Sucht man bei Google nach "Erde", landet man schnell bei einem Produkt aus gleichem Hause: Google Earth [1]. Das Programm bringt unter Windows, Mac OS und Linux hochauflösende Luftaufnahmen der gesamten Erdoberfläche auf den Bildschirm und garniert sie mit Zusatzinformationen von Wikipedia [2] sowie Fotos von Panoramio [3].

Auf den Schirm!

Voraussetzung für den Einsatz von Google Earth unter Linux ist eine Oberfläche mit funktionierender 3D-Beschleunigung. Ansonsten stellt die Software keine allzuhohen Ansprüche, ein Prozessor mit 500 MHz und 128 Megabyte Arbeitsspeicher genügt. Allerdings empfiehlt Google eine 2,4-GHz-CPU sowie 512 Megabyte RAM, um lästige Verzögerungen im Bildaufbau zu vermeiden. Da Google Earth die Bilddaten während der Benutzung herunterlädt, beschleunigt außerdem eine möglichst schnelle Internetanbindung den Betrieb. Im Kasten "Installation" lesen Sie, wie Sie Google Earth unter Linux einrichten.

Installation

Nach einem Klick auf den Link Download auf der Google-Earth-Webseite [1] landet die Datei GoogleEarth.bin auf der Festplatte. Dabei handelt es sich um das Installationsprogramm. Der Start erfolgt über die Kommandozeile mit sh GoogleEarth.bin im Verzeichnis, in dem Sie die Datei gespeichert haben.

Rufen Sie die Installationsroutine mit Root-Rechten aufrufen, so erstellt das Installationsscript Google Earth im Verzeichnis /usr/local/google-earth; der Link auf den Startbefehl googleearth landet in /usr/local/bin. Dieser Ordner gehört meist zum Suchpfad für ausführbare Dateien aller Benutzer, sodass auf diese Weise nach der Installation gewöhnlich alle Anwender des Systems Zugriff auf Google Earth haben.

Verfügen Sie nicht über Root-Rechte oder möchten Sie Google Earth nicht für alle Anwender installieren, funktioniert die Installation mit Benutzerrechten ebenfalls. Das Programm fragt dann nach dem Zielverzeichnis und schlägt vor, googleearth unterhalb des eigenen Home-Directories anzulegen. In diesem Fall wechseln Sie nach der Installation nach /home/benutzer/googlearth und starten das Programm mit dem Befehl ./googleearth.

Nach dem Start von Google Earth findet sich der Betrachter flugs im Weltall wieder und schaut auf die Erde hinab. Die Navigation durch die Welt erfolgt mit der Maus: Mit gedrückter linker Maustaste drehen Sie den Globus in alle Richtungen; mit dem Mausrad vergrößert und verkleinern Sie den sichtbaren Ausschnitt. Bei gedrückter der rechten Maustaste und gleichzeitigem Ziehen der Maus zoomen Sie ebenfalls näher an die Erdoberfläche heran oder von ihr weg.

Grundfunktionen

Suchen Sie einen bestimmten Ort, geben Sie diesen ins Suchfeld ganz oben im Register Anfliegen ein. Bei diesem Ort kann es sich um ein Land handeln oder eine Stadt – sogar Straße und Hausnummer funktioniert. Nach der Bestätigung durch [Eingabe] erfolgt ein Flug zum gefundenen Ort; fällt die Bezeichnung nicht eindeutig aus, liefert das Programm eine Liste der Treffer, aus der Sie per Doppelklick den gewünschten Eintrag wählen.

Theoretisch funktioniert der Direktflug auch zu geografischen Orten, etwa dem Mount Everest oder den Everglades. Die Zugspitze ist Google Earth in dieser Schreibweise allerdings unbekannt, und die Suche nach dem Montblanc führt irritierender Weise nach Äthiopien. Im Zweifelsfall verwenden Sie für diese Suche am besten internationale Schreibweisen ("Mont Blanc du Tacul").

Der Reiter Branchen unterstützt Sie bei der Suche nach kommerziellen Einrichtungen; beispielsweise finden Sie damit alle Restaurants in einer Stadt, die bei Google verzeichnet sind. Geben Sie dazu im Feld Was entweder einen konkreten Namen oder eine Kategorie wie Hotels ein. Unter Wo wählen Sie entweder einen bereits zuvor im Programm gesuchten Ort aus oder tragen eine Stadt manuell ein. Ein Druck auf [Eingabe] führt wiederum zu einer Liste von Suchtreffern, die das Programm auf der Karte markiert.

Das Register Wegbeschreibung schließlich bietet die Möglichkeit, die Strecke zwischen zwei Orten berechnen zu lassen. Geben Sie dazu in den Feldern Von und Nach zwei Adressen an. Das Programm zeigt daraufhin in der Karte die Strecke an und versieht sie mit Hinweisen auf wichtige Stellen und Straßen.

Ein kleiner Scherz am Rande: Sucht man nach einer Strecke, die mit dem Auto nicht ohne weiteres zurückzulegen ist, beispielsweise von Frankreich nach England, führt Google Earth Sie bis zum Meer und gibt dann die Routenempfehlung: "Schwimmen Sie durch den Atlantik" (Abbildung 1). Ansonsten aber funktioniert die Wegbeschreibungsfunktion fehlerlos und weist auf Wunsch auch auf Sehenswürdigkeiten an der Strecke und gegebenenfalls wichtige Fakten wie gebührenpflichtige Straßen hin.

Abbildung 1: Die Wegbeschreibungsfunktion errechnet die Strecke zwischen zwei Orten. Liegt Wasser dazwischen, empfiehlt Google Earth ein Bad.

Nicht von oben herab

Google Earth bietet seinen Benutzern aber mehr, als eine fotografische Karte der Erde. Beim Navigieren durch die Welt stößt man auf Symbole, die Fotos von Panoramio [3], lokale Webcams und Wikipedia-Einträge (Abbildung 2) einbetten und nach einem Mausklick anzeigen.

Abbildung 2: Google Earth bedient sich der Internet-Community, um beispielsweise über Wikipedia Zusatzinformationen zu Orten und geografischen Gegebenheiten einzubetten.

Derlei Informationen sind schon durch die Auswahl nie völlig neutral; bei Wikipedia sorgt die große Community selbst aber für weitgehende Objektivität. Beim Bildanbieter Panoramio spielt die Popularität von Bildern eine zentrale Rolle bei der Entscheidung, welche Aufnahmen schließlich in Google Earth landen.

In einer anderen Aktion verhält Google Earth sich bewusst subjektiv: In Zusammenarbeit mit dem Holocaust-Erinnerungsmuseum in den USA richtet das Programm derzeit die Aufmerksamkeit der Besucher auf den andauernden Krieg in der sudanesischen Provinz Darfur (Abbildung 3). Flammen weisen auf zerstörte Dörfer hin, daneben zeugen Berichte, Fotos und nackte Tatsachen von der Situation vor Ort. Das Holocaust-Erinnerungsmuseum möchte so die etwa 200 Millionen Benutzer von Google Earth erreichen, und sorgt damit für einen Beleg der wichtigen Rolle, die diese Software als Medium spielt.

Abbildung 3: Google Earth kooperiert mit dem amerikanischen Holocaust-Erinnerungsmuseum, um im Rahmen eines Genozidpräventionsprogramms auf den Krieg in der sudanesischen Provinz Darfur hinzuweisen.

Haus für Haus

Die via Google Earth abrufbaren Aufnahmen von Satelliten und Flugzeugen sind naturgemäß zweidimensional, was insbesondere dann auffällt, wenn Sie den Ansichtswinkel ändern. In der Standardperspektive blicken Sie senkrecht auf die Erde hinunter. Drücken Sie [Umschalt] und drehen das Mausrad nach vorne, ändern Sie den Anstellwinkel und schauen flacher auf Ihr Zielbild.

In der Standardeinstellung wirken mit dieser Perspektive sämtliche Gebäude unrealistisch flach. Aktivieren Sie im Bereich Ebenen unten in der Leiste die Option 3D-Gebäude, erscheinen die Fassaden bereits erfasster Gebäude dreidimensional, so dass Sie sie auch aus schräger Perspektive realistischer aussehen.

Die Darstellung von Gebäuden in der dritten Dimension erfordert jedoch wesentlich mehr Aufwand, als das Abfotografieren von oben. Von jedem Haus benötigt die Software ein Modell, aus dem sie die Proportionen in Abhängigkeit von der Perspektive errechnet. Am weitesten fortgeschritten ist die Erfassung bei US-amerikanischen Städten, doch auch hier beschränkt sie sich meist auf die Innenstädte. Außerdem fehlen von den meisten Gebäuden Fotos von Fassaden, so dass die Außenwände der dreidimensional modellierten Häuser weiß bleiben wie im Beispiel von New York in Abbildung 4.

Abbildung 4: Vor allem bei US-amerikanischen Städten ist die dreidimensionale Modellierung der Gebäude schon fortgeschritten. Allerdings fehlen auch hier noch Fotos der Fassaden der meisten Häuser.

Auch in deutschen Großstädten wie Berlin und Frankfurt (Abbildung 5) hat Google Earth bereits einige Gebäude in dritter Dimensionen erfasst. Allerdings betrifft dies bislang nur einige architektonisch oder aus anderen Gründen interessante Gebäude; für eine realistische Darstellung des Stadtbilds reichen die Daten noch nicht aus.

Abbildung 5: Wächst ebenfalls in die dritte Dimension: die Skyline von Frankfurt.

Community-Beiträge

Wem die offiziell in Google Earth integrierten 3D-Gebäude nicht genügen, findet über die Produkt-Homepage [1] unter dem Link 3D-Gebäude anzeigen weitere Gebäude, die von Google-Nutzern zusammengetragen worden sind. Laden Sie die Datei 3D_Warehouse_de.kmz herunter und öffnen Sie diese in Google Earth über den Menüpunkt Datei | Öffnen. Nun erscheinen auf der Karte in vielen Regionen der Erde, insbesondere den Großstädten, durch Haus-Symbole gekennzeichnete zusätzliche 3D-Gebäude.

Die Google-Earth-Homepage hält darüber hinaus unter Empfehlungen Dateien zum Download bereit, die Koordinaten und optional auch Beschreibungen bekannter Sehenswürdigkeiten und anderer Plätze enthalten. Diese Dateien mit der Endung .kml stellt nicht nur Google zur Verfügung: Mithilfe solcher Dateien können Benutzer auch untereinander Informationen über für sie interessante Orte austauschen.

Findige Google-Earth-Anwender publizieren beispielsweise auf [4] ihre Entdeckungen und machen darüber mehr oder weniger spektakuläre Aufnahmen der Natur, von Fahrzeugen, Häusern oder militärischen Einrichtungen bekannt. Um .kml-Dateien in Google Earth zu integrieren, laden Sie diese herunter und öffnen Sie ebenfalls mit Datei | Öffnen.

Insbesondere die militärischen Fundstücke haben Google Earth von verschiedenen Regierungen auch Kritik eingebracht. So mancher Terrorfahnder fürchtet, militärische Gegner und Terroristen könnten die Bilder nutzen, um Angriffe zu planen. Als Reaktion hat Google zahlreiche Aufnahmen von Militärbasen und Regierungsgebäuden so viel Schärfe genommen, dass nur noch grobe Pixel zu sehen sind.

Für Profis

Gegen eine Gebühr von 20 US-Dollar jährlich avancieren Sie zum Google-Earth-Plus-Kunden. Der Google-Server behandelt ihre Anfragen dann bevorzugt und ermöglicht damit eine bessere Performance. Zudem bietet Google Earth Plus Unterstützung für GPS-Koordinaten (Global Positioning System). Im Preis enthalten sind außerdem professioneller Support per E-Mail und die Möglichkeit zum Ausdruck hochauflösender Bilder.

Eine weitere Variante, Google Earth Pro, steht nur Benutzern von Windows- und Mac-OS-Betriebssystemen offen. Für den stolzen Preis von 400 US-Dollar lassen sich damit KML-Dateien automatisch erstellen sowie Flüge automatisch in Videodateien exportieren.

Fazit

Ein schneller Rechner mit guter Grafikkarte und eine schnelle Internetverbindung sind Voraussetzung für einen ruckelfreien Flug über die Erde. Dann aber bietet Google Earth faszinierende Reisemöglichkeiten vom Schreibtisch aus.

Infos

[1] Google Earth: http://earth.google.com

[2] Wikipedia: http://de.wikipedia.org

[3] Panoramio: http://www.panoramio.com

[4] Google Earth Community: http://bbs.keyhole.com

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