Aufmacher

Von der Platte, los: Fertig!

Musik digitalisieren

01.09.2007
Musik von gestern mit der Technik von heute hören: Machen Sie die Musik von Ihren LPs und MC im Handumdrehen fit für das Abspielen im Computer.

Schallplatte – so manchen Audiophilen überzieht beim Hören dieses einen Wortes schon eine leichte Gänsehaut. Freunde gepflegter Musik denken dabei an künstlerisch gestaltete Plattenhüllen, an weiße Schon-Inlays und an wohliges Knistern unter spitzer Nadel. Die Wirklichkeit ist da weniger poetisch: Meist stauben alte Vinylpressungen wohl geordnet im Regal vor sich hin, weil der betagte Plattenspieler im HiFi-Regal längst dem modernen CD-Deck oder einem MP3-Player weichen musste.

Dabei ist es ja schade um die Musik – zumal viele Schallplatten- und Kassettensammlungen wertvolle Aufnahmen enthalten, die in digitalisierter Form nie ein modernes Ohr zu hören bekommen hat. Und da der Zahn der Zeit unwiderruflich auch an Bandmaterialien und am schwarz gepressten Plattenkunststoff nagt, wird es höchste Zeit, die analogen Schätzchen dem entgültigen Verfall zu entreißen. Alles, was Sie dazu benötigen, ist ein Plattenspieler oder Tape-Deck, einen Entzerrvorverstärker sowie einen ganz normalen Linux-PC.

Linux als Tonstudio

Der Entzerrvorverstärker überarbeitet ("entzerrt") einerseits das Frequenzspektrum einer Plattenaufnahme und verstärkt andererseits das von Hause aus schwache Signal eines analogen Tonabnehmers, den Sie damit direkt am Line-In-Eingang Ihrer Soundkarte aufnehmen. Solche Geräte, auch Phono-Vorverstärker genannt, erhalten Sie im Handel zu Preisen zwischen 50 und 500 Euro. Verfügen Sie über ein älteres, weniger wiedergabetreues System mit einem Kristall- oder Keramik-Tonabnehmer, können Sie auf den Vorverstärker aber auch verzichten.

Schellack-Schätzchen sichern

Möchten Sie neben normalen Schallplatten auch weitaus ältere Schellack-Schätzchen digitalisieren, benötigen Sie einen Plattenspieler, der unter anderem eine Umdrehungsgeschwindigkeit von 78 U/min beherrscht. Zudem sollte Ihr Gerät über ein Wechselsystem für Nadeln verfügen, weil die Schellack-Scheiben eine wesentlich gröbere Struktur aufweisen als modernere Tonträger, und feine Diamantnadeln damit ruinieren würden. Verschiedene Hersteller von Tonabnehmern, zum Beispiel Ortofon, bieten solche Zwei-Nadel-Systeme an.

Falls Sie Plattenspieler oder Tape-Deck schon an einen normalen Audioverstärker angeschlossen haben, genügt es, das Line-Out des Verstärkers mit dem Line-In der Soundkarte zu verbinden. Sie haben gar keinen Plattenspieler mehr? Auch kein Problem: Mehrere Firmen bieten speziell für das Digitalisieren von Schallplattenbeständen hochwertige Geräte an, bei denen der Entzerrvorverstärker schon eingebaut ist [1].

Soweit die Hardware. Softwareseitig sollten Sie ein möglichst professionelles Programm für Aufnahme und Nachbearbeitung einsetzen. Linux-Distributionen bieten davon mehrere an, aus denen Audacity hervorsticht. Es zählt schon seit Jahren zum Umfang gängiger Distributionen und bringt (fast) alles mit, was Sie zum Digitalisieren benötigen.

Unter Gnome können Sie auch den Audio-Recorder verwenden, den Sie im Menü Anwendungen | Unterhaltungsmedien finden. Das simple Programm erlaubt erfreulich unaufwändig Aufnahmen aus verschiedenen Quellen, wie dem Line-In- oder dem Mikrofon-Eingang: Sie stöpseln das Wiedergabegerät an den PC, wählen im Programm die Aufnahmequelle sowie das Ausgabeformat und starten das Digitalisieren. Möglichkeiten zur Nachbearbeitung der Aufnahmen bietet der Gnome-Audio-Recorder allerdings nicht, sodass Sie spätestens dafür dann doch bei Audacity landen.

Audacity installieren

Präsentiert Ihre Linux-Distribution Audacity nicht über die Paketverwaltung, bekommen Sie auf der Homepage des Programms [2] komplette Binärpakete für alle großen Distributionen, aber auch für Exoten wie Alt Linux oder PLD Linux. Hier finden Sie zudem Plugins für das Programm, wie etwa Effekte für das Nachbearbeiten Ihrer Aufnahmen. In der Regel genügt es, die Pakete herunterzuladen und mit dem jeweiligen Installer ins System einzufügen.

Anwender von Distributionen, die nicht auf der Homepage von Audacity gelistet sind und die zudem auch kein kompatibles Paketmanagement zu den angebotenen Distributionen bieten, laden den Quelltext herunter und übersetzen diesen.

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