Italienische Schleckerei

Sabayon Business Edition 1.0,

01.09.2007 Kompakt, gut ausgestattet und trotzdem ohne Schnickschnack: So präsentiert sich die Sabayon Business Edition 1.0. Wir werfen einen ausführlichen Blick auf das Release.

Sabayon Linux [1] gibt es in zwei verschiedenen Editionen: Die Standard-Edition richtet sich an den Otto-Normal-Anwender, das 3,7 GB große DVD-ISO-Image bietet eine Fülle von Anwendungen und Tools und glänzt durch die Beigabe von Codecs und Multimediaplattformen. Die auf 1,7 GByte abgespeckte Business Edition ist noch relativ jung und bietet einen aufs wesentliche reduzierten Umfang. Dennoch ist sie einen näheren Blick wert.

Für alle, die mehr wollen

Das auf Gentoo basierende Sabayon Linux zeichnet sich durch eine hervorragende Hardware-Erkennung aus. Die Installation erfolgt direkt von der Live-CD /DVD. Vor dem Aufspielen der Distribution laden Sie mit einem Update eine aktuelle Version des Installers auf den Rechner laden.

Die Distribution baut auf die Kernel-Version 2.6.22 auf. Wichtiger Bestandteil ist der erst vor kurzem hinzugefügte WLAN-Stack Mac80211. Anwender von WLAN-Geräten mit Atheros-Chips profitieren von den vorhandenen Madwifi-Treibern. Aktuelle proprietäre Treiber für Nvidia- und ATI-Karten sorgen für die Unterstützung beschleunigter Grafik.

Die Live-DVD bietet dabei eine gute Möglichkeit, herauszufinden, ob Sabayon die vorhandene Hardware auch tatsächlich unterstützt. Neu ist hier, das Sie dabei Anwendungspakete aus dem Internet laden, installieren und verwenden können. So starten Sie zum Beispiel die Live-Distribution und laden eine aktuelle Version von Firefox auf Ihren Rechner.

Nach dem Start oder der Installation finden Sie sich auf einem übersichtlichen KDE-Desktop wieder. Selbst wenig erfahrene Anwender und Windows-Umsteiger finden sich hier schnell zurecht. Auf schwachbrüstigeren Rechner greifen Sie stattdessen zum schlanken Window-Manager Fluxbox.

Sabayon im Überblick

Komponente

Version

System

Kernel 2.6.22
X.org 7.2

Oberfläche

KDE 3.5
Fluxbox 1.0-rc3

Internet

Firefox 2.0.0.4
Thunderbird 2.0.0.4

Büro

OpenOffice 2.2
Kontact 1.2.3
KMyMoney 0.8

Design

Gimp 2.2
Quanta Plus 3.5
Nvu 1.0

Entwicklung

Gcc 4.1.2
Qt Designer 4.2.3
XEmacs 21.4

Installation

Haben Sie beim Ausprobieren der Live-Version Gefallen an Sabayon gefunden, spielen Sie die Distribution mit dem von Fedora stammenden Installer Anaconda auf die Festplatte ein. Nach der Auswahl von Sprache und Tastaturlayout können Sie sich für zwei Desktopvarianten entscheiden: Wählen Sie zwischen Sabayon mit KDE und Sabayon mit Fluxbox, alternativ können Sie auch ein Kernsystem ohne grafische Oberfläche einrichten.

Mithilfe mehrerer Checkboxen legen Sie zudem fest, welche Paketgruppen auf dem Rechner installiert werden. Dabei stehen sechs verschiedene Gruppen zur Auswahl bereit: GNOME Desktop Environment, Advanced 3D Games, Basic Free Games, Multimedia Applications, Office Applications sowie Internet Applications. Eine benutzerdefinierte Auswahl einzelner Pakete sieht Sabayon zwar nicht vor, immerhin fördert ein Klick auf den Schalter Details eine Liste mit dem Inhalt der jeweiligen Paketgruppe zutage. Anschließend fragt der Installer ab, welche Dienste auf dem installierten System eingerichtet werden sollen. Zur Auswahl stehen Samba, Cups, NFS und SSH.

Die Einteilung der Festplatte legt Sabayon auf Wunsch automatisch fest oder überlässt sie alternativ dem Benutzer. Die automatische Partitionierung fasst verschiedene Partitionen zu via LVM zusammen, als Bootloader dient Grub. Als Dateisysteme bietet Sabayon Ext2, Ext3, Ext4, JFS, ReiserFS und XFS an, daneben unterstützt es auch das Microsoft-Dateisystem VFAT. Erfahrene Anwender, die in Ihrem Rechner mehrere Festplatten verwenden und mit sicherheitsrelevanten Daten arbeiten, können sich für ein Software-RAID-System entscheiden. Vorhandene Netzwerkkarten erkennt Sabayon und bindet sie selbständig mit ein. Die dabei getroffenen Konfiguration können Sie bei Bedarf später noch verändern.

Der Installer gibt eine Fehlermeldung aus, wenn die zur Systemeinrichtung ausgewählte Festplattenpartition kleiner als 12 GByte ausfällt. Achten Sie also darauf, dass Sie eine Partition für die Installation zur Verfügung haben, die dieser Anforderung entspricht. Ist das nicht der Fall, wird Sabayon zwar eingerichtet, Sie können aber keine zusätzlichen Softwarepakete installieren.

Wie bei anderen Distributionen auch, legen Sie vor dem Formatieren und Aufspielen des Linux-Systems das Passwort für den Systemadministrator root fest. Anschließend gilt es noch ein Benutzerkonto anzulegen, dann können Sie sich für einige Minuten zurücklehnen und ein Tässchen Kaffee genießen, solange der Installer die Distribution auf die Platte kopiert.

Anwendungen für jeden Geschmack

Der Loginmanager begrüßt Sie mit dem roten Sabayon-Design und dem Slogan "When arts meets business". Der Desktop der Distribution wirkt etwas leer (Abbildung 1), nur ein Icon für den Zugriff auf den Mülleimer prangt einsam auf der Oberfläche.

Abbildung 1: Beim ersten Blick auf den Desktop vermisst man grundlegende Schnellstart-Symbole.

Der erste Eindruck der Leere täuscht jedoch: Sabayon bringt für praktisch jeden Anwendungszweck Programme und Tools mit (Abbildung 2). Dazu gehören unter anderem OpenOffice 2.2, das DTP-Programm Scribus, KMyMoney für die Verwaltung der Finanzen und Kontact als PIM-Tool. Wer mit Grafiken arbeiten will, findet Gimp und Blender vor. Für den Zugriff auf das Internet gibt es unter anderem Skype, Firefox und Thunderbird. Webentwickler können Quanta Plus verwenden, Nvu, XEmacs und Qt Designer sind ebenfalls vorhanden. In der KDE-Programmgruppe Multimedia finden sich zwar nur wenige, aber dafür umso gehaltvollere Anwendungen: Amarok, K3b, Kaffeine und der Videoplayer Codeine.

Abbildung 2: Das KDE-Menü ist übersichtlich. Selbst wenig erfahrene Anwender finden sich schnell zurecht. Wichtige Office-Anwendungen bringt Sabayon bereits mit.

Paketverwaltung

Das Einspielen und Entfernen von Paketen erfolgt mit dem Paketmanager Portage [2]. Das von Gentoo stammende Tool arbeitet mit Befehlen auf der Kommandozeile. Damit der Umgang mit den Paketen leichter fällt, haben die Entwickler das grafisches Frontend Kuroo (Abbildung 3) mitgeliefert. Allerdings gibt es keinen Menüeintrag für den Paketmanager, sodass sie ihn auf der Kommandozeile oder über den Programmstarter ([Alt]+[F2]) mit kdesu kuroo starten.

Abbildung 3: Der Paketmanager ist ebenso einfach zu bedienen, wie die Installationsdialoge in Suse oder Mandriva.

Das Tool erkennt die Architektur des Rechners nicht automatisch: Bevor Sie also in die Paketauswahl gelangen, müssen Sie angeben, was für ein System Sie verwenden. In einer Dialogbox wählen Sie x86. Beim ersten Aufruf erstellt Kuroo zunächst eine Konfigurationsdatei sowie eine Liste der installierten und verfügbaren Pakete.

Über Kuroo steht eine Vielzahl unterschiedlicher Anwendungspakete zur Verfügung. Dazu gehören auch die Desktop Environments Gnome und XFCE. Der Paketmanager zeigt alle Pakete in einem übersichtlichen Dialog an und teilt sie dabei in Kategorien und Unterkategorien auf. Für jedes Paket gibt es eine kurze, englischsprachige Beschreibung. Die Versionsnummer des installierten Paketes und die zugehörige Webseite finden Sie ebenso im Dialog. Installierte Pakete erkennen Sie anhand einer grünen Markierung.

Möchten Sie ein Paket hinzufügen, verschiebt Kuroo es zunächst in die Warteschlange. Dann erfolgt die Installation in zwei Schritten: Erst überprüft das Programm das System und richtet anschließend das Paket ein. Beide Vorgänge startet der Anwender mit einem Mausklick auf eine Schaltfläche gestartet.

Über das Menü aktualisieren Sie bei Bedarf manuell die Update-Liste geladen. Dazu wählen Sie Portage | Updateliste aktualisieren. Mit Portage | Aufruf etc-update starten Sie eine Aktualisierung des gesamten Systems. Kuroo überprüft nicht, ob ein für die Deinstallation ausgewähltes Paket von einem anderen benötigt wird, Konflikte sind hier leider nicht ausgeschlossen.

Administrationsaufgaben

Ein globales Administrationstools bringt Sabayon überraschenderweise nicht mit und geizt darüber hinaus ganz generell mit Admin-Tools. Immerhin gibt es handliche Werkzeuge zum Einstellen der Eigenschaften von Grafikkarte und Monitor. Für Besitzer von Nvidia- und ATI-Grafikkarten steht jeweils ein eigenes Tool (Abbildung 4) zur Verfügung. Für das Einrichten und Verwalten der Benutzeraccounts verwenden Sie das KDE-Tool KUser. Dieses und andere nützliche Werkzeuge finden Sie im KDE-Menü unter System.

Abbildung 4: Das Nvidia-Tool von Sabayon erlaubt umfangreiche Einstellungen.

Sicherheit

Für das Einrichten und Verwalten einer Firewall verwendet Sabayon KMyFirewall [3]. Beim ersten Start wird eine Konfigurationsdatei angelegt. Das KDE-Tool erkennt, dass Sie einen Gentoo-Verwandten verwenden. Mit dem Wizard geben Sie Dienste frei, erlauben bestimmten Hosts den Zugriff und sperren andere aus..

Um Schädlinge rechtzeitig zu erkennen und zu beseitigen, liegt der Distribution der Virenscanner ClamAV [4] mit dem grafischen Frontend KlamAV [5] bei. Beim Start weist er auf eine veraltete Virendatenbank hin. Ein Mausklick auf eine Schaltfläche holt die neuesten Virenkennungen, sodass Sie künftig auch vor aktuellen Schädlingen geschützt sind. In gleicher Weise bringen Sie auch das Programm auf einen aktuellen Stand – Kuroo erledigt das leider nicht für Sie. Verwirrend ist ein wenig die schlecht übersetzte Oberfläche des Programms. Dem Anwender präsentiert sich ein Gemisch aus englischen und deutschen Optionen.

Fazit

Sabayon 1.0 Business Edition bietet jeden Anwender die Möglichkeit, vor der Installation einen Blick auf das Linux-System zu werfen und so herauszufinden, ob es die Komponenten des eigenen Rechners unterstützt. Dabei wartet die Distribution mit einer hervorragenden Hardware-Erkennung auf. Die Unterstützung für alle wichtigen Linux-Dateisysteme und die Mitgabe aktueller 3D-Grafiktreiber zeigen, dass Sabayon auf der Höhe der Zeit ist. Der KDE-Desktop ermöglicht auch wenig erfahrenen Anwender und Windows-Umsteigern, sich schnell zurecht zu finden. Es fehlt leider eine benutzerdefinierte Auswahl an Paketen bei der Installation, zudem findet man man nach der Installation nur wenige Anwendungen auf seinem System. Dank Klik und Portage lassen sich aber unschwer Programme für jeden Geschmack hinzufügen.

Glossar

Sabayon

Die französische Bezeichnung für das Dessert Zabaione. Die aus Eigelb, Zucker und Marsala komponierte Weinschaum-Schleckerei zählt zu den bekanntesten Nachspeisen der italienischen Küche.

LVM

Logical Volume Manager. Fasst physikalischen Festplatten zu einem Pool zusammen, aus dem das Betriebssystem virtuelle "Partitionen" anfordern kann.

Infos

[1] Sabayon-Homepage: http://www.sabayonlinux.org

[2] Portage: Markus Klimke, "Feinabstimmung", LinuxUser 07/2006, S. 40, http://www.linux-user.de/ausgabe/2006/07/040-portage/

[3] KMyFirewall: Erik Bärwaldt, "Kein Durchgang", LinuxUser 01/2007, S. 36, http://www.linux-user.de/ausgabe/2007/01/036-kmyfirewall/

[4] ClamAV: Thomas Leichtenstern, "Kammerjäger", LinuxUser 01/2007, S. 40

[5] KlamAV: Robert Hogan, "Saubermann", LinuxUser 01/2007, S. 46

[6] Deutschsprachige Foren für Sabayon: http://www.sabayonlinux.org/forum/viewforum.php?f=44

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