Aufmacher

Gesprächsbereit

aMSN im Test

01.07.2007
Wer viele Bekannte im Windows-Lager hat, kann sich dem MSN-Protokoll kaum entziehen. Kein Problem – genau dafür gibt es aMSN.

Fast jeder Computerbesitzer nutzt mittlerweile zumindest gelegentlich eines der zahlreichen Instant-Messaging-Systeme. Die bieten eine einfache Lösung, um unverbindlich über Landesgrenzen hinweg Kontakte aufzubauen, Dateien zu versenden, Konferenzen abzuhalten und sogar Bilder über eine Webcam auszutauschen. Derzeit mühen sich vor allem ICQ, AIM (AOL), Yahoo, Jabber und MSN (Microsoft Network) um die Gunst der Nutzer.

Früher ging es unter Linux hauptsächlich darum, die noch recht kleine und eher dem IRC zugetane Gemeinde an die unter Windows üblichen Messaging-Protokolle anzubinden. Heute basteln die Entwickler vornehmlich an den Fähigkeiten der einzelnen Clients oder machen diese mit Hilfe von Plugins protokollübergreifend verfügbar, wie etwa Kopete [1] oder Pidgin (ehemals Gaim) [2]. Ein Vertreter dieser Zunft widmet sich jedoch ausschließlich Microsofts hauseigener Lösung MSN: aMSN [3].

Installation

Bevor Sie sich auf eine Installation des aMSN-Client stürzen, steht ein Besuch bei Microsofts Internet-Portal MSN an. Auf der Site von Microsofts entsprechendem Produkt [4] stellen Sie fest, dass man auch in Redmond seine Produkte gern umbenennt und der MSN-Messenger nun Windows Live Messenger heißt.

Zum Glück will das Unternehmen beim Ausfüllen des Anmeldeformulars [5] nicht allzu viel wissen, so dass Sie nach dieser kurzen Prozedur eine so genannte Windows-ID in Form einer Hotmail-Adresse erhalten. Spam-Paranoiker müssen ihre echte E-Mail-Adresse nicht preisgeben, weil MSN auf das Verschicken eines Freischaltcodes verzichtet.

aMSN selbst steht in der Version 0.96 für die großen Plattformen Linux, Windows, Mac OS X und auch FreeBSD als Binary-Päckchen sowie im Quellcode bereit. Die meisten großen Distributionen führen aMSN mittlerweile in ihren Repositories, so dass Sie dieses Programm unkompliziert über den distributionseigenen Paketmanager installieren. Suse-Nutzer richten Gurus Repository [6] als zusätzlich Paketquelle ein, Ubuntu-Anwender schalten das Universe-Repository frei. Auch Nutzer von Fedora und Gentoo bedient die Seite.

Für alle anderen hält die Downloadseite der aMSN-Homepage [3] einen sehr schönen distributionsunabhängigen Installer bereit. Der beschert den Anwendern bereits an dieser Stelle ein altgewohntes Windows-Feeling (Abbildung 1). Sie starten das Skript mittels ./amsn-0.96-2.tcl84.x86.package. Eventuell fehlen noch die Rechte zum Ausführen der Datei, die Ihnen der Befehl chmod u+x amsn-0.96-2.tcl84.x86.package verleiht. Alles andere verläuft selbsterklärend.

Abbildung 1: aMSN liefert zur Installation unter Linux einen grafischen Installer mit.

Erste Kontakte

Ein erster Blick in das frisch gestartete Programmfenster offenbart neben der allgemein als hässlich empfundenen Tcl/Tk-Oberfläche auch Dialogfenster mit unvorteilhaften Proportionen. Teils sehen Sie Button-Texte nicht vollständig, teils müssen Sie Dialogfenster erst einmal per Hand vollständig aufziehen, um hinter deren Sinn zu gelangen (Abbildung 2). Zum Glück erweist aMSN sich als sehr flexibel und erweiterbar, so dass sich Ihre Augen allmählich wieder entspannen.

Beim Anmelden mit Ihrem gerade eingerichteten Benutzernamen gewährt Ihnen das Programm zwei Möglichkeiten: Entweder geben Sie lediglich die Hotmail-Adresse und Ihr dazugehöriges Passwort an, oder Sie erstellen ein Profil. Letzteres bietet die Möglichkeit, mit mehreren Zugängen zu hantieren. Sollten Sie bereits MSN-Nutzer sein, erscheint nun Ihre Buddylist, da Microsoft diese auf seinen Servern speichert. Nach einem Doppelklick auf den Online-Benutzer öffnet sich das Chatfenster. Erhalten Sie eine eingehende Nachricht, informiert Sie im Systembereich der Fußleiste ein kleines Popup-Fenster.

Abbildung 2: Der Anwender braucht schon etwas Zeit, um hinter den Sinn eines solchen Dialogfensters zu kommen. Ziehen Sie es einfach etwas weiter auf!

aMSN lässt sich völlig intuitiv wie ein gewöhnliches Instant-Messaging-Programm bedienen: Das zweiteilige Chat-Fenster hält Icons bereit, die es Ihnen erlauben die Schriftart zu ändern, Emoticons (Smileys) auszuwählen, weitere Personen einzuladen, Dateien zu versenden oder einen Videochat zu starten. Im Hauptfenster klicken Sie auf Ihren Avatar, um den Anwesenheitsstatus zu bestimmen und Einstellungen zu Ihrem Profil zu bearbeiten. Das Briefsymbol befördert Sie direkt auf das Webinterface Ihres E-Mail-Kontos bei Hotmail. Im Kontextmenü des Systembereichs lassen sich einige dieser Einstellungen auch vornehmen und auf Wunsch die Klänge abstellen. Die voreingestellten akustischen Signale fallen bei aMSN übrigens deutlich unaufdringlicher aus als etwa bei Kopete. Weniger positiv wirken sich nicht vollständig übersetzte Menüeinträge auf das Gesamtbild aus.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Amsn mit Webcam Support
    Viele Webcam-Besitzer setzen bei Video-Konferenzen auf den MSN Messenger von Microsoft. Was bleibt Linuxern übrig, als dem Feind ins Auge – respektive in die Webcam – zu blicken.
  • Pidgin und Kopete kooperieren wieder mit Yahoo
    Vor gut einer Woche führte Yahoo eine kleine Änderung am Anmeldeprotokoll durch und sperrte dadurch praktisch sämtliche Linux-Clients aus.
  • Plaudern mit Bild
    Bislang müssen Skype-Nutzer unter Linux auf Videochats verzichten. Als Alternative bietet sich Yahoo an: Dafür gibt es gleich mehrere freie Linux-Clients.
  • Mit KMess das MSN-Netzwerk nutzen
    Multi-Messenger wie Kopete jonglieren zur gleichen Zeit mit AIM, MSN, ICQ, Jabber & Co. KMess ist hingegen ein reiner MSN-Client, der auf dem KDE-Desktop eine gute Figur macht.
  • Tippgemeinschaft
    Alle Ihre Freunde nutzen Windows? Macht nichts: Dank SIM müssen Sie nicht auf einen kleinen Chat am Arbeitsplatz verzichten. Der Instant Messenger macht den Platzhirschen Gaim und Kopete Konkurrenz.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2014: ANONYM & SICHER

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Tim Schürmann, 08.11.2014 18:45, 0 Kommentare

Wer Ubuntu 14.10 in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox startet, der landet unter Umständen in einem Fenster mit Grafikmüll. Zu einem korrekt ...

Aktuelle Fragen

Nach Ubdates alles weg ...
Maria Hänel, 15.11.2014 17:23, 4 Antworten
Ich brauche dringen eure Hilfe . Ich habe am wochenende ein paar Ubdates durch mein Notebook von...
Brother Drucker MFC-7420
helmut berger, 11.11.2014 12:40, 1 Antworten
Hallo, ich habe einen Drucker, brother MFC-7420. Bin erst seit einigen Tagen ubuntu 14.04-Nutzer...
Treiber für Drucker brother MFC-7420
helmut berger, 10.11.2014 16:05, 2 Antworten
Hallo, ich habe einen Drucker, brother MFC-7420. Bin erst seit einigen Tagen ubuntu12.14-Nutzer u...
Can't find X includes.
Roland Welcker, 05.11.2014 14:39, 1 Antworten
Diese Meldung erhalte ich beim Versuch, kdar zu installieren. OpenSuse 12.3. Gruß an alle Linuxf...
DVDs über einen geeigneten DLNA-Server schauen
GoaSkin , 03.11.2014 17:19, 0 Antworten
Mein DVD-Player wird fast nie genutzt. Darum möchte ich ihn eigentlich gerne abbauen. Dennoch wür...