Aufmacher

Testbild

Monitore komfortabel konfigurieren mit DDCcontrol

01.08.2007
Wer mehr am Monitor konfiguriert, als ab und an auf die Autoadjust-Taste zu hämmern, der weiß ein komfortables Tool wie DDCcontrol schnell zu schätzen. Es erleichtert mit seiner grafischen Oberfläche das Einstellen ungemein.

Den Bildschirm mit den kleinen fitzeligen Tasten am Monitor einzustellen, gerät schnell zum Geduldsspiel: Rein ins Menü Bildbreite, wieder zurück, um die horizontale Bildlage zu kontrollieren, dann wieder die Bildbreite einstellen, und so weiter und so fort. Das kleine Programm DDCcontrol präsentiert sich dazu als bequeme Alternative. Im Zusammenspiel mit der einfach gehaltenen Gtk-Oberfläche gelingt das Konfigurieren von CRT- und TFT-Monitoren kinderleicht.

DDCcontrol macht sich die DDC/CI-Steuerleitungen zu nutze. DDC steht für Display Data Channel und ist eine serielle Schnittstelle zur Kommunikation zwischen Grafikkarte und Wiedergabegerät. Die VESA hat den Standard verabschiedet. Normalerweise erhält der Grafiktreiber über diese Schnittstelle seine Informationen, anhand derer er die richtigen Einstellungen für Auflösung und Wiedergabefrequenz wählt.

Mit DDCcontrol nehmen die Daten zusätzlich den entgegengesetzten Weg. Welche Monitore und Grafikkarten das Programm unterstützt, ist der Dokumentation unter [1] und [2] zu entnehmen. Doch auch, wenn die eigene Hardware nicht in der List steht, lohnt es sich, das Programm auszuprobieren.

Installation

Debian-Nutzer greifen bei der Installation des Konfigurations-Helfers auf fertige Programmpakete aus dem Testing-Repository zurück. Auch im Reportoire der aktuellen Ubuntu-Version 7.04 befinden sich die notwendigen Pakete, die auf die Namen ddccontrol und ddccontrol-db sowie gddccontrol für das Frontend hören. In beiden Fällen zieht das Paketmanagement automatisch die Abhängigkeiten nach (siehe Tabelle "Abhängigkeiten").

Abhängigkeiten

Paketname Version
Libddccontrol-db 20060308
Libxml2 2.6.26
Pci-utils (optional)
Gtk+ >= 2.4 (für die grafische Oberfläche)

Nutzen Sie keine von beiden Distributionen, und befinden sich im Repository Ihres Linux-Systems keine passenden Pakete, steht Ihnen der Weg über das eigenhändige Übersetzen der einzelnen Pakete offen. Nehmen Sie die Quellen von der Heft-CD, oder laden Sie diese aus dem Netz [4] herunter. Zusätzlich benötigen Sie die notwendigen Bibliotheken und Werkzeuge. Die aufgeführten PCI-Utils brauchen Sie jedoch nur, wenn Sie DDCcontrol den direkten Zugriff auf den Speicher (Direct Memory Access) erlauben möchten.

Zusätzlich zu den Abhängigkeiten setzt die Installation aus den Quellen die entsprechenden Entwicklerpakete voraus, die zum Beispiel unter Debian den Anhang -dev tragen. Für die grafische Oberfläche braucht es außerdem eine funktionsfähige GTK-Umgebung inklusive Devel-Pakete auf dem System. Nach dem Setup aller Abhängigkeiten stoßen Sie die Installation der beiden DDCcontrol-Komponenten jeweils mit dem Dreischritt ./configure && make && make install an. Im Anschluss steht dem ersten Start nichts mehr im Wege.

Monitorerkennung

Haben Sie die grafische Oberfläche mitinstalliert, starten Sie mit dem Befehl gddccontrol in einem Terminal das kleine Tool. Die Software versucht nun den Typ des Monitors zu erkennen. Schlägt dies fehl (Abbildung 1), kommen dafür zwei Gründe in Frage: Entweder unterstützt das Wiedergabegerät das DDC/CI-Protokoll nicht, oder das Monitormodell hat noch keinen Eingang in die Datenbank gefunden. Im ersten Fall existiert derzeit kein Ausweg. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als das Gerät auf herkömmlichem Weg zu konfigurieren.

Abbildung 1: Kein Grund zu verzagen – viele noch nicht gelistete Monitore konfigurieren Sie einfach aus einem Basisprofil heraus.

Im zweiten Fall wählt DDCcontrol ein vom Gerät unabhängiges Basisprofil und warnt davor, dass es nicht alle Funktionen unterstützt oder, dass Funktionen eventuell zu unerwarteten Ergebnissen führen. An dieser Stelle bitten die Entwickler um Mitarbeit: Besitzen Sie einen bisher nicht aufgeführten oder unterstützten Monitor, lesen Sie mit dem Befehl export LANG= ;export LC_ALL= ;ddccontrol -p -c -d die Gerätedaten aus. Schicken Sie diese in einer kurzen E-Mail an die Mailingliste des Projekts [6]. Das hilft den Entwicklern die Datenbank beständig zu erweitern.

Obwohl die im Test verwendeten Geräte nicht in der Datenbank standen, funktionierten die Monitore und die meisten Einstellmöglichkeiten, da sie konform zum VESA-Standard DDC2B sind. Wie bei allen Aktionen mit DDCcontrol setzt auch dieses Kommando voraus, dass Sie mit Root-Rechten arbeiten. Das Programm benötigt Zugriff auf /dev/mem zum korrekten Arbeiten. Laden Sie zusätzlich das Modul i2c-dev sowie das Framebuffer-Modul für die Grafikkarte in Ihrem Rechner.

Bildschirmeinstellung

Die verfügbaren Menüpunkte variieren abhängig vom angeschlossenen Wiedergabegerät. Bei den getesten Monitoren erschien nach dem Start und dem Bestätigen der Warnmeldung (Abbildung 2) ein gut sortiertes Auswahlmenü. Es ist in vier Hauptpunkte unterteilt, deren erste drei diverse Einstellungen zu Farben, Größe und Position sowie zur Bildschirmgeometrie enthalten. Der vierte Menüpunkt ermöglicht, den Monitor auf die Werte vor dem Einsatz von DDCcontrol zurückzusetzen. Dies klappt allerdings nur, wenn Sie das Programms nicht zwischenzeitlich beenden.

Abbildung 2: Durch ihre klare Struktur erschließt sich die grafische Oberfläche von DDCcontrol recht schnell.

Helligkeit und Kontrast stellen Sie im ersten Untermenü komfortabel mit Hilfe eines Kalibrierungsmusters im Fullscreen-Modus ein (Abbildung 3). Die restlichen Optionen passen Sie anhand von Skalen zwischen 0 und 100 per Mausaktion an. Änderungen sind, wie vom Monitor-eigenen On-Screen-Menü gewohnt, sofort wirksam.

Abbildung 3: Das Muster in Fullscreen-Anzeige hilft beim Kalibrieren des Monitors – wenngleich nur bei Helligkeit und Kontrast.

Bei manchen Monitoren mit weiteren Funktionen bietet DDCcontrol diese ebenfalls zur Konfiguration an. Im Test mit einem Flachbildschirm war es zum Beispiel möglich, zwischen beiden Eingängen des Geräts hin- und herzuschalten. Auch der Wechsel in den Standby-Modus klappte problemlos.

Anwendungsszenarien

Vor allem Linux-Nutzer, die viel mit dem Bearbeiten von Grafiken zu tun haben, wissen die Möglichkeit zu schätzen, verschiedene Konfigurationsprofile für Farbeinstellungen, Helligkeit und Kontrast zu speichern. Sie starten den in DDCcontrol integrierten Profilmanager mit einem Klick auf die entsprechende Schaltfläche (Abbildung 4). Mit Create Profile öffnet sich die schon bekannte Menüstruktur.

Abbildung 4: Dank des Profilmanagers wechseln Sie schnell zwischen verschiedenen Einstellungen hin und her.

Neu sind die Checkboxen vor den einzelnen (Unter-)Menüoptionen (Abbildung 5). Nur jene, die Sie mit einem Häkchen markieren, speichert DDCcontrol im Profil ab. Das ermöglicht es zum Beispiel, Einstellungen für verschiedene Monitore oder für verschiedene Farbprofile zu speichern. Mit Cancel profile creation brechen Sie das Erstellen eines Profil ab und verwerfen alle gesetzten Einstellungen.

Abbildung 5: Haben Sie das Häkchen in einem Kästchen gesetzt, speichert DDCcontrol die entsprechende Konfiguration im erstellten Profil.

Back to the Shell

Alle Einstellungen, die die grafische Oberfläche bietet, stehen Ihnen per Eingabe des Befehls ddccontrol nebst Optionen auf der Kommandozeile zur Verfügung. Allerdings erfordert dies erhöhte Konzentration sowie genaues Studium der Dokumentation und des Programmoutputs. Der Vorteil dieser Vorgehensweise liegt im schnellen, aber gleichzeitig präzisen Setzen der einzelnen Parameter.

Der Komfort der Arbeit mit DDCcontrol in der Shell fällt jedoch um Längen geringer aus als beim Einstellen mit Hilfe der grafischen Oberfläche oder der Bedienelemente des Monitors. Die Arbeit auf der Shell bietet sich jedoch zur Automation der Bildschirmeinstellungen an. So wäre es beispielsweise möglich, die individuellen Einstellungen über ein kleines Skript in den Start der grafischen Oberfläche einzubinden.

Fazit

Das Programm erweist sich als echte Hilfe beim Ersteinrichten sowohl von Röhrenmonitoren als auch von Flachbildschirmen. Die Konfiguration der Wiedergabegeräte fällt zwar im Allgemeinen nicht tagtäglich an, die Software leistet aber dank der Möglichkeit zum Erstellen verschiedener Profile beim Bearbeiten von Grafiken und Videos gute Dienste. Ein Testbild für die Farbeinstellungen, analog zu jenem für das Optimieren von Kontrast und Helligkeit, wäre eine sinnvolle Ergänzung.

Glossar

VESA

In der Video Electronics Standards Association (VESA) [3] sind über 100 Mitglieder vertreten, die gemeinsam für einheitlicher Standards und Spezifikationen in der Computergrafik verantwortlich zeichnen.

Direct Memory Access

Eine Technik, bei der Peripheriegeräte Input/Output-Daten direkt in den oder aus dem Hauptspeicher transportieren, ohne dass der Prozessor am Transfer beteiligt ist.

DDC2B

Zweite, erweiterte Version des Display Data Channels (DDC). Sie ermöglicht das bidirektionale Übertragen von Informationen zwischen Grafikkarte und Wiedergabegerät [3]. Die aktuellste Version basiert auf dem Multi-Master Serial Computer Bus I2C [5], der auch die Grundlage für die Funktionen von DDCcontrol liefert.

Infos

[1] Unterstützte Grafikkarten: http://ddccontrol.sourceforge.net/doc/0.4/apc.html

[2] Unterstützte Monitore: http://ddccontrol.sourceforge.net/doc/0.4/apb.html

[3] Infos zu VESA, DDC und DDC/CI: http://www.vesa.org

[4] Projektseite: http://ddccontrol.sourceforge.net

[5] Hintergrund zu I2C: http://www.i2c-bus.org

[6] DDCcontrol-Mailingliste: mailto:ddccontrol-users@lists.sourceforge.net

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Related content

Kommentare