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Profi-Etikettendruck ganz einfach mit Glabels

01.08.2007
Finger weg vom Officeprogramm, wenn's um den Etikettendruck geht. Mit der Gtk-Software Glabels drucken Sie im Handumdrehen ansprechende Aufkleber in allen gewünschten Formaten.

Ob Ordnerrücken, Disketten oder CDs – durch entsprechende Etiketten sehen sie ansehnlicher aus, und Sie finden schneller das richtige Exemplar. Noch vor wenigen Jahren mussten Sie dazu mit dem Lineal umständlich die Etikettengrößen ermitteln und anschließend als Vorlage in einem Officeprogramm abspeichern. Für einige Betriebssysteme gibt es kostenpflichtige und regelmäßigen Updates unterworfene Softwarepakete, die eigens zum Herstellen solcher Etiketten oder auch Visitenkarten dienen.

Verschiedene Hersteller bieten außerdem nicht nur vorgestanzte oder Selbstklebe-Etiketten in einer Vielzahl von Varianten und zu allen möglichen Einsatzzwecken an, sondern teilweise dazu gleich eine entsprechende Software, mit der Sie die papiernen Vorlagen am heimischen PC oder Bürorechner einfach bedrucken. Der Nachteil dieser Lösungen liegt auf der Hand: Entweder sind sie kostenpflichtig oder herstellerspezifisch, sodass Sie – falls Sie Aufkleber verschiedener Anbieter kaufen – jedesmal die entsprechende Software benötigen.

Unter Linux brauchen Sie weder eine spezielle Software zu kaufen noch herstellerspezifische Programme einzusetzen: Mit dem Label Designer Glabels existiert seit geraumer Zeit ein kleines Helferlein, das unter der GPL steht, kostenfrei ist und sich obendrein auf nahezu alle Formate der großen Anbieter versteht.

Installation

Glabels finden Sie sowohl auf der Heft-CD als auch als Download [1] im Internet. Die Version 2.0.4 setzt zusätzliche Pakete voraus, die aber die meisten aktuellen Distributionen mitbringen. Glabels ist so programmiert, dass es mit einem Gnome-Desktop der Version 2.2 oder höher zusammenarbeitet. Im Detail setzt es auf den Bibliotheken auf, die die Tabelle "Abhängigkeiten" auflistet. Die Webseite stellt nicht nur die Quelltexte als Tar-Archiv bereit, sondern verweist auch auf verschiedene distributionsspezifische Repositories, in denen die vorkompilierten Paketdateien liegen.

Abhängigkeiten

Gtk+ >= 2.0
Libgnome >= 2.0
Libgnomeui >= 2.0
Libxml >= 2.4
Libgnomeprint >= 2.2
Libgnomeprintui >= 2.2
Libgnomecanvas >= 2.0
Libglade >= 2.0

Für Ubuntu und seine Derivate finden Sie zudem im Netz [2] Deb-Pakete von Glabels in verschiedenen Versionen, die je nach Alter der verwendeten Ubuntu-Distribution variieren. Sie benötigen von diesen lediglich zwei Archive: Das eigentliche Programm Glabels sowie das dazugehörige Paket glabels-data, das die Vorlagen für mehr als einhundert Etikettenformate verschiedener Hersteller enthält.

Die Installation bei Ubuntu-Varianten geht – sofern Sie keinen Online-Zugriff auf das Universe-Repository haben und daher Glabels nicht über den Paketmanager Synaptic direkt installieren – trotzdem recht einfach. Mit den Befehlen

dpkg --install glabels-data_2.Minor-Release.Patchlevel-3_all.deb
dpkg --install glabels_2.Minor-Release.Patchlevel-3_i386.deb

heben Sie zunächst die Vorlagendateien auf die Festplatte und installieren danach das eigentliche Programm ins System. Dabei legt die Installationsroutine erfreulicherweise gleich im Menü Anwendungen | Büro einen Eintrag an, so dass künftig ein Mausklick genügt, um Glabels aufzurufen.

Nach dem flotten Startvorgang des Programms öffnet sich zunächst das Hauptfenster, in das Sie entweder bereits entworfene Etiketten laden, oder über das Sie neue anlegen. Zum Laden bereits bestehender Labels holen Sie die passende Datei über den Schalter Öffnen; das Anlegen neuer Etiketten starten Sie über die Schaltfläche Neu.

Möchten Sie ein neues Etikett entwerfen, fragt das Programm einige Daten ab. Achten Sie dabei darauf, dass Sie nicht nur rechts den vom Papierhersteller angegebenen Typ anwählen, sondern zusätzlich im linken Auswahlfeld die richtige Papiergröße einstellen. In der Grundeinstellung steht hier US Letter, was auf dieser Seite des Atlantik dazu führt, dass die sorgfältig entworfenen Etiketten später nicht richtig aus dem Drucker kommen.

Alle Vorgaben ändern Sie nachträglich im Programm im Menü Bearbeiten | Einstellungen. Hier passen Sie Art und Größe der Schrift, Farbwerte und Maßeinheiten sowie sowie die Textausrichtung an Ihre individuellen Bedürfnisse an (Abbildung 1). Verwenden Sie sehr exotische, nicht in der Vorlagenliste aufgeführte Etiketten, hilft Ihnen Glabels ebenfalls weiter: Durch den Aufruf von Datei | Template Designer entwerfen Sie menügeführt individuelle Etikettenvorlagen.

Das Projekt bittet in diesem Zusammenhang um Mithilfe. Haben Sie ein neues Etikettenformat definiert, schicken Sie die Vorlage an die Maintainer, damit diese sie in die nächste Release integrieren können: Ein einfacher Weg, um sich an einem Open-Source-Projekt zu beteiligen.

Abbildung 1: Wählen Sie aus der Liste der Vorlagen die passende für Ihr Projekt aus.

Ein Klick auf OK führt zurück zum Hauptfenster, das nun jeweils ein Medium zeigt, das mit einem Raster hinterlegt ist. Das Raster erleichtert das präzise Positionieren von Text und Bildern. Vor allem bei runden Medien wie CD- oder DVD-Labels fällt das symmetrische Anordnen von Elementen ohne ein solches Raster sehr schwer.

Über die Auswahlfelder und Schaltflächen unter dem Hauptfenster legen Sie einige globale Vorgaben für das aktuelle Dokument fest. Über dem Hauptfenster finden Sie eine Zeile mit Schaltflächen für die verschiedenen Objekte. Damit fügen Sie bei Bedarf zum Beispiel Barcodes ein. In diesem Fall berücksichtigt die Software selbstverständlich die international normierten Codierungsschemata. In der oberen Zeile aktivieren Sie außerdem die Texteingabe zum Beschriften der Etiketten und legen fest, ob Bilder oder grafische Elemente das Label verzieren.

Ein Klick auf die Schaltfläche mit dem T aktiviert einen neuen Textrahmen. Die Position des Textes legen Sie zunächst grob auf dem Etikett per Mausklick fest. Glabels bietet hierzu eine optische Hilfe in Gestalt eines kleinen, von grünen Quadraten begrenzten Rechtecks an. Parallel erscheinen im rechten Teil des Programmfensters unter dem Oberbegriff Text object properties vier Reiter, über die Sie nicht nur den gewünschten Text eingeben, sondern zudem die Textattribute individuell für das ausgewählte Objekt modifizieren (Abbildung 2).

Abbildung 2: Nach dem Positionieren des Textes geht es an das individuelle Finetuning der Schrift über die Dialoge auf der rechten Seite.

Nach dem Fixieren des Textobjektes durch einen Klick in einen freien Bereich des Etiketts legen Sie weitere neue Objekte auf die gleiche Weise an. Das Programm erlaubt es, die Objekte – falls gewünscht – übereinander anzuordnen. Versehentlich falsch positionierte Objekte löschen Sie durch einen Einfachklick mit der rechten Maustaste im Objekt und der anschließenden Auswahl des Menüpunktes Löschen.

Möchten Sie zum Beispiel ein Bildobjekt unten mittig auf dem Etikett platzieren, geschieht dies über einen Mausklick auf den Bildbutton in der Auswahlzeile. Erneut legen Sie die Position des Objektes grob mit Hilfe des Rahmens fest. Anschließend erscheinen im rechten Teil des Programmfensters unter der Überschrift Image object properties drei Reiter. Über diese legen Sie Position und Breite des Bildobjektes sowie die zu ladende Bilddatei fest. Haben Sie die Einstellungen komplettiert und das Bildobjekt importiert, speichern Sie das Etikett ab (Abbildung 3).

Abbildung 3: Glabels erlaubt es, Bilddateien beim Gestalten der Etiketten miteinzubeziehen.

Seriendruck

Glabels kooperiert durch die implementierte Funktion Mail Merge bestens mit gängigen Textverarbeitungen und Datenbanken. Die Software eignet sich daher als Etikettierprogramm beispielsweise für Mailing-Aktionen. Sie setzt lediglich Datensätze in einer eigenen Datei voraus, deren Felder durch Kommata, Semikola oder Tabulatoren separiert sind. Die entsprechenden Einstellungen nehmen Sie im Menü Objects | Merge Properties vor. Sie gewährleisten, dass Glabels von jedem Datensatz die gewünschte Anzahl Ausdrucke anfertigt.

Auf die Felder aus der Datenquelle greifen Sie über eine Schreibweise zu, die sich an das Benennen von Parametern in der Bash anlehnt: Als Platzhalter für das erste Feld eines Datensatzes fügen Sie im Template ${1} ein, für das zweite ${2} und so weiter. Dabei erscheint der Text, den Glabels beim Seriendruck einfügt, im gleichen Stil und mit den gleichen Eigenschaften, die Sie für den Platzhalter vergeben.

Auch beim Erstellen von Serienetiketten erlaubt das Programm den Einsatz von grafischen Elementen oder Barcodes. Wer gern auf der Kommandozeile arbeitet, den enttäuscht Glabels ebenfalls nicht: Mithilfe des Aufrufs glabels-batch OptionenDateiname verarbeiten Sie Daten direkt in der Shell.

Drucken Sie vor dem ersten Ausdruck Ihr selbst gestaltetes Label zur Probe auf normalem Papier aus, um kostspielige Fehldrucke zu vermeiden. Sehr nützlich erweist sich hier die in Glabels integrierte Möglichkeit, im Fenster Drucken unter dem Menüpunkt Optionen mithilfe des Radiobuttons Begrenzungen drucken (um Druckausrichtung zu testen) die korrekte Position der Etiketten zu überprüfen.

Leider kommt es bei Druckern, die eine Drucker- oder Seitenbeschreibungssprache wie PostScript oder PCL nur emulieren, gelegentlich zu Fehlern im Ausdruck. Das führt mitunter zu versetzten Etiketten und macht die Ausdrucke nutzlos. Unter Umständen hilft bei Problemen ein Wechsel des Druckertreibers.

Fazit

Mit Glabels liegt ein sehr schlankes und daher schnelles Etikettierprogramm vor. Das intuitive Bedienkonzept mit selbsterklärenden Symbolen und einem einfachen, logisch durchdachten Aufbau des Programmfensters kommt ungeübten Nutzern wie erfahrenen Anwender sehr entgegen. Die Möglichkeit, Bilder und grafische Objekte einzubinden, erlaubt es, sehr einfach optisch ansprechende und aufwändige Etiketten zu erstellen.

Aufgrund der enormen Vielzahl an vordefinierten Etikettenformaten eignet sich das Programm für zahlreiche Einsatzgebiete, wie CD-Labels, Visitenkarten oder Adressetiketten. Sogar in der Logistik bietet sich der Einsatz von Glabels an. Hier überzeugt besonders die Fähigkeit, Barcode-Etiketten zu drucken, die dank der Normen zu handelsüblichen Scannern kompatibel sind.

Infos

[1] Download: http://glabels.sourceforge.net

[2] Ubuntu-Pakete: http://packages.ubuntu.com

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