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All-in-One-Geräte unter Linux mit Turboprint ansteuern

01.09.2007
Linux bietet – manchmal zeitlich verzögert – für nahezu alle aktuellen Drucker passende Treiber. Die verbleibenden Lücken schließt das Produkt Turboprint von Zedonet.

Unter Linux gehörte die Druckausgabe lange Zeit zu den problematischen Angelegenheiten. Über viele Jahre hinweg unterstützte das freie System fast ausschließlich die sehr leistungsfähigen, aber eigentlich dem Profibereich vorbehaltenen Postscript-Drucker. Seit sich jedoch vor einigen Jahren Cups [1] als Drucksystem durchgesetzt hat, sieht die Situation sehr viel besser aus: Das Programm bietet von Haus aus Treiber für viele Drucker, die die Seitenbeschreibungssprache Postscript nicht beherrschen.

Umdenken gefragt

Dank der langjährigen Arbeit vieler freier Entwickler in den verschiedenen Cups- und OpenPrinting-Projekten [2] stehen heute leistungsfähige Treiber für viele ältere Nadel-, Laser- und Tintenstrahldrucker bereit. Mit der wachsenden Zahl von Linux-Installationen auf Desktopsystemen erkennen zudem einige große Druckerhersteller die Zeichen der Zeit: Sie stellen die entsprechenden Treiber von sich aus bereit oder helfen den Entwicklern zumindest mit einigen Informationen. So unterstützen das Unternehmen Hewlett-Packard ebenso wie der im Bereich der Tintenstrahldrucker operierende Hersteller Canon inzwischen das freie Betriebssystem.

Ausgerechnet der vom Linux-Pionier IBM abgespaltene, in früheren Jahren mit innovativen Laserdruckern der Oberklasse erfolgreiche Hersteller Lexmark vernachlässigt jedoch die freien Betriebssysteme und stellt keine Infos zum Entwickeln der Treiber bereit. Viele neue Lexmark-Drucker funktionieren daher erst nach mühseliger Entwicklungsarbeit oder – mangels Referenzgeräten und breiter Nutzerbasis – gar nicht unter Linux.

Auch der unaufhaltsame Aufstieg der All-in-one-Geräte in den letzten Jahren stellt die freie Entwicklergemeinde vor Probleme. Nahezu alle Hersteller haben diese Geräte, die inzwischen primär auf Tintenstrahlbasis arbeiten, im Programm. Die kompakten Gehäuse beherbergen meist einen Scanner, einen Kopierer und einen Drucker. Manche Geräte arbeiten zusätzlich als Faxgerät. Bessere Systeme dieser Bauart drucken zudem Fotos randlos aus. Über ein integriertes Display und einen Kartenleser für die verschiedenen Speicherstandards ermöglichen manche das direkte Ausdrucken von Dateien ohne Zutun eines Rechners.

Weniger Funktionen

Den Entwickler freier Software stellen die Geräte vor besondere Aufgaben: Es genügt nicht, einen Druckertreiber zu schreiben. In der Regel braucht es noch einen separaten Treiber für den Scanner. Üblicherweise kommen passende Linux-Treiber für neue All-in-one-Systeme daher erst verspätet auf den Markt, und dann meist – wegen der vielen proprietären Features der Geräte – mit einem reduzierten Umfang gegenüber denen für andere Betriebssysteme.

Speziell die für den Ausdruck hochwertiger Fotos ausgelegten All-in-one-Systeme und Farbtintenstrahldrucker erreichen daher unter Linux nicht solche herausragenden Druckergebnisse, wie es die technischen Daten versprechen. Dieses Mankos hat sich die deutsche Firma Zedonet angenommen und vertreibt mit Turboprint ein nach eigenen Aussagen qualitativ hochwertiges Druckertreibersystem für Linux (siehe Kasten "Interview").

Interview

Turboprint stellt Treiber für Drucker bereit, die freie Projekte, wie Linuxprinting.org nicht unterstützen. LinuxUser sprach mit Stefan Donhauser von Zedonet, dem Unternehmen, das Turboprint entwickelt und vertreibt.

LinuxUser: Arbeiten Sie beim Entwicklen neuer Treiber mit den Herstellern zusammen? Wenn ja, wie gut klappt die Zusammenarbeit?

Stefan Donhauser: Natürlich sind wir beim Entwickeln der Treiber auf die Hilfe durch die Druckerhersteller angewiesen. Ohne Ihre Unterlagen zum Programmieren der Drucker wäre es oft nicht möglich, einen Treiber zu erstellen. Manchmal bekommen wir die Dokumentationen jedoch nicht. Dann versuchen wir teilweise, zum Beispiel die Druckdaten der Windows-Treiber zu analysieren und daraus Rückschlüsse zu ziehen. Wünschenswert wäre es, wenn wir Geräte zeitlich etwas vor dem Verkaufsstart erhalten könnten, damit die Treiber rechtzeitig fertig wären. Leider klappt das nur sehr selten.

LU: Wie entscheiden Sie, welche Hersteller und Modelle in eine neue Release einfließen?

SD: Hier richten wir uns vor allem nach den Wünschen der Anwender, dass heißt, wir versuchen besonders, die am meisten nachgefragten Drucker zu unterstützen. Leider ist das manchmal mangels benötigter Dokumenation der Programmierschnittstelle nicht möglich. Insbesondere für sogenannte GDI-Drucker geben Firmen oft keine Informationen heraus.

LU: Wie gut klappt die Zusammenarbeit mit der Community?

SD: Ohne die vielen Rückmeldungen der User zu Programmfunktionen und gelegentlichen Fehlfunktionen mit bestimmten Druckern oder Distributionen wäre unsere Software sicherlich viel weniger ausgereift. Wir erhalten sehr viele Mails, Einträge in unseren Feedback-Formularen und Beiträge in unserem Support-Forum, die wir natürlich so weit möglich alle zu beantworten versuchen. Gerne würden wir zum Drucksystem in Linux mehr beitragen. Leider haben die Projekte Linuxprinting.org und Openprinting.org unsere Kontaktversuche bisher nicht beantwortet.

LU: Welche Schwierigkeiten treten beim Entwicklen von Treibern auf?

SD: Abgesehen von der bereits genannten fehlenden Dokumentation durch die Hersteller (wie wohl bei allen Treiberentwicklungen für Linux) sind dies neue Technologien, wie neuartige Tinten oder Sonderfarben (beispielsweise Rot, Grün, Blau, Grau). Da verursacht es sehr viel Aufwand, eine exakte Farbwiedergabe zu gewährleisten. Im Grunde gelingt das nur durch den Einsatz echter Farbprofile, wie sie Turboprint bereits einsetzt. Auch Änderungen im Linux-Kernel, zum Beispiel im USB-Subsystem, sowie Unterschiede zwischen den Distributionen stellen uns immer wieder vor Probleme. Solche Neuerungen verlängern die Entwicklungszeit oft deutlich. Andererseits macht es auch Spaß, die Probleme zu lösen.

LU: Die aktuelle Release 1.95 liegt gerade auf dem Server. Was bringt die kommende Version, und wann kann man ungefähr mit dieser rechnen? Gibt es auch wieder bevorzugte Updates für registrierte Nutzer?

SD: Turboprint ist seit 2001 auf dem Markt und wird von uns regelmäßig erweitert und aktualisiert. Alle Updates innerhalb der letzten sechs Jahre waren für die Anwender kostenlos. Mittlerweile arbeiten wir intensiv an einer Version 2, die für den Jahreswechsel geplant ist. Natürlich gibt es hier für registrierten Anwender eine kostengünstige Updatemöglichkeit geben. Version 2 wird noch komfortabler, bedienungsfreundlicher und leistungsfähiger. Beispielsweise zeigt ein neuer Druckermonitor den aktuellen Gerätestatus mit detaillierten Fehlermeldungen an. Auch in beim Farbmanagement tut sich in Turboprint einiges.

Das Unternehmen erfindet das Rad allerdings nicht neu: Für bereits durch Cups unterstützte Drucker bietet es keine zusätzlichen Treiber an, sondern beschränkt sich vor allem auf aktuelle Geräte der Hersteller Brother, Canon, Epson und Hewlett-Packard, für die keine freien Treiber verliegen [3].

Im Test kommt ein fabrikneues All-in-one-System der Firma Canon, Modell Pixma MP160 (Abbildung 1), zum Ausdruck hochwertiger Fotos zum Einsatz. Sane, das Scanner-Backend für Linux, führt das Multifunktionsgerät als nicht kompatible Hardware, das Cups-System erkennt den Drucker ebenfalls nicht. Letzteres soll der Treiber von Turboprint beheben.

Abbildung 1: Der Canon Pixma MP160 vereint verschiedene Bürofunktionen in einem Gerät, verweigert aber unter Linux mit freien Treibern die Zusammenarbeit.

Das Unternehmen Zedonet bietet über das Internet eine Free-Version von Turboprint an. Sie erfordert kein Registrieren und enthält den vollen Funktionsumfang. Allerdings druckt sie beim Einsatz von Farbprofilen auf Spezialpapier sowie bei hochauflösenden Ausdrucken zusätzlich ein Wasserzeichen. Mit dem Erwerb einer Lizenz zum Preis von 29,95 Euro erhalten Sie einen Schlüssel, nach dessen Eingabe das Wasserzeichen aus allen weiteren Ausdrucken verschwindet.

Auf der Website von Zedonet stehen fertige Pakete für die verschiedenen Distributionen zum Download bereit. Auch ein DEB-Paket für den Einsatz unter Ubuntu – und zwar allen Versionen – findet sich hier. Wer Turboprint zudem auf CD-ROM und mit gedrucktem Handbuch haben möchte, dem bietet die Shop-Seite [4] ebenfalls das entsprechende Angebot zum Preis von 39,95 Euro. Zusätzlich hat die Firma noch eine Profi-Version zur Installation auf mehreren Rechnern im Programm (79 Euro bzw 89 Euro auf CD mit Handbuch). Im Test fällt die Entscheidung zugunsten einer Privatanwenderlizenz auf CD-ROM mit gedrucktem Handbuch.

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