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Echte Helden, falsche Gitarren

Gitarren-Karaoke

01.08.2007 Das Spiel Frets on Fire appelliert an den Luftgitarristen in Ihnen: Verwandeln Sie das Keyboard in eine Gitarre und rocken Sie, bis die Polizei kommt.

Jahrelang hat man Ihnen eingeredet, Computerspiele schaden den Augen und seien schlecht für die Haltung. Das mag sein: Dafür gibt es aber auch Einsatzbereiche, in denen sich die hart erarbeitete Fingerfertigkeit plötzlich auszahlt. Bei Frets on Fire (kurz Fof) [1] erlangen nur die schnellsten Tastenvirtuosen internationalen Ruhm. Wer Guitar Hero kennt, findet sich in Frets on Fire schnell zurecht. Das freie Spiel ist eine Art Klon des Playstation-Klassikers und räumte 2006 den ersten Preis im Bereich "Video Games" auf der Assembly Demo Party [2] ab, einem Event der Demo-Szene.

Die Software spielt einen Song ab und zeigt zugleich auf dem Bildschirm fünf farbige Tasten (Abbildung 1), die für die fünf Finger der Greifhand des Gitarristen stehen. Die fünf Tasten gleiten über einen sich bewegenden Gitarrenhals mit fünf Saiten. Sobald in dem Song die ersten Riffs oder Gitarren-Akkorde erklingen, erscheinen auf den fünf Saiten farbige Kreise (Abbildung 2). Ihre Aufgabe besteht nun darin, diese Kreise durch Drücken der Tasten punktgenau zu treffen. Dann leuchten – wie Abbildung 2 zeigt – Tasten und Kreise auf, Sie hören einen Gitarrenakkord und es gibt Punkte, die sich vervielfachen, je besser Sie spielen. Treffen Sie daneben und drücken die falschen Tasten, ertönen lediglich wenig harmonische Akkorde – nicht schön.

Abbildung 1: Die fünf farbigen Tasten benutzen Sie, um Frets on Fire zu bedienen. Sie orientieren sich an der Greifhand der Gitarristen. Akkorde schlagen Sie mit [Eingabe] an.

Abbildung 2: Treffer – versenkt! Nur wenn Sie die farbigen Kreise auf den Seiten rechtzeitig mit der richtigen Taste treffen und dabei [Eingabe] drücken, ertönt der Akkord und leuchtet die Taste.

Bedienung bitte

Es genügt allerdings nicht, bloß die Tasten [F1] bis [F5] zu drücken – so wenig, wie es bei einer Gitarre genügt, nur einen Akkord zu greifen. Sie müssen ihn auch anschlagen, was üblicherweise mit der rechten Hand geschieht. Am Rechner drücken Sie daher zusätzlich zu den F-Tasten auch noch [Eingabe] – erst dann gilt ein Anschlag als Treffer. Dass ausgerechnet die F-Tasten zum Einsatz kommen, ergibt Sinn, wenn man weiß, wie die Erfinder das Spiel steuern: Sie befestigen einen Träger am Keyboard und hängen es sich umgekehrt um den Hals – schon kommt echtes Rock'n'Roll-Feeling auf. Ist Ihnen so viel Hingabe suspekt, benutzen Sie die Tastatur einfach auf traditionelle Weise. Alternativ lässt sich das Gerät auch mit Joysticks und den schon in Guitar Hero zum Einsatz kommenden Gitarren-Controllern ausstatten. Bei letzteren handelt es sich um Gitarren-Imitationen ohne Saiten, aber dafür mit fünf farbigen Knöpfen am Griffbrett. Externe Steuergeräte vereinfachen das Spielen sicherlich, verstoßen aber zugleich gegen die reine Lehre vom Gitarren-Keyboard.

Battle of the bands

Frets on Fire stützt sich mittlerweile auf eine recht umfangreiche und internationale Community. Das hat Gründe: Erlauben Sie der Software, Ihren Punktestand an einen Fof-Server zu senden, werden Sie damit automatisch Teil des Wettbewerbs und gelangen mit sehr viel Übung in die Halle der Besten [3]. Die Webseite listet verschiedene Charts und statistische Angaben zum Spiel auf. Sie zeigt die aktivsten Spieler, die mit der höchsten Punktzahl, die neu hinzugekommenen sowie die beliebtesten Songs.

Damit endet das Engagement noch nicht. Einige Fans fertigen auch eigene Titel an, die Sie in Frets on Fire nutzen können (siehe Kasten "MyFrets"). Das ist unter Linux nicht ganz einfach, da die hilfreiche Software Freetar nur unter Windows läuft. Am einfachsten ist es, einen Song aus Guitar Hero I oder II zu importieren. Das funktioniert aus dem Spiel selbst heraus über Song Editor | Guitar Hero (tm) importieren. Sie brauchen dazu die entsprechenden Original-DVDs und 500 MByte freien Speicherplatz.

MyFrets

Es gibt FoF-Vorlagen für Dutzende Songs im Netz [4], die Webseite "Keyboards on fire" listet sie auf. Die Archive mit freien Originalsongs kopieren Sie direkt nach FretsOnFire/data/songs, das Verzeichnis finden Sie hierarchisch unter dem Ordner mit der ausführbaren Datei. Bekannte Rocksongs wie "Ace of spades" von Motörhead können Sie zwar herunterladen, dann aber tritt das Urheberrecht auf den Plan. In den Archiven fehlen die Original-Songs im OGG-Format und die Gitarren-Tracks. Es genügt nicht, den Originalsong mit Audacity oder Mp32ogg in das OGG-Format zu konvertieren. Sie müssen zudem die Gitarren herausschneiden, da Sie diese ja per Tastendruck über die – gitarrenlose – Musik legen. Da die kostenlose Software Freetar nur unter Windows läuft, zerlegen Linux-Nutzer einen Song recht mühselig über Audacity in seine Einzelteile. Die Hauptschwierigkeit besteht darin, dass beim Drücken der Taste auch das Riff ertönt. Zwei Beiträge aus dem Forum helfen weiter ([5],[6]); es empfiehlt sich jedoch, zunächst freie aber dafür vollständige Archive einzusetzen.

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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

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