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Westentaschen-PC

Nokias neuer Internet-Tablet im Test

01.06.2007 Mit dem neuen N800 ist dem großen Handyhersteller aus Finnland ein weiterer großer Wurf gelungen. Die Entwickler haben viele Schwächen des Vorgängers ausgebügelt und einige interessante Neuheiten hinzugefügt.

Bereits auf der GUADEC 2005, die damals Ende Mai in Stuttgart im Haus der Wirtschaft stattfand, waren viele Linux-Enthusiasten von Nokia entzückt. Dort stellte das Kommunikationsunternehmen ein sogenanntes Internet-Tablet für einen sehr erschwinglichen Preis vor. Da auf dem Gerät von Haus aus Linux läuft, fragten sich anfangs viele, wie es um die Qualität der Software steht.

Einige Hersteller hatten bereits versucht, sich mit ihrem Linux-basierten PDAs auf dem Markt zu etablieren – allen voran Sharp mit der Zaurus-Serie. Jedoch schafften sie es nicht in dem Maße, wie Nokia. Dies lag vor allem an den Vertriebskanälen. Vorsichtig ausgedrückt hatte Sharp es schlichtweg versäumt, den Zaurus außerhalb von Asien zu etablieren. Darin liegt sicher einer der Gründe, warum das Gerät bis heute ein Nischendasein fristet.

Nokia N800 – Technische Daten

Prozessor TI OMAP2420 (ARM1136), 330 MHz
Display 4,1 Zoll TFT, 800 x 480 Pixel, 65536 Farben, 225 ppi
Interner Speicher 128 MByte RAM, 256 MByte Flash
Zusatzspeicher 2 Steckplätze für SD, MiniSD, Micro-SD, MMC und RS-MSS
Schnittstellen 802.11b/g, Bluetooth 2.0, USB 2.0, Audio I/O
Audioformate AAC, AMR, MP2, MP3, RA, WAV, WMA
Bildformate BMP, GIF, ICO, JPEG, PNG, SVG-tiny, TIFF
Videoformate 3GP, AVI, H.263, MPEG-1, MPEG-4, RV
Playlist-Formate M3U, PLS
Sonderfunktionen Webcam, UKW-Radio
Akku Li-Polymer, 1500 mAh
Akkulaufzeit1 3,5 Stunden Sprache, 12 Tage Standby
Maße und Gewicht 75 x 144 x 13 mm, 206 g
Lieferumfang Zusatzstift, 128-MByte-MicroSD-Karte, Stereo-Headset, Ladegerät, Tasche, Datenkabel, Kurzanleitung
Listenpreis 399 Euro
Bezugsquelle http://www.nokia.de

(1) Herstellerangabe

Furore in der Linux-Welt

Nokia hingegen machte (fast) alles richtig: Zwar verspätete sich der Start des N770 etwas, als es aber im Herbst 2005 offiziell erhältlich war, machte das Internet-Tablet nicht nur in der Linux-Welt Furore. Für interessierte Entwickler gab es zudem die Möglichkeit, das N770 zu einem Preis von 99 Euro zu erwerben. Das große Interesse daran schlug sich auch in der immer größeren Anzahl von Projekten auf Nokias Community-Seite mit dem etwas seltsamen Namen Maemo [1] nieder.

Im Vergleich zum Zaurus setzte Nokia von Anfang an auf den Gnome/Gtk+/GStreamer-Stack, der unter der LGPL steht, womit das Unternehmen teure Lizenzgebühren einspart, wie beispielsweise bei Qt für kommerzielle Anwendungen anfallen. Bei Nokias Internet-Tablet-Serie kommen viele Bibliotheken aus Gnome zum Einsatz, darunter beispielsweise GConf zum Speichern der Konfiguration oder GnomeVFS, das den Zugriff sowohl auf lokale als auch entfernte Ressourcen erlaubt. Im Vergleich zur Desktopversion läuft die Kommunikation jedoch nicht über Orbit, die Corba-Implementation von Gnome, sondern über die desktopneutrale D-Bus-Infrastruktur.

Ein kurzer Blick unter die Haube des neuen N800 offenbart den im Vergleich zum N770 potenteren Prozessor, der mit 330 MHz Taktfrequenz läuft, üppige 128 MByte Arbeitsspeicher sowie 256 MByte internen Speicher zur Ablegen von Programmen. Das Gerät hält laut Hersteller im Sprachbetrieb 3,5 Stunden durch; im Standby bleibt die Hardware 12 Tage einsatzbereit.

Der erste Kontakt

Nokia liefert bei dem Gerät mit einem Preis von 399 Euro unter anderem ein nettes Etui, einen Kopfhörer sowie eine 128-MByte-MiniSD-Karte mit. Nach dem Auspacken fällt auf, dass das N800 im Vergleich zum N770 in etwa die gleichen Ausmaße hat. Ein praktischer Ständer mit zwei Einstellstufen sorgt für den richtigen Stand des Geräts auf dem Tisch. So haben Sie beim Datensynchronisieren beide Hände zum Arbeiten frei.

Positiv fällt auch auf, dass das N800 mit einem Paar integrierten Lautsprechern daherkommt. So steht dem sofortigen Genuss von Musik oder Filmen im Stereoformat nichts entgegen. Im Vergleich zum N770 bietet der Nachfolger zwei Slots für MicroSD-/MiniSD-/MMC-/SD-Karten. Im Test zeigte sich, dass das Gerät gut mit SDHC-Karten zusammenarbeitet. Es ist daher möglich, das N800 mit rund 4 GByte Speicherplatz zu bestücken, zumal die Preise für SD(HC)-Karten derzeit fallen.

Etwas versteckt präsentiert sich eine tolle Neuheit: Auf der linken Seite des Internet-Tablet versteckt sich eine Mini-Webcam, die durch einen leichten Druck aus dem Gehäuse hervorkommt. Die Auflösung der Kamera liegt zwar im unteren Bereich, reicht jedoch mit 640x480 Bildpunkten für Chats à la Skype.

Auf der rechten Seite integrierten die Entwickler den Stift, mit dem Sie das Gerät bedienen, eine richtige Tastatur existiert nicht. Außerdem finden sich hier der Kopfhörerausgang, der Stromanschluss und ein Mini-USB-Anschluss zum Verbinden mit dem heimischen PC. Letzterer offenbart sich nur, sofern der Ständer nach hinten einrastet. Das Gerät erlaubt es, die beiden Speicherkarten via USB zu mounten; den Zugriff auf den internen Speicher verweigert die Hardware jedoch.

Neu hinzu kam auch das eingebaute Radio. Es setzt voraus, dass ein angeschlossener Kopfhörer als Antenne fungiert. Tut er dies, steht dem Radiogenuss unterwegs nichts mehr im Wege. Die mitgelieferte Software macht das Bedienen des Empfängers sehr einfach.

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Infos zum Autor

Christian Meyer

Linux-Nutzer seit 1996, aktiv bei Gnome zwischen 2000 und 2006.


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LinuxUser 06/2012

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