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Windows-Games mit Cedega unter Linux spielen

01.08.2007 Ob Rollenspiel oder Echtzeitstrategie, Sport oder Adventure – mit Cedega laufen die aktuellen Windows-Spiele auch unter Linux.

Der Hersteller Transgaming [1] hat sich viel Mühe gegeben: Die neue Version des auf Wine basierten Emulators bietet zahlreiche Verbesserungen in Sachen Grafik und Sound. Cedega 6.0 unterstützt erstmal das DirectX Pixel Shader Model 2.0. Dank einer verbesserten FBO (Framebuffer-Object-Erweiterung) bietet der Emulator weitgehende DirectX-9-Kompatibilität. Überzeugen kann die Möglichkeit, die Soundausgabe eines Spieles neben einem zugleich aktiven Audioplayer zu genießen – Ein ausgereifter Alsa-Support macht's möglich.

Das auffallendste Feature der neuen Version des Emulators ist die deutlich verbesserte Performance: Spiele laufen um einiges flüssiger. Zudem unterstützt die neue Emulator-Version mehr ältere Spiele. Doch selbst, wenn ein Spiel nicht in der Transgaming-Datenbank auftaucht, läuft es in vielen Fällen trotzdem unter dem Emulator.

Die Liste der unterstützten Games [2] ist lang. Neben bekannten, schon etwas betagteren Titeln gehören auch Spiele wie "Elder Scrolls: Oblivion", "Battlefield 2142", "Need for Speed: Carbon", "Madden 2007", "Command and Conquer 3: Tiberium Wars" und "Star Trek Legacy" dazu. Auch an die Freunde von Multiplayer-Spielen hat der Hersteller gedacht: Die Erweiterung Steam sorgt für Spielespaß im Netz, und dank der neuen Version erkunden Sie nun auch unter Linux die Welt von "World of Warcraft".

Allerdings gibt es Cedega nach wie vor nicht gratis, sondern in Form eines kostenpflichtigen Abonnements. Der Lizenzkey kostet für drei Monate rund 15 Euro, für sechs Monate fallen 25 Euro an. Ein Update kommt ein paar Euro günstigerer (13 respektive 22 Euro, Preise von Ixsoft [3]). Natürlich muss man nicht regelmäßig ein Update kaufen. Das ist nur notwendig, will man auf Updates und aktuelle Treiber nicht verzichten.

Hineinschnuppern erlaubt

Wollen Sie Cedega nicht gleich kaufen, sondern erst einmal hineinschnuppern, beziehen Sie eine eingeschränkte Version per CVS. In diesem Fall müssen Sie man aber auf diejenigen Komponenten verzichten, die das Spielen von kopiergeschützten Games ermöglichen.

Bevor es losgehen kann, überzeugen Sie sich erst einmal, dass CVS auf Ihrem PC installiert ist. Daneben benötigen Sie alle Pakete für das Übersetzen und Installieren von Quellpaketen. Öffnen Sie eine Konsole, starten Sie CVS und loggen Sie sich auf dem Repository bei Transgaming ein:

$ cvs -d:pserver:cvs@cvs.\ transgaming.org/cvsroot login

Der Server fragt Sie nach einem Passwort. Geben Sie cvs ein. Der Cursor springt in eine neue Zeile und erwartet eine Eingabe. Sie geben nun mit einer Befehlszeile an, welche Dateien Sie auf Ihren Rechner übertragen wollen.

$ cvs -z3 -d:pserver:cvs@cvs.transgaming.org:/cvsroot co cedega_test

Die Quellpakete landen nun nach und nach im Unterverzeichnis /cedega_test. Sind alle Pakete eingetroffen, starten Sie den Übersetzungsvorgang mit ./configure und einem anschließenden make. Schließlich installieren Sie die Software als root mit make install.

Das Paket bringt eine exemplarische Konfigurationsdatei mit. Bevor Sie diese verwenden können, müssen Sie die Einstellungen noch an Ihre Bedürfnisse anpassen. Dazu kopieren Sie die Datei erst einmal in den entsprechenden Folder Ihres Home-Verzeichnisses:

$ cp documentation/samples/config ~/.wine/config

Cedega setzt bestimmte Windows-Verzeichnisse voraus. In der CVS-Version müssen Sie diese manuell anlegen:

$ mkdir -p ~/.transgaming/c_drive/windows/system32
$ mkdir ~/.transgaming/c_drive/windows/fonts

Die Konfigurationsdatei muss nun noch einen Eintrag für das CD-ROM-Laufwerk Ihres Rechners erhalten. Je nach Distribution und Laufwerkstyp trägt das Geräteverzeichnis, unter dem das CD-ROM-Laufwerk zu finden ist, einen anderen Namen. In unserem Beispiel wird das erste IDE-Laufwerk in /media/cdrom eingehängt.

[Drive H]
"Path" = "/media/cdrom"
"Type" = "cdrom"
"Label" = "CD-ROM"
"Filesystem" = "win95"
"Device" = "/dev/hdc"

Damit haben Sie die notwendigen Anpassungen erledigt und können nun ein erstes Spiel installieren. Dazu rufen Sie in der Textkonsole wine auf und übergeben als Parameter die Installationsdatei für das Game: wine spiel.exe.

Systemvoraussetzungen

Cedega erweitert die Wine-API um DirectX-Funktionen, sodass die für Games wichtigen Funktionen zur Ausgabe von grafischen Effekten und Sounds auf die Linux-Bibliotheken Alsa und OpenGL weitergeleitet werden. Das Programm unterstützt einen Großteil der aktuellen Linux-Distributionen. Die optional erhältliche CD mit der aktuellen Version von Cedega enthält vorkompilierte Pakete für Debian, Suse und Mandrake sowie den Quellcode.

Cedega setzt ein Linux-Kernel ab Version 2.4, XFree 86 ab Version 4.0 (optimal ist 4.3 oder höher), Glibc 2.2 und eine Nvidia Geforce oder kompatible Grafikkarte voraus. Der Emulator selbst benötigt nur wenig Platz auf der Festplatte. Dagegen weisen aktuelle Windows-Spiele in der Regel einen recht extremen Speicherhunger auf. Daher sollten auf der Festplatte noch einige Gigabyte freier Platz zur Verfügung stehen. Wie viel Sie wirklich brauchen, hängt von dem Spiel ab, dass Sie unter Cedega installieren und spielen wollen.

Cedega einrichten

Mit dem Kauf von Cedega erhalten Sie einen Registrierschlüssel, mit dem Sie sich auf der Cedega-Webseite (Abbildung 1) anmelden. Daraufhin erhalten Sie per E-Mail ein Passwort und laden eine aktuelle Version des Emulators auf Ihren Rechner.

Abbildung 1

Abbildung 1: Mit Ihrem Registriercode erhalten Sie Zugang zum Supportbereich von Cedega. Hier finden Sie neben aktuellen Versionen des Emulators auch das für Netzwerkspiele notwendige Programm Steam.

Beim ersten Start von Cedega müssen Sie zunächst den Lizenztext bestätigen. Ein Installationsassistent führt Sie anschließend durch die Einrichtung des Emulators. Den ersten Dialog überspringen Sie mit einem Klick auf Forward. Er enthält nur einen allgemeinen Begrüßungstext. Im nächsten Fenster tragen Sie Ihren Benutzernamen und das zugehörige Passwort ein, das Sie bei der Registrierung auf der Webseite von Transgaming erhalten haben. Die Option Check for Updates lassen Sie aktiviert: Sie dient nicht nur zum Einspielen von Updates, sondern sorgt daneben auch für die Installation weiterer wichtige Komponenten.

Im folgenden Dialog sehen Sie diese Komponenten (Abbildung 2). Schalten Sie alle an und laden Sie diese auf Ihren Rechner. Neben eine Reihe Microsoft-Fonts richtet der Installer auch ein ActiveX-Plugin für Mozilla ein. Es folgt die Installation der Cedega-Engine (Abbildung 3).

Abbildung 2

Abbildung 2: Neben Updates werden bei der Installation auch weitere, für den Emulator notwendige Windows-Komponenten auf Ihren Rechner geladen.

Abbildung 3

Abbildung 3: Im Zug der Einrichtung von Cedega spielt der Installer auch die neueste Version der Emulator-Engine ein.

Im Anschluss daran identifiziert Cedega die Hardware des Rechners und zeigt die ermittelten Daten an. Anschließend haben Sie Gelegenheit, verschiedene Systemtests ausführen zu lassen. Aktivieren Sie alle Tests und starten Sie sie mit einem Mausklick auf Run selected tests. Wenn alles gelingt, bekommen Sie jeweils ein Passed und eine grüne Anzeige zu sehen (Abbildung 4). Im letzten Dialog schließen Sie mit Finish die Cedega-Installation ab.

Abbildung 4

Abbildung 4: Sechs verschiedene Systemtests führt das Programm durch. Unser Testrechner hat alle Tests bestanden, dem Spielvergnügen steht nichts mehr im Weg.

Während der Installation fügt Cedega automatisch einen eigenen Menüeintrag in das Gnome- oder KDE-Menü ein, über den Sie ab jetzt den Emulator starten. Anschließend finden Sie sich auf Cedegas grafischer Oberfläche Point2Point vor, für die es bei Cedega 6.0 noch keine deutsche Lokalisierung gibt. In der Version 5.x konnte man über Edit | Language Preferences verschiedene Sprachversionen herunterladen. Das Paket de 5.x sorgte dann für eine deutsche Oberfläche. Für das erst vor kurzem erschienene Cedega 6.0 wird eine deutsche Lokalisierungen wohl erst später folgen.

Über Edit | Global Settings modifizieren Sie die grundlegenden Einstellungen des Emulators. Hier legen Sie beispielsweise fest, welche Windows-Version Cedega emuliert, ob die Ausgabe von Sound über OSS oder Alsa erfolgen soll und ob ein Joystick zum Einsatz kommt. Außerdem regeln Sie hier verschiedene Dateils der Grafikausgabe.

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