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Express in Blau

Neue Express-Version der Groupware Open-Xchange

01.09.2007 Mail, Adressbuch, Kalender: Diesen drei Aufgaben stehen auf der Groupware-Wunschliste der meisten kleineren Firmen ganz zuoberst. Verwirklichen lassen Sie sich mit der Express-Version von Open-Xchange.

Open-Xchange gehört zu den ältesten und am meisten etablierten Groupware-Lösungen unter Linux (siehe Kasten "Kleiner Ausflug"). Da die Komplexität und die Kosten einer vollen Installation auf einem Server von Red Hat oder Novell allerdings die Möglichkeiten kleinerer Unternehmen oft übersteigen, bringt die Firma Open-Xchange GmbH [1] mit Open-Xchange Express nun ein neues Produkt auf den Markt. Es beschränkt die Installation der Groupware auf die Installation des Betriebssystems (Server-Version von Ubuntu 6.06) und passt mit rund 700 Euro pro Jahr (Support-Lizenz für 20 Benutzer) auch in das Budget einer kleineren Firma. LinuxUser hat Open-Xchange Express einem intensiven Test unterzogen.

Wer sich schon seit längerem mit Groupware-Lösungen unter Linux beschäftigt, weiß, dass die meisten Hersteller ihre Produkte auf Microsoft Outlook als Client anpassen. Das trifft auch auf Open-Xchange zu. Während sich die IT-Abteilung über eine leicht zu administrierende, in weiten Teilen quelloffene Linux-Lösung freut, hatten Nutzer, die Linux auf dem Desktop nutzen wollten in der Regel das Nachsehen. LinuxUser wollte deshalb auch wissen, wie es um die Client-Anbindung von Open-Xchange unter Linux steht.

Kleiner Ausflug

Bei Open-Xchange handelt es sich um eine weiterentwickelte Version des SuSE Linux Open-Xchange Servers (SLOX). Der von Suse zuletzt in Version 4.1 verkaufte, heute nicht mehr erhältliche Mailserver bestand aus drei Komponenten:

  • Suse Linux Enterprise Server 8
  • Groupware- und Mailkomponente
  • webbasierte Administrationsoberfläche

Die auf den Java Server Pages basierende Mail- und Groupwarelösung für den Suse-Server lieferte Netline. Das in PHP und Perl programmierten Administrationsinterface und der Enterprise-Server sind Eigenentwicklungen von Suse. Mit dem Kauf von Suse durch Novell geriet der Open-Xchange-Server zum Konkurrenten von Novells eigener Groupware-Lösung Groupwise. Das Management stellte deshalb Entwicklung und Vertrieb des SLOX ein.

Netline entschloss sich, den Open-Xchange-Server in eigener Regie weiterzuentwickeln. Dazu stellte die Firma die Sourcen der eigenen Groupware- und Mailkomponente unter die GPL und rief das Opensource-Projekt Open-Xchange ins Leben. Der Quellcode der zurzeit aktuellen Version 0.8.6-5 steht auf der Projektseite zum freien Download zur Verfügung [2]. Analog zu Sun mit Openoffice.org/Staroffice verkauft Netline den Open-Xchange-Server auch als eigenständiges Produkt. Da sich dieses als Nachfahre des Suse-Servers sieht, trägt es die Versionsnummer 5. Seit Anfang 2007 gibt es den Open-Xchange-Server auch in einer speziellen Hosting-Edition. Hierbei handelt es sich um eine komplette Neuentwicklung, die auf Internet-Hoster auf der einen Seite und kleine bis mittlere Unternehmen auf der anderen Seite zugeschnitten ist.

Das hier getestete Open-Xchange Express [3] basiert auf dem Code der Hosting Edition. Die wichtigsten Änderungen befinden sich in den Paketen open-xchange-addon-ox-express und open-xchange-admin-console-ee. Der Umfang der Express-Version liegt leicht unter dem der Server-Version: Es fehlen zum Beispiel die Module für das Projektmanagement sowie das Forum, auch die Pinwand hat die Open-Xchange GmbH weggelassen. Im Gegenzug erhält der Kunde eine out-of-the-box funktionierende Groupware-Lösung mit Ubuntu 6.06 als Serverbasis.

Ready in 10 Minuten

Die Installation von Open-Xchange-Express entspricht weitgehend der textbasierten Routine von Ubuntu Dapper Drake. Für die doch relativ alte Version 6.06 entschieden sich die Entwickler aufgrund des Long-Term-Support-Versprechens von Canonical. Nachdem Sie die Sprache, Tastaturlayout und den Rechnernamen festgelegt und die Partitionierung vorgenommen haben, spielt der Ubuntu-Installer die Pakete ein. Überlassen Sie dem Open-Xchange-Server die gesamte Festplatte, legt der Installer nur eine Root-Partition an. Eine separate Home-Partition (für jeden Benutzer steht unter /home ein Verzeichnis auf dem Dateisystem bereit) legen Sie bei Bedarf selbst an.

Danach müssen Sie den Lizenzbedingungen der Software zustimmen, ein Administratorpasswort sowie den vollen Domainnamen einrichten – schon ist der Groupware-Server einsatzbereit. Am Ende der Installation erscheint ein Übersichtsbildschirm, der Ihnen die wichtigsten Adressen und einige allgemeine Informationen anzeigt. Diese Informationen erscheinen auch nach dem Hochfahren des Servers, noch vor dem Login.

Nach rund 10 Minuten beendet ein Reboot die Installation der Open-Xchange-Express-Version, Sie können sich nun als Benutzer oxadmin mit dem bei der Installation vergebenen Passwort am Rechner anmelden. Das Ubuntu-Serversystem startet ohne X-Server. Es ist weder nötig noch vorgesehen, darauf eine grafische Oberfläche zu installieren: Sämtliche Wartungsarbeiten lassen sich über das Webfrontend erledigen.

Das OX-System benutzt den Ubuntu-Kernel 2.6.15-26-server, als Java-Motor setzt es Version 1.5 der Sun-JRE ein. Die Open-Xchange GmbH stellt für main, restricted, universe und multiverse jeweils eigene Dapper-Repositories bereit. In /etc/apt/sources.list befindet sich weiter ein Eintrag für die Updates. Sämtliche Repositories sind mit einem OX-Lizenzschlüssel vor unbefugtem Zugang geschützt.

Das Admin-Interface

Der Open-Xchange-Express-Server ist nach der kurzen Installation voll funktionsfähig. Jetzt gilt es, Updates einzuspielen und Benutzer anzulegen. Rufen Sie dazu den Domainnamen oder die IP-Adresse des Servers mit dem Zusatz /admin in einer aktuellen Firefox-Version auf. KDEs Konqueror und ältere Firefox-Versionen unterstützt die Software nicht (Abbildung 1).

Abbildung 1: Wir müssen draußen bleiben: Die Warnmeldung bei Konqueror und Firefox vor Version 1.5 ist durchaus ernst gemeint.

Zunächst spielen Sie über Administration | Maintenance | Updates die verfügbaren Updates ein, wozu Sie einen OX-Account (eine kostenloste Produktregistierung) benötigen und den entsprechenden OX-Lizenzschlüssel eingeben müssen.

Haben Sie sich in der richtigen Reihenfolge durchgeklickt und unter Administration | Maintenance | Lizenz den Schlüssel eingeben, dann wechseln Sie zu Administration | Maintenance | Updates und laden die Liste der verfügbaren Updates. Erfahrenen Linux-Nutzern dürfte dieser Schritt auf der Kommandozeile leicht fallen: Sie melden Sie sich als admin per SSH auf dem Groupwareserver an und geben sudo apt-get update gefolgt von sudo apt-get dist-upgrade ein. Das Update auf der Kommandozeile hat nicht nur den Vorteil, dass Sie sehen, welche neuen Pakete eingespielt werden: Sie können sich auch ein Bild machen, wie lange die Prozedur ungefähr dauert und ob ein Neustart des Rechners tatsächlich not tut oder es genügt, die Open-Xchange-Dienste neu zu starten. Führen Sie das Update über den Browser durch, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als geduldig zu warten, bis der Schalter Jetzt neu starten erscheint (Abbildung 2 und 3).

Abbildung 2: Suboptimal: Darf ich den Browser in den nächsten 60 Minuten nicht schließen?.

Abbildung 3: Warum ein Update von Open-Xchange unbedingt den kompletten Rechner neu starten muss, bleibt fraglich.

Die Weboberfläche von Open-Xchange Express bietet sehr umfangreiche Möglichkeiten zur Systemanalyse und Administration. So starten Sie zum Beispiel über Administration | System | Dienst den Mail-und den Webserver, die Open-Xchange-Dienste und die Datenbank neu. Bei Bedarf bootet der Administrator über einen roten Knopf auch das komplette System neu. Die Auslastung des Servers verfolgen Sie unter Administration | Überwachung. In sechs Unterpunkten zeigt das Interface mit leicht verständlichen Grafiken die Ressourcen des Servers an. Der Administrator erkennt auf diese Weise schnell das Nadelöhr – sofern eines vorliegt.

Unter System | Wiederherstellen haben die Open-Xchange-Entwickler der Express-Version eine Backup- und Restore-Funktion verpasst. Per Klick auf den Schwimmring erstellt die Software eine Sicherungskopie im Tar-Format, die sowohl die Konfiguration des Servers und das E-Mail-Verzeichnis als auch sämtliche Benutzerdaten (das komplette /home) enthält. Diese laden Sie auf einen zweiten Rechner herunter oder belassen sie auf dem Server im Verzeichnis /var/opt/open-xchange/backups. Nach einer Standardinstallation mit 4 Benutzern betrug die Größe der Backup-Datei 170 MByte.

Mangels einer Wiederholroutine muss der einfache Administrator das Backup manuell vornehmen. Alternativ bietet sich ein Cron-Job auf dem Server an, der in regelmäßigen Abständen das Skript /opt/open-xchange/libexec/backup.sh ausführt. Hier können Sie auch das Zielverzeichnis ändern, um etwa die Sicherungen auf eine USB-Platte zu speichern. Für die manuelle Wiederherstellung liegt im erwähnten Verzeichnis auch ein Restore-Skript bereit.

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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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