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Desktop-Alternative Xfce

Wenn zwei sich streiten

Noch streiten auf dem Desktop KDE und Gnome um die Vorherrschaft. Wo die zwei sich streiten, könnte bald schon ein anderer der lachende Dritte sein: Xfce 4.4.

Zu den Vorzügen von Linux zählt nicht zuletzt die Vielfalt seiner Software, stets gibt es mehr als nur einen Weg zum selben Ziel. Das gilt auch für die Arbeitsoberfläche: Umsteiger von anderen, grafisch orientierten Betriebssystemen, die viele Gimmicks und kleine, in die Oberfläche integrierte Anwendungen mögen, fühlen sich bei KDE schnell heimisch. Anwender, die mehr Wert auf Effizienz und Schnelligkeit legen, greifen gern zu Gnome.

Wem beide große Desktops zu opulent daherkommen und zu langsam arbeiten, wer zudem ältere Hardware mit begrenzten Ressourcen optimal nutzen möchte, ohne auf den Komfort einer grafischen Oberfläche zu verzichten, der sieht sich vor eine neue Wahl gestellt: Fluxbox oder Xfce?

Während Fluxbox seit vielen Jahren die Standardoberfläche des verdammt schlanken Damn Small Linux bildet, sonst jedoch wegen einiger funktioneller Schwächen relativ wenig Beachtung findet, hat sich Xfce [1] in letzter Zeit rasant entwickelt – nicht zuletzt deshalb, weil der Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth es zur Standardoberfläche des Ubuntu-Derivats Xubuntu auserkoren hat, das als abgespeckte Version schwächerer Hardware auf den Leib geschrieben ist.

Zu den Linux-Distributionen, die Xfce als Standardoberfläche nutzen, zählen daneben das Slackware-Derivat Zenwalk [2] und das Sachsen-Linux SAM 2007 [3]. Die wachsende Beliebtheit der schlanken Oberfläche übt auch auf neue Applikationen eine magische Anziehungskraft aus – und so verwundert es nicht, dass Xfce sich allmählich, aber dauerhaft als dritter populärer Desktop neben KDE und Gnome auf Linux-PCs etabliert.

Historisches

Dabei ist der jüngste Mitbewerber um den Platz auf dem Bildschirm gar nicht mehr so jung wie es scheint, im Gegenteil: Xfce zählt zu den Senioren der Windowmanager für Linux. Der Franzose Olivier Fourdan begann mit den erste Arbeiten daran bereits 1996, wobei es ihm zunächst nur um den komfortableren Umgang mit dem Fenster-Dinosaurier Fvwm ging. Von Beginn an basierte Xfce auf dem Gtk+-Toolkit, das seit Erscheinen von Xfce 4.0 im September 2004 in der Version 2.x vorliegt. Die aktuelle Xfce-Version 4.4, im Januar 2007 freigegeben, basiert in vielen Bereichen komplett auf neu geschriebenem Code und bietet dazu eine stattliche Anzahl ebenso neuer Features.

Über die verschiedenen Versionen von Xfce hinweg blieben aber drei Dinge stets gleich: Alle Varianten präsentieren sich sehr schlank und arbeiten daher äußerst schnell. Zudem orientieren sie sich streng an den offenen Standards des Freedesktop-Projekts [4]. Schließlich lassen sich durch den modularen Aufbau Erweiterungen jeglicher Art einfach realisieren.

Xfce einrichten

Dazu kommt, dass Xfce in vielen Sprachen verfügbar ist und bei den meisten Linux-Distributionen schon zu den Bordmitteln gehört; so lässt sich der Desktop bei Suse über YaST nachinstallieren, bei Fedora sowie den Red-Hat-Spielarten meldet er sich über die grafische RPM-Paketverwaltung zum Dienst. Mandriva bietet die Möglichkeit, Xfce über das distributionsspezifische grafische Installationstool Rpmdrake nachzuinstallieren, falls der Anwender die Oberfläche nicht schon bei der Installation des Betriebssystems mit ausgewählt hat.

Alternativ gibt es Xfce auch in der jeweils neusten Version auf der Homepage des Projekts [1]. Hier gilt es aber, vor der Installation zunächst diverse Abhängigkeiten aufzulösen, so dass es auf jeden Fall einfacher ist, eins der zahlreichen, distributionsspezifisch angepassten Pakete zu nutzen. Wer vor dem individuellen Erstellen von Xfce dennoch nicht zurückschreckt, findet den Quellcode samt komfortablen Installationsassistent [5] auf der Heft-CD. Die wichtigsten Abhängigkeiten fasst die Tabelle "Voraussetzungen" zusammen.

Voraussetzungen

Bibliotheken Gtk+ 2.6 oder höher, LibICE, LibSM, LibXpm, ICEauth
Perl-Module URI::Escape, URI::file, URI::URL, XML::Parser

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