Nicht von oben herab

Google Earth bietet seinen Benutzern aber mehr, als eine fotografische Karte der Erde. Beim Navigieren durch die Welt stößt man auf Symbole, die Fotos von Panoramio [3], lokale Webcams und Wikipedia-Einträge (Abbildung 2) einbetten und nach einem Mausklick anzeigen.

Abbildung 2: Google Earth bedient sich der Internet-Community, um beispielsweise über Wikipedia Zusatzinformationen zu Orten und geografischen Gegebenheiten einzubetten.

Derlei Informationen sind schon durch die Auswahl nie völlig neutral; bei Wikipedia sorgt die große Community selbst aber für weitgehende Objektivität. Beim Bildanbieter Panoramio spielt die Popularität von Bildern eine zentrale Rolle bei der Entscheidung, welche Aufnahmen schließlich in Google Earth landen.

In einer anderen Aktion verhält Google Earth sich bewusst subjektiv: In Zusammenarbeit mit dem Holocaust-Erinnerungsmuseum in den USA richtet das Programm derzeit die Aufmerksamkeit der Besucher auf den andauernden Krieg in der sudanesischen Provinz Darfur (Abbildung 3). Flammen weisen auf zerstörte Dörfer hin, daneben zeugen Berichte, Fotos und nackte Tatsachen von der Situation vor Ort. Das Holocaust-Erinnerungsmuseum möchte so die etwa 200 Millionen Benutzer von Google Earth erreichen, und sorgt damit für einen Beleg der wichtigen Rolle, die diese Software als Medium spielt.

Abbildung 3: Google Earth kooperiert mit dem amerikanischen Holocaust-Erinnerungsmuseum, um im Rahmen eines Genozidpräventionsprogramms auf den Krieg in der sudanesischen Provinz Darfur hinzuweisen.

Haus für Haus

Die via Google Earth abrufbaren Aufnahmen von Satelliten und Flugzeugen sind naturgemäß zweidimensional, was insbesondere dann auffällt, wenn Sie den Ansichtswinkel ändern. In der Standardperspektive blicken Sie senkrecht auf die Erde hinunter. Drücken Sie [Umschalt] und drehen das Mausrad nach vorne, ändern Sie den Anstellwinkel und schauen flacher auf Ihr Zielbild.

In der Standardeinstellung wirken mit dieser Perspektive sämtliche Gebäude unrealistisch flach. Aktivieren Sie im Bereich Ebenen unten in der Leiste die Option 3D-Gebäude, erscheinen die Fassaden bereits erfasster Gebäude dreidimensional, so dass Sie sie auch aus schräger Perspektive realistischer aussehen.

Die Darstellung von Gebäuden in der dritten Dimension erfordert jedoch wesentlich mehr Aufwand, als das Abfotografieren von oben. Von jedem Haus benötigt die Software ein Modell, aus dem sie die Proportionen in Abhängigkeit von der Perspektive errechnet. Am weitesten fortgeschritten ist die Erfassung bei US-amerikanischen Städten, doch auch hier beschränkt sie sich meist auf die Innenstädte. Außerdem fehlen von den meisten Gebäuden Fotos von Fassaden, so dass die Außenwände der dreidimensional modellierten Häuser weiß bleiben wie im Beispiel von New York in Abbildung 4.

Abbildung 4: Vor allem bei US-amerikanischen Städten ist die dreidimensionale Modellierung der Gebäude schon fortgeschritten. Allerdings fehlen auch hier noch Fotos der Fassaden der meisten Häuser.

Auch in deutschen Großstädten wie Berlin und Frankfurt (Abbildung 5) hat Google Earth bereits einige Gebäude in dritter Dimensionen erfasst. Allerdings betrifft dies bislang nur einige architektonisch oder aus anderen Gründen interessante Gebäude; für eine realistische Darstellung des Stadtbilds reichen die Daten noch nicht aus.

Abbildung 5: Wächst ebenfalls in die dritte Dimension: die Skyline von Frankfurt.

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