Weiche Waren

Bis auf wenige Ausnahmen ist das emulierte System ohne Software oder Spiele recht nutzlos. Folglich müssen ein paar passende Programme her. Hierbei steht man aber schon wieder vor einem Dilemma: Die von vielen Videospielkonsolen verwendeten Module ("Cartridges") lassen sich am PC ebenso wenig verwenden, wie die schlabbrigen 5,25-Zoll-Disketten oder die Kassetten des Commodore 64 (Abbildung 8).

Abbildung 8: So sahen die Speichermedien im vorigen Jahrhundert aus: Links oben ein Modul, in der Mitte eine 5,25-Zoll-Diskette, rechts eine der ersten 3,5-Zoll-Disketten (mit 720 KByte Kapazität). Links unten eine CD-ROM für die Playstation, die Hersteller Sony grundsätzlich nur mit schwarzer Lackierung aus dem Presswerk rollen ließ.

Sollte es mechanisch doch einmal klappen, wie bei den 3,5-Zoll-Disketten von Amiga und Atari ST, wurden so abartig exotische Speicherverfahren verwendet, dass sich moderne PC-Laufwerke direkt daran verschlucken. Also bleibt nichts anderes übrig, als mit selbstgebastelten Lösungen den Inhalt der alten Medien Bit für Bit auszulesen und in einer Abbilddatei, dem so genannten Image, auf dem PC zu speichern. Einigermaßen einfach klappt das nur bei Videospielkonsolen, die bereits eine CD als Medium verwendeten, wie etwa der Playstation. Diese lassen sich einfach per Brennprogramm auslesen.

Wer sich die ganze Arbeit ersparen möchte, greift wiederum auf die legalen Spielesammlungen aus dem Einzelhandel zurück. Im Gegensatz zu den Betriebssystemen trifft man im Internet teilweise sogar auf legale Public-Domain-Programme oder Shareware. Achten Sie in diesem Fall aber penibel darauf, ob es sich tatsächlich um frei nutzbare Software handelt.

Reinstecken

Sobald die Software auf dem PC liegt, teilt man MESS den Typ des Peripheriegeräts und den Namen der Image-Datei mit. Beispielsweise startet

$ ./messpm a2600 -cart frogger.a26 -window

die Emulation der Atari Videospielkonsole VCS2600 (a2600), in der das Modul (-cart) mit dem Dateinamen frogger.a26 steckt (Abbildung 9).

Abbildung 9: Das berühmte Spiel Frogger in einer virtuellen VCS2600-Konsole.

Welche Massenspeicher das jeweils emulierte System bereitstellt und wie der dazugehörige Parameter heißt, zeigt MESS mit einem Aufruf von

$ ./messpm -listdevices

Der Emulator spuckt nun eine lange Liste mit Geräten aus.

Abbildung 10: Die berühmte Hand, die nach dem Einschalten des Commodore Amigas erschien und zum Einlegen einer bootfähigen Diskette aufforderte.

TIPP

Wenn die Geräteliste für das Terminalfenster zu lang wird, leiten Sie sie mit dem Befehl ./messpm -listdevices > geraete.txt einfach in eine Textdatei um.

Abbildung 11: Der Anfang der Liste aller Massenspeicherlaufwerke. In den Klammern steht eine Kurzform des Gerätenamens, die Sie anstelle der langen Fassung links daneben benutzen dürfen.

In ihrer linken Spalte finden Sie wieder die Kürzel für das System, direkt rechts daneben alle jeweils verfügbaren Geräte (Abbildung 11). Deren Namen fallen weitgehend selbsterklärend aus: So steht floppydisk1 etwa für das erste Diskettenlaufwerk. In der äußerst rechten Spalte erscheint schließlich noch eine Auflistung aller Image-Formate, die das entsprechende Gerät problemlos verdaut. Der Befehl

$ ./messpm c64pal -floppydisk1 /Pfad/zum/Image.d64 -window

die Emulation eines Commodore 64 starten, wobei der Inhalt aus der Datei image.d64 im ersten angeschlossenen Diskettenlaufwerk (-floppydisk1) rotiert. Die Image-Datei liegt dabei im d64-Format vor.

Einige Anleitungen aus dem Internet behaupten, jedes Image gehöre in das Unterverzeichnis software. Wie das obige Beispiel beweist, gilt das in den aktuellen Linux-Versionen nicht: Dort muss man lediglich den Pfad zur Image-Datei angeben.

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