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Angedockt

Schicke Effekte auf dem Desktop mit dem Avant Window Navigator

01.09.2007 Nach schwabbelnden Fenstern und rotierenden Desktops sickert der 3D-Support nun in andere Bereiche des Desktops: Mit dem Avant Window Navigator erscheint am Horizont eine modernisierte Neuauflage des Panels.

Normalerweise erscheinen Fensterleisten – separat oder in andere Leisten integriert – als wenig ansehnliche Listen von Namen aktuell gestarteter Anwendungen. Erfreulicherweise bewegt sich der Trend auf dem Desktop heute jedoch zunehmend hin zu visuellen Effekten, die die Funktionen moderner 3D-Graphikkarten voll ausreizen. So tritt zum Beispiel der Avant Window Navigator als Ersatz für die klassische Fensterleiste an, wie sie unter anderem mit Gnome daherkommt.

Abbildung 1: Ein ansprechendes Aussehen und nette Animationseffekte machen den Avant Window Navigator zum heißen Kandidaten für den modernen Desktop.

Installation

Das Quelltextarchiv des Avant Window Navigators (Awn) finden Sie auf der Heft-CD oder der offiziellen Homepage [1]. Leider endeten alle Versuche, das Tool im Test aus den Quellen zu kompilieren in einem Speicherzugriffsfehler beim Programmstart. RPMs für die 32- und 64-Bit-Versionen von Fedora finden Sie auf der Heft-CD, für Ubuntu "Edgy" und "Feisty" sowie OpenSuse 10.2 stehen online vorkompilierte Pakete bereit.

Um Avant unter Ubuntu zu installieren, gehen Sie wie folgt vor: Fügen Sie zunächst den GPG-Schlüssel des Drittanbieters dem Ubuntu-Schlüsselring hinzu. Dies erfolgt via wget http://download.tuxfamily.org/syzygy42/8434D43A.gpg && sudo apt-key add 8434D43A.gpg in einem Terminal. Der zweite Befehl erfordert die Eingabe Ihres Passworts, da das Sudo-Kommando Ihnen für die Aktion privilegierte Rechte verschafft. Nach dem Import erkennt das System alle Pakete aus der externen Quelle als vertrauenswürdig.

Fügen Sie jetzt die angebotenen Pakete zur Softwareauswahl des Systems hinzu. Dazu starten Sie den Dialog unter System | Administration | Software-Quellen. Im Karteireiter Software von Drittanbietern legen Sie mithilfe des Knopfs Add zum Beispiel für Ubuntu "Edgy" Einträge wie in Listing 1 an. Für "Feisty" lauten die Einträge analog bis auf die Tatsache, dass Sie den Distributionsnamen entsprechend anpassen. Via sudo apt-get update im Terminal aktualisieren Sie danach die Paketdatenbank. Dann installieren Sie Awn durch ein sudo apt-get install avant-window-navigator-svn nach Eingabe des Passwortes. Benutzer einer Suse-Distribution finden ebenfalls vorkompilierte Pakete im Web [2].

Wollen Sie trotz der von uns beschriebenen Probleme den Quelltext selbst kompilieren, benötigen Sie unter OpenSuse 10.2 die Pakete libwnck-devel und gconf2-devel zusätzlich zum eigentlichen Programmcode. Für Ubuntu bringt ein sudo apt-get install libc6-dev libwnck-dev libgconf2-dev die notwendigen Pakete auf die Festplatte.

Listing 1
deb http://download.tuxfamily.org/syzygy42/ edgy avant-window-navigator
deb-src http://download.tuxfamily.org/syzygy42/ edgy avant-window-navigator

Erste Schritte

Einmal installiert, starten Sie Awn via avant-window-navigator im Terminalfenster oder über einen Schnellstarter. Das Programm arbeitet jedoch nur korrekt, sofern AIGLX/Beryl oder XGL/Compiz [3] beim Darstellen der Fenster zum Einsatz kommen. In diesem Fall nistet sich das Programm am unteren Bildschirmrand ein. Andernfalls erscheint am unteren Bildschirmrand ein breiter schwarzer Balken. Da sowohl Suse als auch Ubuntu am unteren Rand standardmäßig eine Leiste ansiedeln, überdeckt Awn diese, sobald Sie das alternative Dock durch Anklicken in den Vordergrund holen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Awn positioniert sich parallel zur unteren Leiste von Gnome.

Natürlich wechselt das Programm hinter die distributionseigene Leiste, sobald Sie letztere anklicken. Wünschen Sie nicht, dass sich beide überlappen, bleibt im Moment nur der Ausweg, die alte Leiste abzuschalten. Unter Ubuntu klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste auf einen freien Bereich in der Leiste und entfernen diese über den Eintrag Dieses Panel löschen im sich öffnenden Kontextmenü (Abbildung 3).

Abbildung 3: Stört Sie die Gnome-eigene Leiste, dann entfernen Sie diese einfach über den entsprechenden Punkt im Kontextmenü.

AWN zeigt Icons für alle offenen Anwendungen an, unabhängig davon, auf welchem virtuellen Desktop sie sich befinden. Durch Anklicken eines Icons wechseln Sie automatisch auf den entsprechenden Desktop, und das ausgewählte Fenster kommt in den Vordergrund. Ein Klick mit der rechten Maustaste auf ein Icon öffnet ein Kontextmenü, über das Sie die Fenstereigenschaften ändern.

Auf diese Weise minimieren Sie beispielsweise Fenster, holen sie wieder hervor, schließen oder maximieren sie. Wählen Sie den Eintrag Verschieben, klebt das entsprechende Fenster am Mauszeiger, bis Sie es mit einem Mausklick wieder ablegen. Über Größe ändern modifizieren Sie die Fenstergröße. Der Punkt Einstellungen des Kontextmenüs beeinflusst unter anderem das in Awn angezeigte Icon.

Feintuning

Durch das Deaktivieren der Standardfensterleiste geht in vielen Fällen mehr als nur die Fensterliste verloren: Unter Ubuntu enthält die Leiste zusätzlich den Desktop-Umschalter sowie den Papierkorb. Awn kompensiert das Manko über Applets. Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste in den kleinen, abgetrennten Bereich am linken Endes des Docks, und wählen Sie dort den Punkt Configure applets. Daraufhin öffnet sich der in Abbildung 4 dargestellte Dialog, über den Sie die Applets verwalten.

Während das Papierkorb-Applet im Test sowohl unter "Edgy" als auch "Feisty" funktionierte, erscheint beim Desktop-Umschalter unter "Edgy" nur ein kleiner, weißer Punkt. Über den Kontextmenüeintrag Configure erlaubte das Applet zwar ein Ändern der Breite, nicht jedoch der Höhe. Unter "Feisty" traten diese Probleme nicht auf.

Abbildung 4: Awn bietet über Applets auch einen Umschalter für virtuelle Desktops und einen Papierkorb.

Auch das Kontextmenü von Awn starten Sie über den in Abbildung 5 dargestellten Konfigurationsdialog. Mit dessen Hilfe beeinflussen Sie das Aussehen und Verhalten des Docks. So stellen Sie im Karteireiter General zum Beispiel ein, dass die Leiste nicht mehr alle Fenster, sondern nur noch die des jeweils aktuellen Desktops anzeigt. Unter Glass Engine ändern Sie die Farbe, unter Pattern Engine weisen Sie ein Hintergrundbild (auch teiltransparent) zu, und unter Bar Appearence konfigurieren Sie unter anderem die Form der Ecken.

Abbildung 5: Awn bietet über Applets auch einen Umschalter für virtuelle Desktops und einen Papierkorb.

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LinuxUser 06/2012

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