Aufmacher

Multimuschel

Schlanke Terminalemulation Mrxvt

01.08.2007
Mrxvt ist schlank, wendig, einfach anzupassen und unterstützt mehrere Shell-Sitzungen in einem Terminalfenster.

Die Installation des Terminalemulators ist schnell erledigt: Sie beziehen die Software von der Heft-CD oder Website des Projektes [1]. Online finden Sie außerdem weitere Details über die Features des Programms sowie Hinweise zu Konfiguration und Einsatz. Aus der Download-Sektion führen neben dem Link auf den Quellcode weitere Verweise zu bereits vorkompilierten Paketen für verschiedene Distributionen wie Suse, Fedora oder Debian.

Sowohl online als auch auf dem Datenträger zu diesem Heft finden Sie neben der stabilen Release 0.4.2 auch die Entwicklerversion 0.5.2. Letztere läuft beim Darstellen von transparenten und mit Grafiken aufgepeppten Fensterhintergründen nicht immer rund. Sie bietet dafür jedoch einige zusätzliche Features im Terminalmenü und bei den Tastenkürzeln. Mögen Sie keine Experimente, belassen Sie Ihren Erstkontakt bei der stabilen Version, ansonsten greifen Sie ruhig zur neueren.

Falls Sie bei der Auswahl der vorkompilierten Pakete unsicher sicher sind oder Mrxvt gerne testweise im Homeverzeichnis installieren wollen, finden Sie im Kasten "Installation aus dem Sourcecode" eine kurze Anleitung, die dabei hilft.

Installation aus dem Sourcecode

Zunächst einpacken Sie das Tar-Archiv und wechseln in das neu entstandene Verzeichnis:

tar xvzf mrxvt-0.4.2.tgz
cd mrxvt-0.4.2/

Möchten Sie statt Version 0.4.2 die instabile Entwicklerversion 0.5.2 ausprobieren, wenden Sie zusätzlich den Patch an, den Sie ebenfalls in der Download-Sektion und auf der Heft-CD finden. Er schaltet die versehentlich aktivierten Debug-Meldungen in der Developer-Version ab. Das sorgt für mehr Performance:

patch -p0 < Pfad/no_debug_x.patch

Nun betrachten Sie mit ./configure --help | less die Optionen, mit denen Sie Mrxvt kompilieren können. Wollen Sie die Software nur testen, bietet sich neben weiteren Optionen die Installation ins Heimatverzeichnis an. Mit ./configure --prefix=/home/User/mrxvt erledigen Sie die Konfiguration des Quellcodes. Mit make und make install übersetzen Sie die Dateien und heben sie an die richtige Stelle auf der Festplatte. Weitere Tipps, um Programme aus dem Quellcode zu übersetzen, finden Sie im Artikel-Archiv von LinuxUser [2].

In der Kommandozeile

Wie alle Terminalemulatoren versteht auch Mrxvt verschiedene Kommandozeilenoptionen. So erscheint mit dem folgenden Befehl der Hintergrund des Fenstern in schwarzer Farbe (-bg black), während die Schrift in einem Grünton [3] leuchtet (-fg MediumSpringGreen):

mrxvt -fg MediumSpringGreen -bg black

Selbst einen transparenten Hintergrund beherrscht das Programm. Dabei gibt es zwei Varianten: Der Parameter -tr schaltet eine Pseudotransparenz ein, -shade gibt dazu den Grad der Schattierung an. Die Option -tint rundet das Ganze in einem Farbton ab:

mrxvt -tr -tint red -shade 20

Echte Transparenz erhält Mrxvt mithilfe der Option -o, gefolgt von einem Prozentwert, der den Grad der Durchlässigkeit angibt. Mit -o 15 erkennen Sie zum Beispiel die Konturen der dahinterliegenden Anwendungen beziehungsweise des Desktops schon ganz gut. Die Transparenz stört jedoch noch nicht beim Arbeiten im Terminal. Für dieses Feature benötigen Sie einen X-Server in Version 6.8.1 oder neuer mit aktivierter Composite-Extension sowie einen laufenden Xcompmgr.

Beim ersten Blick auf das Terminal fällt sofort die Leiste der Karteireiter, die sogenannten Tabs, am oberen Rand auf. Über die Schaltflächen neben den Karteireitern öffnen Sie einen neuen Reiter samt Shell oder schließen einen vorhandenen. Letzteres erledigen Sie über den Button mit dem roten X. Über die Schaltflächen mit den Pfeilsymbolen klicken Sie sich durch die geöffneten Terminals.

Falls das Klicken mit der Maus nicht Ihre Sache ist, kommt Ihnen Mrxvt ebenfalls entgegen: Das Programm stellt für alle Aktionen Tastaturkürzel bereit. Die Tabelle "Tastaturbefehle" zeigt eine Auswahl. Weitere Informationen erhalten Sie mit dem Kommando man mrxvt in der Hilfeseite des Programms.

Tastaturbefehle

Tastensequenz Funktion
[Strg]+[Umschalt]+[T] Neuen Reiter erstellen
[Strg]+[Umschalt]+[W] Aktiven Reiter schließen
[Strg]+[Umschalt]+[A] Knöpfe der Tab-Leiste ein/ausschalten
[Strg]+[Umschalt]+[S] Scroll-Balken ein/ausschalten
[Strg]+[Umschalt]+[M] Menü ein/ausschalten
[Strg]+[Umschalt]+[H] Linken Reiter aktivieren
[Strg]+[Umschalt]+[L] Rechten Reiter aktivieren
[Umschalt]+[Num+] Font vergrößern
[Umschalt]+[Num--] Font verkleinern

Eine weitere Besonderheit des Terminals liegt im Umgang mit Freetype-Fonts. Diese Option haben die Maintainer per Default abgeschaltet. Sie aktivieren sie im Configure-Kommando mit dem Parameter --enable-xft beim Konfigurieren des Quellcodes. Danach geben Sie die Schrift mit neuen Optionen an. Der Zusatz -xft fordert das Programm auf, auf Freetype-Fonts zurückzugreifen, und die Option -xftfn weist dem Mrxvt die Schriftart Luxi Mono zu:

mrxvt -xft -xftfn "Luxi Mono"

Ebenso, wie Sie verschiedene Tabs einsetzen, haben Sie die Möglichkeit, jedes Terminal im Mrxvt mit eigener Hintergrundgrafik auszustatten. Der Parameter dazu lautet -vt#.pixmap Datei, wobei # die Nummer der Terminals meint, und die Zählung bei Null beginnt:

mrxvt -vt0.pixmap bild_null.jpg -vt1.pixmap bild_eins.jpg

Die Software erlaubt nicht nur das Konfigurieren der Terminalfensters. Auch die Karteireiter selbst erstrahlen auf Wunsch in unterschiedlichen Farben für aktive und inaktive Tabs:

mrxvt -tabfg AntiqueWhite -tabbg DarkSlateGray -itabbg DarkMagenta -itabfg  Purple

Die obigen Optionen lassen sich leicht aufschlüsseln: -tabbg bezeichnet den Farbhintergrund eines aktiven, geöffneten Reiters, während -tabfg die Farbe des Schriftbildes definiert. Dagegen legen -itabbg und -itabfg die Farbwerte der inaktiven Karteireiter fest.

Wie Sie in der Manpage des Programms sehen, gibt es außer den genannten Funktionen viele Parameter, mit denen Sie Scrollbalken und Tableiste ausschalten, transparent gestalten, mit Grafiken hinterlegen oder auf die andere Fensterseite verschieben.

Abbildung 1: Das Mrxvt ermöglicht Ihnen vier Shell-Sitzungen unter einem Dach.

Um die Menüleiste des Tools erscheinen zu lassen, müssen Sie Mrxvt bereits mit der Configure-Option --enable-menubar menüfähig gemacht haben. Die Anweisung -showmenu zeigt Ihnen die Menüleiste, die Ergänzung -menu teilt dem Programm den Pfad zu Menüdatei mit:

mrxvt -showmenu -menu ~/mrxvt-0.4.2/doc/menu/menu

Im Verzeichnis /mrxvt-0.4.2/doc/menu/ liegen einige Beispielkonfigurationen für die Menüleiste parat. Verwenden Sie statt der stabilen Version Mrxvt 0.5.2, finden Sie die Dateien im Verzeichnis mrxvt-0.5.2/share/ beziehungsweise bei einer systemweiten Installation in /etc/mrxvt/.

Konfiguration

Die Konfiguration des Programms findet freilich nicht nur über Optionen in der Kommandozeile statt. Erstellen Sie einfach eine Konfigurationsdatei namens .mrxvtrc im Homeverzeichnis. Dort tragen Sie in der Syntax der Dateien .Xdefaults und .Xresources die gewünschten Werte für Fenstergröße, Anzahl der Karteireiter oder Schriftart ein.

Findet der Terminalemulator keine Datei .mrxvtrc in Ihrem Homeverzeichnis, liest er – falls vorhanden – seine Konfiguration aus den Dateien .Xdefaults und .Xresources am gleichen Ort. Die Version 0.5.2 verfügt außerdem über systemweite Vorgaben in der Datei /etc/mrxvt. In Listing 1 finden Sie Beispiele für unterschiedlicher Vorgaben.

Listing 1
mrxvt*font: -xos4-terminus-medium-r-normal--14-140-72-72-c-80-iso8859-15
mrxvt*background: AntiqueWhite
mrxvt*foreground: #603100
mrxvt*geometry: 90x40
mrxvt*initTermNumber: 3
mrxvt*vt0*tabTitle: zsh
mrxvt*vt1*tabTitle: mc
mrxvt*vt2*tabTitle: mutt
mrxvt*vt0*command: /usr/bin/zsh -ls
mrxvt*vt1*command: /usr/bin/zsh -c mc
mrxvt*vt2*command: /usr/bin/zsh -c mutt
mrxvt*color0: black
mrxvt*color1: red3
mrxvt*color2: green4
mrxvt*color3: #bda106
mrxvt*color4: blue2
mrxvt*color5: magenta3
mrxvt*color6: cyan4
mrxvt*color7: AntiqueWhite

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

title_2014_10

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 4 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...
Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...
o2 surfstick software für ubuntu?
daniel soltek, 15.07.2014 18:27, 1 Antworten
hallo zusammen, habe mir einen o2 surfstick huawei bestellt und gerade festgestellt, das der nic...