbar, den größten Teil der Dokumentation in /usr/share/doc aus der CD zu entfernen.

Das Umarbeiten des Standard-Kubuntu-Systems zu Seminarix (Installation neuer Programme, Entfernen nicht benötigter Programme, Umstellen auf deutsche Sprachunterstützung) erfolgte mit Hilfe des Advanced Package Tools (Apt). Dadurch bleibt die von Debian-basierten Systemen bekannte Möglichkeit erhalten, das System mit apt-get upgrade über das Internet auf zuverlässige Weise auf dem neuesten Stand zu halten. Die verwendeten Ubuntu-APT-Quellen heißen Main und Universe.

Für einige Programme (Dia, Inkscape, Nvu und KTurtle) gibt es derzeit noch keine offiziellen deutschen Lokalisierungen. Deswegen haben die Entwickler bei diesen Programmen die englischsprachigen Versionen der Software für Seminarix modifiziert. Das bedeutet jedoch, dass die deutsche Sprachanpassung bei einem Upgrade aus den Kubuntu-Repositories verloren geht. Um das zu verhindern, müssten Sie die Anwendungen vor dem Upgrade sichern und danach erneut einspielen – es sei denn, künftige Upgrades der genannten Programme bringen eine deutsche Sprachunterstützung bereits mit.

Die Seminarix-spezifischen Menüs finden sich als Desktop-Dateien im globalen Verzeichnis /usr/share/applnk. Das Anpassen der Softwarekonfiguration (etwa deutsche Sprache als Voreinstellung) erfolgte global. Das hat die Vorteile, dass die Menüs und Anpassungen auch nach einer Installation auf der Festplatte und für alle Benutzer verfügbar sind. auch beim Aktualisieren der Programme gehen die Seminarix-Menüs nicht verloren.

Umgekehrt lassen sich bei einem auf Festplatte installierten System die Menüs und Anpassungen aktualisieren, ohne auf Dateien des Benutzers zuzugreifen. Das erlaubt, zukünftige Aktualisierungen in die Paketverwaltung der Distribution einbinden. Jeder, der über das nötige Know-How verfügt, ist in der Lage, mit vertretbarem Aufwand eine aktualisierte Version von Seminarix zu erstellen. Damit eignet sich die Distribution auch als Ausgangsbasis für zukünftige, ähnlich geartete Projekte, beispielsweise im Rahmen der geplanten Kooperation mit Skolelinux [5].

Systematik von Seminarix

Nach dem Booten der Live-Distribution öffnet sich ein Browserfenster mit einer gegliederten Übersicht der installierten Programme. Alternativ öffnen Sie diese Seite mit einem Klick auf das Desktop-Icon Seminarix Info. Sie enthält sowohl detaillierte Funktionsbeschreibungen der jeweiligen Software als auch einen Link zum Programm, der es per Mausklick direkt startet. Unter Allgemein finden sich Tools, die nicht nur Lehrern beim Vorbereiten und Durchführen des Unterrichts helfen, sondern auch Schülern eine Menge Funktionalität bieten.

KOffice deckt als vollwertige Office-Suite alle wichtigen Büroanwendungen ab. Es eignet sich sowohl zum Bearbeiten von Texten und Erstellen von Grafiken oder Flussdiagrammen als auch zur Tabellenkalkulation. Aus Platzgründen verzichteten die Entwickler zu Gunsten anderer Programme auf die Integration des zwar verbreiteten, aber recht umfangreichen OpenOffice.

Für das Gestaltung von Arbeitsblättern eignet sich vorzüglich das DTP-Programm Scribus. Damit erstellen Sie sogar interaktive PDF-Arbeitsblätter, die Eingaben ermöglichen. Mit dem WYSIWYG-Editor Nvu gestalten Sie auch als Einsteiger im Nu ansehnliche Webseiten. Keduca hilft dabei, Tests und Abfragen (z.B. Multiple Choice) zu entwickeln, mit Kdissert produzieren Sie Mindmaps zum Visualisieren von gedanklichen Zusammenhängen.

Audacity erlaubt Ihnen das einfache Erstellen von Hörspielen, zum Beispiel für den Sprach- oder Deutschunterricht. Mit Gimp ist ein außerordentlich mächtiges, aber auch kompliziertes Zeichenprogramm an Bord; einfachere Varianten, beispielsweise Kolourpaint oder Tuxpaint, finden Sie unter der Rubrik Kunst. Mit Inkscape erstellen Sie vektorbasierte Zeichnungen. VLC, das Universalgenie unter den Multimediaplayern, rundet die Programmvielfalt der Rubrik Allgemein ab.

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