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Neue Distributionen

01.09.2007

Intels mobiles Linux

Die Firma Intel (http://www.intel.com) hat eine Plattform zum Entwickeln eines Linux für mobile Geräte gestartet. Unter dem Namen Mobilin (http://www.mobilin.org) bietet der Chip-Hersteller Entwicklern Raum zur Arbeit an Komponenten für ein System, das sich beispielsweise als Grundlage für Projekte wie die Embedded-Edition von Ubuntu eignet.

Das Unternehmen stellt Patches für den Kernel und Treiber bereit, die mit der neuen Plattform Mobile Internet Devices (MID) zusammenarbeiten. Darüber hinaus schreiben Mitarbeiter bereits an einem Gtk-basierten Framework namens Hildon. Das erlaubt es, mit relativ wenig Aufwand Programme zu integrieren, die ursprünglich für die von Nokia initiierte Handheld-Oberfläche Maemo (http://www.maemo.org) bestimmt sind.

Auch die Integration von Kamerafunktionen zum Aufnehmen von Filmen und Fotos steht auf der Todo-Liste. Bei den Multimedia-Tools setzen die Entwickler auf das GStreamer-Framework auf. Außerdem planen sie einen Netzwerkmanager, der sich auf unterschiedliche Verbindungsarten und -profile versteht. Erste MID-Geräte mit Linux sind jedoch nicht vor Mitte 2008 zu erwarten.

Linux für Musiker

Die für das Bearbeiten von Audioinhalten angepasste "Jacklab Audio Distribution" (JAD, http://jacklab.org) liegt in der zweiten Beta für die Version 1.0 vor. Sie basiert auf OpenSuse 10.2 und nutzt Kernel 2.16.19 mit Patches für geringere Latenzzeiten. Als Desktop kommt Enlightenment DR17 zum Einsatz, den die Entwickler um einige KDE-Programme wie K3b, ergänzt haben. Einen vollständigen KDE-Desktop ziehen Sie über das Paketmanagement problemlos nach.

JAD unterstützt die proprietäre VST-Architektur von Steinberg. Dank WineAsio laufen ASIO/VST-Musikstudio-Anwendungen aus der Windows-Welt stabil unter Linux. Das System enthält außerdem den ersten freien VST-Host JOST. Das Audiosystem basiert auf dem "Jack Audio Connection Kit" (JACK), das eine professionelle Audio/Midi-Schnittstelle bereitstellt. JAD enthält zudem 80 Anwendungen zum Bearbeiten von Musik mit Sequenzern, Synthesizern und anderen Instrumenten.

Bei der Systemkonfiguration kommt das von OpenSuse übernommene YaST2 zum Einsatz. JAD ist vollständig kompatibel zu OpenSuse 10.2. Tatsächlich stammt die Distribution von einem OpenSuse-Buildserver. Der läuft jedoch lokal beim Entwickler Oliver Bengs, da das OpenSuse-Projekt das Mischen freier und proprietärer Software auf dem offiziellen Build-Server nicht erlaubt.

Neben der Installations-DVD, die auf dem Server des Projekts zum Download bereit liegt, bieten die Entwickler auch eine Live-DVD an. Sie erlaubt es, das System ohne Installation auszuprobieren. Jacklab-Inititator Michael Bohle versorgt seit kurzem auch das OpenSuse-Projekt über ein Repository mit Alsa-Updates und Audio-Anwendungen.

jacklab.png

Jacklab stellt eine Umgebung für Musik produzierende Künstler bereit.

Erste Planungen für Debian "Lenny"

Die Release-Manager von Debian (http://www.debian.org) haben bei einem Treffen erste Richtlinien für das kommende Release mit den Namen "Lenny" beschlossen. Zudem tritt Steve Lanasek, der die beiden letzten Versionen führend begleitet hat, von seinem Amt zurück. Als Nachfolger übernimmt Luk Claes die Aufgabe. Lanasek arbeitet aber jedoch weiter als Release Wizard an der Distribution mit.

Als wichtige Erkenntnis nahmen die Entwickler aus der Arbeit an der letzten Version "Etch" mit, dass die Zahl der releasekritischen Fehler lange Zeit zu hoch war. Um dieses Problem bei "Lenny" in den Griff zu bekommen, plant das Projekt eine Reihe von Bug Squashing Parties (BSP). Dabei beheben möglichst viele Entwickler in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Fehler. Dazu kommen regelmäßige Qualitätstests, die teilweise automatisch laufen.

Beim Erstellen von "Etch" hat sich nach Ansicht der Entwickler die Methodik bewährt, ein oder zwei Entwickler je einem Teilziel fest zuzuordnen. Als große Ziele für "Lenny" stehen unter anderem auf dem Programm: das Umstellen von TeTeX auf Tex Live, die Sprachanpassungen in allen Paketen, der Einsatz von UTF-8 in Manpages, die Integration von IPv6 und NFSv4 sowie der Wechsel auf ein Init-System, das Abhängigkeiten berücksichtigt.

Für die Zeit von August bis November planen die Entwickler eine Reihe von Bug Squashing Parties in einem BSP-Marathon. Ein weiterer BSP-Marathon könnte von April 2008 bis zur geplanten Freigabe im September 2008 folgen.

Slackware 12 in Variationen

Slackware (http://www.slackware.com), die älteste noch aktive Linux-Distribution, liegt in Version 12 vor. Maintainer Patrick Volkerding hat zusammen mit anderen Entwicklern ein System zusammengestellt, das einige gravierende Neuerungen enthält: Zunächst wäre da der Wechsel beim Kernel von einem aus der Reihe 2.4 auf 2.6.21.5. Der liegt in zwei Varianten bei: Der Standardkernel hat alle nötigen Treiber einkompiliert; ein optionaler Systemkern lädt Treiber als Module nach und fällt daher wesentlich schlanker aus. Volkerding verspricht allen, die lieber ein System mit Kernel 2.4 einsetzen, Version 11 noch einige Zeit mit Sicherheitsupdates zu versorgen.

Slackware bringt recht aktuelle Software mit, enthält aber nicht mehr als etwa 500 Pakete. Wechselmedien bindet die Distribution mittels HAL ein. X.org arbeitet in Version 7.2.0 und unterstützt XGL und Compiz. Als grafische Oberfläche fungiert KDE 3.5.7. Als Alternativen für schwachbrüstige Rechner kommen Xfce 4.4.1 und Fluxbox 1.0.3rc mit. Firefox und Thunderbird haben die Entwickler beide jeweils in Version 2.0.0.4 integriert.

Anschluss ans Netz findet das System ebenso über den ISDN-Support wie über zusätzliche WLAN-Treiber. Ein spezielles Tool hilft beim Einrichten von DSL-Verbindungen. Sie installieren Slackware 12 als Update über eine Vorversion oder mit Hilfe der CD- und DVD-Images. Eine Installation über Disketten gibt es mit Slackware 12 erstmals nicht mehr – dafür klappt jetzt das Booten von USB-Medien.

Nutzer von Gnome finden passende Pakete zum Nachinstallieren bei Dropline Gnome (http://www.droplinegnome.net) oder Gnome Slacky (http://www.slacky.eu). Pakete wie OpenOffice oder Flash, die in der Standardinstallation ebenfalls fehlen, liegen bei http://linuxpackages.net bereit. Unter dem Namen Slackintosh (http://workaround.ch) existiert eine Variante für Power-PC-Prozessoren. Der Umfang entspricht dem aktuellen Release. Die CD enthält jedoch zusätzlich einen Bootloader für Power-Macs und Programme zum Einrichten des Systems auf Mac-Rechnern.

Business Linux für unterwegs

Auch zu der im Mai erschienenen Version 5 von CentOS (http://www.centos.com) hat der Hersteller wieder eine Live-CD herausgebracht. Anders als bei üblichen Live-Systemen erlaubt diese jedoch keine Installation auf einer Festplatte. Das Nachinstallieren von weiteren Programmen ins Live-System scheitert, da sich das Verzeichnis /usr nicht beschreiben lässt.

Die CD eignet sich allerdings als Rettungssystem, da Qtparted und Kommandozeilenwerkzeuge für die Konfiguration von RAIDs und LVMs beiliegen. Nutzerdaten speichern Sie wahlweise auf einer Festplatte oder einem USB-Medium, um diese beim nächsten Start wieder einzulesen.

Als mobiles Büro macht das Live-System ebenfalls eine gute Figur, obwohl die mitgelieferte Software nicht unbedingt taufrisch ist. Als Büroprogramm liegt OpenOffice 2.0.4 bei, Firefox 1.5.0.10 und Thunderbird 1.5.0.10 helfen bei der Arbeit im Netz. Scribus 1.3.3 erlaubt Textsatz, als CD-Brennprogramm kommt K3b 0.12.17 mit. Das Bearbeiten von Grafiken übernimmt Gimp in Version 2.2.13.

centos.png

Die Live-CD von Centos eignet sich als mobiles Büro. Eine Installation aus dem Live-Betrieb auf die Festplatte funktioniert jedoch nicht.

Mepis für Kleine

Unter dem Namen AntiX Mepis (http://antix.mepis.org) haben die Entwickler von Mepis (http://www.mepis.org) eine neue Variante der Distribution zum Download freigegeben. Sie eignet sich besonders für ältere Rechner und Notebooks. AntiX benutzt das Basissystem von Mepis 6.5 einschließlich des Kernels in Version 2.6.15. Anstelle der schwergewichtigen Desktops Gnome und KDE kommen aber Fluxbox und Icewm zum Einsatz. Als Textverarbeitung dient Abiword, als Tabellenkalkulation Gnumeric.

Nicht ganz so leichtfüßig läuft der aktuelle Browser Firefox in Version 2. Wem dieser zu langsam arbeitet, dem bietet sich als eingeschränkte Alternative Dillo an. Als Mailprogramm setzen die Entwickler auf Sylpheed Claws. Das Paketmanagement übernimmt Synaptic. Xmms dient der Musikwiedergabe, mit Xine spielen Sie Videos ab. Letzteres setzt aber halbwegs moderne Hardware voraus. Nach Angaben der Entwickler läuft AntiX bereits auf Rechnern der Pentium-II-Klasse mit mindestens 64 MByte Arbeitsspeicher.

antix.png

AntiX versorgt ältere Schätzchen mit moderner Software.

Ausblick auf Damn Small Linux 4

Robert Shingledecker hat die erste Alpha-Version des kommenden Damn Small Linux 4 (http://www.damnsmalllinux.org) zum Download freigegeben. Das Grundsystem passt auf eine 50 MByte fassende CD. Es erlaubt die Installation auf eine Festplatte oder auf Flash- und USB-Medien. Mittels fertig geschnürten Programmarchiven erweitern Sie – ähnlich wie bei Klik – das System um neue Funktionen.

Version 4 enthält einen neuen Kernel 2.4.34 und einen aufgeräumteren Desktop. Der überarbeitete Dateimanager erlaubt es, Daten und Dokumente per Drag & Drop zwischen Programmen auszutauschen. Im MyDSL-Tool vereinfachten die Entwickler die nachträgliche Installation von Erweiterungen.

Shingledecker weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Version nicht zum produktiven Einsatz gedacht ist, da sich einige Konfigurationsdateien geändert haben. Es empfiehlt sich ausschließlich zum Parallelbetrieb zu einem bestehenden DSL-Setup.

dsl.png

Damn Small Linux kommt auch in der Version 4 kompakt und vollständig ausgestattet daher.

Kurz notiert

Andreas Jäger, bisher Projektmanager der Distribution OpenSuse (http://www.opensuse.org), tritt von seiner Funktion zurück und übergibt die Aufgaben an Stephan Kulow. Jäger wechselt auf den Posten des Director of Platform and OpenSuse bei Novell (http://www.novell.de), arbeitet aber weiterhin an der Distribution mit. Novell vermeldet noch einen weiteren Wechsel: Markus Rex, Vizepräsident für Service-Strategien bei Novell, geht als neuer Chief Technology Officer (CTO) zeitlich befristet bis Ende 2008 zur Linux Foundation.

Der kanadische Distributor Xandros (http://www.xandros.com) hat die Firma Scalix (http://www.scalix.com), Hersteller der gleichnamigen Mail- und Groupwarelösung übernommen. Beide Unternehmen hatten schon vor der Übernahme eng zusammen gearbeitet. Jetzt integriert Xandros die Groupware noch stärker ins System. Scalix sichert den Nutzern anderer Distributionen, wie Red Hat oder Novell, allerdings zu, dass die Applikation weiterhin mit diesen Systemen zusammenarbeitet.

Nach Linux, FreeBSD und NetBSD gibt es jetzt auch eine Distribution von OpenBSD (http://www.openbsd.org) für die Xbox von Microsoft. An nur einem Wochenende haben Studenten im Rahmen eines Studienprojekts ein Grundsystem auf die Hardware portiert. Zur Zeit hat das aber einige Macken: So startet der X-Server nicht, und das System reagiert nicht beim Drücken des Eject-Buttons. Die Entwickler versprechen jedoch, die Probleme recht bald zu lösen. Das System steht unter http://tobias.schroepf.de/doku/doku.php?id=xbox:porting_openbsd_to_the_xbox im Netz. Bei der Installation hilft die ebenfalls dort vorliegende Anleitung.

Elive (http://elivecd.org) ist der ersten stabilen Version 1.0 erschienen. Das Live-System auf Basis von Debian dient als Demo für die neusten Trends von Enlightenment (http://www.enlightenment.org). Es enthält eine Vorschau auf Enlightenment DR17, aber auch die stabile Version 16. Basis von Elive bildet Debian 4, wobei die Entwickler etwa 280 Pakete verändert haben. Der verwendete Kernel 2.16.8 profitiert von zusätzlichen Patches von Con Kolivas. Diese ermöglichen eine bessere Reaktionszeit des Systems. Mit Hilfe eines grafischen Programms installieren Sie Elive auf eine Festplatte. Ungewöhnlich: Der Download des Systems setzt eine Spende voraus.

Die Macher von Ubuntu (http://www.ubuntu.org) planen für das kommende Ubuntu 7.10 eine Variante der Distribution mit dem Namen Gobuntu. Bei dieser sollen alle Treiber, Firmware-Images, Grafiken und Symbole unter einer freien Linzenz stehen. Derzeit benötigen die Entwickler Hilfe, um unfreie Komponenten innerhalb der Distribution zu identifizieren. Gobuntu käme beispielsweise als Basis für Projekte wie GNewsense (http://www.gnewsense.org) in Frage. Dies hat sich ebenfalls das Ziel gesetzt, in allen Teilen frei zu sein.

Die italienische Abgeordnetenkammer stellt ihre Computer komplett auf Linux um. Damit winkte die Abgeordnetenkammer einen Vorschlag durch, den zwei Abgeordnete eingebracht hatten. Als wichtigstes Ziel nennt er das Einsparen von Lizenzkosten für Microsoft-Programme. Allein der Umstieg von Microsoft Office auf OpenOffice hilft demzufolge, 3 Millionen Euro im Jahr zu sparen.

Das vom Fedora-Projekt (http://fedora.redhat.com) gestartete Programm Smolt (http://hosted.fedoraproject.org/projects/smolt), das System- und Hardwaredaten ermittelt, steht jetzt für andere Distributionen bereit. Das Tool erstellt Profile, sendet diese jedoch nur auf ausdrücklichen Wunsch des Benutzers an einen Server. Die Entwickler von Fedora nutzen die Informationen, um die Distribution weiter an die Bedürfnisse der Nutzer anzupassen. Zu den übermittelten Daten gehört eine eindeutige ID, die das Tool während der Installation erzeugt. Neben Fedora unterstützt Smolt jetzt OpenSuse, Debian und Ubuntu. Die Entwickler von Smolt suchen noch Helfer, die das Programm auf weitere Distributionen portieren.

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