B-Moll in Ardour

Musikproduktion mit Linux

Noch vor wenigen Jahren benötigten Tonstudios eine riesige Grundfläche, um beeindruckend teure Mehrspurmaschinen, Mischpulte sowie meterhohe Stapel von Effektgeräten unterzubringen. Heutzutage passt all das in einen handelsüblichen PC. Besser, aber nicht größer, sind Rechner mit speziell auf die Anforderungen im Tonstudio angepasster Hard- und Software, so genannte Digitale Audio-Workstations.

Während proprietäre Lösungen meist eine ordentliche Stange Geld kosten und zudem in der Regel nur für Windows oder Mac OS verfügbar sind, hat sich die Linux-Gemeinde in den letzten Jahren enorm ins Zeug gelegt, um auch das freie Betriebssystem fit für professionelles Arbeiten im Audiobereich zu machen. Als eine der interessantesten Entwicklungen positioniert sich dabei die freie Software Ardour [1], die gerade in Version 2.0 erschienen ist.

Das von Paul Davis inzwischen hauptamtlich betreute Projekt hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, einen vollwertigen Ersatz für etablierte Werkzeuge wie ProTools, Steinbergs Cubase oder Nuendo zu liefern. Obwohl die Entwickler damit ein professionelles Umfeld im Blick haben, profitiert auch der semiprofessionelle Heimanwender von dem Programm: Vom Produzieren einer einfachen Demo der eigenen Garagenband bis zum Digitalisieren und Remastern der einzigartigen Schallplattensammlung öffnet sich dem Musikliebhaber unter Linux ein weites Feld von Möglichkeiten.

Geschichte

Der frühere Amazon-Chefentwickler Paul Davis begann das Ardour-Projekt 1999 parallel zum ebenfalls hauptsächlich von ihm stammenden Sound Server Jack [2]. Die zunächst auf GTK1 basierende Anwendung durchlief eine Vielzahl von Alpha- und Betastadien, bevor die Entwickler im Oktober 2005 bekannt gaben, dass sie auf eine offizielle Version 1.0 verzichteten und sich stattdessen der Portierung auf die Gtk2-Bibliothek widmen wollten. Das erklärt den Versionssprung von zuletzt 0.99.3 nun direkt auf Ardour 2.0.

Die aktuellen Linux-Distributionen bieten Ardour 2 noch nicht als Paket an, die Installation aus den Quellen geht aber dank des Build-Werkzeugs Scons recht leicht von der Hand.

Installation

Zunächst die gute Nachricht: In OpenSuse 10.2 können Sie Ardour aus dem Paketmanager heraus installieren – vorausgesetzt, Sie binden die Installationsquelle [3] in YaST ein. Dann geben Sie einfach Ardour in das Suchfenster für neu zu installierende Software ein und installieren das Programm in der gewünschten Version. Auf demselben Wege richten Sie auch das unten genannte QJackCtl ein, das die Verbindung von Ardour zu Jack hält. Die schlechte Nachricht: Für alle andere Distributionen bleibt nur der im folgende beschriebene, recht umständliche Weg der Einrichtung aus den Quellen.

Zunächst installieren Sie mit dem Paketmanager Ihrer Distribution folgende Pakete, deren genaue Bezeichnung sich von Distribution zu Distribution unterscheiden kann – nutzen Sie im Zweifel die Suchfunktion: Scons, Python, Gettext und Pkg-config. Außerdem benötigen Sie die Development-Versionen folgender Bibliotheken: Libjack, Libxml2, Libart_lgpl, Libsamplerate, Libraptor, Liblrdf, Libglib2, Libgtk2, Libgnomecanvas2, Liblo und Libboost. Üblicherweise erkennen Sie die Development-Pakete am angehängten -dev oder auch -devel im Namen.

Sollten Sie eins oder mehrere diese Files nicht in Ihrem Distribution finden, hilft der – allerdings mitunter umständliche – Weg über die Webseite von Ardour. Sie listet alle Abhängigkeiten mit zugehörigen Weblinks auf. Nutzen Sie zusätzlich Ihren Paketmanager, um Bibliotheken oder Pakete zu installieren.

Öffnen Sie über [F4] ein Terminal-Fenster und wechseln Sie mit cd Verzeichnis in den Ordner, in dem das Ardour-Quelltextarchiv gespeichert ist. Entpacken Sie die Datei mit tar xjf ardour-2.0.2.tar.bz2 und wechseln Sie mit cd ardour-2.0.2 in das neue Verzeichnis. Den Übersetzungsvorgang starten Sie nun durch Aufruf des Kommandos scons. Sollten noch Bibliotheken fehlen, macht Sie die Routine darauf aufmerksam. War das Kompilieren erfolgreich, installieren Sie das Programm mit Root-Rechten durch scons install.

Da Ardour auf dem Jack Audio Connection Kit aufbaut, sollten Sie anschließend mit Ihrem Paketmanager das Programm QJackCtl installieren. Nach der Installation starten Sie diese Anwendung im Terminalfenster durch Eingabe von qjackctl &. Klicken Sie im Programm auf Setup, um die Programmoptionen zu ändern. Dort sollte insbesondere die Checkbox Realtime aktiviert sein.

Ergeben sich dadurch Probleme, so überprüfen Sie, ob Sie als Benutzer der audio-Gruppe angehören und die Datei /etc/security/limits.conf die Zeilen aus Listing 1 enthält. Fügen Sie diese Zeilen gegebenenfalls hinzu. Klicken Sie anschließend auf Start, um den Jack-Audioserver zu aktivieren. Starten Sie erst danach im Terminalfenster Ardour durch Eingabe von ardour2 &.

Listing 1
@audio - rtprio 99
@audio - nice -20
@audio - memlock 4000000

Aufgeräumte Oberfläche

Nach dem ersten Start öffnet sich ein Dialogfeld, in dem Sie ein neues Projekt anlegen oder ein vorhandenes laden (Abbildung 1). In den Vorversionen präsentierte Ardour dem Anwender sinnloserweise immer sofort den Editor, der bis zur Anwahl der Menüpunkte New oder Open aus dem Dateimenü aber unbenutzbar blieb.

Abbildung 1: Nach jedem Programmstart von Ardour kann der Nutzer ein neues Projekt anlegen oder ein vorhandenes öffnen.

Entscheiden Sie sich für ein neues, leeres Projekt, zeigt Ardour eine ordentliche und aufgeräumt wirkende Oberfläche (Abbildung 2). Obwohl diese nun auf Gtk2 basiert, lässt sie sich noch nicht über Themes im Aussehen verändern. Dennoch macht sie optisch einen wesentlich runderen Eindruck als die Gtk1-basierte Vorgängerversion.

Abbildung 2: Spurensuche unnötig: In der Standard-Ansicht präsentiert Ardour den Track-Editor.

Bei der ersten Version von Ardour liefen die ins Deutsche übersetzten Bildschirmtexte oft über die sichtbaren Bereiche der Schaltflächen hinaus; das gehört nun dank des Layout-Managements von Gtk2 der Vergangenheit an. Bei einem System, das für die Ausgabe von deutschen Texten konfiguriert ist, fällt zudem die vollständige und durchweg gelungene Übersetzung ins Auge – für ein Projekt, das sich mit einer solchen Schnelligkeit weiterentwickelt, keinesfalls selbstverständlich.

Wer im Audiobereich an komplexen Projekten arbeitet, benötigt eine hohe Bildschirmauflösung. In professionellen Studios sind daher zwei oder mehr miteinander verbundene Monitore Standard. Für das Heimstudio zu Hause ermöglicht Ardour aber auch die Arbeit mit kleinen Displays: Ragte bei früheren Versionen das Hauptfenster oft noch unverrückbar über den sichtbaren Teil hinaus, lassen sich in der aktuellen Version solche Ansichten anpassen.

Ein- und Ausgang

Bei Ardour handelt es sich im Grunde um einen Mehrspur-Harddiskrecorder mit angeschlossenem Mixer. Da diese Konstruktion ausschließlich virtuell existiert, begrenzt nur die Leistungsfähigkeit Ihres Rechners die Zahl der möglichen Tonspuren, die Sie gleichzeitig oder im Overdub-Verfahren aufnehmen können, um sie anschließend nach Belieben zu verschieben, zu schneiden, mit Effekten zu versehen und zu mischen.

Aufgenommenes Tonmaterial speichert Ardour im WAV-Format. Die Sample-Frequenz hängt dabei von der Audiohardware ab. Intern verwaltet Ardour seine Samples immer mit einer Größe von 32 Bit, was im Vergleich zur Qualität einer Audio-CD mit ihren 16-Bit-Samples einen größeren Dynamikumfang bedeutet.

Ardour kommuniziert nicht direkt mit den Ein- und Ausgängen der Soundkarte Ihres Rechners. Stattdessen benutzt es den Soundserver Jack. Eine komfortable Oberfläche zur Konfiguration von Jack bietet QJackCtl (Abbildung 3), das sich in den meisten Distributionen über den Paketmanager installieren lässt. In diesem Programm verbinden Sie physikalische Eingänge der Soundkarte mit den Eingängen Ihrer Audioanwendung; Sie können aber auch die Audioausgabe eines Programms in den Eingang eines anderen routen – etwa um Audiomixes in der Postproduktion nachzubearbeiten.

Abbildung 3: QJackCtl vereinfacht die Konfiguration des Jack Audio Servers.

Nach dem Start von Ardour sehen Sie den Track-Editor des Programms, in dem die einzelnen Spuren untereinander angeordnet sind. Eine Spur darf dabei mehrere, Regionen genannte Audiosegmente enthalten. Im Mixer verändern Sie bei einzelnen Tracks, getrennt von den anderen Spuren, zum Beispiel die Lautstärke oder die Position im Stereoklangbild.

Ardour bietet auch virtuelle Spuren, so genannte Playlists – ein Konzept, das man auch aus kommerziellen Programmen kennt: Zu jeder Spur gehört mindestens eine Playlist, die in einer Art Ablaufplan festlegt, welche Audiodaten zu welchem Zeitpunkt zu hören sind. Der Track-Editor stellt diese Playlists – wie bei Audiosequenzern üblich – als Abfolge von Regionen graphisch dar.

Achtung, Aufnahme!

Das alles klingt komplizierter, als es ist. In der Praxis lässt sich die Arbeit mit Ardour recht einfach an. Um eine Aufnahme zu starten, erzeugen Sie zunächst eine neue Spur: Klicken Sie auf Projekt | Spur/Bus hinzufügen.... Im folgenden Dialog übernehmen Sie der Einfachheit halber die Voreinstellungen: Mono, einzelne Spur, Normalmodus.

Nun sehen Sie im linken Teil des Track-Editors einen Kasten mit der Aufschrift Audio 1 sowie im Mixer, den Sie über Fenster | Mixer anzeigen aufrufen, einen neuen Kanalzug. Im Mixer weisen Sie der neuen Spur durch Klick auf Input einen Eingang zu. Dieser Eingang entspricht nicht etwa den physikalischen Line-In-Buchsen auf der Soundkarte; vielmehr handelt es sich um einen der virtuellen, in QJackCtl sichtbaren Eingänge.

Falls QJackCtl läuft, klicken Sie dort auf Connect und verbinden einen der Eingänge von alsa_pcm, zum Beispiel capture_1 in der Liste Readable Clients mit einem der Eingänge von Ardour auf der mit Writable Clients beschrifteten Seite (Abbildung 4). Haben Sie eine für professionelle Audioanwendungen konzipierte Soundkarte mit mehreren Ein- und Ausgängen, ermöglicht dieses Vorgehen ein recht flexibles Routing.

Abbildung 4: Im Connect-Fenster von QJackCtl routen Sie fast beliebig Signale zwischen Soundkarte und Audioanwendung.

Um nun tatsächlich von einem elektrisch verstärkten Instrument oder Mikrofon aufzunehmen, verbinden Sie den Ausgang des Verstärkers zunächst mit der Line-In-Buchse Ihrer Soundkarte. Schließen Sie dagegen eine Gitarre oder ein Mikrofon ohne Vorverstärker an, empfiehlt sich stattdessen die Mic-In-Buchse. In Ihrem bevorzugten Lautstärkemixer – unter KDE zum Beispiel KMix, unter Gnome etwa Gamix – markieren Sie den entsprechenden Kanal dann als Capture-Device und drehen die Lautstärke auf.

Markieren Sie die zuvor erzeugte Spur jetzt für die Aufnahme: Entweder klicken Sie direkt im Mixer von Ardour auf Aufnahme, oder Sie nutzen im Track-Editor neben der Spuransicht den roten Kreis mit der gleichen Funktion. Verfügen Sie über entsprechende Hardware, können Sie auch mehrere Spuren synchron zur Aufnahme auswählen, beispielsweise für Live-Aufnahmen auf mehreren Kanälen. Zum Starten der Aufnahme klicken Sie zuerst auf den großen Aufnahmeknopf in der Transportleiste direkt unterhalb der Menüs und dann auf den Wiedergabe-Schalter direkt daneben. Zum Beenden der Session klicken Sie auf Stop.

Regionen und Wiedergabelisten

Mit der Aufnahme haben Sie in Ardour eine neue Region erzeugt, die im Track-Editor in der Zeitleiste zu sehen ist. Zu dieser Region gehört eine Datei auf der Festplatte, die die eigentlichen Audiodaten enthält.

Für den Fall, dass Sie mit Ihrer Aufnahme unzufrieden sind, markieren Sie die neue Region einfach per Mausklick und drücken [Entf]. Dies löscht zwar die Region ohne Nachfrage, nicht aber die Audiodaten, die weiterhin auf der Festplatte lagern. Da Sie das Löschen aus diesem Grund problemlos rückgängig machen können, spricht man auch von nicht-destruktivem Arbeiten. Um alle unbenutzten oder misslungenen Audiodateien tatsächlich vom PC zu entfernen, wählen Sie Projekt | Aufräumen | Nicht benutzte Dateien entfernen und anschließend Müll leeren.

In der Praxis kommt es häufig vor, dass Sie zwar eine Aufnahme wiederholen, die alte Version aber erst einmal behalten möchten. Um zwischen verschiedenen Takes zu wählen, klicken Sie auf das kleine w direkt neben dem Aufnahmeknopf. Über Neu erzeugen Sie eine neue, leere Wiedergabeliste, die Regionen aufnehmen kann. Starten Sie nun eine neue Aufnahme, wechseln Sie über die Menüpunkte Audio1.1 und Audio1.2 zwischen den beiden Wiedergabelisten und damit zwischen den alternativen Versionen der Aufnahme hin und her.

Der Vorteil dieser Technik von Ardour gegenüber virtuellen Spuren anderer Sequenzer liegt darin, dass Sie jede Wiedergabeliste jeder beliebigen Spur zuordnen können – nicht nur der, in der Sie diese Liste ursprünglich erstellt haben. Diese Wahlfreiheit erreichen Sie über den Menüpunkt Aus allen auswählen.

Kopieren und Schneiden

Die großen Schaltflächen unterhalb der Menüleiste bilden die so genannte Transportleiste. Mit ihrer Hilfe spielen Sie Aufnahmen ab oder springen an den Anfang beziehungsweise das Ende eines Projekts. Die rote, senkrechte Linie im Track-Editor folgt dabei sekundengenau der aktuellen Position im Musikstück. Per Drag & Drop schieben Sie die Linie an jede beliebige Stelle im Song. Das geht schneller als langwieriges "Spulen".

Regionen lassen sich mit der Maus beliebig verschieben, duplizieren und schneiden. Alle Tools dafür finden Sie in der kleinen Werkzeugleiste unterhalb der Transportleiste. Um zum Beispiel einen kleinen Teil aus einer Aufnahme herauszuschneiden und ihn an einer anderen Stelle einzufügen, wählen Sie das Markierwerkzeug, das Sie an den zwei entgegengesetzten Pfeilen erkennen.

Ziehen Sie nun mit der Maus den Bereich der Region auf, den Sie duplizieren möchten. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine markierte Region und wählen Sie aus dem Kontextmenü Bearbeiten | Ausschneiden. Damit trennen Sie das Stück aus der Region heraus.

Per Rechtsklick auf eine beliebige Stelle im Track-Editor und der Wahl von Bearbeiten | An Mausposition einfügen kopieren Sie das Stück an einen anderen Platz. Auch die Schnittfunktionen von Ardour arbeiten nicht-destruktiv, lassen sich also zu jedem Zeitpunkt rückgängig machen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Eine Sache von wenigen Mausklicks: Über das Kontextmenü erledigen Sie den Audioschnitt in Ardour im Handumdrehen.

Spuren abmischen

Wollen Sie die Aufnahme erweitern, fügen Sie nach Belieben jederzeit weitere Tracks in Ihr Projekt ein und bespielen diese Spuren. Damit Sie bei der synchronen Aufnahme in eine neue Spur bereits vorhandene Spuren mithören können (Monitoring), müssen Sie im Mixer die relative Lautstärke der Spuren anpassen.

Dazu öffnen Sie über Fenster den Mixer oder drücken [Alt]+[M]. Im Mixer existiert für jede Spur ein so genannter Strip mit Lautstärkeregler, Pegelanzeige, Pan-Regler zum Einstellen des Stereobilds sowie Funktionen zum Solo- oder Stummschalten und zum Anwenden von Effekten (Abbildung 6). Spielen Sie Ihre Aufnahme ab und justieren Sie die Pegel, um einen akzeptablen Mix zu erzeugen. Falls sich die Pegelanzeigen zu träge verhalten, ändern Sie dieses Verhalten über Ansicht | Abfall der Pegelanzeigen.

Abbildung 6: Sieht fast aus wie im richtigen Tonstudio: Über den Mixer mischen Sie einzelne Spuren ab.

Effektvolles Musizieren

Im Unterschied zu anderen Digitalen Audio-Workstations verzichtet Ardour komplett auf eigene Dynamikprozessoren oder Equalizer, bietet aber die Option, diese in der Postproduktion von Audioaufnahmen unverzichtbaren Geräte extern einzubinden. Um solche Geräte von Ardour aus zu verwenden, können Sie alle Plugins benutzen, die auf der Basis der unter Linux gebräuchlichen LADSPA-API arbeiten.

Ardour unterstützt so genannte Pre- und Postfader-Plugins. Prefader-Plugins verändern das unbearbeitete Audiosignal; Postfader-Plugins bekommen die Daten erst, nachdem der Lautstärkeregler den Pegel bereits angepasst hat.

Um einen Equalizer zu benutzen, klicken Sie im Mixer-Strip einer Spur mit der rechten Maustaste in den leeren schwarzen Kasten direkt unter dem Aufnahme-Button und wählen aus dem Kontextmenü die Funktion Plugin einfügen. Suchen Sie einen Effekt aus der Liste aus und klicken Sie anschließend erst auf Hinzufügen und dann auf Verbinden. Haben Sie ein Effektgerät eingefügt, öffnen Sie per Doppelklick auf den Namen des Geräts einen Dialog, in dem Sie die Parameter des Effekts festlegen sowie über den Bypass-Schalter den Effekt ein- und ausschalten (Abbildung 7).

Abbildung 7: Ein Equalizer als Effektplugin hilft beim Einstellen der einzelnen Frequenzpegel.

Plugins einrichten

Falls Sie keine Plugins in der Liste finden, müssen Sie erst ein paar installieren. Eine gute Quelle dafür sind die TAP-Plugins [4] sowie die Plugins von Steve Harris [5], die Sie in der Regel über das Paketverwaltungstool Ihrer Distribution einrichten. Unter Debian/Ubuntu installieren Sie einfach die Pakete tap-plugins sowie swh-plugins, unter OpenSuse müssen Sie Ihren Installationsquellen das PackMan-Repository [6] hinzufügen. Dort finden Sie das Paket ladspa, das die Plugins enthält.

VST-Support

Kommerzielle Effektplugins folgen meist dem von der Firma Steinberg entwickelten VST-Standard. Auch Ardour unterstützt mittlerweile diesen Standard. Allerdings lassen die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit eher zu wünschen übrig: Manche Plugins stürzen ab, bei anderen bleiben wichtige Bedienelemente unsichtbar. Zudem setzt das Verwenden solcher Plugins voraus, das Ardour mit speziellen Optionen übersetzt wurde. Schließlich brauchen Sie auch noch Wine sowie das VST-SDK dafür [7]. Für echte Musiker, die sich mit solchen technisch eher komplexen Arbeiten nicht beschäftigen möchten, ist dieses Angebot daher wenig praktikabel. So bleibt im Moment nur die Hoffnung, dass VST-Plugins bald auch für LADSPA auf den Markt kommen.

Export

Haben Sie mit Ardour ein paar Spuren aufgenommen und daraus einen gut klingenden Mix erstellt, exportieren Sie Ihr Arrangement über Projekt | Exportieren | Exportiere Projekt als Audio-Datei. Dabei erstellt Ardour aus den Einzelspuren einen einfachen Stereomix. Dieses Wave-File können Sie schließlich auf eine CD brennen oder als Ogg-Vorbis- oder MP3-Datei encodieren.

Ardour verfügt jedoch auch über interessante Automatisierungsfunktionen für komplexe Mixes. Ein Klick auf das M unterhalb des Lautstärkereglers in jedem Mixer-Strip fördert vier Optionen zutage: Write zeichnet jede Bewegung des Reglers auf, Read bewegt den Regler dann analog zu den aufgezeichneten Daten. Play schaltet die Automatik ab, Touch entpuppt sich als Kombination von Write und Read. Über diese Automatisierungsfunktionen ändern Sie den Pegel einzelner Spuren innerhalb Ihres Songs und sorgen damit für abwechslungsreiche Nuancen im Mix.

Neuigkeiten

Erscheint Ihnen das Arbeiten mit virtuellen Reglern und Knöpfen in Ardour als zu wenig sinnlich, wird Sie folgende Neuigkeit interessieren: Ardour 2.0 macht es erstmals möglich, via MIDI Machine Control so genannte Control Interfaces zu benutzen. Damit steuern Sie verschiedene Parameter über richtige Schieberegler und Drehknöpfe und arbeiten so wie in einem echten Studio.

Erfreulich ist auch, dass Sie Ardour über MTC mit Kassettendecks und anderem Aufnahme-Equipment synchronisieren können, was zum Beispiel das Digitalisieren analoger Mehrspur-Aufnahmen möglich macht.

Anders als etwa das Programm Rosegarden [8] operiert Ardour als reiner Audiorecorder, MIDI-Signale angeschlossener Geräte verarbeitet das Programm in der aktuellen Version nicht. Bevor sich das in künftigen Releases eventuell ändert, müssen Sie mit anderen Sequenzern vorlieb nehmen, die Sie allerdings über Jack leicht mit Ardour synchronisieren. Zudem ist es möglich, die Audioausgabe eines Software-Synthesizers wie QSynth [9] in einen virtuellen Eingang von Ardour zu routen und auf diesem Wege dessen Sounds aufzuzeichnen.

Fazit

Ardour präsentiert sich in der Version 2.0 erfreulich stabil und umfangreich. Die Benutzeroberfläche hat gegenüber der Vorversion einen ordentlichen Schliff bekommen. Die Layout-Probleme einer Gtk1-Anwendung gehören damit der Vergangenheit an.

Trotz der Fülle von Funktionen wirkt die Oberfläche keineswegs überladen, sondern im Gegenteil sehr durchdacht, was eine intuitive Bedienung ermöglicht. Die meisten Funktionen lassen sich über Kontextmenüs erreichen, und nach kurzer Einarbeitungszeit arbeitet der Benutzer schnell und produktiv mittels Shortcuts.

So kann sich das freie Programm Ardour 2.0 sehen lassen und muss sich auch vor seinen ungleich teureren kommerziellen Konkurrenten wie Cubase oder Logic Audio nicht verstecken.

Glossar

Digitale Audio-Workstations

Eine Digitale Audio-Workstation (DAW) ist das in der Musikproduktion zentral verwendete Gerät zur Aufnahme, Abmischung und zum Mastering von Tonmaterial.

Scons

Ein Programm zum automatischen Erstellen von Programmen aus dem Quellcode, das ähnlich wie die Kombination von ./configure, make sowie make install arbeitet.

Themes

Vordefiniertes Set aus Farben und Grafiken, mit dem man die Bedienelemente einer GUI-Bibliothek im Aussehen anpassen kann.

Overdub-Verfahren

Bezeichnung für eine Arbeitsweise, bei der einzelne Spuren nacheinander aufgenommen werden oder neue Spuren den bereits bestehenden hinzugefügt werden.

Sample

Bezeichnung für die kleinste Einheit eines digitalisierten Tonsignals. Je höher die Sample-Frequenz ist, desto mehr Signale werden pro Sekunde verarbeitet.

Jack

Das Jack Audio Connection Kit ist ein Soundserver, der für professionelle Audioanwendungen optimiert ist.

Dynamikprozessoren

Effekte wie Limiter oder Kompressoren, die die Lautstärke eines Signals automatisch dem Pegel anpassen.

Equalizer

Ein Equalizer bietet die Möglichkeit, verschiedene Frequenzbereiche wie Bässe, Mitten oder Höhen eines Tonsignals unabhängig voneinander zu regeln.

LADSPA

Abkürzung für Linux Audio Developers Simple Plugin API. Unter Linux gebräuchlicher Standard für programmunabhängig verwendbare Effektplugins.

VST

Virtual Studio Technology, ein von der Hamburger Firma Steinberg entwickelter Standard für virtuelle Instrumente und Effektplugins.

Midi Machine Control

MMC ist ein Teil der MIDI-Spezifikation, der Funktionen zur Steuerung von Aufnahmeequipment beschreibt.

MTC

Midi Time Code ermöglicht die Synchronisation von Recordern über ein Zeit-Signal, das von einem als Master fungierenden Gerät gesendet wird.

Infos

[1] Ardour: http://www.ardour.org

[2] Jack Audio Connection Kit: http://jackaudio.org

[3] Open-Suse-10.2-Installationsquelle: ftp://packman.iu-bremen.de/suse/10.2

[4] TAP-Plugins: http://tap-plugins.sourceforge.net

[5] Steve Harris' LADSPA-Plugins: http://plugin.org.uk

[6] PackMan-Repository: http://packman.links2linux.de

[7] VST-SDK: http://www.steinberg.de/324_1.html

[8] Rosegarden: Eckhard Jokisch, "Virtuelles Studio", LinuxUser 07/2006, S. 58, http://www.linux-user.de/ausgabe/2006/07/058-rosegarden/

[9] QSynth: http://qsynth.sourceforge.net

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