Es gibt unter Linux nicht wenige VoIP-Lösungen, doch wer sich auf die Suche nach einer leicht bedienbaren und zugleich komfortablen Software macht, erlebt meist eine Enttäuschung. Die SIP-Lösungen bringen oft keine Verschlüsselung mit, ohne Manipulationen am Router und an der Firewall läuft gar nichts. Da machte es Skype vor einiger Zeit einfach, mit seinem proprietären Linux-Client den Open-Source-Markt aufzumischen. Doch nun gibt es Wengophone [1]: Das anfangs unbedienbare Stück Software mausert sich allmählich zum Allround-Talent.
Mit der aktuellen Version 2.1 rufen Sie andere Wengo-Nutzer kostenlos an, telefonieren ins Festnetz, aufs Handy, nutzen Videotelefonie, chatten, versenden Textnachrichten und halten Konferenzen ab. OpenWengo heißt das Projekt hinter der Software Wengophone. Die französische Neuf Cegetel Group unterstützt es finanziell, ohne seine Freiheit zu beschneiden. Zwar nutzen bisher hauptsächlich Menschen aus dem französischen Sprachraum die Software, das Projekt präsentiert sich aber auch zunehmend auf Events der Linux-Community und steigert so seine Bekanntheit.
Wengophone wartet dabei mit Features auf, die keine andere freie oder proprietäre VoIP-Lösung für Linux mitbringt – auch Skype nicht, das nur noch sporadisch Updates erhält und in der Linux-Version den Windows- und Mac-Clients ziemlich hinterher hinkt und noch immer keinen Video-Support mitbringt. In Sachen grafischer Oberfläche setzt das OpenWengo-Projekt auf Qt4. Die Kommunikation wickelt die Software über das SIP-Protokoll ab. Auch schön: Sie müssen keine Ports weiterleiten oder Firewalls bearbeiten, um die Software zu nutzen. Wengophone umgeht solche Probleme mit Hilfe eines HTTP-Tunnels.
Download und Installation
Die Software finden Sie auf der OpenWengo-Website und unserer Heft-CD. Das recht große Archiv bringt bereits alle nötigen Abhängigkeiten mit, Sie müssen also keine weiteren Pakete installieren. Kopieren Sie das .tar.bz2-Archiv in ein Verzeichnis Ihrer Wahl und entpacken Sie es auf der Konsole über den Befehl tar xvjf WengoPhone-2.1.0-linux-bin-x86.tar.bz2. Anschließend wechseln Sie in das neue Unterverzeichnis WengoPhone-2.1-minsizerel und rufen Wengophone über ./wengophone.sh auf.
Ein Fenster (Abbildung 1) bietet die Optionen Wengo-Zugang und Andere (nur für erfahrene Benutzer) an. Wählen Sie den zweiten Punkt, so konfigurieren Sie Wengophone mit einem SIP-Provider Ihrer Wahl – ein neues Feature. Das erweist sich als sinnvoll, wenn Sie den französischen Standard-SIP-Provider von Wengophone nicht erreichen oder die Sprachqualität an zu geringer Bandbreite leidet.
Gewöhnlich klicken Sie aber zunächst auf den blauen Link Du hast noch keinen Zugang? Klicke hier., um einen neuen Benutzer anzumelden (siehe Kasten "Zugang für Wengophone"). Besitzen Sie bereits einen Zugang, klicken Sie Weiter und geben anschließend Ihre E-Mail-Adresse und das Passwort an. Nach einem Klick auf Verbinden erscheint das Hauptfenster von Wengophone.
Nun müssen Sie eine merkwürdige kleine Prozedur vornehmen, um einen Bug zu umgehen. Wählen Sie zunächst Extras | Einstellungen | Sicherheitseinstellungen und schalten Sie über die entsprechende Checkbox die Verschlüsselung ein. Auch Ihr Gegenüber muss diese Funktion aktivieren. Klicken Sie dann auf Speichern. Sie beenden das Programm über einen Rechtsklick auf das Wengophone-Symbol in der Statusleiste und die Auswahl von WengoPhone beenden. Nach einem Neustart des Programms präsentiert sich die Software plötzlich in englischer Sprache. Über Tools | Configuration | Language | Deutsch stellen Sie die deutsche Sprache wieder ein. Nun kann es losgehen.
Zugang für Wengophone
Zur Anmeldung beim Provider klicken Sie auf den erwähnten Link, der eine Webseite aufruft. Dort geben Sie einen Nickname, ein Password sowie eine gültige E-Mail-Adresse an. Anschließend tragen Sie in die Eingabezeile die in dem Bild angezeigten Buchstaben und Ziffern ein – eine Art Spam-Prävention. Nach dem Setzen eines Häkchens neben den Lizenzbedingungen geht es mit einem Klick auf Continue weiter. Wengophone schickt Ihnen eine E-Mail, die einen Link enthält, den Sie anklicken müssen. Das etwas umständliche Prozedere gibt es vermutlich auch deshalb, weil Sie als Erstkunde ein Guthaben von 15 Cent erhalten. Massenanmeldungen lassen sich so verhindern.
Selbstbedienung
Im Wesentlichen besteht die Oberfläche von Wengophone aus vier Bereichen (Abbildung 2). Ganz oben finden Sie vier Symbole. Mit dem ganz linken füttern Sie Ihre Kontaktliste mit neuen Gesprächspartnern, über Kontakt finden starten Sie im Internet eine Suche nach einem Gesprächspartner. Über die restlichen beiden Symbole initiieren Sie wahlweise eine Telefonkonferenz oder versenden eine SMS. Die schwarze Leiste darunter zeigt neben Ihrem Benutzernamen auch Ihr aktuelles Guthaben an. Der farbige Punkt links neben dem Namen signalisiert dem Gegenüber, ob Sie gerade Zeit zum Telefonieren haben oder beschäftigt sind.
Im größten Bereich verwalten Sie unter Meine Kontakte Ihre Gesprächspartner. Im Register Verlauf zeigt Ihnen Wengophone, welche Telefonnummern Sie in letzter Zeit gewählt haben, was sich als praktisch erweist, wenn Sie eine Nummer nicht im Kopf haben. Der dritte Reiter zeigt ein Tastenfeld. Hier wählen Sie mit ein paar Mausklicks eine Nummer. Die Eingabe funktioniert allerdings auch über die Leiste, die sich unterhalb des Nummernfelds befindet. Rechts daneben sehen Sie einen roten und grünen Knopf mit Telefonhörern darauf, über die Sie Wengophone zum Wählen und Auflegen animieren.
Im vierten Bereich erledigen Sie die Konfiguration der Audio- und Video-Einstellungen. Zunächst zeigt die Fläche nur drei Icons an. Ein Klick auf das Telefon ganz rechts klappt ein Extrafeld heraus, das auf der rechten Seite Audio-Einstellungen und Video-Einstellungen erlaubt. Klicken Sie auf diese Symbole, wechselt die Software direkt in das Konfigurationsmenü, das Sie gewöhnlich über Extras | Einstellungen aufrufen. Vor dem Telefonieren sollten Sie Wengophone auf jeden Fall mit Ihrer Audio- und Video-Hardware bekannt machen, andernfalls bringt die Kommunikation wenig Spaß.



