Fast jeder Computerbesitzer nutzt mittlerweile zumindest gelegentlich eines der zahlreichen Instant-Messaging-Systeme. Die bieten eine einfache Lösung, um unverbindlich über Landesgrenzen hinweg Kontakte aufzubauen, Dateien zu versenden, Konferenzen abzuhalten und sogar Bilder über eine Webcam auszutauschen. Derzeit mühen sich vor allem ICQ, AIM (AOL), Yahoo, Jabber und MSN (Microsoft Network) um die Gunst der Nutzer.
Früher ging es unter Linux hauptsächlich darum, die noch recht kleine und eher dem IRC zugetane Gemeinde an die unter Windows üblichen Messaging-Protokolle anzubinden. Heute basteln die Entwickler vornehmlich an den Fähigkeiten der einzelnen Clients oder machen diese mit Hilfe von Plugins protokollübergreifend verfügbar, wie etwa Kopete [1] oder Pidgin (ehemals Gaim) [2]. Ein Vertreter dieser Zunft widmet sich jedoch ausschließlich Microsofts hauseigener Lösung MSN: aMSN [3].
Installation
Bevor Sie sich auf eine Installation des aMSN-Client stürzen, steht ein Besuch bei Microsofts Internet-Portal MSN an. Auf der Site von Microsofts entsprechendem Produkt [4] stellen Sie fest, dass man auch in Redmond seine Produkte gern umbenennt und der MSN-Messenger nun Windows Live Messenger heißt.
Zum Glück will das Unternehmen beim Ausfüllen des Anmeldeformulars [5] nicht allzu viel wissen, so dass Sie nach dieser kurzen Prozedur eine so genannte Windows-ID in Form einer Hotmail-Adresse erhalten. Spam-Paranoiker müssen ihre echte E-Mail-Adresse nicht preisgeben, weil MSN auf das Verschicken eines Freischaltcodes verzichtet.
aMSN selbst steht in der Version 0.96 für die großen Plattformen Linux, Windows, Mac OS X und auch FreeBSD als Binary-Päckchen sowie im Quellcode bereit. Die meisten großen Distributionen führen aMSN mittlerweile in ihren Repositories, so dass Sie dieses Programm unkompliziert über den distributionseigenen Paketmanager installieren. Suse-Nutzer richten Gurus Repository [6] als zusätzlich Paketquelle ein, Ubuntu-Anwender schalten das Universe-Repository frei. Auch Nutzer von Fedora und Gentoo bedient die Seite.
Für alle anderen hält die Downloadseite der aMSN-Homepage [3] einen sehr schönen distributionsunabhängigen Installer bereit. Der beschert den Anwendern bereits an dieser Stelle ein altgewohntes Windows-Feeling (Abbildung 1). Sie starten das Skript mittels ./amsn-0.96-2.tcl84.x86.package. Eventuell fehlen noch die Rechte zum Ausführen der Datei, die Ihnen der Befehl chmod u+x amsn-0.96-2.tcl84.x86.package verleiht. Alles andere verläuft selbsterklärend.
Erste Kontakte
Ein erster Blick in das frisch gestartete Programmfenster offenbart neben der allgemein als hässlich empfundenen Tcl/Tk-Oberfläche auch Dialogfenster mit unvorteilhaften Proportionen. Teils sehen Sie Button-Texte nicht vollständig, teils müssen Sie Dialogfenster erst einmal per Hand vollständig aufziehen, um hinter deren Sinn zu gelangen (Abbildung 2). Zum Glück erweist aMSN sich als sehr flexibel und erweiterbar, so dass sich Ihre Augen allmählich wieder entspannen.
Beim Anmelden mit Ihrem gerade eingerichteten Benutzernamen gewährt Ihnen das Programm zwei Möglichkeiten: Entweder geben Sie lediglich die Hotmail-Adresse und Ihr dazugehöriges Passwort an, oder Sie erstellen ein Profil. Letzteres bietet die Möglichkeit, mit mehreren Zugängen zu hantieren. Sollten Sie bereits MSN-Nutzer sein, erscheint nun Ihre Buddylist, da Microsoft diese auf seinen Servern speichert. Nach einem Doppelklick auf den Online-Benutzer öffnet sich das Chatfenster. Erhalten Sie eine eingehende Nachricht, informiert Sie im Systembereich der Fußleiste ein kleines Popup-Fenster.
aMSN lässt sich völlig intuitiv wie ein gewöhnliches Instant-Messaging-Programm bedienen: Das zweiteilige Chat-Fenster hält Icons bereit, die es Ihnen erlauben die Schriftart zu ändern, Emoticons (Smileys) auszuwählen, weitere Personen einzuladen, Dateien zu versenden oder einen Videochat zu starten. Im Hauptfenster klicken Sie auf Ihren Avatar, um den Anwesenheitsstatus zu bestimmen und Einstellungen zu Ihrem Profil zu bearbeiten. Das Briefsymbol befördert Sie direkt auf das Webinterface Ihres E-Mail-Kontos bei Hotmail. Im Kontextmenü des Systembereichs lassen sich einige dieser Einstellungen auch vornehmen und auf Wunsch die Klänge abstellen. Die voreingestellten akustischen Signale fallen bei aMSN übrigens deutlich unaufdringlicher aus als etwa bei Kopete. Weniger positiv wirken sich nicht vollständig übersetzte Menüeinträge auf das Gesamtbild aus.



