Flug nach Instrumenten

In der Pflichtübung Instrumentenflug (IFR) brillieren beide Anwendungen. Der eine oder andere Indikator funktioniert auf dem heimischen PC besser als in so mancher realen Maschine. Selbst verschiedene Außenfaktoren wie Luftdruck, Feuchte oder auch die höhenabhängige Luftdichte fließen in die Anzeigekomponenten ein. Die Trägheit der Kreiselanzeigen erreicht nahezu exakt die Verzögerungsrate ihrer realen Vorbilder. Der Unterschied zwischen einem Skyhawk-Cockpit mit Blindflughaube und dem heimischen Rechner besteht beinahe nur noch aus dem frischen Kaffee neben der Tastatur und dem Fluggeräusch in Stereo.

FSX bietet als kleine Besonderheit auch die Möglichkeit, einzelne Instrumente, ganze Instrumentengruppen oder das gesamte Cockpit havarieren zu lassen. So können Interessierte der Luftfahrtgeschichte beispielsweise nacherleben wie es war, die Concorde mit ausgefallenem Höhenmesser auf ihrem Jungfernflug über Paris wieder sicher zu landen. Jedoch gilt das Urteil für Flightgear nur eingeschränkt: Während die Cessna 172 bis auf den Transponder vollständig nachgebildet wurde, fehlen bei anderen Flugmaschinen mitunter lebenswichtige Instrumente wie Drehzahlmesser oder Wetterradar.

Navigation und Sprechfunkverkehr

Grundsätzlich lassen sowohl Flightgear als auch FSX alle gängigen Arten der Flugnavigation zu. Die klassische Navigation nach Sicht klappt in Flightgear wegen unzureichender Detaillierung in der Standardinstallation erst nach der Erweiterung mir zusätzlichen Geländedaten. Doch dieser Nachteil wandelt sich bei der so genannten Koppelnavigation zum Vorteil: Hier folgt der Pilot anhand von Zeit- und Wegstreckenangaben mit Hilfe eines Kompasses einer vorgegebenen Route. Dabei muss er Wind und Wetter beachten. Dank weniger Details und fehlender Animation der Flightgear-Welt kann sich der Pilot voll und ganz der schwierigen Übung widmen.

Sehr gut ist die Leistung beider Simulatoren in Sachen in Funk- und Flächennavigation, wobei Flightgear deutlich überzeugen kann. Sämtliche Marker und Funkfeuer finden sich nicht nur in der Simulation, sondern bei Flightgear sogar auf den realen Frequenzen. Auch in diesem Punkt gilt: Die Instrumente reagieren in der Simulation besser als in manchem schlecht gewarteten Cockpit.

Selbst die Identifikationssignale der Funkfeuer bildet Flightgear wirklichkeitsgetreu ab, auch die regionalen Unterschiede zwischen den europäischen und amerikanischen Codeindentifizierungssystemen haben die Entwickler beachtet. Somit lassen sich für Flightgear die realen Flugkarten verwenden, die in älteren Ausführungen günstig in Onlineauktionen und oftmals auch ganz kostenlos im Internet verfügbar sind.

Für den FSX hingegen benötigt man das Programm Simcharts des amerikanischen Flugkartenherstellers Jeppesen. Der Grund dafür: Funkfrequenzen und Prozeduren weichen von der realen Welt ab. In älteren Flight-Simulator-Versionen waren die Frequenzen und andere wichtige Prozeduren dagegen eins-zu-eins abgebildet. Als inoffizielle Begründung für die Unterschiede nennt Microsoft den Schutz vor Terrorismus. Auch die Attentäter vom 11. September 2001 sollen mit dem MS-Flugsimulator geübt haben.

Einen weiteren Pluspunkt verdient sich Flightgear hinsichtlich des Sprechfunkverkehrs zwischen Maschinen und Tower. Im Microsoft-Produkt langweilt der aalglatte Funkverkehr der Bordverständigung mit immer den selben standardisierten Phrasen in lupenreinem Englisch und glasklarer Verständigungsqualität – egal ob man ein Tower in Karibik oder in Grönland kontaktiert.

Erfrischend anders präsentiert sich Flightgear: Hier knacken, rauschen und heulen die Funkgeräte, Frequenzen schwanken und bei Schlechtwetter reißt die Verbindung schon einmal ganz ab. Aus kleineren Kolbenmotorflugzeugen ertönen meist nur mit Wortfetzen vermischte Motorgeräusche über den Äther. Die Speedbirds der British Airways melden sich mit authentisch anderem Akzent als die Piloten der deutschen Lufthansa zum Anflug. Diesen angenehmen Anflug der Wirklichkeit trübt lediglich, dass Piloten nur via Tastatur und vorgefertigten Sprüchen mit der Luftverkehrskontrolle (ATC) kommunizieren können. Das gilt aber auch für den Flight Simulator X.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

LU 10/2016: Kryptographie

Digitale Ausgabe: Preis € 0,00
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Soundkarte wird erkannt, aber kein Ton
H A, 25.09.2016 01:37, 2 Antworten
Hallo, Ich weiß, dass es zu diesem Thema sehr oft Fragen gestellt wurden. Aber da ich ein Linu...
Scannen nur schwarz-weiß möglich
Werner Hahn, 20.09.2016 13:21, 2 Antworten
Canon Pixma MG5450S, Dell Latitude E6510, Betriebssyteme Ubuntu 16.04 und Windows 7. Der Canon-D...
Meteorit NB-7 startet nicht
Thomas Helbig, 13.09.2016 02:03, 3 Antworten
Verehrte Community Ich habe vor Kurzem einen Netbook-Oldie geschenkt bekommen. Beim Start ersch...
windows bootloader bei instalation gelöscht
markus Schneider, 12.09.2016 23:03, 1 Antworten
Hallo alle zusammen, ich habe neben meinem Windows 10 ein SL 7.2 Linux installiert und musste...
Ubuntu 16 LTE installiert, neustart friert ein
Matthias Nagel, 10.09.2016 01:16, 3 Antworten
hallo und guten Abend, hab mich heute mal darangewagt, Ubuntu 16 LTE parallel zu installieren....