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Mobiles Meilenschwein

Grml 1.0: Live-CD für Geeks

01.07.2007
Wer eine komfortable Linux-Konsole, eine leistungsfähiges Rescue-CD oder auch einen schlanken X-Desktop sucht, wird bei Grml fündig.

Die auf Debian basierende Live-Distribution Grml [1] richtet sich speziell an Systemadministratoren und alle Freunde von textbasierten Tools. Sie unterstützt wie jede aktuelle Live-CD automatische Hardware-Erkennung und erfordert keine Installation auf der Festplatte. Während andere Live-CDs umfangreiche Softwarepakete wie KDE und OpenOffice mitbringen, konzentriert sich Grml auf die für das Zielpublikum relevante Software: Angefangen von Texteditoren wie Vim, Emacs, Joe, Jed, Nano und Pico über Netzwerktools wie Wireshark, Tcpdump, Hping und Scapy bis hin zum Textsatzsystem LaTeX bietet Grml insgesamt über 2500 Pakete auf der CD.

Das Entwicklerteam stellt seit der ersten Veröffentlichung im Herbst 2004 im Schnitt alle drei Monate eine neue stabile Version zur Verfügung. Zwischen den stabilen Versionen gibt es für Grml-Betatester und -Entwickler alle zwei bis drei Wochen Schnappschüsse des aktuellen Entwicklungsstandes.

Eine Anfang dieses Jahres vorgenommene Grml-Benutzerbefragung [2] ergab, dass der meistgehegte Wunsch die der Anwender die Unterstützung für 64-Bit-Systeme ist. Daher scheute das Grml-Team keine Mühen, um rechtzeitig zur Version 1.0 auch eine eine erste 64-Bit-Version namens Grml64 zu veröffentlichen. Die Notwendigkeit für eine explizite Unterstützung einer 64-Bit-Version liegt unter anderem darin, dass bei einer Systemrettung in der Lage sein muss, 64-Bit-Software der zu rettenden Installation ausführen zu können.

Neben der 32-Bit-Version Grml und der 64-Bit-Spielart Grml64 gibt es auch noch eine weitere Geschmacksrichtung namens Grml-small. Mit einer Größe von rund 60 MByte passt es auf kleinere USB-Sticks und visitenkartengroße CD-Rohlinge. Grml-small enthält weder Dokumentation noch das X-Window-System, die Auswahl an Software ist auf ein Minimum beschränkt. Grml-small lässt sich aber hervorragend dazu verwenden, einen Rechner (auch remote) ins Netzwerk zu bekommen, um dann bei Bedarf zusätzliche Software via apt-get update; apt-get install Paket nachzuinstallieren.

Was ist neu?

Mit der Versionsnummer 1.0 verknüpfen sich natürlich besondere Erwartungen. Viele Neuerungen haben Einzug in diesen Meilenstein gefunden, für den das Grml-Team daher den viel versprechenden Namen "Meilenschwein" auserkoren hat.

Da mittlerweile alle großen Distributionen auf UTF-8 als Standardkodierung setzen, wurde dies auch bei Grml dementsprechend umgesetzt. Wer mit grml lang=de bootet, bekommt jetzt automatisch eine deutsche UTF-8-Umgebung. Benötigen Sie noch den bisher üblichen ISO-Modus, wählen Sie die Bootoption lang=de-iso.

Das neue Skript grml2ram befördert das aktuell laufende System komplett in den Arbeitsspeicher, sodass sich Grml ohne CD weiter nutzen lässt. Das war bislang nur direkt beim Booten mit grml toram möglich. Der Arbeitsspeicher muss freilich für diese Betriebsart ausreichend dimensioniert sein. Um neben den 700 MByte von Grml noch genügend Freiraum zu haben, sollte das System daher über mindestens 1 GByte Arbeitsspeicher verfügen.

Weitere Details zu den Neuerungen finden Sie in den Release-Notes auf der Grml-Homepage[1].

Unter der Haube

Grml nutzt Debian-unstable als Basis, da es aktuelle Software mit dem stabilen, zuverlässigen und mächtigem Paketmanagement von Debian vereint. Damit mehr als 2 GByte an Software und Dokumentation auf einer 700 MByte-CD-ROM Platz finden, kommt eine Komprimierungstechnologie namens Squashfs [3] zum Einsatz.

Um im Live-Betrieb Konfigurationsdateien zu ändern oder Software nachzuinstallieren, dient Unionfs [4] dabei als sogenanntes Overlaysystem: Es schreibt modifizierte Daten in einen temporären Ordner, zeigt sie aber an der originalen Stelle in veränderter Form. Unionfs litt allerdings lange Zeit unter Stabilitätsproblemen, weswegen Grml in der aktuellen Version statt des Originals die von Junjiro Okajima entwickelte Variante Aufs [5] (Another Unionfs) einsetzt.

Während in den Anfangszeiten von Grml noch vorwiegend selbst geschriebene Skripte die Hardware-Erkennung übernahmen, kommt an dieser Stelle schon seit einiger Zeit Discover zum Zug. Es lädt alle relevanten Kernelmodule automatisch, während Anpassungen für Software-RAID, eine automatisch generierte /etc/fstab, die Netzwerkkonfiguration via DHCP und vieles mehr weiterhin über Eigenentwicklungen von Grml erfolgen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Grml erkennt beim Systemstart die vorhandene Hardware selbständig und bindet sie via Udev und Hotplug ein.

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