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Hallo wach!

Bewegungen erkennen mit Motion

01.08.2007 Sie schlafen, Ihre Überwachungskamera auch. Macht nichts: Dank Motion wacht die Kamera nur auf, wenn es auch was zu sehen gibt.

Überfällt eine bis an die Zähne bewaffnete Bande das feudale Anwesen eines Linux-Benutzers, um diesen auszuplündern, kann auch die freie Software Motion [1] von Jeroen Vreeken und Kenneth Jahn Lavrsen wenig tun. Sie hilft Ihnen aber, die eigenen Geschäfts- und Privaträume im Blick zu behalten, während Sie zu Hause friedlich schlafen, und ersetzt die Installation einer kostspieligen Alarmanlage. Motion nimmt nur dann Fotos und Videos auf, wenn auch wirklich etwas passiert. Auf Wunsch sendet der angeschlossene Rechner dann auch gleich eine E-Mail oder SMS, die das Foto- und Videomaterial enthält und Ihnen im Falle eines Einbruchs als Beweismittel dient.

Motion lässt sich lokal installieren, aber auch über eine Web-Oberfläche fernsteuern (Abbildung 1). Wahlweise behält die Software auch gleich mehrere Kameras im Blick.

Abbildung 1

Abbildung 1: Lassen Sie Motion auf einem entfernten Server laufen, können Sie der Kamera über eine Weboberfläche Befehle erteilen.

Erste Schritte

Die Installation verläuft unter Ubuntu recht unspektakulär: "Feisty Fawn" und "Edgy Edge" bringen Version 3.2.3 der Software als Teil des Universe-Repositories mit. Zusätzlich müssen Sie die Pakete Ffmpeg und Nasm einspielen. Benutzern von Ubuntu "Edgy" und "Dapper", Debian "Sid" und Fedora Core 4 stehen zudem Pakete mit der neueste Version 3.2.7 von Motion auf unserer Heft-DVD zur Verfügung. Anwender mit Ubuntu "Feisty" kompilieren den Quellcode – falls sie die neueste Version wünschen. Vertreter der Suse-Fraktion (Suse Linux 10.1 und Open Suse 10.2) kompilieren Motion auf jeden Fall selbst, wie es der Kasten "Motion aus dem Quellcode" beschreibt.

Motion aus dem Quellcode

Nutzer von Suse 10.1 binden über YaST das Repository von Packman [2] als zusätzliche Paketquelle ein (Software | Installationsquelle wechseln) und installieren ffmpeg, libffmpeg0-devel, nasm, libjpeg, libjpeg-devel, mysql, mysql-devel, postgresql, postgresql-devel sowie checkinstall. Zum Übersetzen des Quellcodes brauchen Sie auch die Build-Umgebung: Rufen Sie in YaST den Punkt Software | Software installieren oder löschen auf und wählen Sie im Dropdownmenü neben Filter den Eintrag Selektionen. Dann setzen Sie ein Häkchen neben C/C++ Compiler und Werkzeuge und klicken auf Übernehmen.

Zunächst entpacken Sie nun auf der Konsole das Quellcode-Archiv von Motion, wechseln in das neue Unterverzeichnis und geben ./configure ein, um die Quellen zu konfigurieren. Fehlt kein wichtiges Paket, bestätigt das am Ende eine Erfolgsmeldung, die neben allen Abhängigkeiten YES ausgibt. Geben Sie make ein, um den Quellcode zu übersetzen. Abschließend bauen Sie mit Root-Rechten über die Eingabe des Befehls checkinstall gleich ein RPM-Paket. Bestätigen Sie alle Fragen von Checkinstall mit [Eingabe].

Das fertige Paket installieren Sie – noch immer als root – über rpm -Uhv /usr/src/packages/RPMS/i386/motion-3.2.7-1.i386.rpm. Anschließend kopieren Sie die Konfigurationsdatei /usr/local/etc/motion-dist.conf nach /usr/local/etc/motion.conf und bearbeiten sie, wie im Text besprochen. Zum Beispiel legen Sie über target_dir fest, in welchem Verzeichnis Fotos und Videos landen. Nach dem Start sehen Sie das Bild der Webcam im Browser über http://127.0.0.1:8081 (Abbildung 2). Die Kamera nimmt standardmäßig zugleich einen Film auf und schießt Fotos.

Abbildung 2

Abbildung 2: Das Bild der Kamera erscheint auch im Browser. Dafür müssen Sie allerdings in der Datei "motion.conf" den richtigen Port angeben.

Unter Open Suse 10.2 gehen Sie nach dem gleichen Schema vor – mit kleinen Abweichungen. Das Paket nasm brauchen Sie nicht und die Build-Tools installieren Sie, indem Sie in YaST Schemata | Grundlegende Entwicklung auswählen. Über Packman installieren Sie wieder Ffmpeg und Co., wobei sich YaST allerdings beschwert, dass es eine Abhängigkeit nicht auflösen kann: Das ignorieren Sie in diesem Fall ausnahmsweise.

Kamera läuft

Um Motion Detection zu nutzen, brauchen Sie natürlich zunächst eine Kamera – zum Beispiel eine Webcam. Motion selbst bringt keine Treiber für eine solche Kamera mit, Sie müssen diese also selbst installieren [3]. Ubuntu-Nutzer spielen im Regelfall die Pakete spca5xx-source oder gspca-source über Synaptic oder Adept ein, für Suse-Nutzer gibt es fertige RPM-Pakete [4]. Die müssen jeweils zu Ihrer Kernel-Version passen. Über uname -r erfahren Sie, welchen Kernel Sie verwenden.

Zunächst konfigurieren Sie aber die Software, sonst finden Sie womöglich die erzeugten Bilder oder Filme nicht. Haben Sie Motion selbst kompiliert, liegt die Konfigurationsdatei unter /usr/local/etc/motion.conf. Ubuntu-Anwender finden sie unter /etc/motion/motion.conf. In dieser Datei lagern alle wichtigen Angaben zur Steuerung der Kamera.

Öffnen Sie die Konfigurationsdatei mit einem Texteditor und suchen Sie den Eintrag target_dir. Fehlt der Eintrag, ergänzen Sie ihn. Direkt dahinter – getrennt durch ein Leerzeichen – tragen Sie den absoluten Pfad zu dem Ordner ein, in dem Motion Fotos und Videos ablegen soll, etwa /home/User/motion. Existiert der Ordner nicht, legen Sie ihn an. Dann suchen Sie nach dem Schlüsselwort webcam_port und schreiben eine als Portnummer die 8081 dahiner. Andernfalls zeigt der Browser später nicht das Kamerabild an. Nun stellt sich noch die Frage, wie viele Frames pro Sekunde die Kamera aufnimmt: Geben Sie framerate 25 ein, schießt die Kamera 25 Bilder pro Sekunde, was dem PAL-Standard entspricht. Die Option videodevice muss den richtigen Pfad zu Ihrer Videoschnittstelle enthalten, den xawtv -hwscan verrät – meist lautet der Gerätename /dev/video0.

Nun kann es losgehen: Speichern Sie die Änderungen, richten Sie die Kamera auf ein unbewegtes Motiv, öffnen Sie eine Konsole und geben Sie motion -n ein, um die Software als Dienst zu starten. Motion spuckt nun ein paar Zeilen aus, die letzte lautet: Started stream webcam server in port 8081 – mehr geschieht nicht. Kein Wunder: Solange sich nichts bewegt, bleibt Motion passiv – im Normalfall. Zeichnet die Software trotz eines statischen Motivs ständig Bilder auf, lesen Sie den Abschnitt "Bildstörungen maskieren" weiter unten.

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LinuxUser 05/2014

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